Vom
Hermannsdenkmal zur Sparrenburg
von
Hans Werner Deppe |
Die
befürchteten über 25°C trafen nicht ein, Polarluft
aus Nordost bescherte uns angenehme ca. 18°C. Allerdings hatte
ich Vorsorge für Hitze getroffen: dünnes weißes
Lauftop, vorher viel leicht gesalzenes Wasser getrunken, private
Verpfegungsposten bestellt ... offzielle VPs gabs auch ein paar
mehr.
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Beim
Start aus dem vorderen Drittel der Gruppe B nahm ich noch eine kleine
Flasche Wasser mit, trank es nach 2 km und schüttete etwas
über den Kopf. Auf den ersten 7 km des Laufes habe ich komischerweise
am meisten geschwitzt, ab dann bis zum Ziel fühlte ich mich
immer prima klimatisiert. |
Irgendwie
konnte ich am Anfang mein Tempo schlecht einschätzen. Da ich
gut getapert hatte, lief es sehr locker und ich war bei km 4 schon
bei 18:40 min - fast eine Minute schneller als geplant. Bei der
ersten größeren Steigung ab km 5,5 erst mal einen Gang
rausgenommen - dennoch auf der Panzerbrücke bei km 9 etwa anderhalb
Minuten schneller als Plan. Das sah gut aus - hoffentlich könnte
ich das halten und meine anvisierten 2:49 h unterbieten. |
Bemerkenswert
war die riesige Staubwolke, die das dichte Läuferfeld auf den
mondtrockenen Waldwegen aufwirbelte - ein Phänomen der wochenlangen
Trockenheit. Um keine Staublunge zu bekommen, musste man sich möglichst
auf Nasenatmung beschränken. Am Sennerandweg, als sich das
Läuferfeld etwas auseinandergezogen hatte, wurde es aber besser. |
Auf
der Panzerbrücke bombastische Stimmung - kilometerlang wie
Alp-de-Huez. Auch vorher schon imho viel mehr Zuschauer wie sonst
an der Strecke. Von km 10-17 unterhielt ich mich mit einer Läuferin,
die neben mir im gleichen Tempo lief - allerdings doch einen Tucken
langsamer als wenn ich allein gelaufen wäre. Sie erzählte
von ihrer Halbmarathonzeit - 10 min mehr als ich - da musste ich
schlucken - als das Gefälle vom Tönsberg nach Oerlinghausen
begann, hab ich dann zugesehen, dass ich Land gewinne und mich auf
und davon gemacht. Zwischenzeitlich hatte ich den Fuß des
Tönsbergs bei 1:19 statt geplanter 1:20 erreicht - Vorsprung
war also um 1 min geschrumpft. |
Die
Zuschauerdusche in Oerlinghausen machte wieder richtig Spaß
- am Stadtrand sollte meine erste private VP stehen - auch dort
massig Zuschauer - meinen Helfer sah ich nicht (er war auch gar
nicht da, wie ich später erfuhr) - egal, es gab genug an den
VPs, Gas geben runter ins Schopketal, 2 km weiter sollte meine Frau
mit Kindern stehen und mir eine Flasche reichen. Dort war ich dann
auch wieder 2 min vor der Zeit - alles klappte bestens. |
Im
Schopketal hatte ich noch meinen Pulsbrustgurt meiner zuschauenden
Nachbarin in die Hand gedrückt (und perplexe Blicke geerntet
...) - der war abgerutscht und seine Daten summierten sich sowieso
nur zu unsinnigen Kombi-Zahlen mit meinen Mitläufern. |
Die
private VP hatte den Vorteil, dass ich an den offiziellen VPs vorbeilaufen
konnte und etwas Zeit gewann. Hatte ziemlich viel im Bauch - auch
noch zwei Squeezies geschlürft und ein Gelchip - dann das ganze
Wasser, so ganz wohl im Bauch fühlte ich mich nicht. Aber besser
als dehydrieren ... |
Nach
den Lämershagener Treppen fühlte ich aber doch eine gewisse
muskuläre Müdigkeit und so vertilgte ich noch meinen letzten
Gelchip vor der Verpflegung beim Eisernen Anton. Den Überblick
über meine Zeit hatte ich irgendwie verloren - ich rechnete
jetzt anders herum: zielorientiert: Bei km 24 rechnete ich aus,
dass ich mit einem pessimistisch angesetzten 5:30-Schnitt noch 39
min brauchen würde und dann bei 2:48:50 im Ziel wäre -
das war ok. Bei km 25,5 an der Überquerung der Osningstr. besagte
die Berechnung, wenn ich für die hauptsächlich bergab
führende letzte Etappe die aus Erfahrung realistischen 25 min
brauche, würde ich in 2:47:xy ankommen - auch gut! |
Dann
gings noch mal kräftig rauf, ein kurzes Treppenstück mit
anschließender starker Steigung, aber dann hatte all die Steigerei
endlich ein Ende - und ich setzte zum Überholen an. Als ich
zwei nebeneinanderlaufende Schleicher bat, Platz zu machen, erntete
ich dafür ein Wort mit Ar...... - was für freundliche
und gut gelaunte Läufer es doch gibt! Jedenfalls war das Läuferfeld
bis hierher immer noch so dicht, dass es zu solchen Engpässen
kam. 7000 Läufer auf der Strecke mit den vielen Nadelöhren
(Hohlwege, schmale Treppen etc.) ist eigentlich schon zu viel. Ein
3.20-Läufer erzählte, dass es an den Lämershagener
Treppen einen handfesten Stau gegeben habe und er einige Zeit stehend
warten musste, bis es weiterging. |
Bei
der Überquerung der Bodelschwinghstr. 2,5 km vor dem Ziel traf
ich meine letzte private VP und bekam noch mal eine Flasche. Tat
gut, sich zu begießen und einige wenige Tropfen zu trinken.
Noch ein kleiner Hügel, dann runter, weiter Gas geben, 1,5
km vor dem Ziel noch ein Hügel - davor lag jemand zusammengebrochen
am Rand - dann der letzte km nur noch leichtes Gefälle. Das
Schild "nur noch 1km" passierte ich bei 2:42:25, sodass
ein 4:30-er km für eine 2:46er Zeit reichen würde. Es
wurde ein 4:06er-Kilometer - fast unglaublich. Jubelnd lief ich
durchs Ziel - 2:46:31! Hab mich selten so frisch und gut gefühlt
nach einem WK! |
Nach
2:53 in 2004 (500m kürzere Strecke), 3:05 in 2005 und 2:47
bei einem 500m kürzeren Testlauf in 2006 mein mit Abstand bester
Hermann! |
Meine
10km-Splits:
10 km: 52 min
20 km: 54 min (1:46)
30 km: 56 min (2:42) |
Auch
wenn es dem Split nach so aussieht, bin ich nicht eingebrochen,
das Profil ist auf den ersten 10 km am einfachsten und auf den letzten
am härtesten! Ideal wäre aber wahrscheinlich folgende
Aufteilung gewesen: 10km-53min / 20km-54min / 30km-54min - dann
wäre noch ne Minute drin gewesen.
von
Hans Werner Deppe
(Fotos von nw-news.de) |
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