run
the blueline
von Hans Urbaniak |
Der
30.09.2007 war für mich der wichtigste Termin in diesem Jahr.
Zumindest lauftechnisch. Denn an diesem Tag stand der diesjährige
Berlin Marathon in seiner 34. Auflage an. Mein 4. Berlin Marathon
und 10. Marathon insgesamt. Idealerweise fiel das Laufereignis in
die Herbstferien, so dass wir einen Kurzurlaub mit der Familie planen
konnten. |
Für
diesen Marathon hatte ich mich bereits frühzeitig angemeldet
und somit auch eine angenehm niedrige Startnummer (4602) erhalten.
Nach dem ich beim diesjährigen Ruhr-Marathon bereits einen
neue persönliche Bestzeit über die klassische Distanz
mit 3:50 h erreicht hatte, war mein Ziel klar: Unterbieten!
Sport habe ich mit einigen kurzen Unterbrechungen seit frühester
Jugend betrieben. Langstrecke laufe ich allerdings erst seit ca.
6 Jahren. Auf diesen Lauf habe ich konsequent hin trainiert. Intervalltrainings
gehörten genauso zum Programm wie Tempoläufe und ausgiebige
lange Einheiten. Das gezielte Training zog sich über einen
Zeitraum von etwa 10 Wochen hin. Enthalten waren auch einige Wettkämpfe
zwecks Standortbestimmung: Herdecker-Citylauf (10km/43:17), Dortmunder
Citylauf (10km/44:04) und 2. Dortmunder Halbmarathon (21,1 km /
1:35 Stunden). Die dort erreichten Zeiten ließen eine Verbesserung
meiner Bestzeit erwarten. Im Schnitt war ich in meinen ca. 40 Vorbereitungseinheiten
um die 05:01 min/km unterwegs. Bis auf eine kleinere Erkältung
blieb ich über den gesamten Trainingsverlauf gesund. |
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Immer der blauen Linie nach |
Los
ging es am 29.09.2007 gegen 09:00 Uhr per PKW Richtung Berlin. Aufgrund
der schlechten Wetterverhältnisse (Dauerregen den ganzen Tag,
etliche Unfälle und Staus) haben wir fast 8 Stunden für
die Fahrt benötigt. Erschöpft und genervt - aber auch
etwas erleichtert - konnte ich gegen 17:00 Uhr meine Startunterlagen
auf der Marathonmesse in Empfang nehmen. Leider war zum wiederholten
Mal mein Chip nicht registriert worden, was aber relativ schnell
nachgeholt werden konnte. Abends dann noch schnell ins Vaipano am
Kuhdamm (Pizza und Pasta im angenehmen Ambiente, gibt’s übrigens
auch seit einiger Zeit in Dortmund) eine große Portion Nudeln
mit Ruccola-Salat gegessen und dann ab in die Unterkunft zum Entspannen. |
Kopfschmerzen
die ganze Nacht. Nach dem Aufstehen morgens um 6 Uhr hatte ich ernste
Zweifel, ob ich überhaupt an den Start gehen sollte. Gott sei
Dank hatte der Regen aufgehört. Ich fühlte mich wie gerädert.
Aber meine Frau machte mir Mut und redete mir gut zu. Also Trikot
angezogen, Schuhe geschnürt, in Folie gehüllt, Wasser,
Banane und Müsli-Riegel eingepackt und mit der S-Bahn um 07:32
Uhr Richtung Potsdamer Platz gefahren.
Von dort aus sind es noch ca. 800 Meter bis zum Brandenburger Tor,
von wo aus der Start erfolgt. Und hier beginnt schon das Erlebnis
"Berlin Marathon". Wenn man mit den hunderten von Marathon-Aspiranten
zum Start geht, ist das schon ein unvergleichliches Erlebnis. Das
Brandenburger Tor und den Reichstag in der aufgehenden Sonne zu
sehen, trägt seinen Teil dazu bei. Mit jedem Schritt Richtung
Startblock erhöhte sich folglich mein Puls. 40.215 Teilnehmer
gingen bei nahezu optimalen Wetterbedingungen dieses Jahr an den
Start. Ich versuchte, in meinen Startblock zu gelangen, was aufgrund
der guten Organisation auch ohne weitere Probleme gelang. Jetzt
galt es zu warten, bis man endlich starten konnte. In der Zwischenzeit
habe ich etliche Male kontrolliert, ob ich meine Uhr noch habe,
ob meine Startnummer korrekt sitzt und ob meine Marschtabelle noch
vorhanden ist. Vorgenommen hatte ich mir nach dem doch recht guten
Ruhr-Marathon im Mai eine Zeit um die 3:45 h.
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Die
Top Athleten gingen um Punkt 09:00 Uhr auf die Strecke. Ich musste
mich bis ca. 09:10 Uhr gedulden, bis ich die Startlinie überqueren
durfte und meine Uhr anlief. Ich fühlte mich - getragen von
der tollen Stimmung am Start - schon etwas besser, obwohl mein Kopf
immer noch brummte. Die ersten Meter waren dann wie eine Befreiung.
Endlich durfte ich mit dem riesigen Feld der Starter los laufen,
immer der blauen Linie nach (=Optimal-Linie). Da ich den Lauf nicht
zu schnell angehen wollte, habe ich die ersten 2 Kilometer in einer
5:40er Zeit absolviert. Bis Kilometer 5 war ich dann fast synchron
mit meiner Marschtabelle, die ich als Armband dabei hatte. Ja sie
war immer noch da. Und dann lief eigentlich alles wie am Schnürchen. |
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Der Mega-Start um 9:10 Uhr |
Die
Kilometer gingen dahin und die Stimmung war an der gesamten Strecke
unbeschreibbar. Bei diesem Lauf gibt es keinen Kilometer, an dem
man wirklich alleine unterwegs ist. Wer schon mal den Ruhr-Marathon
gelaufen ist, der weiß, dass es ab Herne doch auf und an der
Strecke sehr ruhig wird. Etliche Live-Bands, eine Million Zuschauer,
Fanmeilen, Marathontore und viele weitere Attraktionen sorgten für
eine einmalige Stimmung auf der Strecke. Hier wird man wirklich
für die Trainingsmühen entlohnt. |

Bei Kilometer 12 am Alexanderplatz |
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Meine Familie hat mich auch dieses Jahr wieder optimal unterstützt,
indem sie mich an mehreren Stellen (bei KM 16, KM 25, KM 35 und
natürlich im Ziel) entlang der Strecke toll anfeuerten.
An den Verpflegungsstationen war das Gedränge mal wieder sehr
groß. Den obligatorischen Becher Wasser muss man sich zwar
nicht erkämpfen, es scheint jedoch sinnvoll zu sein, immer
bis zum Ende der Stationen zu laufen, da dort kaum noch Mitstreiter
sind.
Ich habe brav an allen Verpflegungspunkten den obligatorischen Becher
Wasser zu mir genommen. Da gibt es natürlich auch Bananen,
Äpfel und isotonische Getränke in Hülle und Fülle.
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Bis
Kilometer 27 hatte ich einen kleinen Vorsprung auf meine Marschtabelle
von ca. 4 Minuten heraus gelaufen, die ich auch über die nächsten
10 Kilometer tapfer verteidigen konnte und somit meine Motivation
weiter steigerte. Ich hatte sowieso diese Jahr den Eindruck, dass
mir der Lauf relativ leicht fiel. Einen richtigen Einbruch hatte
ich nie, obwohl es dann ab Kilometer 38 doch schon etwas schwieriger
wurde. Ich hatte das ungute Gefühl, dass ich kaum noch von
der Stelle kam. Ein Vergleich mit meiner Marschtabelle machte aber
relativ schnell deutlich, dass ich zwar etwas langsam wurde, mich
aber immer noch im angepeilten Zeitkorridor bewegte. Dann noch schnell
über den Potsdamer Platz und unaufhörlich näherte
ich mich dem Ziel. |
Höhepunkt
für mich war mal wieder das Durchlaufen des Brandenburger Tores
und die letzten 400 Meter vorbei an den Tribünen ins Ziel.
Die Gefühle, die man dabei durchlebt, sind jedes Jahr unbeschreiblich.
Allein dafür lohnt sich dieser tolle Lauf in Berlin.
Eigentlich ist dieser Moment viel zu kurz.
Die Ziellinie überquerte ich nach genau 3:42:27 h (5:16 min/km)
und bin somit knapp 2,5 Minuten unter meiner Planung geblieben.
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Zieleinlauf vor dem Brandenburger Tor |

Platt in der U-Bahn |
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Ein
Gefühl von extremer Zufriedenheit ergriff von mir Besitz.
Beim Berlin Marathon ist wirklich jeder ein Sieger. Als erstes bekam
ich einige Stücke Traubenzucker gereicht. Danach wurde mir
die Finisher Medaille „verliehen“ und es gab auch sofort
eine wärmende Kunststoffdecke.
Von den zahlreichen Möglichkeiten zur Massage und Verpflegung
nahm ich dieses Jahr keine wahr, sondern wollte nur schnell wieder
mit meiner Familie zusammen kommen. Überglücklich fanden
wir uns ohne Schwierigkeiten am Familientreffpunkt wieder. Ich wurde
gefeiert!
Auf dem Rückweg zur Unterkunft spürte ich dann doch die
Anstrengungen der 42 Kilometer und war froh, ein ausgiebiges Wannenbad
zu nehmen. Treppen heruntergehen war in den folgenden Tagen nicht
angenehm. |
Am 28. September 2008 findet der 35. Berlin Marathon statt. Ich freue
mich schon sehr darauf! Ach
ja die Kopfschmerzen, die habe ich irgendwann vergessen…
von
Hans Urbaniak |
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