Ein jährlich wiederkehrendes tolles Ereignis
von Wolfgang Seebacher

Ich bereite mich derzeit bekanntlich auf zwei Ereignisse vor, die meiner Ansicht nach gar nicht gegensätzlicher sein können. Da ist der flache Münster-Marathon, in dem die westdeutsche Marathonmeisterschaft ausgetragen wird. Ein Muss für mich als Altersklassenläufer, zumal dieser Lauf für mich zu den schönsten deutschen Marathons zählt. Gerne laufe ich in der Stadt, in der ich vor Jahren, was sage ich, vor Lichtjahren mal studiert habe. Andererseits findet wieder der Trail-Run in Dortmund statt, den ich ja immer und immer wieder ausführlich würdige.
In diesem Dilemma also, einem selbst gewählten und positiv zu bewertendem Konflikt, versuche ich einen Spagat, um das Optimum an Schnelligkeit und Stehvermögen herauszuholen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es gut ausgeht, im letzten Jahr konnte ich es beweisen.
Aber fangen wir doch vorn an. Zum Eingewöhnen und Auffrischen der Wettkampfhärte will ich den Halbmarathon im Fredenbaum laufen. Für mich als Dortmunder ein Muß, denn viele Veranstaltungen gibt hier nicht, da gilt es, durch Teilnahme Flagge zu zeigen.

Die beste Ehefrau der Welt möchte gern 10 Kilometer walken. Eine tolle Sache, wenn sich beide Ehepartner sportlich betätigen, da gibt es wenig Diskussionen über die Aktivitäten. So fährt sie zusammen mit einer Lauffreundin zum Ort des Geschehens. Die beiden haben schon mehrfach mit viel Spaß und großer Begeisterung an diesem Event teilgenommen. Sie erreichen gemeinsam das Ziel mit dem Gefühl, eine wunderbare Zeit in der Natur verbracht zu haben.

Der Halbmarathon ist als letztes aller Rennen terminiert. Im Vorfeld spreche ich mit einigen Bekannten und Freunden über dies und das, über bevorstehende Starts im In- und Ausland, kurz über Dinge, die uns Läufer beschäftigen. Ich treffe auch Kordula, die in diesem Jahr am Trail-Run teilnehmen möchte. Gemeinsam mit ihr werde ich soweit möglich trainieren.
 
Leider ist mein Lauffreund Uwe am Vortag erst aus dem Urlaub zurückgekehrt und kann deshalb nicht den Halbmarathon mitlaufen. Als er mir seine Entscheidung bekanntgibt, meine ich, schon etwas Enttäuschung aus seiner Stimme herauszuhören. Uwe, in Münster kämpfen wir wieder gemeinsam.
 
Es ist inzwischen sehr warm geworden, beim Einlaufen spürte ich die Schwüle. Die Strecke führt zwar großenteils durch eine bewaldete Parklandschaft, so dass viel im Schatten liegt, aber unter dem Blätterdach staut sich doch die Wärme. Mal sehen, wie ich damit auf den vier Runden zurechtkomme.

Diese Gelassenheit verflüchtigt sich nach dem Start sehr schnell. Eingereiht in eine lange Läuferschlange gehe ich den ersten Kilometer an. Ich merke nach wenigen Hundert Metern trotz des Schattens die Schwüle und Wärme stärker als beim Einlaufen. Kann ich mein Anfangstempo halten? Wie wirkt sich die Wärme? Bist Du gut drauf?

Ich versuche, ein gleichmäßiges Tempo beizubehalten. Bis Kilometer 10 gelingt mir das.
Dann muss ich der Wärme Tribut zollen. Die Dauer meines Aufenthalts an den beiden Verpflegungsstellen des Rundkurses verhält sich direkt proportional zur gelaufenen Zeit. So kommt, was kommen muss: In den Runden 3 und 4 muss ich das Lauftempo massiv reduzieren. Meine Super-High-Tec-GPS-Uhr ist da gnadenlos, umbarmherzig erfüllt sie ihre Aufgabe, nämlich korrekt zu messen, und das in aller Ausführlichkeit.
Ich sehe, dass einige Teilnehmer gehen, ja sogar das Rennen vorzeitig beenden müssen. Dieses Missgeschick kann ich glücklicherweise vermeiden, obwohl Du das Gefühl hast, am Körper zusätzliche Gewichte hängen zu haben, die das Vorwärtskommen erschweren.

In die letzten Kilometer lege ich meine ganze Routine und Abgeklärtheit, so dass ich noch gut unter zwei Stunden finishen kann.
 
 
Es wird jeder von Euch nachvollziehen können, dass ich mit meinem Ergebnis nicht so ganz, sondern nur zu 95% zufrieden bin. Aber was willst Du unter diesen schwierigen Bedingungen anderes erwarten?

Gegenüber einigen meiner Mitstreiter bin ich froh, das Ziel erreicht zu haben, auch wenn ich mich fühle wie nach einem 100er.

Wie zu lesen ist, hing die Durchführung des Ereignisses wegen der Großbaustelle im Fredenbaum am seidenen Faden. Ein Dank den beteiligten Firmen und dem Organisator Gerhard Niemeyer, dass wir laufen durften.
Ein kleiner Nachgeschmack bleibt. Meine unbestechliche Uhr zeigt eine gelaufene Distanz von 20,71 Kilometern an. Okay, ungenaue Messung, Schuld ist das dichte Laubwerk über mir, denke ich. In Gesprächen mit einigen weiteren LäuferInnen erfahre ich, dass diese auch ähnliche Distanzen gemessen haben. Wir gehen aber alle davon aus, dass die Streckenlänge stimmt und unsere Uhren Störungen beim Satellitenempfang hatten.

Auf jeden Fall gilt für uns: Im Jahre 2011 sind wir wieder dabei.
  von Wolfgang Seebacher
 
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