Auf den Spuren von Jochen Behle in Willingen
von Wolfgang Seebacher

"Wo ist Behle?" Diese besorgte Frage des Sportreporters Bruno Maravetz bei den Olympischen Spielen in Lake Placid 1980 konnte nun nach langer Zeit endgültig beantwortet werden. Doch der Reihe nach....

Uwe Appel und ich überlegten nach dem Hamburg Marathon, wie wir die "Durststrecke" bis zum Münster Marathon sinnvoll überbrücken könnten. Es gibt zwar den sehr gut organisierten und geführten Etappenlauf "Rund um Dortmund", aber wir suchten eine besondere Herausforderung als Wettkampf. Da fiel mir der 33km-Panorama-Lauf in Willingen ein, den ich im vergangenen Jahr bereits gelaufen war. Hierbei handelt es sich um einen besonders reizvollen Landschaftslauf. Es brauchte auch nicht lange, bis wir uns einig waren, dort an den Start zu gehen.

Wir liefen zur Vorbereitung zweimal unsere "Eiger"-Strecke vom Augustinum aus über Viermärker Eiche, durch das Fürstenbergholz, vorbei an Hohensyburg, am Hengsteysee entlang bis Herdecke, von dort die berüchtigte Eiger hoch bis zum Rückhaltebecken vom Koeppchenwerk und auf den Klusenberg mit Pause an der Aussichtsplattform, von der aus sich dem Betrachter ein herrlicher Panoramablick ins Ruhrtal erschließt. Anschließend ging es wieder zurück durch das Fürstenbergholz und vorbei an der Viermärker Eiche zum Augustinum.

Da es unter uns immer wieder Diskussionen über die Streckenführung gibt, sei gesagt: Wir sind in Herdecke nicht den Gerhard-Hauptmann-Weg, sondern bis zur Schule und von da an hoch gelaufen. Die Strecke bis zur Schutzhütte beträgt vom Fuß an etwa 1,8 km. Wir benötigten im Normalfall ca. 12 Minuten.

Nachdem wir die "Zustimmung" unserer Ehefrauen hatten und uns fit genug fühlten, meldeten wir uns an. Ich hatte versucht, Uwe schon etwas mental auf den Panorama-Lauf vorzubereiten.

Uwe und Wolfgang vor dem Start
Uwe und Wolfgang vor dem Start
Am 17.6. fuhren wir um 7:15 Uhr los. Uwe hatte die Route aus dem Internet geladen. Da der WDR2 an diesem Tag nur Musik aus der Flower-Power-Zeit spielte und dies eigentlich auch meine Zeit war, war meine Stimmung schon sehr gut und Uwe musste wohl oder übel sehr viele Kommentare und Bemerkungen zu den einzelnen Musiktiteln über sich ergehen lassen.

Wir erreichten den Veranstaltungsort in Willingen sehr zügig und erhielten im Haus des Gastes unsere Startunterlagen. Zum Start hatten sich ca. 100 LäuferInnen versammelt. Vor dem Start ließen wir uns noch photographieren.

Mit dabei war auch Peter Michels aus Kirchlinde. Pünktlich um 10:00 Uhr ging’s los. Uwe setze sich schon nach kurzer Zeit von mir ab; sein Ziel war, unter 3 Std. zu laufen. Ich ließ es langsamer angehen und lief die ersten Kilometer mit Peter. Das Gelände war von Anfang an kupiert, so dass ich bald auch Peter den Vortritt lassen musste.

Die Strecke führte zunächst zur Sprungschanze. Am Auslauf bot sich uns ein imposantes Bild . Was für ein Glück, dass die Organisatoren uns da weder rauf noch runter laufen ließen. Es reichte auch so. Bis Kilometer 7 stieg die Strecke durch das Strycktal kontinuierlich an, so dass ich einen Gang rausnahm und so die Landschaft besser genießen konnte. Dabei bemerkte ich sehr schnell, dass "Kyrill" ganze Arbeit geleistet hatte. Ich sah sehr viele umgestürzte Bäume. Am Zustand der Wälder konnte ich erahnen, wie viel Zeit noch vergehen wird, bis alle Schäden beseitigt sind.

Von km 7 – 10 ging es über die Ski-Langlaufstrecke bis zum Biathlon-Stadion und vorbei am Schießstand. Glücklicherweise fand dort kein Wettkampf statt, so dass die LäuferInnen diesen Teil stressfrei durcheilen konnten. Es ist doch schon imposant, welche Highlights die Veranstalter in diesen Lauf eingebaut haben. Weiter ging es kernig bergan – Ausnahme eine kurze Gefällstrecke zur Diemelquelle – bis zur „schönen Aussicht“ bei km 15. Diese hat ihren Namen zu Recht verdient, denn der Blick ins Tal war sehr beeindruckend. Aber der Läufer an sich ist ein unsteter Typ, also nicht lange verweilen, ein Auge immer an der Stoppuhr mit Pulskontrolle und weiter laufen.

Zwischendurch waren Passagen über Wiesen mit knöchelhohem Gras zu bewältigen, da die Ergebnisse von „Kyrill“ dies nicht anders zuließen. Ich empfand dies als urig, denn das gehört für mich zu einem echten Trail-Lauf einfach dazu.

Immer mehr Höhenmeter sammelten sich an. Zum vollständigen Genuss legte ich mehrfach Gehpausen ein, nicht etwa weil ich erschöpft gewesen sein könnte.
Doch ein weiterer Glanzpunkt ließ nicht lange auf sich warten. Nach Bewältigung der längsten Steigung des Laufs, die ich teilweise wiederum wegen des Genusses ging, bekamen wir den Lohn für die Qual „kredenzt“: Die Hochheide. Wenn ich nicht genau gewusst hätte, dass ich mich in über 800 m Höhe befinde, hätte ich denken können, in der Lüneburger Heide zu sein. Dieser Streckenabschnitte betrug etwa 3 Kilometer, auch ein wenig beeinträchtigt durch Sturmschäden.

Weiter ging es in Richtung Ettelsberg. Leider war keine Fahrt mit dem Lift talwärts im Programm vorgesehen, da die Markierungen uns rechts am Lift vorbei noch zu einigen kernigen Steigungen führten, bevor es dann wirklich bergab ging. Die letzten Kilometer liefen wir wieder durch das Strycktal und an der Sprungschanze vorbei. Der Lauf schien schon gelaufen, da haben uns die Veranstalter noch einen Berg in den Weg gestellt, der es in sich hatte. Da muss wohl der letzte Kilometer bis zur Viermärker Eiche Pate gestanden haben. Natürlich war für mich auch wieder genussgehen angesagt. Auf dem letzten Kilometer bot sich ein herrliches Bild auf den Willinger Viadukt. Dann kam nach 3:21 für mich das Ziel in Sicht. Dort im Zielbereich traf ich Uwe wieder, der in hervorragenden 2:49 diesen knochenharten Lauf absolviert hat. Peter trafen wir auch im Zielbereich wieder. Er war mir 3:01 ebenfalls sehr zufrieden

Zugegeben: Der 33-km bzw. der Marathon -Lauf sind sehr hart. Für Leute allerdings, die gerne Landschaftsläufe wie den Hermannslauf oder den Rennsteiglauf absolvieren, bietet dieser bislang wenig frequentierte Wettkampf ein weiteres Angebot, das es durchaus verdient, in die Phalanx der großen Läufe eingeordnet zu werden.

Die Beiden mit Jochen Behle
Die Beiden mit Jochen Behle
Uwe und ich waren jedenfalls von diesem Lauf mit über 900 Höhenmetern sehr begeistert, denn er ist

• hervorragend organisiert
• ausreichend mit Unterwegsverpflegung ausgestattet (Iso und Wasser)
• für mich in der Zielverpflegung mit alkoholfreiem Weizenbier Klasse und
• aufgrund des Angebotes von Marathon bis 10 km für jeden trainierten Läufer bzw. jede trainierte Läuferin geeignet.

Außerdem erhält jeder Teilnehmer ein T-Shirt.

Petrus muss ein Läufer gewesen sein, denn neben einiger Bewölkung hatten wir auf der Strecke nur Sonnenschein.

Ach ja, wie auf dem Bild zu erkennen, ist Jochen Behle, der ja so verzweifelt gesucht wurde, endlich gefunden.
Er stellte sich spontan nach unserem Zieleinlauf für diese Bild zur Verfügung.

Nachdem wir ausgiebig geduscht und uns noch ein wenig auf dem Veranstaltungsgelände aufgehalten hatten, fuhren wir wieder nach Dortmund. Unterwegs gab es wieder viel WDR2. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

von Wolfgang Seebacher (TVA DO-Wickede)

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