Dennoch war der Lauf mehr ein Nebenprodukt meiner
Vorbereitung auf den Hermannslauf, der drei Wochen später
stattfindet. Meine Silvester geleistete 10er Bestzeit von 46:18
und eine in den letzten zwei Wochen ansteigende Form ließen
hoffen, dass eine neue HM-PB möglich ist.
Logistik lief prima: Startunterlagen am Vortag
im Rahmen eines Ausflugs mit meinen Kiddis abgeholt. Auf Stadtplan
ausgeguckt, wo ich etwa 2 km vom Start entfernt parken könnte,
um mich warmzulaufen - dies klappte gut mit Einlaufen durchs schöne
Padertal.
Die ersten Kilometer des Wettkampfs liefen gleich
optimal: Zeiten um 4:50/km, km 6 bereits bei 28:50 - und es fühlte
sich locker an. Bei km 7-9 standen die km-Schilder wohl falsch
oder bezogen sich auf einen anderen Lauf, jedenfalls bekam ich
Zeiten von über 5:00/km angezeigt, was nicht sein konnte.
Da ich schon öfters Erfahrungen mit falschen Beschilderungen
gemacht hatte, ließ ich mich nicht allzusehr davon beunruhigen,
allerdings doch so sehr, dass ich immer "nicht nachlassen!"
dachte und mit mehr Kraftaufwand lief. Puls stieg von vorher um
167 jetzt auf bis 174 (mein MaximalP: 190), was eigentlich zu
hoch war. Die Erlösung kam bei km 10, die Matte passierte
ich bei 47:50 - aha, also tatsächlich falsch beschildert.
Es konnte etwas lockerer weitergehen, den Puls bekam ich aber
nicht wirklich mehr herunter.
Km 10-15 liefen noch ziemlich locker angenehm,
aber dann fing es an, schwer zu werden, das Tempo zu halten. Km
16 - nur noch 5 km, das ist ja nicht viel - tröstete ich
mich, und spulte die verbleibenden KM ziemlich gequält ab.
Ich hab nicht mehr bei jedem KM genau nachgerechnet, was für
einen Schnitt ich laufe (und die Runden-Funktion meiner Polar
hab ich noch nicht herausgefunden). Hier bei km 16 rechnete ich
nur aus, dass etwas flotter als einer 5er Schnitt = 30 verbleibende
Minuten zu einer 1:42er Zeit reichen würden (muss also 1:12:xx
gewesen sein). Insgesamt merkte ich jetzt, dass die Beschleunigung
bei km 7-9 und einige Überholprozeduren im Gedränge
doch viel Kraft gekostet hatten und ich das Tempo nicht mehr ganz
halten konnte - dennoch lief ich unter Durchbeißen so bei
4:55/km weiter. Den letzen Km muss ich noch mal das Letzte rausgeholt
haben, denn mit einem glatten 5er Schnitt wäre ich nicht
mehr unter 1:42 gekommen. Umso größer die Freude im
Ziel: 1:41:49 - Wunschziel dicke geschafft!
Medaille nehmen, und gleich weiter laufen durchs
Padertal zum Auto und ab nach Haus - denn heute haben wir Hochzeitstag
und wollen noch schön essen gehen. Meine Frau war aber doch
etwas entsetzt, wie fertig ich aussah - erst knallrot und dann
leichenblass. Abends gings aber schon wieder - leicht gebräunt
vom schönen Sonnenwetter in Paderborn.
Es war mein erster Stadt-Halbmarathon. Er führte
zwar nicht durch die Innenstadt, sondern mehr durch die daran
grenzenden Wohngebiete, dennoch (oder gerade deshalb) war auf
einem guten Teil der Strecke wirklich gute Stimmung durch die
Zuschauer und teils sogar durch organsierte Action-Points - im
zweimal zu durchlaufenden Zielkanal war sogar eine Zuschauertribüne
aufgebaut. Auch in den Siedlungsstraßen haben die Bewohner
gut gelaunt angefeuert, Kinder ließen sich abklatschen oder
reichten Wasser - mein Dank für alle, die geholfen, angefeuert
und organisiert haben. Einziges Manko wie gesagt die Schilder
7, 8 und 9.
von Hans-Werner Deppe
(Foto von NW-News.de)