 |
|
 |
| |
Steinfurt-Marathon
– klein aber fein
von Wolfgang Seebacher
|
Liebe
Lesergemeinde, ich habe in meinem Blog
mehrfach über die Vorbereitungen zu diesem Event berichtet
und dabei erwähnt, dass Beritt, die Frau meines Lauffreundes
Wolfgang Steiger, zum ersten Mal diese lange Strecke angehen
will. Hinzu gesellte sich unser Leichtathletik-Abteilungsleiter
Manfred Plieske, der ebenfalls seinen ersten Marathon absolvieren
wollte. Also zwei „Neulinge“ in einem Lauf dabei.
Das hatte unsere doch recht kleine Marathontruppe lange nicht
mehr erlebt. Entsprechend stolz waren wir alte Hasen natürlich.
Deshalb wurde auch dafür Sorge getragen, dass dieses
herausragende Ereignis durch Fotos dokumentiert wurde. |
Leider
zog sich Beritt in der letzten Vorbereitungswoche eine Verletzung
zu, die einen Start zunächst infrage stellte. Aber durch
die ärztliche Kunst konnte Linderung verschafft werden,
so dass die Teilnahme nicht gefährdet schien. Elke war
ebenfalls durch eine Erkältung etwas zurückgeworfen.
Euch beiden konnten wir da nur besonders viel Glück wünschen. |
Des
Weiteren liefen Marathon: Elke Mittermüller, die zusammen
mit Beritt einen Großteil des Trainings durchgezogen
hatte, sowie Wolfgang Steiger, Uwe Appel, Dirk Mieseler, Manfred
Plieske und, kaum zu glauben, ich auch. Für mich ging
es darum, den 47. Marathon meiner Laufkarriere hinter mich
zu bringen. |
Zwei
weitere Lauffreunde, Mechthild Kirch und Uwe Josephs begnügten
sich diesmal mit der HM-Strecke.
Bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein fuhren wir am
Samstagmorgen, 21.3., nach Steinfurt. Mit an Bord war Frank
Meier, der dieses Ereignis als Fotograf begleiten wollte und
der auch diese tollen Bilder gemacht hat. Vor Ort und wenige
Minuten vor dem Start stellte sich die ganze Truppe dem Fotografen.
Im Veranstaltungsbereich begrüßten wir unseren
Webmaster, der sein Büchlein mit Laufgeschichten anbot.
|
|

Zufällig befinden sich unsere beiden Neulinge rechts
und links außen |
Im
Startbereich machte sich bei allen die übliche Anspannung
bemerkbar. Die äußert sich bei vielen Teilnehmern
in der Verbreitung von Zweckpessimismus nach dem Motto: „Gestern
war ich noch sterbenskrank, lag im OP“ oder übertriebenen
Witzeleien. Der erfahrene und abgeklärte Läufer
ist mehr in sich gekehrt, überprüft höchstens
noch einmal die Funktionsfähigkeit seiner High-Tec-GPS-Uhr… |

Elke, Beritt und Wolfgang auf dem Weg zum Start |

Dirk, Uwe und ich sind schon im Startbereich |

Achtet auf meine unauffälligen Schuhe |
Mit
einer kleinen Verzögerung von drei Minuten schickte uns
ein guter Mensch auf die Strecke. Nach 200 Metern merkte ich,
dass ich vergessen hatte, die Starttaste meiner Uhr zu drücken.
Da nützt dir auch kein High-Tec, dazu noch mit GPS. Na
denn, nachdem ich nun richtig lief, war mir bewusst, dass
ich während des Laufes bei jedem Blick zur Uhr Rechenoperationen
durchführen musste, die mit zunehmender Laufzeit immer
komplizierter wurden. Ob das denn gut ging ...? |
Vor
uns lagen zwei gleichlange, identische Runden durch das frühlingshafte
Münsterland. Die ersten Kilometer führen auf einer
vierspurigen Kreisstraße aus Burgsteinfurt hinaus. Landschaftlich
reizvoll wird es erst nach dem Verlassen dieser Straße,
wenn die Strecke in Richtung Borghost abzweigt. |
Hier
befindet sich auch der erste Verpflegungsstand, großzügig
versehen mit Elektrolyten, Wasser, Obst und in der zweiten
Runde mit Cola. Im Zick-Zack-Kurs durchliefen wir diesen Ort
etwa sechs Kilometer. Auf einer Überführung begrüßten
uns Vereinsfreunde stürmisch und feuerten uns an. Das
gab noch einen zusätzlichen Motivationsschub. Mein Dank
gilt Jutta, Peter und zwei weiteren Lauffreunden. |
Vor
mir liefen inzwischen Uwe und Dirk, denen das Anfangstempo
wohl doch zu langsam schien. Hinter mir befanden sich Elke,
Beritt und Wolfgang sowie Manfred, der von vornherein keinen
Podestplatz angestrebt hatte. |
Die
Sonne wärmte die Läuferschar, doch auf den freien
Feldwegen blies uns der Wind ganz schön ins Gesicht.
Gut, dass ich ein langärmeliges Shirt trug. In gutem,
angemessenem Tempo mit einer gewünschten Zielzeit von
unter vier Stunden durchlief ich die erste Runde. Leider habe
ich von Uwe und Dirk keine Fotos aus der ersten Runde, dafür
sahen sie aber im Ziel sehr gut aus. |

Das war meine erste Runde... |

... dann folgte Elke |
Als
Höhepunkt natürlich der Abschluss der ersten Runde
unserer beiden „Neulinge“. |

Zunächst Beritt, liebevoll begleitet und betreut von
Wolfgang... |

… und dann winkend Manfred |
Als
zu Beginn der zweiten Runde die Kreisstraße wieder erreicht
war, begann ich, mich für die Naturschönheiten der
Umgebung zu interessieren, sprich mein Lauftempo verlangsamte
sich. Macht nichts, Dein Ziel von unter vier Stunden erreichst
Du. Wirklich? Mir fiel siedendheiß ein, dass meine Zeitnahme
mit Verspätung begonnen hatte. Wie war das? Bist du 200
Meter oder mehr zeitlos gelaufen? Wie viel Zeit hast du verloren?
Hast du nicht in der Schule in der Physikstunde grade gepennt,
als das Thema behandelt wurde? Geschwindigkeit = Weg / Zeit
oder so? Nützen dir deine dürftigen Kenntnisse?
Egal, jetzt begann die gefürchtete Rechnerei. Vorbei
mit Landschaftsbetrachtung, rein in die eindimensionale Physik.
|
Vor
mir immer noch Uwe und Dirk, von dem ich im Nachhinein erfuhr,
dass er aufgrund von Problemen einen Boxenstopp der anderen
Art einlegen musste und hinter mir Elke, Beritt, Wolfgang
und Manfred. Wie mag es Beritt wohl gehen? Haben die Künste
des Arztes etwas genützt? Uwe und Mechthild hatten ihren
Lauf inzwischen auch beendet.
Gut, dass in der zweiten Runde Cola gereicht wurde. Ich nahm
dieses Getränk dankbar an. Und noch 15 Kilometer laufen
und rechnen. Die Zeit macht ja bekanntlich nur vor dem Teufel
halt, mir zerrann sie unter den Schuhen auf den Pädkes
im Wind des Münsterlandes. |
|

Mechthild und Uwe beim Lauf Halbmarathon |
Am
Verpflegungsstand bei KM 36 leistete ich mir den Luxus von
2 Bechern Cola, da ich dann wenigstens einige Meter gehen
konnte. |
Meine
Laufzeit betrug inzwischen 3:28, und es waren noch 5 Kilometer
zurückzulegen.
Da bemerkte ich einen Zuschauer an der Strecke, der justament
eine Flasche Mineralwasser öffnete. Nach einer launigen
Bemerkung meinerseits gab er mir die Flasche, aus der ich
gierig trank. Die Lebensgeister kehrten zurück. Es ging
nun fast nur noch bergab. Wie mochte es wohl unseren beiden
Novizen gehen? Bald würde ich es erfahren.
|
An
einer Eisenbahnüberführung das Schild „KM
41“. Puh, das wurde noch mal eng. Vorbei mit Physik,
den Kopf frei bekommen, alles Rechnen spielt keine Rolle mehr.
„Wolfgang“, sagte ich mir, also „Wolfgang,
du schaffst deine Zeit, nimm dich gefälligst zusammen
und gib Gas“.
Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass es so dünn
werden würde. Noch eine Kurve zu laufen, Kopfsteinpflaster,
du siehst das Ziel, die Uhr, die „3“ steht vorn,
Frank und Britta, auch eine Lauffreundin, rufen, schreien,
du verstehst nur Bahnhof, bist auf die Uhr fixiert, warum
rast diese Uhr so, wo ist die Zielmatte, die den Impuls auslöst,
da, noch wenige Meter, vielleicht 20, 10, die Lunge lechzt
nach Sauerstoff, die Herzfrequenz erreicht Höchststände,
du hörst das Piepen, die Zeit ist dokumentiert, unter
4 Stunden, eine Punktlandung. |
|

So sah mein Zieleinlauf eigentlich harmlos aus. Nicht zu sehen,
was sich innerlich – das wird bei sehr vielen Läufern
so sein – abspielt |
Ich
wusste natürlich, dass Uwe und Dirk vor mir gefinisht
hatten. Aber auch die zwei empfanden den Lauf so wie ich in
der zweiten Runde als schwierig. Nun war erst Medaillen- und
Finishershirtempfang sowie ausgiebig trinken angesagt. Danach
freute ich mich auf die Dusche. Die Freude war allerdings
nur von kurzer Dauer, da die Wassertemperatur gefühlt
knapp über dem Gefrierpunkt lag. Egal, Hauptsache du
kannst dich wieder unter Menschen trauen. Zum Abschluss gönnte
ich mir eine Massage, die wie immer von angehenden Physiotherapeuten
aus Münster angeboten wurde. Leider krampfte ich dreimal,
nicht so schön. |

Nach außen locker und relaxed, Uwe, wie wir ihn kennen.
|

Wenn Dirk nicht das Missgeschick ereilt hätte, na ja,
er sieht zumindest noch sehr frisch aus. |

Elke erreicht strahlend das Ziel |
Leider
habe ich ausgerechnet von unseren Neulingen Beritt und Manfred
keine Fotos vom Zieleinlauf, die ich hier veröffentlichen
darf. Schade, aber ich kann berichten, dass beide den Lauf
hervorragend überstanden haben. Denkt an den Läuferspruch:
Der Schmerz geht, der Stolz bleibt. So soll es sein. |
Ich
wünsche Euch zwei im besonderen und allen anderen Wickedern
weiterhin schöne Marathonläufe. Mir persönlich
hat es viel Spaß mit Euch gemacht, es darf alles nicht
so ernst genommen werden, dann geht man auch locker an die
Sache heran. |
Ich
werde künftig sicherlich noch viele positive Ereignisse
an dieser Stelle schildern können. |
Ach
so, am 17.5.09 findet ja der Ruhr-Marathon statt. Kann sein,
dass ich mich anmelde. Aber das ist wieder eine neue Geschichte. |
Ich
hoffe, diese kleine Erlebnisschilderung hat Euch gefallen.
|
|
|
 |
|
 |
|
|