Eine Lauf-Trilogie - Erster Tag
von Wolfgang Seebacher

Eins vorweg, ich bin bei diesem Event der drittälteste männliche Teilnehmer. Leider gibt’s dafür nix.

Es ist soweit. Nach einer sehr kurzen Nacht, so gegen 5 Uhr werde ich wach und wälze mich gedankenschwer im Bett von links nach rechts und wieder zurück. Irgendwann muss ich aber doch aufstehen und bereite ich mich fast den ganzen Morgen auf meinen ersten Start vor. Es sind zwar nur 5,1 Kilometer zu laufen, aber wie ich den Veranstalter inzwischen einschätze handelt es sich nicht um einen einfachen Straßenlauf. Allein die berüchtigte Abraumhalde wenige hundert Meter vor dem Ziel flößt mir höchsten Respekt ein. Die beste Ehefrau der Welt erträgt meine gekünstelte äußere Ruhe mit Gleichmut: Sie kennt mich schon länger und weiß, dass ich genau vor dem ersten Start dieser Serie einen gehörigen Bammel habe.

Nach einem improvisierten Mittagessen fahre ich so zeitig mit voll aufgetankter Super-High-Tec-GPS-Uhr nach Hörde, dass ich gegen 14:00 Uhr eintreffe. Vor Ort scheint zwar zwischen den Wolken hin und wieder die Sonne durch, aber es ist unangenehm windig und dadurch kühl! Novemberwetter eben und genau richtig für eine Trail-Veranstaltung. Ich bin überrascht über die eigentlich geringe Zuschauerresonanz, wahrscheinlich ist die Öffentlichkeit nicht genügend informiert worden. Auch die mir gut bekannten Berichterstatter der Dortmunder Presse scheinen nicht anwesend zu sein.

Mein Start ist bekanntermaßen für 15:44:00 vorgesehen und so bleibt genügend Zeit, einige Bekannte aus der Szene zu begrüßen. Allen voran die Bittermärker, die als Mitorganisator die Streckenposten stellen und somit sehr präsent sind. Frank, der von Zerrungen und Muskelverletzungen geplagte Webmaster ist mit seiner Ernährungsberaterin gekommen. Mich mit beiden und einem Lauffreund aus Franks Wohnort zu unterhalten, ist sehr angenehm und lenkt vor allem ab. Wir erfahren, dass wegen einer Baustelle die Distanz auf 4,6 Kilometer festgesetzt ist. Ich bin darum gar nicht böse.

Dann kommt die Sekunde der Wahrheit. Es erfolgen Einzelstarts in 15 Sekunden Abstand. Pünktlich um 15:00 startet als erster Dieter Baumann, da habe ich gerade mit meinem Aufwärmtraining begonnen. Ich drücke Frank, der zwei Minuten vor mir startet, ganz fest die Daumen. Bevor wir jedoch in den Startbereich vordringen, dessen Betreten genau protokolliert wird, gelingt uns ein gemeinsames Foto mit Dieter Baumann. Ich bin so perplex, dass ich vergesse, ihm die Fragen zu stellen, die ich ihm eigentlich schon immer stellen wollte. Im Blog habe ich darüber einige Bemerkungen gemacht.



Wer ist denn der Läufer da
zwischen Frank und mir?
 

Mein Begleiter für die nächsten drei Tage


Anspannung vor dem Start (Foto: Bewes)
 

In drei Sekunden geht es los (Foto: Bewes)

Dann geht es für mich los. Ich bin bei einer Weltmeisterschaft dabei, genieße die ersten Meter von insgesamt 59 Kilometern, eigentlich ein Klacks, für mich aber Gänsehautfeeling. Der Rundkurs beginnt mit einem betonierten Teil, der in ein leichtes, gut zu laufendes Gefälle übergeht. Der Spaß ist jedoch nach wenigen hundert Metern vorbei. Nach einer scharfen Linkskurve geht es einen Trampelpfad aufwärts, bei dem der Puls zum ersten Mal an die Decke stößt. Es gelingt mir dank meiner gut profilierten Schuhe, Tritt zu fassen und im Morast nicht auszugleiten. Eine kurze Bergabpassage schließt sich an, wiederum gefolgt von einem Up, diesmal auf einem von Schlamm bedeckten Weg. Sieht aus, als hätten die extra einige LKW-Fuhren angekarrt. Es folgt eine steile Down-Passage mit Einmündung auf den Weg, den ich gerade mühsam hoch gelaufen bin. Ich muss scharf bremsen, um nicht in den Gegenverkehr zu gelangen. Nach wenigen Metern mit sanftem Anstieg folge ich einem Wiesenpfad. Dieser mündet in eine Schotterpiste, die mich in Richtung Ziel führt. Hier ist Gegenwind und das Laufen wird für mich mühsam. Kurz vor der Phoenix-Halle muss ich Treppen hinauflaufen, wenige Meter später wieder Treppen hinab. Es entsteht ein kleines Problem. Da die Treppen noch nicht fertig sind, muss ich zwei Sprünge über Zwischenräume machen. Geht gut. Ich mache mich auf den Weg Richtung Halde, vor der ich am meisten Bammel habe. Treppen führen hinauf, ich erlaube mir eine kleine Gehpause einzulegen, um Körner für das große Finale zu bunkern. Die Halde hinunter, alles o k. Noch wenige Schritte, eine Treppe hinauf, der Ansager begrüßt mich, ich bin da. Uff, geschafft. Harte Strecke, aber das war zu erwarten.

Der erste Tag ist somit gut gelaufen, die Organisatoren haben ganze Arbeit geleistet: Drei Zeitnahmen unterwegs plus eine im Ziel, Zielverpflegung mit meinem Lieblings-Weizen (alkoholfrei). Stark auch die Pasta-Party, offensichtlich durchgeführt von den Westfalenhallen.

Bis jetzt kein Muskelkater, bequem und entspannt fahre ich nach Hause. Mal sehen, was es morgen gibt. Die beste Ehefrau der Welt war heute verhindert, aber morgen wird sie dabei sein. Da muss ich doch mein bestes geben, oder?


 
 
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