Stiftung Marathon-Test - Qualitätsurteil Empfehlenswert
von Marion Fladda

Deutschland besitzt eine Vielzahl sehr bekannter Marathon-Veranstaltung, bei denen es normal ist, eine längere Anreise in Kauf zu nehmen. Man verbindet dies dann gerne mit einem verlängerten Wochenende in der betreffenden Stadt, damit sich die Anfahrt auch lohnt. Und genau diesen Gedanken haben Möhneman und ich am Wochenende vom 17. bis 19. Juli 2010 in die Tat umgesetzt. Nur mit einem kleinen Unterschied. Anstatt einer riesigen, überlaufenen Marathonveranstaltung haben wir uns eine Veranstaltung ausgewählt, die gerade mal 150 Nennungen für die 42,195 km zu verzeichnen hat. Keine andere Stadt als Bremerhaven soll für dieses familiäre Läuferfeld die Straßen herhalten.
Das Wetter hat an diesem Sonntagmorgen die tropisch hohen Temperaturen etwas verlassen und ist auf mitteleuropäischem Niveau angekommen. Wir betreten gegen acht Uhr morgens den norddeutschen Boden mit der Gewissheit, dass dieser heute noch lange, lange Zeit mit unseren Füßen in Kontakt bleiben wird. Wir checken ein und holen unsere Startnummern. In mir wächst ein kleiner Zweifel heran. Ein Zweifel an unserer Vorbereitung. Wobei ich mir an dieser Stelle mehr Sorgen mache über meine Vorbereitung. Möhneman hat zwar die Gleiche, hat aber schon jahrelange Marathonerfahrung und bringt ein gewisses Maß an Langstreckenausdauer mit, von der ich träume.
 

Eine lange Dixi-Schlange
Meine Marathon-Karriere hat am ersten Mai-Wochenende begonnen. Und damit meine ich das erste Mai-Wochenende 2010. Und Kritiker, die jetzt denken, dass zweieinhalb Monate Abstand zum nächsten Marathon zu kurz sind, kann ich an der Stelle beruhigen. Zwischen dem heutigen Bremerhaven-Marathon und meinem letzten Marathon liegen nicht zweieinhalb Monate. Nein, es liegen eineinhalb Monate zwischen meinem letzten Marathon und heute. Denn zwischen meinen ersten Marathon in Düsseldorf und dem Heutigen in Bremerhaven hat sich noch ein weiterer Marathon gequetscht: der Duisburg-Marathon. Er fand Ende Mai statt und hat mir an Durchhaltevermögen alles abverlangt. Ich hatte dort schon früh Probleme und habe ein unheimliches Motivationstief noch vor Kilometer 20 erlebt.
Mit diesen Gedanken fummle ich nun meine heutige Startnummer an mein Nummernband. Eine angenehme Meeresbrise weht uns um die Nase. Ein Genuss. Seit ein paar Wochen bewegt man sich durch stehende, drückende Hitze. Aber für einen Marathon im Hochsommer sind die klimatischen Vorraussetzungen hier oben in Norddeutschland zumindest heute optimal. Der Wind kühlt den überhitzten Organismus schön runter und trägt dazu bei, dass die Schweißproduktion ein wenig gedrosselt werden kann.
Um 9:30 Uhr werden wir dann zusammen mit den Halbmarathonis und den 10 Kilometer-Läufern auf die Strecke losgelassen. Die Strecke ist eine Rundstrecke, bei der eine Runde die Halbmarathon-Distanz aufweist. Für uns bedeutet dies, dass wir heute zwei Runden drehen dürfen.

Es geht los
 
In dem gemeinsamen Starterfeld fegen die Läufer und Läuferinnen nur so los. Wir müssen uns ordentlich bremsen, um nicht der Herde triebgesteuert zu folgen. Die meisten hier haben nur eine kleinere Strecke vor der Brust. Ich blicke immer wieder auf meine Uhr und muss mich wirklich zügeln. Wir lassen uns leider doch oft mitziehen und zwingen uns dann wieder, langsamer zu laufen. Doch das funktioniert nicht so einfach. Immer wieder kontrolliere ich die Zeiten. Zu schnell für meine Verfassung und unser Vorhaben. Ich überdenke die Möglichkeit, einfach auf einem Bein zu hüpfen. Das dürfte mich bestimmt runter bremsen.
Nach ein paar Kilometern ist das erste Gewühle vorbei und ein Großteil der schnelleren Läufer ist bereits von dannen gezogen. Wir finden nun endlich unser Tempo und genießen die wunderbare Strecke. Sie führt raus aus der Innenstadt durch Parks und über Felder. Durch kleine Vororte mit freundlichen Menschen, die alle paar Meter Duschen für die Läufer aufgebaut haben und die auch nicht an motivierenden Zurufen sparen. Wir traben durch Bremerhaven und ich bin wirklich froh, dass wir die Runde zwei mal laufen dürfen, denn so kann ich mir in der ersten Runde alles in Ruhe angucken und genießen. Wer weiß, welchen Bewusstseinsmodus ich mal wieder ab Kilometer 20 oder so annehme.
 

Es geht sogar über ein Stück Finnbahn
Die Verpflegung ist optimal. Ich komme noch nicht einmal dazu, ein Durstgefühl wahrzunehmen, und schon sehe ich am Horizont wieder eine Verpflegungsstelle. Sie bietet neben Wasser, Iso und Cola auch frisches Obst. Ich weiß gar nicht, woran es genau liegt, aber für mich läuft es heute großartig. Die Beine sind super und ich laufe noch frisch und voller Elan in die zweite Runde. Mit Respekt laufe ich dem "Zwei Drittel-Abschnitt" entgegen. Interessanter Weise habe ich bei allen Distanzen bei zwei Drittel der Strecke Probleme. Ob dies psychischer oder physischer Natur ist, weiß ich nicht. Zwischen km 25 und km 30 befindet sich beim Marathon dieses schwarze böse Loch.

Am BremerHAVEN
 
Ich laufe über die 25 hinweg. Und über die 26. Auch die 27 überrenne ich. Meine Beine und mein Kopf fühlen sich noch intakt an. Meine Freude darüber ist enorm. Schon bald sehe ich das Kilometerschild mit der 30. Möhneman hat in diesem Abschnitt etwas mehr zu kämpfen. Er lässt mich ziehen. Ich versuche das noch gute Gefühl in meinen Beinen zu nutzen. Die zu laufenden Kilometer sind bald nur noch einstellig. Ich laufe die Kilometer nun unter 6 Minuten pro Kilometer und drehe mich immer wieder um. Dabei stelle ich fest, dass Möhneman wieder aufholt. Er hat sich gefangen und schließt wieder auf.
Wir erreichen nun zum zweiten Mal die Innenstadt und das Schönste aller Kilometerschilder. Die 40. Was sind schon 2,195 Km, wenn man 40 schon hat? Ich fühle mich noch immer super. Das Fahrgestell ist etwas steif, aber das ist wohl normal nach einer so langen Zeit. Wir kommen auf die Zielgerade. Sie ist mit vielen kleinen Fähnchen aus verschieden Nationen geschmückt und von vielen applaudierenden Zuschauern gesäumt. Wir haben die Straße für uns, wie den Großteil der zweiten Runde. Die 150 Marathonläufer hatten sich auf der Strecke inzwischen sehr verteilt. Und so genießen wir nun einen Zieleinlauf mit ganz viel Gänsehaut nur für uns. Bremerhavens Innenstadt jubelt und applaudiert den beiden blauen Superhelden zu.
 

Zieleinlauf
Wir überqueren die Ziellinie mit einer Zeit von 4:18:53. Ich habe meine persönliche Bestzeit um eine Viertelstunde verbessert. Überwältigt und glücklich ringe ich nach dem tollen Zieleinlauf nach Worten. Und dies tue ich noch immer. Dieser Lauf ist einfach nur laufenswert. Mein Appell an euch da draußen vor den Rechnern: Lauft nicht nur Massenmarathons, wie Berlin, Köln und Düsseldorf. Probiert doch auch mal nicht ganz so bekannte Veranstaltungen aus. Ich war und bin begeistert von Bremerhaven. Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt.
von Marion Fladda
 
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