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Es
gibt etliche Gründe für Menschen mit dem Laufen
zu beginnen. Gewichtskontrolle, Stärkung des Herz-Kreislaufsystems,
Kräftigung des Bewegungsapparates, psychische Ausgeglichenheit,
um nur einige zu nennen. Aber das Ziel aller Läufer ist
immer das Gleiche, den eigenen ausgeglichenen Rhythmus zu
finden. |
06:30
Uhr. Ich schaue aus dem Fenster. Es ist kalt und dunkel draußen.
Der Nieselregen fällt leise auf die Strasse. Keine Lust
nur einen Schritt vor die Tür zu setzen. Aber ich habe
mir etwas vorgenommen. Also, was soll’s? Schuhe schnüren
und los. Die ersten zehn Minuten sind die schlimmsten. Die
Beine tun weh als würden sie nicht dazu gehören.
Alles schmerzt. Ist eine Viertelstunde vorbei, fällt
man so langsam in den erlösenden Trott. Die ersten Schweißtropfen
rollen von der Stirn und brennen in den Augenwinkeln.
So langsam läuft es. Ich spule meine diensttäglichen
20 Kilometer ab. Das Einzige, was sich am Rande meiner Strecken
ändert, sind, je nach Jahreszeit, der Bewuchs der Bäume
und Sträucher. Die Gedanken kommen und gehen und ich
bin richtig gut drauf. Nach ca. 100 Minuten bin ich dann wieder
zu Hause und froh, dass ich mich aufgerafft habe. Der nächste
Tag ist trainingsfrei. Gut!
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In
der Woche laufe ich regelmäßig vier Einheiten mit
insgesamt 80 bis 100 Kilometer und absolviere pro Jahr zwischen
vier und sechs Marathonläufe. Da kommen gut 4000 km im
Jahr zusammen. In Dortmund kenne ich mittlerweile fast jede
Strasse und jeden Wald, denn ich habe schon fast alles abgelaufen.
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Ein
ambitioniertes Marathonpensum hatte ich mir für 2009
selber verordnet. Sechs volle Marathons sollten es schon werden,
dann hätte ich insgesamt 20 Marathons geschafft. Angefangen
hat das Jahr dann nicht so gut, denn ich musste krankheitsbedingt
den Steinfurt-Marathon kurzfristig absagen. |
Im Oktober 2008
bin ich am Baldeneysee
meine persönliche Bestzeit von 03:28 Stunden gelaufen.
Diese sollte dann auch für das Marathonjahr 2009 das
Maß aller Dinge darstellen. Diese Zeit galt es in
2009 zu unterbieten.
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Nach
der unfreiwilligen Absage in Steinfurt war mein erster Marathon
dann in Hamburg. Sommerliche Temperaturen, 25 Grad, es war
deutlich zu warm, wolkenloser Himmel, kaum Schatten und viel
zu schnell angegangen, das konnte nicht gut gehen! Die ersten
zehn Kilometer habe ich in 48:27 Minuten absolviert, danach
hatte sich der „Stau“ auf der Strecke aufgelöst
und die Beine waren eingelaufen. Bis Kilometer 32 lief es
dann absolut nach Plan. (HM: 1:42:40 Stunden; 30 km: 2:27:52
Stunden). Ich war auf Kurs für eine Zeit unter 3:30 Stunden.
Dann musste ich zum ersten Mal Tempo rausnehmen. Etwa bei
Kilometer 37 kam dann der berüchtigte Mann mit dem Hammer.
Und der hat ordentlich zugeschlagen. Ich versuchte jetzt mich
nur noch auf den Bewegungsablauf zu konzentrieren. Es ging
jetzt nur noch ums „Überleben“! Bei Kilometer
40 (3:23:36 Stunden) war mir klar, dass ich mein persönliches
Ziel nicht mehr erreichen konnte. Für die letzten, etwas
mehr als zwei Kilometer, habe ich elend lange 13 Minuten gebraucht.
Da ist mir dann auch auf der Strecke rausgerutscht: “Scheiße,
ist das weit!“ Die Ziellinie auf der Glacischaussee
kam nur langsam näher. Aber sie kam! Also, Kopf hoch
und durch! Mit der erreichten Zeit von 3:36:42 Stunden kann
ich leben. Mein Ergebnis vom Hamburg Marathon 2008 konnte
ich um ca. zwei Minuten verbessern. An meiner persönlichen
Bestzeit bin ich allerdings weit vorbei gelaufen. That’s
life! |
Der
Karstadt-Ruhr-Marathon am 17. Mai 2009 war dann eine einzige
Katastrophe. Man hat uns Teilnehmer im Startbereich in Dortmund
sage und schreibe 50 Minuten bei Starkregen „festgehalten“.
Grund, Streckenstörung in Bochum. Als es dann endlich
losging waren alle Läufer durchgefroren und bis auf die
Knochen nass. Insgesamt war die neue Streckenführung
nicht besonders spektakulär. Die Halbmarathonies starteten
diesen Jahr nicht von Dortmund sondern von Gelsenkirchen nach
Essen. Das hat dazu geführt, dass das Starterfeld in
Dortmund sehr übersichtlich war. Die Stimmung entlang
der Laufstrecke war „schlapp“. Da kann man auch
morgens bei Regen im Winter am Hengsteysee laufen, dort ist
genauso viel los. Die erreichten 03:38 Stunden waren unter
den gegebenen Umständen als eine gute Leistung einzustufen.
Abhaken! |
Am
07. Juni 2009 habe ich am Rhein-Ruhr Marathon in Duisburg
teilgenommen und mit 03:36 Stunden abgeschlossen. Ein toll
organisierter Lauf mit guter Stimmung entlang der Strecke.
Klar gibt es Passagen, an denen weniger los ist. Dies wird
durch den Zieleinlauf im Wedau Stadion allerdings mehr als
kompensiert. Empfehlenswert!! |
Dann
folgte im September 2009 das Marathon Highlight des Jahres.
Der 36. Berlin Marathon stand an. Die Nacht vor dem großen
Lauf habe ich kaum geschlafen. Ich hatte „Muffe“.
Der Respekt vor der enormen Entfernung von 42,195 Kilometern
ist bei mir auch nach meinen zahlreichen Marathonläufen
immer noch ausgeprägt. Aufgrund meiner guten Marathonzeit
aus dem Jahr 2008, konnte ich in Berlin aus Block E heraus
starten. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass man relativ
nah an der Startlinie steht und kaum zu Beginn langsamere
Läufer überholen muss. Kurz vor dem Start setzte
ich mich bei sommerlichen Temperaturen im Startbereich auf
den Bordstein, schloß die Augen und bin in Gedanken
die gesamte Strecke noch einmal durchgegangen. Es war mein
sechster Start in Berlin und für mich der wichtigste
Lauf des Jahres. Hunderte gelbe Ballons stiegen mit dem Startschuss
in die Luft und tolle Musik trieb die fast 50.000 Läufer
an. |
Die
ersten Kilometer waren holprig. Meinen geplanten Durchschnitt
von 04:57 Min/km hatte ich bereits bei Kilometer 1 überschritten
und musste den zweiten Kilometer deutlich schneller angehen.
Bei Kilometer drei war ich dann wieder synchron mit meiner
Marschtabelle, die ich als Armband dabei hatte. Bei Kilometer
11 hatte ich einen kleinen Motivationshänger, der aber
schnell wieder verflog. Danach lief alles wie am „Schnürchen“.
Die Kilometer gingen dahin und die Stimmung war an der gesamten
Strecke unbeschreiblich. In Berlin wird man für seine
Trainingsmühen belohnt. An den Verpflegungsstationen
war das Gedränge mal wieder sehr groß. Ich habe
an allen Verpflegungspunkten Wasser zu mir genommen, da es
schon ab 10 Uhr sehr warm war. Bis Kilometer 20 hatte ich
einen komfortablen Vorsprung von gut vier Minuten auf meine
Marschtabelle herausgelaufen. Den Halbmarathonpunkt passierte
ich nach 1:40:36 Stunden. Deutlich zu schnell. Würde
ich das durchhalten?! Zweifel kamen auf. Nutzt nichts, Augen
zu und durch! Es fiel mir aber auch in der zweiten Rennhälfte
nicht wirklich schwer. Einen richtigen Einbruch hatte ich
nicht. Ab Kilometer 25 fingen die ersten Teilnehmer an zu
gehen. Mir ging es nach wie vor gut. Bis Kilometer 30 hatte
ich meinen „Vorsprung“ um weitere zwei Minuten
ausbauen können. Immer mehr Menschen bewegten sich jetzt
nur noch gehend. Unaufhörlich näherte ich mich dem
Ziel und überholte Läufer um Läufer. Mir wurde
klar, dass eine neue Bestzeit greifbar war. Die folgende Kilometermarkierung
passierte ich weiter in konstantem Tempo. Als ich dann nach
03:12:22 Stunden „Unter den Linden“ einbog, hatte
ich die sechs Minuten immer noch im „Sack“. Die
letzten zwei Kilometer waren dieses Jahr für mich ein
einziger Triumpflauf mit dem absoluten Höhepunkt des
Durchlaufens des Brandenburger Tores. Grandios! Die Gefühle,
die man dabei durchlebt sind unbeschreiblich. Allein dafür
lohnt sich dieser tolle Lauf in Berlin. Eigentlich ist dieser
Moment viel zu kurz. Die Ziellinie überquerte ich in
neuer persönlicher Bestzeit nach genau 3:22:55 Stunden
(4:48 min/km) und bin somit knapp 6 Minuten unter meiner Planung
geblieben. 2010 bin ich auf jeden Fall wieder dabei! |
Am
11. Oktober 2009 stand dann noch der RWE Marathon „Rund
um den Baldeneysee“ an. Ein Landschaftslauf mit flachem
Profil. Gut von Dortmund aus zu erreichen, professionell organisiert
und tolle Stimmung. Empfehlenswert! Insgeheim hatte ich gehofft,
meine noch so junge Bestzeit nochmals zu unterbieten. Wäre
der Lauf nur 37 Kilometer lang gewesen, wäre mir das
auch gelungen, denn bis dahin war ich ca. eine Minute schneller
als in Berlin unterwegs. Zu Ende hin musste ich meinem hohen
Tempo und dem kurzen Abstand zum Berlin Marathon jedoch Tribut
zollen. Nach 03:24 Stunden bin ich am Regattahaus zufrieden
über die Ziellinie gelaufen. |
Das
war’s dann wohl für 2009. Wenn ich mich richtig
regeneriert habe, werde ich mich demnächst intensiv mit
meiner Marathonplanung für 2010 beschäftigen. Vielleicht
kann ich ja meine persönliche Bestzeit weiter verbessern.
Wir werden sehen… |
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