Eine Lauf-Trilogie - Dritter Tag
von Wolfgang Seebacher

Das darf doch nicht wahr sein. 1:30 Uhr in der Nacht und ich bin putzmunter. An Schlaf ist kaum noch zu denken, lediglich Seitenwechsel ist angesagt. Bloß nicht verschlafen, hämmere ich mir ein, du musst heute eine Stunde eher aufstehen, und die öffentlichen Verkehrsmittel fahren den Sonntagsfahrplan. Gut, keine muskulären Probleme aus der gestrigen Belastung. Läßt sich gut an.

Nach einem Frühstück und dem Versprechen an die beste Ehefrau der Welt, gut auf mich aufzupassen, fahre ich zum letzten Mal nach Hörde. Heute scheint die Sonne, von Bewölkung oder gar Regen weit und breit nichts zu sehen.

Im Grunde läuft es wie gestern. Treffen mit Frank und Helmut, seinem Laufkollegen, kurzes ab- und einstimmen, einsteigen in den völlig überhitzten Bus und auf zum Augustinum. Der Busfahrer meint es heute besonders gut und zeigt uns auf einer kleinen Rundfahrt durch den Dortmunder Süden viele Stellen, an denen es sich wohl besonders außergewöhnlich leben lässt.

Das Augustinum hat wiederum für uns geöffnet. Das trägt wesentlich zur Entspannung bei. Ich bin zwar angespannt, aber nicht supernervös. Ich trichtere mir immer wieder ein, du hast nichts zu verlieren, du musst finishen, du hast einen 9er-Schnitt zu schaffen, um in der Wertung zu bleiben, machbar. Heute laufen wir die Strecke, die mein Lauffreund Uwe und ich am letzten Sonntag zurückgelegt haben.

Bei meinen Vorbereitungen tippt mir plötzlich jemand auf die Schulter. Nein, das ist doch nicht zu fassen: Uwe und Dirk, meine Laufkollegen, haben es sich nicht nehmen lassen, mit am Start zu sein, wenn die dritte Etappe durchgeführt wird. Ich freue mich ungemein. Uwe fotografiert, schöne Erinnerungen.



Ganz klar, Sabine ist immer noch dabei
 

Frank und ich, zuversichtlich


Kurz vor dem Start sorgen die Kradfahrer für Ordnung
(links ist mein „Bekannter“)
 

Die Meute begibt sich auf den Bittermark-Run

Pünktlich laufen wir heute auf dem Hauptweg Bittermark zunächst zwei Kilometer in Richtung Eiche, biegen aber kurz unterhalb der Eiche im rechten Winkel nach rechts ab, stürzen uns über verschlammte Pfade wieder zum Augustinum, um einen zweiten Anstieg parallel zum Hauptweg wieder bergauf zu laufen.
Hier empfängt uns der erste Verpflegungsstand des heutigen Tages, wie gewohnt gut sortiert.

Die Anstiege werden nun doch härter, das Feld ist inzwischen weit auseinander gezogen.

Frank und Helmut sind nicht mehr zu sehen. Nach einem kurzen Stück wiederum auf dem Hauptweg führt der Kurs direkt unter der Autobahnbrücke nach links Richtung Brücke über die B54. Ich verfalle wieder in meinen Wiegetritt, der mir schon gestern geholfen hat, ich komme nur mühsam voran. Nach endlos langer Zeit erreiche ich einen Querweg, an welchem ein weiterer Versorgungsstand platziert ist. Ab da geht es wieder in rasantem Lauf über Stein, Geröll und Wurzeln talwärts. Größte Vorsicht ist geboten, um verletzungsfrei zu bleiben.

Zwischendurch immer wieder freundliche und aufmunternde Worte von zahlreichen Streckenposten. Die heutige Strecke ist wie die gestrige wieder hervorragend markiert und betreut.

Ich vermisse Sabine, die sich wohl weiter hinten im Feld aufhält. Mir fehlt ein Gesprächspartner. So allein dahin zu laufen ist nicht besonders prickelnd.

Hin und wieder sehe ich auf meine voll aufgetankte Super-High-Tec-GPS-Uhr und registriere zufrieden, dass ich ausreichend Zeit habe, um innerhalb des Limits zu finishen.

Die weiteren fünf Kilometer vom Augustinum zum Phoenix-Gelände verlaufen unspektakulär. Es geht wieder in Richtung Zoo, Rombergpark. Da, Motorengeräusche hinter mir: Mein Motorradfahrer fährt auf, „Wolfgang, Sabine ist weit hinter dir“, ruft er mir zu. Eigentlich schade, jetzt kann ich es auch nicht ändern, ich muss allein durch.

Die beste Ehefrau der Welt müsste neben der Tochter eigentlich auch wie verabredet inzwischen im Zielbereich angelangt sein. Warum nicht einfach anrufen? Gedacht, getan. Die Verbindung kommt zustande.

Noch zwei Kilometer. Endlos schlängelt sich der Weg auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände. Ich habe das Gefühl, nicht voranzukommen.

Noch ein Kilometer. Vom Zielbereich nichts zu sehen. Endlich, etwa 500 Meter vor dem Ziel sind Lautsprechergeräusche und Sprachfetzen auszumachen. Wolfgang, diese letzten Meter wirst du doch noch locker hinter dich bringen. 200 Meter bis zum Ziel, der Boden wird uneben, Baustelle, einige Treppenstufen hoch, noch 30 Meter, dein Name wird gerufen, Zielmatte, Finish. Der Projektleiter umarmt mich, hängt mir die Medaille um den Hals. Ich bin überglücklich. Ich habe das bisher größte Abenteuer meines Läuferlebens erfolgreich überstanden. Ich realisiere dies gar nicht sofort.

Die beste Ehefrau der Welt und unsere Tochter umarmen mich.



Ich bin happy
 

Alle Finisher freuen sich

Nach kurzer Verschnaufpause bekommst du das Finisher-Shirt und Verpflegung. Anschließend ist ausgiebiges Duschen in der Schule angesagt, bevor du zum letzten Mal an der Pasta-Party, die
eigentlich einem Menü gleicht, teilnimmst.

Was nehme ich mit?
Für mich war dieser Trail-Run die am besten organisierte Veranstaltung, an der ich jemals teilgenommen habe. Ich habe keine Sekunde während der drei „tollen Tage“ bereut. Ich fand das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen, wobei für mich hinzukommt, dass ich keinerlei weitere Kosten hinsichtlich Anfahrt oder Unterkunft hatte.

Dank an den Veranstalter. Ein besonderer Dank gilt dem LT Bittermark und seinen zahlreichen Helfern, die in dem unwegsamen Gelände Wind und Wetter getrotzt haben und für jeden Teilnehmer immer ein freundliches Wort hatten.

Falls die Veranstaltung im Jahre 2010 wieder in Dortmund stattfindet, bin ich dabei.

Ach so, mein zweites Paar Schuhe sah nach dem dritten Tag so aus:



von Wolfgang Seebacher
 
Laufsport bunert in Dortmund - Der Profi rund ums Laufen

Medisport-Lauf - Institut für Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung, Fitness- und Präventivtraining

ACTIVE Sportshop in Hamm - Laufen, Nordic Walking, Triathlon

TrailRun Worldmasters

 


Home | Nach oben | Laufgeschichten | Veranstaltungsberichte | Ergebnisse