Rudellaufen - die Vierte
von Marion Fladda

Sonntag, 29. August 2010, 6:00 Uhr
Piep, piep, piep, piep, piep, piep...
Der Wecker reißt mich aus meinem Schlaf. Ich krame in meinem Kopf nach meiner Identität, Zeit und Ort und stelle mir die grundlegende Frage, warum der Wecker an einem Sonntagmorgen so früh seinen Dienst erfüllt. Der Regen trommelt an die Scheibe und der Wind heult dazu irgendein mir unbekanntes Lied. Mir fällt schlagartig ein, warum der Wecker klingelt. Die vierte Etappe von „Rund um Dortmund“ findet heute statt. Nach großzügiger Ausnutzung der Schlummerfunktion, habe ich mich dann nach einer Viertelstunde in Bewegung gesetzt, um die Henkersmahlzeit zu mir zu nehmen und mich fertig zu machen. Auf dem Weg nach Dortmund sitzen Frank und ich mit mikroskopisch kleinen Augen im Auto. Der Scheibenwischer gibt sein Bestes und hetzt über die Windschutzscheibe. Wir fahren durch einen trüben, mit Wolken verhängten Sonntag, an dem man alles lieber machen würde, als durch den Regen zu laufen. Doch wir werden genau dies tun.
"Warum tun wir das noch mal?"
"Weil wir bereits Ende August haben und weil wir es müssen, weil Ende September der 50er wartet."
"Du meinst, weil wir es so wollen. Nicht müssen."
"Ja, genau. Weil wir es wollen. Wir lieben es nun mal. Glaub ich..."
Frank und ich blicken uns mit unbewegter Miene an, blicken in den Regen und genießen die Vorfreude auf einen nassen Lauf durch den Dortmunder Osten. Wir erreichen den Freischütz in Dortmund, der heute als Treffpunkt und Ziel herhält. Von hier aus wird uns ein Shuttle-Bus zum Start in Scharnhorst bringen. Wir machen uns lauffertig und stellen mit großer Freude fest, dass es aufgehört hat, zu regnen. Wir steigen in einen bereits gut gefüllten Bus und fahren zum Start. Dort angekommen strömen erstmal sämtliche Läufer aus, um sämtliche Büsche und Bäume in Dortmund Scharnhorst zu markieren. Danach geht’s dann los.
Es gibt auch heute wieder zwei Gruppen mit zwei Geschwindigkeiten. Eine 6er Gruppe, die ungefähr ein 6 Minuten pro Kilometer Tempo läuft -also fast Schallgeschwindigkeit- und eine 7er Gruppe, die ein Tempo von 7 Minuten pro Kilometer läuft. Die 6er Läufer werden geführt durch Läufer mit roten Bändern und die 7er durch Läufer mit grünen Bändern. Die Läufer mit den roten Bändern erinnern mich ein wenig an die Baywatch-Rettungsschwimmer von Malibu. Und da das Wetter ja recht instabil wirkt, entscheiden wir uns für die Gruppe mit den Rettungsschwimmern. Bei Starkregen kann uns hier schließlich nichts passieren.
 
 
Wir laufen los und begeben uns auf die rund 21 Kilometer lange Strecke. Der erste Teil verläuft recht eben, durch die Straßen und Felder Dortmunds. Eine bunte Herde Läufer, die sich locker ohne Wettkampfeifer über die Wege schlängelt. Ab Kilometer 8 geht es dann bergauf. Wir klettern einen langen Feldweg mit einer Steigung von etwa 10% hinauf und ich bin erstaunt darüber, wie viel Feld mitten in Dortmund existiert. Als Belohnung erwartet uns bei km 10 der Verpflegungsstand. Wir tanken kurz auf und machen uns frisch bewässert auf die letzten 11 Kilometer. Auch hier warten noch ein paar Höhenmeter auf uns.
Wir durchstreifen wieder Felder, Vororte und Wälder und ich bin schon wieder überrascht, wie facettenreich die Strecke ist. Auch zwei Bahnübergänge müssen wir auf unserem Weg zum Ziel queren. Ein ICE und eine Regionalbahn zwingen uns zum warten, was in der lockeren und entspannten Atmosphäre aber kein Problem ist. Für unsere Sicherheit ist schließlich gesorgt: die Rettungsschwimmer mit den roten Bändern passen schön auf ihre Herde auf.
Die letzten Kilometer gehen durch Wald und noch mal ein paar Höhenmeter hoch. Und dann erreichen wir nach 2 Stunden und 15 Minuten unser Ziel, den Freischütz. Ich als Nicht-Dortmunder habe wieder mal schöne Ecken der schwarzgelben Stadt kennen gelernt und habe einen gut organisierten Gruppenlauf in entspannter Atmosphäre genossen.
Vielen Dank an die fleißigen Rettungsschwimmer, die dafür gesorgt haben, dass wir alle heile ins Ziel gekommen sind.
von Marion Fladda
 
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