Ich möchte heute einen entspannten Silvesterlauf abspulen.
Ohne Zeitambitionen. Obwohl er genau genommen noch im alten
Jahr stattfindet, ist es für mich der Beginn der neuen
Laufsaison und nicht das Ende der alten. So laufe ich nun
auch los. In lockerem Tempo kurz durch Werl und dann auf der
B1 in Richtung Soest. Es beeindruckt mich immer wieder, wenn
ich vor und hinter mir die Läufermassen sehe. Die B1
ist mit tausenden von bunten Menschen bevölkert. Wir
Läufer stehen bei der Farbwahl unserer Sportkleidung
gerne im Gegensatz zu jedem bisschen Geschmack und ästhetischem
Empfinden. Möglichst bunt ist In.
Langsam wird der Körper nun warm und wir Läufer
sind uns einig darüber, dass das Wetter fast nicht besser
sein könnte. Unterwegs lerne ich einen Läufer aus
Neheim kennen, der mir durch seinen StrongmanRun-Wärmeschutz-Poncho
auffällt. Wir beide sind schon zweimal zusammen durch
den Strongman-Schlamm gerobbt, haben uns vor lauter Dreck
aber wohl nicht gesehen.
In Westtönnen steht der erste Sambatrommler am Straßenrand
und trommelt sich die Finger wund. Einige Teilnehmer geben
ihm Applaus und das spornt ihn noch mehr an. In den folgenden
Orten an der B1 gibt es später noch mehr musikalische
Untermalung. Ein Orchester, noch einige Trommler und viele
jugendliche Wanderer, die mit ihren laut beschallten Bollerwagen
die Strecke entlang ziehen.
Unterwegs sehe ich viele Bekannte am Streckenrand: Nachbarn,
Freunde und Kollegen. Erstaunlich viele Menschen aus der Region
kommen an Silvester zum Lauf, nur um Bekannte oder Verwandte
zu beklatschen oder einfach, um die Läufermassen zu bestaunen.
Danke an die vielen Klatscher, Rasseldreher und die vielen
Kinderhände, die ich unterwegs abklatschen durfte.
Ich trabe locker weiter und erreiche nach gut anderthalb Stunden
die Soester Innenstadt. Hier stehen noch viel mehr Zuschauer
am Rand und bejubeln uns. Die roten Zeitmessmatten trillern
uns zu: Angekommen! Im Ziel bekommen wir unsere schönen
Medaillen und dann geht es sofort weiter in den Versorgungsbereich.
Schnell merke ich, dass die Kälte sofort wieder durch
die inzwischen nass geschwitzte Kleidung kriecht. Brrr. Ich
hüpfe schon wieder auf der Stelle, um Wärme zu erzeugen.
Zwei Becher warmen Tee gönne ich mir, ein Rosinenbrötchen
und einen Becher Cola. Dieser ist die Härte. Im wahrsten
Sinne des Wortes. Die Cola ist nämlich durch die Minusgrade
gefroren. Kleine Eisbrocken schwimmen darin. Crush-Cola mitten
im Winter. Das wäre eine herrliche Erfrischung, wenn
wir jetzt 30 Grad plus hätten. Aber so ist es noch eine
zusätzliche Abkühlung. Ob mein Magen die Frostcola
schafft, weiß ich auch nicht. Ich friere nun noch mehr
und mache mich sofort auf den Weg zum Versorgungswagen des
TV Flerke. Hier ziehe ich mir endlich die nassen Laufklamotten
aus. Nach einer Bratwurst geht’s dann schnell nach Hause.
Ich werde aber einfach nicht mehr richtig warm. Die Crush-Cola
hat mir wohl den Rest gegeben.
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