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Long
Jog for Bremerhaven
-Part one-
von Marion Fladda
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Der
letzte Marathon liegt nun 2 1/2 Wochen hinter mir und es ist
Zeit. Zeit für was Neues. Zeit das Gelernte über
Regenerationszeiten und Pipapo wieder zu vergessen. Zeit bei
Kilometer 26 wieder zu verzweifeln. Zeit zum Rennen... |
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Mittwoch,
16. Juni 2010, 15:00 Uhr, in Welver.
Ich mache mich mit meiner obligatorischen 6%-igen Kohlenhydrat-Lösung
bestehend aus Apfelsaft, Glucose und Welveraner Leitungswasser
auf den Weg. Das erste Mal in meinem Leben werde ich einen
Long-Jog alleine abarbeiten. Das erste Mal ohne meinen GPS-Möhneman,
der jeden Meter rund um Welver vermessen hat. Er weiß
zu jedem Zeitpunkt, wo wir uns befinden, welches Tempo wir
gerade laufen und wann der nächste Straßenbegrenzungspfosten*
kommt.
Und nun bin ich alleine, kenn mich hier nicht aus, habe diese
orientierungslosen, weiblichen Gene und bin blond.
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Ich
habe vor, erst mal eine Strecke zu laufen, die ich kenne.
Man läuft zu einem Punkt, dreht um und hat dann schon
mal 13km abgespult, wenn man wieder zu Hause ist. Den Rest
an Kilometern werde ich dann in Form von aufregenden Runden
im Wald abspulen. Das Wetter ist ein Traum. Die Sonne scheint
und der Wind ist angenehm kühl. Ich habe das Verlangen,
auf Asphalt zu laufen. Dabei genieße ich die warme Luft,
die von ihm aufsteigt.
Schon bald erreiche ich den Wendepunkt und möchte weiter.
Warum nicht. Ich werde mir einfach merken, wo ich lang laufe
und werde dann einfach nach 1 1/2 Stunden umdrehen, um dann
den ganzen Senf wieder zurückzulaufen. So einfach ist
das. Gedacht, getan. Ich laufe und laufe und komme nach 1:11
Stunden an eine Gabelung, an der ein Schild der Maratahon-Route
steht: 27,1 km. Mmh, ich könnte auch hier einfach in
die Route einsteigen und es dann mal genießen, mit nur
9 km in den Beinen die kommenden 20iger-km-Schilder abzulaufen.
Schließlich habe ich persönlich bei km 26/27 immer
mein großes Marathon-Tief. Und das wäre doch mal
ne Top-Idee, einfach mal da erst einsteigen und so tun als
ob. Ich Fuchs. Ich nehme die Marathon-Route. |
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Ich
habe noch 15 km bis nach Hause. Das ergibt dann mit den knapp
10 bereits gelaufenen Kilometern zusammen 25 km. Das muss
reichen. Meine Furcht mich nun zu verlaufen, ist schnell verflogen,
da die Schilder immer schön sichtbar an allen Ecken den
Weg weisen. Ich trabe durch die Felder. Eine wunderschöne
Landschaft. Vorbei an Kuhwiesen, Ziegen und Pferden. Meine
Fans. Mit jedem Schritt merke ich jedoch, dass sich meine
Beine mit Blei füllen. Neidisch blicke ich zu den Kühen
auf der Wiese. Haben die es gut. Die können da so rum
hängen und einfach nur blöd aus der Wäsche
gucken. Das würde ich jetzt auch viel lieber machen.
Wobei ich den Teil mit dem blöd gucken bereits erfolgreich
praktiziere.
Ich spüre immer mehr das Salz auf der Haut. Eine Trinkflasche
nach der anderen ist leer. Ich freu mich über jedes Marathon-Schild,
welches mir bestätigt, dass ich mich noch nicht verlaufen
habe. Meine Beine werden immer schwerer. |
Und
was ist das? Bekomme ich etwa Hunger? Mmh... ob man den Mohn
am Feldrand essen kann? Ob da wohl noch Spuren von Opium drin
sind, was mich dann den restlichen Weg nach Hause fliegen
lässt? Ich probiere es nicht aus und schlürfe weiter.
Ich passiere einen platt gefahren Maulwurf. Ohne große
Anstrengung erkenne ich die Ähnlichkeit des Kadavers
auf dem Asphalt zu mir. Würde ich meine Kontaktlinsen
raus nehmen, dann wären ich und der Maulwurf absolut
identische Lebensformen. Ich schleppe mich weiter. Und Tätäää…
da ham' was. Ich habe gepennt. Geschlafen. Geträumt.
Der Weg endet und es geht nun nur noch nach rechts oder links.
Aber kein Routenschild. Und jetzt? Nur ein normales Straßenschild
ist da. Wo wohne ich noch gleich? Welver. Ok, dann nehme ich
„rechts“ und laufe weiter. |
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Auf
der Straße erblicke ich schon wieder ein Opfer des Straßenverkehrs...
oder aber einer zu hohen Ballaststoffzufuhr. Ein Straßenbegrenzungspfosten*
steckt ganz schief im Boden. Was ihm wohl widerfahren ist?
Der Arme. Nach einigen Kilometern finde ich meine Route wieder.
Ich hatte wohl etwas geschlafen. Na ja. Schilder lesen bedarf
auch einer gewissen Aufmerksamkeit und Intelligenz.
Der letzte Abschnitt geht über kleine romantische Brückchen
und auf den letzten Metern durch den Wald. Trotz total steifer
Beine genieße ich die schöne Strecke. Mit meinem
kleinen "Verlaufer" beende ich meinen Lauf mit einer
Zeit von 3 1/2 Stunden. Kilometertechnisch dürften es
so ca. 25 sein, von denen die letzten 15 km echte Marathon-Kilometer
waren. Und das hat richtig Spaß gemacht. Wer freut sich
nicht über das Kilometer-Schild mit der 40? Und wer genießt
nicht die Blicke der Leute, die denken, man würde gerade
die Marathon-Route laufen? (Man muss nur an jedem Schild nah
genug vorbeilaufen und ganz genau gucken, wie es weiter geht,
und schon denkt jeder Passant, man rennt gerade einen Marathon.)
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So,
lieber Läufer wenn Du mal an einem Wochenende nichts
im Termin-Planer hast und das Wetter alles gibt, dann komm
nach Welver zur Marathon-Route. Die ist das ganze Jahr ausgeschildert
und führt Dich sicher (es sei denn, Du bist so blond
und unaufmerksam wie ich) durch eine schöne Landschaft
mit reichlich Mohn und Straßenbegrenzungspfosten*. Du
kannst wählen zwischen einer 10er, 21,1er, 30er oder
42,195er Strecke. Mein Geheim-Tipp: Such Dir vorher die Marathon-Strecke
raus und steig bei Kilometer 30 oder 40 ein und genieß
das noch frische Gefühl bei 42,195 ;-)
Und wenn Du dafür eine Urkunde haben möchtest, dann
komm einfach am 3.Oktober nach Welver. Dann gibt’s den
5amTag-Marathon mit Zeitnahme, Urkunde, Verpflegung und natürlich
auch mit Straßenbegrenzungspfosten*.
von Marion Fladda |
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Noch mehr lustige Details zum Thema "Straßenbegrenzungspfosten"
findest Du im neuen Laufbuch "Laufend durchs Revier".
Hier erfährst Du, warum sie manchmal total schief stehen... |
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