 |
|
 |
| |
Norbert
Dickel, Sorpesee und Kaiser Wilhelm
von Marion Fladda |
Freitagmittag,
09. Juli 2010
Wir sind auf dem Weg in unser Revier am Möhnesee zu einem
Fototermin mit Norbert Dickel. Meine Wenigkeit kennt ihn eher
nicht so gut, aber ich bin ja auch ein Mädchen und habe
meine wertvolle Zeit nicht mit Fußball gucken verbracht.
Für diejenigen unter euch, die mit diesem Namen und dem
Menschen, der da hinter streckt, auch nicht so viel anfangen
können, hier eine kleine Erklärung: Nobby - wie
gute Freunde oder Superhelden ihn nennen - hat beim BVB irgendwann
mal irgendein wichtiges Tor geschossen und hat damit irgendeinen
Titel für die Schwarz-Gelben geholt. Damit wurde er zum
Held’ von Berlin und wäre in die Geschichtsbücher
eingegangen, wenn Fußballer lesen könnten. ;-)
|
Einschub
von Frank - Möhneman: "Hier an dieser Stelle muss
ich dringend mal unterbrechen... Ich habe jahrelang auf der
größten Stehplatztribüne der Welt im Block
11 gestanden und Norbert Dickel besungen, wenn er unten vom
Rasen aus die Mannschaftsaufstellung des BVBs bekannt gibt.
Er ist unser Held von Berlin. Wir lieben ihn. Und ich konnte
vor Aufregung in der Nacht vorher nicht schlafen, weil wir
den Termin mit Nobby hatten. Das muss an dieser Stelle mal
gesagt werden." |
Nun
treffen wir also heute Nachmittag diesen Helden und werden
von dort aus direkt weiter fahren zum Sorpesee. Die Sonne
brennt vom Himmel. Die Temperaturen sind hochsommerlich heiß.
Unsere Superhelden-Skins-Anzüge kleben bereits nach wenigen
Minuten am Körper und haben jegliche Lufteinschlüsse
zwischen Dress und Körper komplett hinaus gepresst. Wir
erreichen unseren Treffpunkt am Möhnesee noch vor dem
Helden von Berlin und sichern uns die letzten Schattenplätze.
Mein Magen macht sich inzwischen langsam bemerkbar, denn seit
dem Frühstück hat er nichts mehr bekommen. Ich überbrücke
die Wartezeit mit dem Essen eines Thunfischsalats. Ein fataler
Fehler, wie ich später feststellen werde... |
|
|
Noch
während ich mich mit dem Thunfisch beschäftige,
trifft Norbert Dickel ein. Jetzt aber schnell aufessen und
bloß nicht das Dress mit Balsamiko beschmutzen. Wir
machen ein paar Fotos mit Norbert direkt am Möhneseeufer
und verlassen danach schnell den einen See, um den Nächsten
zu begrüßen. Der Sorpesee wartet schon auf uns.
|
|
|
Wir
treffen gegen viertel vor sechs dort ein und holen unsere
Startnummern. Ich spüre jetzt schon den Thunfisch in
mir. Er ist rebellisch und weigert sich mit aller Kraft, reibungslos
von mir verdaut zu werden. Na, das kann ja was geben. Wir
starten einige Minuten später und bewundern die wunderschöne
Landschaft. Der Weg schlängelt sich durch einen Wald
am See entlang, doch die heißen Temperaturen fordern
einige Opfer. Am Streckenrand bleiben immer wieder Läufer
stehen und dehnen sich die Waden. Der Elektrolytverlust über
den Schweiß ist nicht zu unterschätzen und lässt
die Waden krampfen. Ich hoffe, dass unsere Möhnewaden
durchhalten und den Temperaturen trotzen. |
Wir
kämpfen uns von einer Wasserstation zur Nächsten
und stellen dabei immer wieder fest, dass die Gegend rund
um den Sorpesee richtig Urlaubsstimmung aufkommen lässt...
wären da nicht noch die etlichen Kilometer vor uns, die
wir noch bei tropischen Temperaturen bewältigen müssen.
Und immer wieder geht es rauf. Es ist doch immer wieder erstaunlich,
wie viel eine Rundstrecke rauf gehen kann ohne irgendwann
auch mal wieder runter zu gehen. Die letzten Kilometer führen
an einer Straße entlang und die warme Asphaltluft ist
mal wieder deutlich zu spüren. Das ist jedoch im Moment
nicht mein größtes Problem sondern eher meinen
Verdauungstrakt. Der Fisch will raus. |
|
|
|
|
|
Ich
habe einen ausgewachsenen Thunfischreflux. Mit dem Wasser
der Verpflegungsstationen ergibt das zusammen eine wunderbar
isotonische Thunfisch-Schorle in meinem Mund. Aromatisch und
geschmacklich ganz weit vorne. Beim nächsten Mal probier
ich mal eine Hackfleisch-Schorle. Ist bestimmt auch gut.
Wir erreichen nach 1:25:15 das Ziel und ich genieße
endlich frisches Wasser zum Wegspülen der schon vorverdauten
Fischfragmente in meinem Mund. Die Thunfisch-Schorle hat sich
aber gelohnt, denn ich habe meine Altersklasse gewonnen.
Jetzt heißt es schnell nach Hause und los regenerieren,
denn nach dem Lauf ist vor dem Lauf. Der Nächste wartet
schon… |
14
Stunden später…
Wir stehen in Dortmund in der Bittermark. Das Möhneteam
hat ein Date mit den Endorphinjunkies aus Dortmund. Der Kaiser-Wilhelm-Run
steht an. Der Sorpesee war gestern und die Höhenmeter
von gestern sind vergessen. Heute werden die nächsten
Kilometer und Höhenmeter abgelaufen. Um 10 Uhr geht’s
los. Wir traben los und direkt zu Beginn spüre ich die
Vorzüge des Dortmunder Südens. Es geht aufwärts.
Und das immer mehr. Meine Beine haben im Gegensatz zu meinem
Gehirn den Lauf vom gestrigen Abend nicht vergessen. Sie fühlen
sich leer an. Wie Flasche leer. Apropos Flasche leer. Wir
haben keine Getränke mit genommen und verspüren
bereits nach den ersten Kilometern große Lust auf Flüssiges.
Zur „Sicherheit“ haben wir unsere Getränkegürtel
im Auto gelassen. Sicher ist sicher.
Wir legen viele, viele Höhenmeter zurück und erreichen
nach 6 heißen Kilometern das Kaiser-Wilhelm-Denkmal
in Hohensyburg. Ich bin überwältigt von der Aussicht.
Ich kannte das Denkmal bisher nur von der Autobahn aus. Von
hier oben hat man einen überwältigenden Ausblick
auf Hagen und natürlich auf den roten Hodensack des Pferdes
vom Kaiser. Seit Jahrzehnten sorgt irgendein Spaßvogel
dafür, dass dieser im Gegensatz zum bronzenen Grün
der Statue in den schönsten Farben leuchtet.
|
|
|
|
|
Wir machen uns auf den Rückweg und bilden inzwischen
das Schlusslicht des Läuferfelds am heutigen Tag. Schließlich
müssen wir ja aufpassen, dass alle gesund ins Ziel kommen.
:-)
Nach 12 Kilometern erreichen wir das Ziel und sind von dem
ordentlichen Paket an Höhenmetern richtig platt. Kaum
zu glauben, dass es in einer Ruhrgebietsstadt wie Dortmund
so viel Wald und Höhenmeter gibt. Aber die werde ich
wohl dieses Jahr bei der Trail-WM noch besser kennen lernen.
|
Jetzt
heißt es aber erstmal regenerieren für's nächste
Wochenende. Denn dann fliegen Möhneman und Möhnewoman
nach Bremerhaven und werden sich dort auf die magischen 42,195
Kilometer begeben. Bis dahin… frohes Schwitzen. |
|
|
 |
|
 |
|
|