Blutspende
bei Medisport
von Frank Pachura |
Mitte
Januar 2008 bekomme ich die Möglichkeit, bei Medisport in Dortmund
eine Leistungsdiagnostik durchführen zu lassen. Dies habe ich
noch nie gemacht und ich bin sehr gespannt darauf, was mich dort
erwartet. Auf jeden Fall ist es eine gute Unterstützung meines
Vorhabens, ein Gesundläufer zu werden. |
Auf
der Fahrt nach Dortmund denke ich darüber nach, was ich über
Leistungsdiagnosen weiß. Es geht darum, per Blutanalyse den
Trainingszustand eines Sportlers zu ermitteln. Dazu wird während
einer sportlichen Belastung in regelmäßigen Abständen
eine kleine Blutprobe am Ohr abgenommen und daraus der Laktatwert
bestimmt. Dieser zeigt an, ob der Sportler sich bei einem gewissen
Grad der Anstrengung noch im gesunden, aeroben oder bereits schon
im ungesunden, anaeroben Bereich befindet. Mit diesen Werten und
der Beziehung zum Puls kann man dann sein Training für die
Zukunft strukturieren und die Bereiche festlegen, in denen man zum
Beispiel regenerative Erholungsläufe oder zügige Dauerläufe
absolviert. Dass ich medizinisch während einer sportlichen
Belastung untersucht werde, habe ich bisher noch nicht erlebt. Da
fühlt man sich schon so ähnlich wie ein richtiger Profi. |
Bei
Medisport in Dortmund-Hombruch werde ich von Pierre Ayadi herzlich
begrüßt. Er erklärt mir, was mich in den nächsten
zwei Stunden erwarten wird: Theoretische Bestandsaufnahme per Fragebogen,
praktische per Körperfettmesswaage, einige Laufkilometer auf
einem Laufband, auf dem ein Kleinwagen genügend Platz hätte,
dabei regelmäßige Abnahme eines Tropfen Bluts mit Laktatwert-bestimmung
und zum Abschluss ein Auswertungsgespräch.
Nachdem wir zusammen den Fragebogen über meine eigene Einschätzung
meiner momentanen sportlichen Leistungsfähigkeit sowie meiner
sportiven Karriere ausgefüllt haben, ziehe ich mich um. |
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Die
Ergebnisse der nun folgenden Körperfettmessung verleiten Pierre
zu der Empfehlung, meine tägliche Wasseraufnahme zu erhöhen
und ruhig auf zwei oder mehr Kilogramm Körpergewicht zu verzichten.
Kurz gesagt: Mehr Mineralwasser, weniger Gummibärchen.
Obwohl ich in den letzten Monaten für meine Verhältnisse
recht ordentlich trainiert habe, gibt es wohl doch das eine oder
andere zu optimieren. Ich habe oft den Eindruck, dass ich mein Training
nicht wirklich effektiv gestalte sondern einfach drauflos trainiere
und dann nicht meine Bestleistungen abrufen kann. Vielleicht bekomme
ich hier die Erklärung dafür.
Der Hauptbestandteil der Leistungsdiagnostik ist der nun folgende
Teil: der Lauf auf einem echt beeindruckenden Laufband. Es ist so
groß, dass bequem fünf oder sechs Sportler darauf gleichzeitig
laufen könnten, und kann eine Geschwindigkeit von sechzig bis
siebzig Kilometer pro Stunde erreichen. Es ist nicht nur für
Läufer geeignet sondern auch für Radfahrer, die ihr Training
optimieren wollen. |
Mit
ein wenig Ehrfurcht betrete ich das Riesending und bekomme einen
Pulsmesser umgeschnallt. Hierauf folgen eine kleine Einweisung der
nächsten Schritte sowie der Technik und das Anlegen der Zapfstelle
in meinem rechten Ohrläppchen für die Blutstropfenentnahmen.
Danach wird das Band gestartet und ich trabe mich einige Minuten
lang warm. Hierbei merke ich schnell, dass ich das Laufen hier auf
dem Band nicht mit der Lauferei draußen in der Natur vergleichen
kann. Die angezeigte Geschwindigkeit und mein Laufgefühl passen
überhaupt nicht zusammen. Die Warmlaufgeschwindigkeit von neuneinhalb
Minuten pro Kilometer empfinde ich als viel schneller. Pierre erklärt
mir aber, dass das an der nicht vorhandenen Landschaft und am fehlenden
Gegenwind liegt und dass das normal sei. |
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Jetzt
geht es schließlich richtig los. Ich laufe rund fünf
Minuten in einem bestimmten Tempo. Danach wird das Band kurz angehalten
und ein Tropfen Blut wird aus dem Ohrläppchen herausgedrückt.
Während meines nächsten etwas schnelleren Fünf-Minuten-Intervalls
wird bereits der Laktatwert dieses Tropfens bestimmt und in eine
Liste eingetragen. Nach dieser Zeitspanne wiederholt sich das Ganze
immer wieder bis zu dem Punkt, bei dem der Wert von vier mmol/l
(Millimol pro Liter) Blut erreicht ist. Das ist die Grenze, bei
der der anaerobe Bereich beginnt. Um zu diesem Punkt zu gelangen,
laufe ich rund acht Kilometer in einem immer schneller werdenden
Tempo, unterbrochen von den kurzen Blutzapfpausen. Ich beginne,
recht stark zu schwitzen, und muss ab und zu etwas Wasser nachfüllen.
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Mein
Handtuch, das ich mir an das Geländer gehängt habe, ist
auch schon gut getränkt. Das artet hier richtig zu einer flotten
Trainingseinheit aus. Während der Lauferei schaue ich mir vor
mir an der Wand einige Bilder an. Pierre trainiert erfolgreich einige
Profiläufer und von manchen hängen hier Fotos oder kleine
Geschenke, die er als Dank bekommen hat. Ich glaube, ich bin hier
gut aufgehoben.
Irgendwann habe ich dann endlich die Vier-Millimol-Grenze erreicht
und darf mich nun noch fünf Minuten langsam auslaufen. Ich
bin klatschnass durchgeschwitzt und habe jetzt richtig Durst. Die
darauf folgende Dusche tut sehr gut, während in der Zwischenzeit
Pierre meine Ergebnisse auswertet. |
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Es
folgt das Abschlussgespräch. Pierre erklärt mir, dass
ich mich viel schlechter eingeschätzt habe, als ich wirklich
bin. Die für mich möglichen Geschwindigkeiten für
einen Zehn-Kilometer-Wettkampf oder einen Marathon sind viel höher
als ich geglaubt habe. Natürlich bedeutet das nicht, dass ich
morgen einfach mal so an einem Marathon teilnehmen könnte.
Das dafür nötige Training gehört logischerweise dazu. |
Auf
jeden Fall bin ich auf dem richtigen Weg. Ich werde nun die Ergebnisse
der Leistungsdiagnose in mein zukünftiges Training mit einbeziehen,
werde viel mehr Laufeinheiten in einem für mich gesünderen
und dadurch effektiveren Tempo absolvieren und mich nicht mehr so
schinden. Ich kenne nun genau die Pulsbereiche, in denen ich den
Großteil meiner Läufe absolvieren muss, damit ich möglichst
effektiv trainiere. Ich weiß jetzt, bis zu welcher Grenze
ich regenerative Erhohlungsläufe machen kann und ab wann der
Bereich für Tempospritzen beginnt. |
Dank
Pierre wird mein Training 2008 wesentlich strukturierter und effektiver
sein als bisher. Wenn wir im Winter 2009 die nächste Leistungsdiagnostik
durchführen, werden wir sehen, wie erfolgreich mein diesjähriges
Trainingsjahr war. Ich bin gespannt.
von
Frank Pachura
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