Dann fiel mir auf: Oh, das ist ja an einem Samstag.
Samstags gehen wir doch morgens immer 'ne Stunde schwimmen. Watt
nu?
Mensch Klaus, ging es mir durch den Kopf, Du nennst
Dich doch einen Triathleten. Da wirst Du doch wohl nach 2-3 km
schwimmen noch 21km laufen können. Schließlich musst
Du dazwischen nicht auch noch 90 km Rad fahren (um den Half-Ironman
zu komplettieren), sondern kannst Dich ausruhen und frühstücken.
Jetzt konnte nur noch das Wetter in die Quere
kommen. Anfang Dezember, Winteranfang: eiskalter Wind, Sch...
nee: 12 Grad, ein leichtes Lüftchen und sogar etwas Sonnenschein.
Einen Halbmarathon im Fredenbaumpark?
Beim Westfalentriathlon
bin ich dort für die 5 km 2 Runden gelaufen, und viel größer
kann man die Runden auch nicht machen. Ach, was soll's. Wenn andere
10.000 m im Stadion laufen, werde ich doch wohl 7-8 Runden im
Park drehen können. Hoffentlich verzähle ich mich nicht.
Auf geht's!
Um 7:45 Uhr im Schwimmbad. Draußen ist es
noch dämmrig, aber das Wasser ist schön nass, klar und
wohltemperiert. In einer Stunde 100 lockere Bahnen Slalomkraul
zwischen den Rentnern. Das ist z.Z. mein wöchentliches Schwimmpensum.
Um 9:30 Uhr am Frühstückstisch. Auf
mein Müsli wollte ich nicht verzichten. Das merkte ich dann
später noch - hatte aber zum Glück keine negativen Auswirkungen.
11:25 Uhr - Ankunft im Park. Der Weg zum Parkplatz
kreuzt die Laufstrecke, wo noch der 10K zu Gange ist. Ich steige
aus, hole meinen Rucksack aus dem Kofferrraum und laufe voraus.
Muss mich ja noch nachmelden.
11:29 Uhr - Mit einem Blick auf die Uhr, noch
eine Minute, lässt man mich
noch nachmelden. "Jetzt müssen Sie aber laufen."?
Was hat das denn zu bedeuten?
Auf dem Weg zurück kommen mir heftig diskutierende
Läufer entgegen. "Ich will mein Geld zurück!"
höre ich. "Der Streckenposten hat uns auf den falschen
Weg geführt!" höre ich auch.
Na Prost Mahlzeit.
Erstmal Claudia und das Auto suchen - um die Zeit
natürlich ganz am Ende des Parkplatzes. Von unserem Parkplatznachbarn
erfahren wir, dass es vier 5-km-Runden sein werden, ziemlich unübersichtlich.
Kann ich verstehen. Irgendwo scheint es einen Streckenplan zu
geben. Muss ich in der Hektik wohl übersehen haben.
Umziehen (sprich: die oberste Lage Kleidung entfernen),
etwas einlaufen, noch schnell ein gewisses Örtchen besuchen
und zum Start.
Wo ist der Start?
Ich sehe zwei Startbänder, aber da ist niemand
der auch den Halben laufen will. Zum Glück höre ich
eine Stimme, die jemandem mit Startnummer viel Erfolg wünscht.
Der läuft nun davon, ich hänge mich dran.
Nach einem halben Kilometer, noch kein Start zu
sehen, hole ich ihn ein, und frage vorsichtshalber ob er auch
den HM läuft, und ob er wüsste wo der Start ist. Er
läuft auch nur jemandem hinterher, von dem er hofft, der
werde zum Start laufen.
Ein paar hundert Meter weiter taucht dann das
nächste Startband auf (später sehe ich noch ein viertes),
und hier sammeln sich tatsächlich Läufer mit Startnummer,
etwas unter 100 sind es.
Viel Zeit ist nun nicht mehr.
Kurze Ansage vom Starter - alles ganz einfach.
Immer nur dem Flatterband folgen, und an den Bäumen sind
auch Wegweiser. Nun gut.
12 Uhr - Start des letzten Rennens dieser Veranstaltung.
Erst 1.1 km um auf die 5km-Runde zu gelangen.
Es ist genug Platz, und ich versuche mein Tempo
zu finden, bzw. mich ein paar Leuten im richtigen Tempo anzuschließen.
Tempogefühl habe ich bei der Verteilung der
guten Eigenschaften nicht abbekommen. Aber es soll ja jeder km
ausgeschildert sein. Erst kommt nix, dann eines mit einer 5. Hmmm,
ist das für unseren Lauf? Egal, einfach mal auf den roten
Knopf drücken.
Die nächsten Zwischenzeiten sehen sehr seltsam
aus. Mal 4:30, mal 5:30. Bin total verwirrt. Als der Puls die
90%-Marke erreicht merke ich endlich, dass die Truppe doch zu
schnell für mich ist.
Bei der späteren Auswertung stelle ich dann
fest, dass ich die ersten 6.1 km im 10K Tempo gelaufen sein muss.
Ooops.
Nach ein paar km eine Verpflegungsstelle, die
ich jetzt noch links liegen lasse.
Die erste Runde ist geschafft - auch wenn mir
nicht klar ist, wo sie denn nun anfängt oder aufhört,
aber ich habe ja den Plan nicht gesehen. Es geht sehr kurvenreich
durch den Park. Einige Kurven sind fast schon Wendestellen. Die
Orientierung fällt wirklich schwer.
"Dem Flatterband folgen" ist zwar richtig,
aber man sieht teilweise auch das Band vom späteren Verlauf
oder den vorigen Läufen, wo es doch nun rechts weggeht. Kurz
mal nicht aufgepasst und schon kann es passiert sein.
Nun ja, die Strecke kenne ich nun, und weiß,
wo ich aufpassen muss. So werde ich, beim Versuch den Puls unter
90% zu halten, kontinuierlich langsamer. Auch egal. Muss ja auch
sehen, ob ich unter den heutigen Voraussetzungen überhaupt
durchkomme oder einbreche.
Ab der zweiten Runde dann jeweils einen Becher
Tee. Schön warm und süß! Und jede Runde lasse
ich mir da mehr Zeit.
Ab Runde 3 wird es beschwerlich. Immerhin, kurz
vor dem Ende der 3. Runde weist uns ein Streckenposten darauf
hin, dass hier beim nächsten Durchlauf die Abzweigung zum
Ziel sei. Das höre ich gerne.
In Runde 4 sehne ich wirklich das Ziel vorbei.
Ich werde weiter langsamer. Bei der Auswertung sehe ich hinterher,
dass ich jede Runde 30 Sekunden verloren habe.
Das Schild für km 4 naht, jetzt sollte es
nur noch ein Kilometer sein, oder? Ich ziehe das Tempo etwas an
und überhole noch ein paar Leute. Die Abzweigung kommt und
ich kann sogar noch sprinten.
Mit 1:45:21 komme ich ins Ziel, nur 27 Sekunden
über meiner PB. Den 5min-Pace beim HM zum zweiten Mal geknackt.
Den letzten km noch einmal in 4:28. Nun ja, dafür ging der
Puls auch auf 98% hoch.
Klar bin ich damit zufrieden. Und genauso klar
ist mir, dass es ohne das Schwimmen und das viel zu hohe Anfangstempo
auch eine PB hätte werden können. Ist aber egal. War
nicht geplant. Die ist dann eben nächstes Jahr dran.
Gleich etwas trinken, und Claudia bringt mir auch
noch eine leckere Waffel mit Puderzucker. Danach schnell umziehen
und etwas spazieren gegangen.
Wir hören, dass schon die Siegerehrung läuft.
Also nichts wie hin. Hier werden nicht nur die ersten 3 jeder
Altersklasse aufgerufen, sondern alle. Dauert dadurch zwar etwas
länger, aber dafür muss man nicht lange nach seiner
Urkunde suchen.
Fazit:
Auch wenn das Training der letzten Wochen weder zielgerichtet
noch optimal war, hat es sich vermutlich gelohnt nicht auf die
langen Läufe zu verzichten (am Sonntag davor noch 27 km).
Die Veranstalter können sicher noch einiges
verbessern. Zum Beispiel: kleine Schilder, 3 oder 4 zeilig beschriftet,
in 3 m Höhe an den Bäumen kann sicher nicht nur ich
im Laufen schlecht lesen.
Oder: eine Karte mit Kurs und Startpositionen
mit der Ausschreibung ins Netz stellen, damit man sich vorher
schon orientieren kann.
Aber es war schließlich auch eine Premierenveranstaltung,
und ich habe den Eindruck, dass es beim Halbmarathon schon besser
klappte als bei den Läufen davor. Also durchaus noch einen
Versuch wert.
von Klaus Kluge