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Möhnesee-Pokal-Lauf,
ein Erlebnis
von Wolfgang Seebacher
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Vor
einigen Tagen erhalte ich eine Email von meinem Lauffreund
Uwe mit einem Link auf die Seite der LG Deiringsen. Dort wird
auf einen Lauf zum Möhnesee-Pokal am 12.6. in Günne
hingewiesen. Uwe fragt „Was machst Du am Samstag?“
und „Wie wär’s hiermit?“ sowie der
Suggestivfrage „Einen 30er?“. Er weiß genau,
dass er damit mein Interesse geweckt hat. So wie Uwe bin ich
nämlich seit einiger Zeit ein Freund der Landschaftsläufe.
Wenn’s ein wenig bergig wird, umso besser. |
Beim
ersten Betrachten des Streckenprofils verschlägt es mir
allerdings fast die Sprache, und das will schon was heißen:
Peak reiht sich an Peak, und so sieht die Strecke aus:
Auf was lässt Du Dich da ein? Du bist wegen einer starken
Erkältung zwei Wochen nicht ge-laufen, hast gerade wieder
angefangen, und dann das? Wer mich allerdings kennt, weiß,
dass ich keine Scheu vor derartigen Herausforderungen habe.
Das Startgeld von 8 EUR für einen 30er ist allemal reizvoll,
wo gibt es denn sonst noch preisgünstige Läufe? |
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Eine
kleine Hürde – im wahrsten Sinne - gilt es zu überwinden,
bevor ich meine Teilnahme in trockenen Tüchern habe:
Die beste Ehefrau der Welt möchte just am gleichen Tag
mit mir eine Veranstaltung in Unna besuchen. Nach intensiven
Beratungen finden wir einen Kompromiss: Sie fährt nach
Unna, ich fahre mit Uwe nach Günne. Auf der Hinfahrt
gehen wir die Strecke vom Profil her immer wieder durch und
kommen zu dem Ergebnis, dass mit einer vernünftigen Einteilung
der Parcours zu bewältigen ist. Leider beginnt es zu
regnen, Landregen nach westfälischer Art. |
Der
Ort des Geschehens ist leicht zu finden, das Heinrich-Lübke-Haus
in Günne, ein Kongreß- und Tagungszentrum der KAB
Deutschland. Heinrich Lübke? Heinrich Lübke? Mancher
wird sich fragen, da war doch was? Richtig, er war Bundespräsident
von 1959 bis 1969. |
Wir
sind rechtzeitig eingetroffen, so dass wir die Anmeldeformalitäten
in aller Ruhe erledigen können. Noch ein Schmankerl:
Der Veranstalter erhebt keine Nachmeldegebühr, ebenfalls
sehr läuferfreundlich. |
Dieter
Schenzer, der „Rennleiter“, informiert uns über
die Eigenschaften der Strecke, alles ist ok, nur für
den immer stärker werdenden Regen kann er natürlich
nichts. Die Strecke ist als Wendepunktkurs zweimal zu durchlaufen,
Verpflegungspunkte befinden sich am höchsten Punkt und
im Start-/Zielbereich. Mehr ist aus Gründen des Naturschutzes
nicht möglich. Angesichts des Regens erscheint uns das
ausreichend zu sein, aber bei intensiver Sonneneinstrahlung? |
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Ich
nehme sicherheitshalber zwei Wasserfläschchen mit. Unser
Gepäck mit Wechselwäsche und Duschzeug können
wir in den Umkleidekabinen des hauseigenen Schwimmbades unterbringen.
Dort befinden sich auch die Duschmöglichkeiten.
Wir, das sind insgesamt ca. 40 Läuferinnen und Läufer,
stellen uns dem Starter. Uwe reiht sich in der vorderen Abteilung
ein, während ich mich zusammen mit Helmut, einem Laufbe-kannten
vom Trail-Run, weiter hinten aufhalte. Der Start verläuft
problemlos, kein Wunder bei dieser überschaubaren Läuferzahl.
Der Kurs führt zunächst hinab zum asphaltierten
Uferweg, am Ufer entlang bis zum ersten Highlight, dem ersten
Waldweg hinauf zum ersten Peak. Er zweigt vom Weg ab und verläuft
trailig bergan. Posten weisen uns ein, lächeln uns zu.
Nach diesem ersten Haken kann ich bergab Tempo aufnehmen.
Ich fühle mich wohl und entspannt, der Regen ist unter
dem Blätterdach des Waldes kaum zu merken. |
Ich
erreiche wieder den Rundkurs, auf dem es sich nun auf einem
welligen Stück bis Kilometer fünf ganz gut laufen
lässt. Wiederum begrüßen uns Posten, die uns
auf das steilste Stück der Strecke leiten. Der erste
Teil des auch hier sehr trailigen Abschnitts – glücklicherweise
habe ich meine Trailschuhe angezogen – geht mäßig
bergauf, nach einer kleinen Rechtskurve meinst Du aber, schnurstracks
zum Himmel hoch zu laufen. In der ersten Runde geht das ja
noch, aber was wird in der zweiten Hälfte passieren? |
Ich
erreiche Kilometer sechs, noch anderthalb Kilometer bis zu
Gipfel. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass der
Kurs vorbildlich kilometriert ist. Praktischerweise ist die
Strecke so vermessen, dass die Kilometerangaben für Hin-
und Rückweg an der gleichen Stelle sind. Du bist also
immer sehr gut informiert. |
Langsam
und gefühlvoll trabe ich bergauf, da kommt mir Uwe entgegen.
Er hat natürlich den Wendepunkt längst hinter sich
gelassen und jagt bergab. Ein kurzes Hallo, ich höre
nur „Wie Brauckstraße“. |
Ich
erreiche den höchsten Punkt. Hier gibt es Erfrischungen.
Es geht wieder bergab. Mir ge-lingt es, mein Tempo merklich
zu erhöhen. Gemeinsam mit Helmut und zwei weiteren Läufern
erreiche ich den Uferweg, wir laufen zurück. Leider muss
ich nach einiger Zeit abreißen lassen, aber was soll’s,
mir geht es gut, ich genieße Lauf und Landschaft. Glücklicherweise
ist wegen des schlechten Wetters wenig Publikum unterwegs.
Ausweichmanöver sind somit nicht erforderlich. Uwe begegnet
mir, er ist schon in der zweiten Runde, wiederum ein kurzes
Hallo, wir trennen uns. |
Etwa
bei Kilometer 13,5 zweigt der Kurs vom Uferweg ab, um dann
als Rundkurs an Start und Ziel vorbei bei Kilometer 1,5 wiederum
in die Wendepunktstrecke einzumünden. Beim Durchlauf
an Start und Ziel werde ich von Dieter begrüßt.
Kurze Trinkpause, ich verschwinde wieder im Wald. |
Die
Belastung ist bei mir jetzt doch zu spüren. Eigentlich
fühle ich mich noch gut, aber der immer häufigere
Blick zu meiner Super-High-Tec-GPS-Uhr zeigt, dass meine Geschwindigkeit
stetig abnimmt. Macht nix, rede ich mir ein. |
Uwe
treffe ich ein drittes Mal. Er hat den Wendepunkt längst
hinter sich gelassen. Klasse, das deutet auf eine Super-Endzeit
hin. Und es regnet immer noch. |
Ich
beginne nun, zumindest die Steigungen hinauf zu gehen. „Komm
gut durch“, ruft mir ein Läufer zu, „ich
kenne die Strecke auch, hammerhart“. Dem kann ich uneingeschränkt
zu-stimmen. |
Zum
zweiten und letzten Mal laufe ich zum Wendepunkt, trinke ausgiebig
und begebe mich auf den Heimweg. Nachteil gegenüber der
ersten Runde: Ich benötige mehr zeit, oder positiv: ich
genieße die Natur. |
Glücklich
und zufrieden erreiche ich das Ziel. Uwe ist in einer Superzeit
bereits geduscht und umgezogen, er empfängt mich im Ziel.
Das hast Du gut gemacht, Uwe. |
Da
sich das Teilnehmerfeld weit auseinander gezogen hat und die
Zielankünfte tröpfelnd sind, ist im Duschbereich
ausreichend Platz. Ich genieße nun den gewollten, warmen
Regen von oben.
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Wir
gönnen uns eine leckere Bratwurst und fachsimpeln mit
anderen Finishern. Es herrscht eine angenehme, freundschaftliche
Atmosphäre. |
Bei
der Ausgabe der Urkunden stelle ich fest: Erster in meiner
AK. Dafür erhalte ich von Die-ter eine wunderschöne
Sporttasche. Und als wir nach Hause fahren, scheint doch tatsächlich
die Sonne. |
Ich
finde, diese Veranstaltung, die außer dem 30er noch
eine 5er und einen 15er sowie einen 15er (Nordic)Walking beinhaltet,
hat mehr LäuferInnen verdient. Vielleicht wird der eine
oder andere durch diese kleine Laufgeschichte animiert, im
nächsten Jahr mitzumachen. |
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