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Bei
Kaiserwetter um den Baldeneysee
von Hans Urbaniak
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Der
RWE Marathon am Baldeneysee in Essen ist das Lauf-Highlight
im Herbst. Hier kommen auch Teilnehmer mit den unterschiedlichsten
Laufniveaus voll auf ihre Kosten, denn für die, die sich
noch nicht die vollen 42 Kilometer zutrauen, gibt es einen
Staffelmarathon. Dieses Rennen ist für mich immer ein
netter Ausklang der jährlichen Marathonsaison und Marathon
Nummer 11 in diesem Jahr. Nach dem ernüchternden Ergebnis
in Berlin vor 14
Tagen, wollte ich zumindest am 10.10.2010 in die Nähe
meiner Bestzeit kommen, aber zumindest unter 3:30 Stunden
bleiben. Ein Blick auf meine bisherigen Zielzeiten zeigte,
dass die Wahrscheinlichkeit, dies in Essen zu erreichen, relativ
groß war. Denn diese magische Grenze hatte ich bisher
bei jedem meiner Starts hier unterbieten können. Also
Selbstvertrauen war angesagt! |
Abfahrt
am Sonntagmorgen um 08:00 Uhr in Dortmund. Keine Wolke am
Himmel. Es war kalt und das Thermometer zeigte nur knapp 8
Grad Celsius an. Der Ort des Geschehens war nach 40 minütiger
Fahrzeit schnell erreicht. Das Problem „wohin mit dem
Auto“ war etwas schwierig, aber auch zügig gelöst.
Dick eingemummt bewegten wir uns in Richtung Startbereich.
Da ich und vier meiner Kollegen, die in der Staffel starteten,
eine VIP-Betreuung durch RWE genossen, mussten wir uns nicht
um Kleiderbeutelabgabe oder Startnummern kümmern. Das
wurde löblicherweise alles bereits im Vorfeld für
uns erledigt. Es gab außerdem auch für alle Kollegen
ein bereits gewaschenes Laufshirt. Klasse! Als wir uns gegen
10 Uhr in Richtung Starblock aufmachten, war es zwar sonnig,
aber kaum wärmer.
Der Startschuss erfolgte pünktlich um 10:10 Uhr und man
schickte uns auf die landschaftlich reizvolle Strecke zweimal
rund um den Baldeneysee im Essener Süden. Meinen Rhythmus
konnte ich während des gesamten Rennens nicht finden.
Ich ging die ersten 30 Kilometer sehr zügig an. Bereits
bei Kilometer 4 streikte dann dummerweise meine High-Tech-Uhr,
so dass ich kaum noch eine zeitliche Orientierung hatte. |
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Locker ins Ziel nach 42 km |
Gefühlt
war ich aber schnell unterwegs, was auch die offiziellen Zeitmesspunkte
bei Kilometer 10 (46:30), 21,1 (01:38:29) und 25 (01:57:20)
bestätigten. Würde ich das durchhalten? An dieser
Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass es mittlerweile,
rund zwei Stunden nach dem Start, doch deutlich wärmer
war. Am Ende des Rennens sollte das Thermometer 20 Grad Celsius
anzeigen. |
Wer
regelmäßig meine Laufberichte liest, der weiß,
was jetzt kommt. Die ja schon fast obligatorische Temporeduktion.
Ganz im Inneren hatte ich bis hierher zwar gehofft, sogar
meine Bestzeit von 3:22 Stunden unterbieten zu können,
da ich doch rund 2:30 Minuten unter meiner Top Zeit aus dem
Jahre 2009 lag. Die 3:15 Stunden Pacemaker immer fest im Blick.
Allerdings entfernten sich diese ab Kilometer 30 langsam aber
sicher unweigerlich Meter um Meter von mir, so dass ich sie
bald nicht mehr ausmachen konnte. „Hoffentlich holen
mich die 3:30er nicht noch ein!“ dachte ich ängstlich,
denn „wenn die dich überholen, dann ist es echt
schwer sich ins Ziel zu motivieren.“ |
Also
hieß es jetzt: Zähne zusammen beißen, die
3:30 Stunden Pacemaker im Genick und die letzten Kilometer
vor Augen. Die Beine schmerzten. Obwohl ich langsamer wurde,
sammelte ich Läufer um Läufer ein. Da machte wohl
das Wetter dem ein oder anderen einen dicken Strich durch
seine Zeitplanung. Der Zielkanal am Regattaturm kam mir diesmal
endlos vor. Dann noch eine 180 Grad Wende und man kann endlich
das sehen, auf das man sich schon so lange freut. Das Erdinger
Alkoholfrei und die Ziellinie kurz davor. |

Zusammen mit den Kollegen der Staffel |
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Ich
finishte zufrieden in 3:27:24 Stunden. Klasse, also habe ich
es in 2010 mal wieder geschafft, die magische Grenze zu unterbieten.
Diesmal ein echter Kraftakt. Die Verpflegung im Zielbereich
war gut. Allerdings ist es hier relativ klein gehalten, so
dass ich mir vorstellen kann, dass es durchaus zu Engpässen
kommt, wenn z.B. die grosse Gruppe der um die 4-Stunden-Läufer
eintrudelt. Ich holte mir mein verdientes Erdinger und setzte
mich erstmal hin, um meinen Erfolg zu begießen. Mein
31. Marathon war Geschichte und mal wieder fühle ich
mich wie auf Wolken, es gepackt zu haben. Danach gab es im
VIP-Zelt Getränke und einen total versalzenen Grünkohl.
Naja, aber der gute Wille zählt halt. Im Kreise der Kollegen
blieben wir noch ein wenig vor Ort, um uns und die nachfolgenden
Läufer zu feiern. |
Die
Stimmung war bei diesem Lauf teilweise ausgesprochen gut,
allerdings dort, wo ich die Unterstützung am meisten
gebraucht hätte (Kilometer 37 bis 41), spielte sich leider
nahezu gar nichts am Streckenrand ab. Sommerliche Temperaturen,
familiäre Atmosphäre, gute Organisation und eine
flache Strecke machen diesen Lauf zu einem festen Bestandteil
in meinem Marathonkalender, auch 2011. Rund 180 Staffeln und
1.700 Einzelläufer hatten sich auf den Weg über
die 42,195 Kilometer um den Baldeneysee gemacht. Es hat mal
wieder großen Spaß gemacht, einer von ihnen gewesen
zu sein. |
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