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Rund
um den Baldeneysee – und das gleich zweimal
oder: Der durch- und erlebte 50. Marathon
von Wolfgang Seebacher
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Nun
ist es soweit. Was ich seit einiger Zeit mehrfach andeute,
wird heute Realität: Mein 50. Marathon. |
Wenn
ich auf die 49 absolvierten Marathons zurückblicke –
ich hoffe, der Plural stimmt -, was ist alles geschehen? Ich
habe Hitze und Kälte, Regen und Sonnenschein, Verzweiflung
und Hoffnung erlitten und erlebt. Aber ich habe zum Glück
bislang noch keinen Marathon, sei es aus Erschöpfung
oder verletzungsbedingt, abbrechen müssen. War der Lauf
auch noch so schwer wie beispielsweise meine Hitzeläufe
am Mittelrhein von Oberwesel nach Koblenz oder in Duisburg.
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Ich
habe viele Menschen mit spannenden und interessanten Geschichten
kennen gelernt. Wohltuend und für mich prägend waren
insbesondere meine Läufe im Ausland. |
Soweit
ein kurzes Resümee, beschäftigen wir uns mit der
Gegenwart. |
Am
Sonntagmorgen ist wieder einmal frühes Aufstehen angesagt.
Wolfgang fährt, so dass ich etwas länger schlafen
kann und nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach
Essen fahren muss. Von der besten Ehefrau der Welt habe ich
mich bereits am Vorabend verabschiedet, ich habe vor allem
den sanitären Bereich für mich allein. Nervös
bist du, wissen deine Freunde doch, dass es für dich
ein besonderer Lauf sein wird. Ein Marathon muss eben erst
gelaufen werden, die Strecke ist nun mal 42,195 Kilometer
lang, und da kann sehr viel passieren. |
Gegen
7:30 Uhr brechen Uwe, Wolfgang und ich auf. Als wir auf der
A40 in Bochum sind, öffnet der Himmel seine Schleusen,
um sozusagen zu signalisieren: Der Lauf wird keine Vergnügungsveranstaltung,
ihr müsst hart arbeiten, um das Ziel, euer Ziel zu erreichen.
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Wir
senden kleine Stoßgebete zum Himmel, mit Erfolg? Wir
werden sehen. |
Problemlos
erreichen wir das Veranstaltungsgelände, inzwischen regnet
es nicht mehr. |
Wie
in meinem Blog
erwähnt, hat unser Abteilungsleiter Leichtathletik alles
Menschenmögliche getan, um uns an der Westdeutschen Meisterschaft
teilnehmen zu lassen. Lieber Manfred, an dieser Stelle nochmals
herzlichen Dank für Deinen Einsatz. Leider hat die Meldung
den Veranstalter nicht mehr erreicht. Aber es gibt ja noch
mehr Meisterschaften, bei denen wir mitlaufen können.
Entspannt bereiten wir uns auf den Start vor, der pünktlich
um 10:00 Uhr erfolgen soll.
Noch einen Toilettengang, dann treffen wir auf einen netten
Mitläufer, der uns photographiert.
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Vor dem Start: Drei erwartungsfrohe Arminen Uwe, Wolfgang
und ich |
Bis zum Start sind einige Hundert Meter zurückzulegen,
wir geben unser Gepäck in die Obhut des Veranstalters
und machen uns auf den Weg. |
Im
Startbereich Nervosität allerorten, jede Läuferin
und jeder Läufer hat sein besonderes Ritual für
die letzten Minuten vor dem Start. Vielen ist jedoch eins
gemeinsam: Nochmals pinkeln, auch wenn du denkst, geht doch
eigentlich nicht mehr, geht aber doch. Soweit diese Form der
Logik. Ein letztes Abklatschen, Uwe reiht sich wie gewohnt
vor uns ein. Wolfgang und ich wollen soweit wie möglich
gemeinsam laufen nach dem Motto, der Weg ist das Ziel.
Zeitliche Ambitionen haben wir eigentlich nur insofern, dass
wir unter 4 Stunden bleiben wollen. Na ja, ich habe da noch
den kleinen vereinsinternen Wettbewerb, mit anderen Worten,
unter 3:53 wäre schon ganz gut.
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Pünktlich,
ja superpünktlich geht es auf den Kurs. Wir sehen Uwe
eine kurze Zeit, dann ist er unseren Blicken entschwunden.
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Anfangs
verführt die Strecke wegen leichten Gefälles zu
viel Gas zu geben. Wir merken das aber schnell und versuchen,
ein „Wohlfühltempo“ zu erreichen. Das gelingt
prima. So laufen wir nach Werden, knapp durch den Ort zurück
zum See. Die Strecke ist durch viel Polizei und Ordnungsdienst
komplett verkehrsfrei. |
Auf
der dem Start und Ziel gegenüberliegenden Seite macht
sich leichter Gegenwind bemerkbar, den ich aber nicht als
allzu störend empfinde. Wir spulen unser Pensum herunter,
auch wenn wir ein wenig wehmütig Kilometeranzeigen für
die zweite Runde wahrnehmen müssen. Wir passieren bei
51 Minuten die 10er Marke. Nach 12 Kilometern führt der
Kurs vom See weg auf eine Pendelstrecke mit 3 Kilometern zu
einem Wendepunkt und 3 Kilometern zurück zum See. Sinnigerweise
hat der Veranstalter am Wendepunkt bei Kilometer 15 eine Messstation
eingerichtet. Finde ich gut, so sind Streckenverkürzungen,
die auf diesem Abschnitt zweifelsohne möglich sind, zum
Scheitern verurteilt. Allerdings ist das Laufen auf diesem
Abschnitt auch eine Kopfsache, du siehst die Läufer,
die weit vor dir sind, entgegenkommen. Das ist nicht so mein
Ding. Dazu kommt der hier doch sehr wellige Kurs mit einigen
Aufs und Abs. Etwa in Streckenmitte kommt uns Uwe entgegen,
ein kurzes Winken und Hallo, weiter. |
Wolfgang
und ich passieren die 15er Marke bei 1:17 und laufen zurück
Richtung See. Hier wie auch an einigen anderen Stellen sind
vor allem Sambatrommler postiert, die auf ihre Weise die Teilnehmer
begrüßen und anfeuern. |
Zurück
am See laufen wir einige Zeit auf einem alten Bahndamm, erkennbar
an den Kilometersteinen, die seitwärts angebracht sind.
Es beginnt leicht zu regnen, Gift für mich, hoffentlich
nicht wieder ein Platzregen wie auf der Hinfahrt. Vorbei an
einer schmucken Reihenhaussiedlung, von deren Bewohnern wir
herzlich begrüßt werden, nähern wir uns der
HM-Marke. 1:50 haben wir dort auf dem Tacho. Ok, „denke“n
wir, bleiben uns gut zwei Stunden Zeit. Hier gibt es wieder
reichlich Verpflegung, ich begnüge mich bisher mit Wasser,
während Wolfgang „Iso“ bevorzugt. |
Nach
dem HM nähern wir uns dem Start-Zielbereich, den wir
etwa bei Kilometer 24 erreicht haben. Wolfgang muss an dieser
Stelle leider aufgeben, er fühlt sich nicht wohl. Schade,
wir sind eigentlich zeitlich gut drauf. |
So
laufe ich leider, leider allein in die zweite Runde. Ab Kilometer
25 beginne ich, Cola zu trinken, um Kohlehydrate zu tanken.
Ich erreiche wieder Werden, mein Tempo ist doch nicht mehr
so wie in der ersten Runde. Aber, sage ich mir, aber du hast
noch einige Zeit in Reserve, wie viel denn eigentlich? |
Ich
mache mir weiter keine Gedanken, sondern freue mich, dass
für mich nunmehr Kilometerangaben gelten, die in der
ersten Runde noch so weit weg waren. Das baut doch auf und
ich finde meinen Laufrhythmus wieder. Ich trinke nun an jeder
Verpflegungsstelle neben Wasser auch Cola, das bekommt mir
ganz gut. Bei Kilometer 35 wechseln wir wieder das Ufer und
befinden und nun auf dem geraden Weg zum Ziel. Hin und wieder
begegne ich bekannten Läufern, man begrüßt
sich kurz und weiter geht’s. |
Zeitlich
bin ich im grünen Bereich, obwohl ich immer mehr die
einfache Arithmetik bemühe, um meine Zielzeit auszurechnen.
Du kennst das auch, noch yy Minuten bleiben dir für x
Kilometer. Wie schnell musst du laufen, um das zu schaffen?
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Bei
Kilometer 39 noch einmal herzhaft trinken, noch drei Kilometer,
muntert mich ein Streckenposten auf. Klar, das schaffe ich,
aber ist noch genug Sprit im Tank, um die angestrebte Zeit
zu laufen? |
Bei
Kilometer 40 die letzte Zeitanzeige vor dem Ziel. Das klappt,
sagt die Uhr zu mir. Die Strecke zum Ziel zweigt hier vom
Rundkurs ab und führt dich unmittelbar am Ufer entlang.
In diesem Jahr sind wegen des ungünstigen Wetters bei
weitem nicht so viele Zuschauer anwesend wie im letzten Jahr.
Unter denen, die der Witterung trotzen, feuern mich auf den
letzten Metern zwei Personen an, mit denen ich seit Jahren
freundschaftlich verbunden bin. Toni Dell, mein langjähriger
Lauffreund, der mit mir eine Menge Marathons im In- und Ausland
bestritten hat, hat es sich nicht nehmen lassen, zusammen
mit seiner Ehefrau Hiltrud bei meinem 50. anwesend zu sein.
Ich habe mich über den Besuch sehr gefreut. Das gab mir
für die letzten 100 Meter noch richtig Auftrieb, so dass
die Uhr für mich bei 3:50 stehen bleibt.
Ziel erreicht, Läuferherz, was willst du mehr?
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Wolfgang
empfängt mich kurz hinter der Ziellinie, eine leichte
Enttäuschung ist ihm anzumerken. Uwe hat mit 3:39 gefinisht,
er ist auch zufrieden mit seiner Leistung. |
Im
Ziel gibt es Weizenbier ohne und Pils mit Umdrehungen. Beides
schmeckt mir köstlich. |
Ich
treffe Toni und Hiltrud, sie freuen sich über meine Leistung,
ich freue mich, dass sie da sind. Die beste Ehefrau der Welt
wird über das Ergebnis informiert und freut sich auch.
Freude über Freude. |
Das
ist mein 50. Marathon, dessen Ablauf ziemlich genau so ist,
wie ich ihn mir vorstelle. |
Nach
Duschen und kurzer Regeneration geht es heimwärts. Für
den Abend haben wir für unsere Familien und uns einen
Tisch bei unserem Lieblingsgriechen reserviert. Richtig lecker
Essen ist angesagt. |
In
den nächsten Tagen melde ich mich zum Trail-Run an. |
Übrigens:
Den kleinen vereinsinternen Wettbewerb habe ich natürlich
gewonnen. |
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