Pünktlich
laufen wir heute auf dem Hauptweg Bittermark zunächst
zwei Kilometer in Richtung Eiche, biegen aber kurz unterhalb
der Eiche im rechten Winkel nach rechts ab, stürzen
uns über verschlammte Pfade wieder zum Augustinum,
um einen zweiten Anstieg parallel zum Hauptweg wieder bergauf
zu laufen.
Hier empfängt uns der erste Verpflegungsstand des heutigen
Tages, wie gewohnt gut sortiert.
Die
Anstiege werden nun doch härter, das Feld ist inzwischen
weit auseinander gezogen.
Frank
und Helmut sind nicht mehr zu sehen. Nach einem kurzen Stück
wiederum auf dem Hauptweg führt der Kurs direkt unter
der Autobahnbrücke nach links Richtung Brücke
über die B54. Ich verfalle wieder in meinen Wiegetritt,
der mir schon gestern geholfen hat, ich komme nur mühsam
voran. Nach endlos langer Zeit erreiche ich einen Querweg,
an welchem ein weiterer Versorgungsstand platziert ist.
Ab da geht es wieder in rasantem Lauf über Stein, Geröll
und Wurzeln talwärts. Größte Vorsicht ist
geboten, um verletzungsfrei zu bleiben.
Zwischendurch
immer wieder freundliche und aufmunternde Worte von zahlreichen
Streckenposten. Die heutige Strecke ist wie die gestrige
wieder hervorragend markiert und betreut.
Ich
vermisse Sabine, die sich wohl weiter hinten im Feld aufhält.
Mir fehlt ein Gesprächspartner. So allein dahin zu
laufen ist nicht besonders prickelnd.
Hin
und wieder sehe ich auf meine voll aufgetankte Super-High-Tec-GPS-Uhr
und registriere zufrieden, dass ich ausreichend Zeit habe,
um innerhalb des Limits zu finishen.
Die
weiteren fünf Kilometer vom Augustinum zum Phoenix-Gelände
verlaufen unspektakulär. Es geht wieder in Richtung
Zoo, Rombergpark. Da, Motorengeräusche hinter mir:
Mein Motorradfahrer fährt auf, „Wolfgang, Sabine
ist weit hinter dir“, ruft er mir zu. Eigentlich schade,
jetzt kann ich es auch nicht ändern, ich muss allein
durch.
Die
beste Ehefrau der Welt müsste neben der Tochter eigentlich
auch wie verabredet inzwischen im Zielbereich angelangt
sein. Warum nicht einfach anrufen? Gedacht, getan. Die Verbindung
kommt zustande.
Noch
zwei Kilometer. Endlos schlängelt sich der Weg auf
dem ehemaligen Stahlwerksgelände. Ich habe das Gefühl,
nicht voranzukommen.
Noch
ein Kilometer. Vom Zielbereich nichts zu sehen. Endlich,
etwa 500 Meter vor dem Ziel sind Lautsprechergeräusche
und Sprachfetzen auszumachen. Wolfgang, diese letzten Meter
wirst du doch noch locker hinter dich bringen. 200 Meter
bis zum Ziel, der Boden wird uneben, Baustelle, einige Treppenstufen
hoch, noch 30 Meter, dein Name wird gerufen, Zielmatte,
Finish. Der Projektleiter umarmt mich, hängt mir die
Medaille um den Hals. Ich bin überglücklich. Ich
habe das bisher größte Abenteuer meines Läuferlebens
erfolgreich überstanden. Ich realisiere dies gar nicht
sofort.
Die
beste Ehefrau der Welt und unsere Tochter umarmen mich.