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Steinfurt-Marathon
2010 -> schwer und unberechenbar
von Wolfgang Seebacher
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Nachdem
wir in den letzten Wochen, ja Monaten gezwungenermaßen
bei klirrendem Frost sowie Eis und Schnee laufen mussten,
weht in Woche 11 so etwas wie ein Frühlingshauch durch
die Lüfte. Der vertreibt bei vielen Zeitgenossen die
depressive Stimmung, Du begegnest Menschen, die wieder lächeln
und aufgelockert und entspannt dreinschauen, auch wenn die
meisten noch nicht wissen, was für Überraschungen
die Heizkostenabrechnung für sie bereithält. Vielleicht
mutiert das Lächeln dann zu einem sarkastischen Grinsen.
Aber das ist ein anderes Thema. |
Nicht
alle Menschen blicken so froh gestimmt in den Tag. Dazu gehören
auch wir LäuferInnen, die in Steinfurt an den Start gehen
wollen. Denn Kachelmann und Co. haben für das Laufwochenende
zweistellige Plusgrade sowie Regen, mitunter auch ein kleines
Gewitter prognostiziert. Und das behagt uns eigentlich gar
nicht. Die körperliche Umstellung auf höhere Temperaturen
gepaart mit entsprechend hoher Luftfeuchtigkeit treibt Dir
schon den Schweiß auf die Stirn, wenn Du nur an den
Lauf denkst ohne einen Meter zurückgelegt zu haben. Wie
dem auch sei, wir haben uns nach unserem Verständnis
optimal vorbereitet und können nicht mehr zurück.
Der „point of no Return“ ist überschritten,
wir müssen ran. |
Ein
Problem stellt sich bei der Zusammenstellung der richtigen
Laufkleidung. Kurz oder lang, Radler- oder Sprinterhose, die
Qual der Wahl. Ich entscheide mich für eine kniefreie
Radlerhose und unser Vereinsshirt mit aufgedrucktem Vornamen
auf der Brust und Vereinsnamen in Langbezeichnung auf dem
Rücken, damit die Läuferschar hinter mir, so es
denn da noch eine gibt, viel zu lesen hat. Das muss so gehen,
auch wenn die Strecke sehr zugig und windig ist. |
Wir
fahren mit zwei Fahrzeugen nach Steinfurt, bequem und entspannt.
Rechtzeitig vor Ort haben wir genügend Zeit zur Vorbereitung.
Kurze Gespräche mit Bekannten, der ein oder andere nahm
auch am Trail-Run teil. Leider sind Marion und Frank nicht
anwesend, die hartnäckige Erkältung macht einen
Start bei einem Marathon unmöglich. Da hat die Gesundheit
absolut Vorrang. Die Folgen können sehr unangenehm sein.
Ich musste auch mal auf einen Start in Münster verzichten,
so kann ich die Enttäuschung der beiden sehr gut nachvollziehen.
Die Entscheidung, nicht zu laufen, ist aber absolut in Ordnung.
Der Himmel ist leicht bewölkt, es ist warm, als wir zum
Start gehen. Da Brems- und Zugläufer für mehrere
Zielzeiten vorhanden sind, kann sich jeder nach seiner Einschätzung
einer Gruppe anschließen. |
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Vor dem Start sieben auf einen Streich: v.l.n.r.
Beritt, Wolfgang, Antje, Britta, ich, Uwe, Elke
Kaffee gibt es hier heute allerdings nicht.
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Elke, Uwe, Wolfgang und ich wollen in der 3:45er Gruppe unser
Glück versuchen. Falls das Tempo nicht gehalten werden
kann, soll die nachfolgende 4:00er Gruppe als „Auffangbecken“
dienen. Soweit die Theorie frei nach dem Motto von Adi Preißler:
Grau ist alle Theorie, entscheidend ist auf dem Platz. Der
Platz ist in diesem Fall eben der Marathon. |
Uwe
weist vor dem Start darauf hin, dass wegen der Trainingssituation
und der fehlenden Tempoläufe im Vorfeld gute Zeiten nicht
zu erwarten sind. Wie Recht er hat, wird sich später
zeigen. |
Nach
dem Startschuss durch eine sicherlich bedeutende Person geht
es gleich zügig los. Uwe bleibt noch kurz in unserem
Fokus, dann setzt er sich vor die Gruppe und versucht, zu
den 3:30ern aufzulaufen. Elke, Wolfgang und ich können
in unserem Block zunächst gut mithalten. Allerdings besteht
nicht immer Sichtkontakt unter uns, dazu ist die Einheit zu
groß und zu unruhig. Nach der ersten Verpflegung finde
ich mich plötzlich vor der Gruppe wieder. Das ist eigentlich
so nicht gedacht. Bei Kilometer 9 lasse ich mich wieder von
der Abteilung einfangen. In Borghorst merke ich aber, dass
ich der Witterung Tribut zollen muss, das Tempo ist zu hoch
für mich. Die feucht-warme Luft setzt mir sehr zu, meine
Atmung wird schwerer. Ich erwarte sehnlich die jeweils nächste
Getränke-/Verpflegungsstation. |
So
lasse ich mich notgedrungen zurückfallen, habe die Gruppe
aber immer im Blickfeld. Bei Kilometer 19 erwartet mich zu
meiner Freude Johannes, ein Bekannter, den ich 1994 beim Marathon
in Hannover kennen gelernt und über die Jahre immer wieder
sporadisch bei Laufveranstaltungen getroffen habe. Er ist
meinetwegen extra aus Köln gekommen. Ich habe mich über
seinen Besuch sehr gefreut. Er wird noch zweimal an der Strecke
stehen und mich anfeuern. |
Die
3:45er in Sichtweite funktioniert solange, bis wir wieder
Burgsteinfurt erreichen und uns der HM-Marke an Start und
Ziel nähern. Hier gibt es Getränke, bevor die zweite
Runde eingeläutet wird. Nach wenigen Metern in dieser
Runde habe ich das Gefühl, keinen Sprit mehr im Tank
zu haben. Mir werden gleichsam die Beine weggezogen. War da
was im Wasser, das Du gerade getrunken hast? Was ist denn
jetzt? Kommt der Mann mit dem Hammer? Ich verstehe das nicht.
Von einer Sekunde zur nächsten schwere Beine. Oje, Du
willst doch unter 4 Std. laufen. Geht das denn jetzt noch?
Die 3.45er Gruppe ist weg. Auch sie erschien mir schon arg
dezimiert. Wie mir ergeht es vielen LäuferInnen. Es muss
sich wohl um eine innere Blockade handeln. Du hast bereits
eine Runde gelitten und musst nun das Gleiche noch einmal
durchlaufen. |
Es
dauert, bis ich mich einigermaßen gefangen habe und
im gewohnten Schritt weiterlaufen kann. Mann, oh Mann, das
Wetter beginnt, sich weiter negativ bemerkbar zu machen. Es
geht nicht nur mir so. Der Kreislauf ist bei vielen Teilnehmern
im Keller. Immer häufiger sind die Sirenen der Krankenwagen
zu hören, ungewöhnlich für Steinfurt. Sonst
ging es immer ohne größere Komplikationen. Aber
diesmal? |
In
der zweiten Runde wird an den Trinkstationen Cola gereicht.
Dankbar nehme ich das süße Getränk zu mir.
Nicht wie gewohnt einen Becher pro Station, nein bis zu drei
Becher schütte ich in mich hinein. Erinnerungen werden
wach: An den 1. Mittelrhein-Marathon 2005 bei über 30
Grad im Schatten. Da erging es uns ähnlich. Aber hier,
bei 14 Grad auch schon? |
Da
kannst Du mal sehen, wie empfindlich und sensibel der Körper
des Läufers auf diese Belastung reagiert. |
Ich
treffe Wolfgang, der mir meine Eindrücke und Wahrnehmungen
bestätigt. |
Bei
Kilometer 30 erwartet mich wieder Johannes. Er läuft
einige Meter mit, obwohl er verletzt ist und eigentlich gar
nicht laufen dürfte. |
Ich
verlasse Borghorst bei Kilometer 32 mit dem Gefühl, so
um die vier Stunden zu finishen. Inzwischen zeigt sich sogar
die Sonne, und wenige Minuten später werden wir von einem
heftigen Regenschauer überrascht. Ist auch egal, durchhalten
ist angesagt. Ich passiere Kilometer 35, trinken, 36, mein
Blick ist nach vorn gerichtet, die münsterländische
Parklandschaft mit ihren Wegen und Pädkes ist mir sch…..egal.
Ich will nur ankommen, bei meinem 51. Marathon. |
Wie
gesagt, Johannes erwartet mich bei Kilometer 39. Ein paar
aufmunternde Worte, weiter geht’s. |
Es
hat aufgehört zu regnen, trotzdem hast Du das Gefühl,
innen und außen völlig durchnässt zu sein.
Da, Kilometer 41, eine Unterführung. Ein kleiner Anstieg
und die Polizei stoppt den Querverkehr für Dich. Verstohlen
blicke ich mich um. Außer mir ist kein Aktiver zu sehen.
Also gilt der Stopp nur für mich. Ich bedanke mich bei
dem Polizisten, soviel kriege ich noch hin. Ein paar Meter,
kurz vor dem Ziel stehen Mecki und Peter, feuern mich auf
den letzten Metern noch einmal an. Noch 10-15 Meter, der Ansager
nennt meinen Namen und die Zahl meiner Marathon-Läufe
– woher weiß er die? – und ich bin durch.
Puh. Geschafft, ein hartes Stück Arbeit liegt hinter
mir. Erst einmal trinken. Es gibt sogar Bier mit Umdrehungen!
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Uwe
ist schon durch, Wolfgang muss kurz hinter mir kommen. Ist
auch so, er läuft wohlbehalten ins Ziel. Unsere Zeiten
sind unterirdisch, aufgrund der Vorgeschichte aber nachvollziehbar
und verständlich. |
Zwei
unserer Läuferinnen mussten leider aufgrund der nachteiligen
Wetterverhältnisse das Rennen vorzeitig beenden. Neben
Antje hat aber Britta als Marathon-Neuling sich nicht beirren
lassen, ist ihr Tempo gelaufen und hat gut gefinisht. Bravo,
Britta. |
Fazit:
Dieser Lauf war sicherlich kein Highlight in meiner Karriere,
dennoch bin ich froh, ihn gelaufen zu sein. Auch da muss ein
ambitionierter Läufer durch. |
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