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Der
Metro-Marathon
von Marion Fladda |
Wie
gut, dass manche Dinge gar nicht so wahnsinnig viele Teile
haben. Irgendwann einmal einen Marathon zu laufen… das
sollte reichen. Das waren auch meine Gedanken bei km 30. Aber
beginnen wir bei 0 bzw. davor... |
01.
Mai 2010
Frank und ich reisen ins entfernte Düsseldorf, um unsere
Nummern zu holen. Wobei man korrekter Weise sagen müsste:
Möhneman und Möhnewomen reisen nach Düsseldorf
und holen ihre Superhelden-Nummern. Man kennt sie: Unzählige
Superhelden-Geschichten, was sie tun und wie sie welche geworden
sind. Manche wurden von Spinnen gebissen und manche... nun
ja sind einfach ein paar km zu weit durch den Wald gelaufen....
So fliegen... laufen wir nun durch die Welt und versuchen
die Läuferwelt zu überzeugen von dem wahren Schlammlauf
am wunderschönen Möhnesee.
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Schon
bei dem Einatmen meiner ersten Marathon-Luft wird mir ganz
Flau im Magen. Oder sogar noch ein Stückchen weiter unten.
Ob Superhelden auch Verdauungsprobleme bekommen können?
Wir holen unsere Nummern und versuchen uns schon mal zu orientieren.
Die Aufregung wächst in mir. Meine Beine werden weicher.
Die Konsistenz gleicht der dieser netten Energie-Gel-Tüten.
Mein erster Marathon. Wir haben uns die letzten Wochen Gedanken
darüber gemacht, wie wir ihn laufen sollen. Und nun steht
fest, dass ich einfach laufe, wie ich meine und auf keinen
Fall auf die Uhr gucke, da diese in mir immer nur Stress auslöst.
Das ist bei Superheldinnen so, da ihnen dann immer einfällt,
was sie noch so alles erledigen wollten... waschen, bügeln,
kochen und was für den Weltfrieden tun. Vielleicht auch
mal eine Katze vom Baum retten. 42,195 km ohne auf die Uhr
zu gucken. Einfach nach Gefühl. |
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02.Mai
2010
Es ist so weit. Wir schlappen mit unseren Säcken zur
Sack-Abgabe. Es ist unerwartet frisch, um nicht zu sagen total
kalt. Der Himmel ist zugezogen und sieht regengeschwängert
aus. Möhnemann und Möhnewomen stecken in blauen
Müllsäcken, um den letzten Funken Superhelden-Wärme
zu konservieren. Die Verdauung hat sich die letzten Stunden
als unheimlich ergiebig herausgestellt. Der Schlaf letzte
Nacht eher als das Gegenteil. Die gute Aufregung. Wir bewegen
uns nach Abgabe unserer Beutel zum weißen Block der
Anfänger. Die Zeit läuft. Gleich ist es so weit.
Die Müllsäcke werden abgestreift und wir warten
auf den Schuss.
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Es
ist so weit. Die Herde der Marathonis setzt sich Bewegung.
So, jetzt schön mit Gefühl das Tempo vorgeben. Die
km vergehen und wir überholen die 4:30-Luftballons. So
ein Ärger, dabei wollte ich von der Zeit nichts wissen
und jetzt fliegen hier sogar gelbe Luftballons rum, die mir
mitteilen, was ich da für ein Tempo laufe.
Mir ist klar, dass ich das so nicht lange bzw. bis 42,195
km aushalten kann. Mmmh... aber die Beine sind super. Ich
halte das Tempo. Die Strecke ist einfach umwerfend und motiviert
uns zum schnellen, übermütigen Laufen. Die Leute
am Straßenrand geben alles. Wie wir. Es läuft rund.
Meine Eltern entdecke ich gleich zweimal. Sie reisen ihren
Superhelden hinterher. |
Km
26... was passiert denn da auf einmal in meinen Beinen? Neben
einem leichten Ziehen werden sie auf einmal irgendwie matschiger.
Ich nehme das Tempo leicht raus. Das war klar. Na super.
Die Beine werden immer schwerer. Und die 30 ist noch nicht
in Sicht. Und was ist eigentlich mit der doofen 27 los? Die
lässt sich auch nicht blicken. Die Minuten vergehen.
Mein rechtes Knie zwickt leicht. Die 27? Nicht zu sehen. Das
Applaudieren der Zuschauer wird leiser und verschwindet hinter
meinen lauten Gedanken bezüglich der 27. Wo bleibt sie
denn?
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Der
Blick wandert vom Horizont und den Zuschauern runter zum Asphalt.
Schlapp, schlapp, schlapp, schlapp.... Nach gefühlten
20 Minuten taucht sie auf. Die 27. Schelmig grinsend. Na ja,
jetzt sind es nur noch die 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35,
36, 37, 38, 39, 40, 41, 42 und 195m. Wenn das alles so ratzfatz
geht, wie die 27, dann dürfte das kein Problem geben.
Die Beine werden mit jedem Meter schwerer und irgendwie steifer.
Ich bemühe mich weiter locker zu laufen. Nicht zusammen
zu fallen. Zu atmen. Es ist genug Sauerstoff da. Also los,
auf geht’s, ab geht’s, drei Tage wach... |
Die
nächsten km-Schilder kommen schneller. Was wohl mit der
27 los war? Die 30 kommt und mit ihr eine Veränderung
in meinem Bewusstsein. Irgendwie kann ich es gar nicht in
Worte fassen, aber emotional ist irgendwas passiert. Irgendwelche
Glückshormone, die nochmal irgendwas reißen wollen?
Man weiß es nicht. |
Wir durchpflügen die 30er und überholen immer mehr
Ex-Läufer, die nur noch gehen. Wir nähern uns der
Königs-Allee und km 40. Ein gutes Gefühl. Die letzten
km wurden wir von vielen Staffel-Läufern überholt.
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Km
41. Es geht dem Ende zu. Wir biegen von der Kö wieder
ab und laufen in Richtung Rhein. Ein wunderschöner Anblick.
Der weiße Zielbogen ist zu sehen. Wir laufen entlang
der Rheinterrasse und forcieren das Tempo. 1000e von Zuschauern
stehen am Rand und säumen das Bild. Wir überholen
ein paar Staffeln und Marathonis und finishen mit einer Zeit
von 4:34:03.
Lustigerweise war meine Empfindung des Einbruchs bei km 26
nur subjektiv. Objektiv sind wir sehr gleichmäßig
gelaufen mit einer leichten Tempoabnahme bei km 26. |
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Somit
hätte ich das Laufen eines Marathons von meiner ToDo-Liste
auch gestrichen. Haken dahinter. Warum sollte man sich noch
mal so quälen? |
Auf
der Heimfahrt döse ich neben Möhnemann auf dem Beifahrersitz
und frage:
"Wann ist Duisburg?"
"Am 30.5."
"In vier Wochen."
"Mmmh!"
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