Ich liege im Garten und döse vor mich
hin. Die Sonne brennt vom Himmel. Die Kinder streunen mit
Freunden herum. Ich genieße es, einfach mal allein
zu sein. Einfach herrlich! Was für eine Ruhe.
Während ich so auf meiner Liege herumfaulenze,
denke ich an die vergangenen Wochen. Einen Marathon bin
ich gelaufen und einige 10er Wettkämpfe. Dafür
habe ich fleißig trainiert und viel Zeit geopfert.
Jetzt ist erstmal Urlaub und ich mache lauffrei. Schließlich
müssen der Körper und der Geist sich auch mal
erholen. Ich strecke mich und gähne mit weit aufgerissenem
Mund in den Himmel.
Plötzlich brummt direkt hinter der
Hecke ein lauter Motor. So laut, dass ich mich sehr erschrecke
und dabei fast von der Liege falle. Meine Güte. Was
ist das denn? Ich stehe auf, schaue durch die Hecke und
sehe einen Nachbarn beim Rasenmähen. Ein Blick auf
die Uhr: 15 Uhr. Die Mittagszeit ist vorüber. Mann.
Jetzt ist die schöne Ruhe vorbei.
Ich lege mich wieder hin. Der Nachbar mäht
und mäht und mäht. Jeden Grashalm einzeln. Er
hört gar nicht mehr auf mit der Mäherei. Ich drehe
gleich durch. Nach einer halben Stunde ist dann endlich
wieder Ruhe. Er hat ausgemäht. Jetzt aber wieder schnell
wegträumen. Aaaach. Herrlich. Endlich wieder Ruhe.
Sie wärt nur eine Minute. Der Kindergarten
in unmittelbarer Nähe meines Gartens hat jetzt Spielplatzzeit.
Gefühlte tausend Kleinkinder strömen in den Kindergartenaußenbereich
und spielen mit lautem Geschrei herum. Einer nervt ganz
besonders. Ein Junge schreit etwas, was sich für mich
anhört wie „Charlie Banker“. „Charlie
Banker.“ „Charlie Banker.“ Immer weiter.
„Charlie Banker.“ Dann quiekt er lauthals und
schreit weiter „Charlie Banker, Charlie Banker.“
Was soll das sein? Ein Spiel?
Ich frage mich, was das wohl heißen
soll, komme aber zu keinem Ergebnis. Keine Ahnung. Ich weiß
nur, dass ich gleich durchdrehe. Ich will doch nur hier
liegen. In meinem eigenen Garten. Und einfach etwas dösen
und meinen Gedanken nachgehen. Stattdessen werde ich mit
Überlautstärke mit „Charlie Banker“
beschallt. Es ist zum aus der Haut fahren.
Ich stehe wieder auf und schaue zum Kindergarten
herüber. Der kleine Junge sitzt auf seinem Dreirad
und schreit in die Gegend „Charlie Banker“.
Er spielt ganz allein und niemand nimmt Notiz von ihm. Was
immer das bedeuten soll. Charlie Banker?
Jetzt reicht es. Ich gehe ins Haus, ab in
den Keller, ziehe meine Laufsachen und -schuhe an, einen
Schluck Wasser und ab in den Wald. Ihr habt gewonnen, ihr
Rasenmäher und Charlie Bankers. Ich gebe mich geschlagen.
Ich haue ab. Jetzt seid ihr mich los. Ich gebe auf. Ich
gehe laufen!
Und so trabe ich langsam und gemütlich
durch den Wald. Der leichte Wind rauscht durch die Blätter.
Die Sonnenstrahlen tanzen auf dem Boden. Ein paar Vögel
zwitschern. Eine Fliege summt ... direkt in meinen Hals.
Hust! Spuck! Würg!
Während ich mitten im Wald einen Husten-
und Würgeanfall bekämpfe, kommt mir ein Spaziergänger
entgegen. Er fragt mich, ob er mir helfen kann. Aber ich
will kein Mitleid. Auch keine Hilfe. Ich will nur Ruhe.
Sind denn heute alle gegen mich? Selbst die Fliegen?
Als ich nach einiger Zeit das Kratzen im
Hals erfolgreich bekämpft habe (die Fliege ist übrigens
nicht wieder raus gekommen), laufe ich langsam weiter. Weiter
durch den Wald. Ich reiße meinen Mund nicht mehr so
weit auf und atme mehr durch die Nase. Jetzt kann ich es
genießen. Aaaach. Herrlich. Endlich Ruhe.