Ein Glühwein zum Jahresabschluss
von Hans Urbaniak

Zwölf in einem Jahr. Das war eines der läuferischen Ziele, die ich mir für 2010 vorgenommen hatte. Der letzte Marathon des Jahres startete für mich am 3. Advent-Sonntag. Die Endorphinjunkies hatten zum Glühweinmarathon eingeladen. Start war auf dem kleinen Parkplatz gegenüber vom „Freischütz“ in Dortmund, 6:30 Uhr. Da muss man selbst als erfahrener Läufer tief durchatmen, denn das ist für einen Sonntagmorgen echt früh. Kurz vor halb sieben erreichte ich den Startbereich und wurde mit den Worten „Du bist aber spät dran!“ begrüßt. Das Läuferfeld war sehr übersichtlich. Von den online angemeldeten Teilnehmern, waren leider nur gut die Hälfte erschienen.
 
So startete ich mit meinen vier Mitstreitern auf die rund 43 km lange Strecke durch den Dortmunder Süden. Gut, dass zwei Junkies eine Stirnlampe dabei hatten, denn in der Dunkelheit waren diese für rund anderthalb Stunden die einzigen Lichtquellen, die uns den Weg wiesen.
 
Die ersten Meter waren schon recht schwierig, da es in den vergangenen Tagen immer wieder im Wechsel geschneit und getaut hatte. Daher war der Untergrund teilweise sehr glatt. Nach gut 500 Metern bogen wir auf eine Hauptstrasse ein. Hier war es gut zu laufen. Die Gesprächsthemen drehten sich natürlich rund ums Laufen und alles was irgendwie damit zu tun haben könnte. Ich empfand es als angenehm, so früh morgens unterwegs zu sein und nette Unterhaltungen zu führen.
Es ist wohl jedem Leser klar, dass außer uns niemand zu sehen war.
Wir liefen über Holzen und Sommerberg in Richtung Hohensyburg. Teilweise bewegten wir uns hierbei auf den Pfaden des Trail-Run, über den ich ja bereits berichtet hatte. Hier war der Untergrund sehr rutschig und nass, so dass der ein oder andere von uns schon mal auf der Nase lag, jedoch schnell wieder aufstand, um weiter zu laufen. Nach rund 90 Minuten erreichten wir die Syburg. Leider war das Wetter nicht so schön, dass man den Sonnenaufgang hätte erleben können. Nach einem kurzen Blick ins Ruhrtal ging es auch schon weiter. Das sehr gemächliche Tempo war dem streckenweise sehr glatten Untergrund geschuldet, der einfach keine Tempoeskapaden zuließ. Für die Verpflegung auf der Strecke war im Übrigen jeder Teilnehmer selber verantwortlich.
Gegen 9:45 Uhr erreichten wir nach rund 27 km den Ausgangspunkt. Ich fühlte mich immer noch richtig gut. Hier gab es leckeren Kaffee, Plätzchen und Süßigkeiten. Wer mochte, der konnte auch schon einen Glühwein probieren. Ich entschied mich für Kaffee und einen Schokoriegel und zog mir frische Kleidung an.
Gegen 10 Uhr startete dann der Glühweinlauf. Die rund 30 Teilnehmer nahmen wir mit auf die letzten 15 Kilometer durch den Schwerter Wald. Bergauf und bergab, immer schön im Wechsel, ging es durch dieses herrliche Waldgebiet. Es war hier sogar noch rutschiger als auf den ersten Kilometern am frühen Morgen. Nach rund sieben Kilometern durch Eis und Schnee erreichten wir wieder den Ausgangspunkt. Jeder Läufer, der mochte, konnte sich jetzt hier am zur Verfügung gestellten „Buffet“ bedienen. Kurz danach begaben wir uns auf das finale Stück des Laufes. So langsam merkte ich meine Beine, die irgendwie keine große Lust mehr hatten weiter zu laufen.
 
Aber ich biss die Zähne zusammen und steuerte dem Ziel entgegen. An der kurz vor Erreichen des Zieles angesetzten Bergwertung nahm ich nach meinem vierten Platz im letzten Jahr nicht teil und half bei der Organisation im Berg-Ziel. Gewertet wurden hier der erste weibliche bzw. männliche Läufer. Danach ging es auf die letzten zwei km.
 
Ich führte, nach jetzt insgesamt 43 Kilometern, das Feld ins Ziel auf dem kleinen Parkplatz gegenüber vom „Freischütz“. Dort hatten die Endorphinjunkies jetzt so richtig aufgefahren. Glühwein, Bratwurst, Kaffee und Kuchen, Erdinger, Kekse, Süßes, Brötchen und, und, und.

Das war der Hammer, wenn man bedenkt, dass die Teilnahme an dieser Veranstaltung völlig kostenlos möglich war. Auf dem „Buffet“ stand eine Spardose, in die ich sehr gerne einen freiwilligen Obolus einwarf.
Zum krönenden Abschluss wurde noch eine Siegerehrung durchgeführt. Einmal für die Finisher des Marathons, die jeder eine Urkunde mit Namen bekamen, jeweils einen Pokal für die Sieger der Bergwertung in den verschiedenen Kategorien und einen Ehrenpokal für besonders ambitionierte Freundschaftsläufer. Der Glühweinmarathon ist für mich persönlich eine der besten Laufveranstaltungen in Dortmund. Die Endorphinjunkies veranstalteten den Glühweinlauf nun bereits zum 6. Mal, in diesem Jahr zum zweiten Mal dazu den Glühweinmarathon. Und das alles ohne eine Teilnahmegebühr. Es ist der mir einzig bekannte Lauf, beim dem man im Ziel anstatt einer Medaille eine Bratwurst in die Hand gedrückt bekommt. Sehr, sehr empfehlenswert!
von Hans Urbaniak
 
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