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Oh
Mann, was ein harter Kampf!
von Hans Urbaniak
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Nach
dem Motto, der frühe Vogel fängt den Wurm, habe
ich dieses Jahr bereits am 07.02.2010 und 06.03.2010 zwei
Marathons gefinished. In Herten-Bertlich und beim Schweinemarathon
in der Dortmunder Bittermark. Als dritter Lauf steht der Marathon
in Steinfurt auf meiner Liste. Diesen Lauf wollte ich bereits
2009 angehen, was damals leider wegen einer Erkältung
nicht geklappt hatte. Dieses Jahr schienen die Voraussetzungen
besser zu sein. |
Entspannt
fuhr ich am 20.03.2010 von Dortmund in Richtung Steinfurt.
Problemlose Fahrt und frühzeitige Ankunft am Veranstaltungsort.
Parkplätze in Hülle und Fülle, ausreichend
Toiletten, kurze Wege zur Startnummernausgabe und zur Messe.
Ja richtig gelesen, hier gibt es eine kleine nette Marathonmesse.
Nach angenehmen Gesprächen mit Bekannten, die ich immer
wieder auf Laufveranstaltungen treffe, bereite ich mich im
Auto auf den Lauf vor. Die Wettervorhersagen schienen sich
zu erfüllen. Es sieht grau aus und fängt leicht
an zu regnen. Windig ist es außerdem noch. Ich entscheide
mich in einer kurzen Tight, den obligatorischen Kompressionsstrümpfen
und mit einer leichten Jacke zu laufen, was sich später
als Fehler herausstellen wird. Ich hefte mir die Startnummer
an, verstaue meine „Astronautennahrung“ und gehe
ca. 10 Minuten vor Beginn in Richtung Startbereich. |
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Ich
wundere mich über die doch so zahlreichen Läufer,
die mit ihren Schuhen scharren und den Start kaum erwarten
können. Stimmt ja, hier gibt es auch einen Staffelmarathon.
Etliche Marathonstaffeln gehen heute auf die Strecke, also
darf ich nicht den Fehler machen, mich von den einzelnen Staffelläufern
mitziehen zu lassen, denn die sind einfach zu schnell unterwegs. |
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Mir
ist kalt. 13:30 Uhr, der Ansager startet den Countdown und
viele Läufer stimmen mit ein: „3-2-1-Start“,
dann ertönt der Startschuss in den wolkigen Steinfurter
Himmel. Es hat aufgehört zu regnen. Ich hänge mich
hinter die 3:30er Gruppe, denn immerhin habe ich meine Bestzeit
von 3:22 Stunden zu „verteidigen“. Zu Beginn kein
Gewühle und Getrete, wie so oft bei den großen
Läufen. Es geht hier alles relativ gesittet und entspannt
zu. So richtig komme ich jedoch nicht ins Rennen, denn ich
schaffe es trotz einer Kilometerzeit von unter 4:48 Minuten
nicht Anschluss an die 03:30er Gruppe zu halten. Bei Kilometer
zwei dann auch schon die erste Steigung, von denen noch einige
folgen sollten. |
Mir
wird warm. Während ich die 03:30er Gruppe weiter verfolge,
versuche ich die Ärmel an meiner Laufjacke „abzuzippen“.
Erfolglos ist mein Versuch, die Ärmel, während ich
die Jacke trage, zu lösen. Also ziehe ich die Jacke während
des Laufens aus. Eine echte Herausforderung. Löse den
ersten Ärmel, halte diesen mit den Zähnen fest,
um dann den zweiten von der Jacke zu trennen. Diesen stecke
ich dann auch in den Mund, so dass ich nur noch schlecht Luft
bekomme. Jetzt schnell die Jacke wieder anziehen, sonst ersticke
ich noch. Eine wahre Erleichterung so ohne Ärmel, die
ich in den beiden Jackentaschen verstaue. Bei Kilometer 14
habe ich die Tempomacher endlich eingeholt. Jetzt läuft
alles nach Plan. Innerhalb einer relativ großen Gruppe
ist es zwar immer schwierig zu laufen, da man sehr aufmerksam
sein muss. Andererseits kann man aber den Windschatten der
Mitläufer effektiv ausnutzen. Es wird wärmer und
windiger, aber es bleibt trocken. Es befinden sich ausreichend
Getränkestände am Rande der Strecke, so dass ich
meine mitgenommene Wegzehrung immer gut herunterspülen
kann. Bis Kilometer 25 kann ich in meiner Tempo-Gruppe locker
mitlaufen. Der Kilometerschnitt hat sich zwar auf 04:51 Minuten
einreguliert, ist aber immer noch deutlich zu schnell. Dann
muss ich gezwungenermaßen einem menschlichen Bedürfnis
nachgehen und verschwinde kurz hinter einem Baum. Danach wird
es mir nicht mehr gelingen Anschluss an meine Gruppe zu bekommen.
Ich komme schwer in Tritt. Meine Gruppe und meine zeitlichen
Vorstellungen laufen mir davon. |
Jetzt
heißt es kämpfen, kämpfen, kämpfen. Dem
relativ warmen Wetter fallen jetzt immer mehr Läuferinnen
und Läufer zum Opfer. Eine spätere Analyse der Ergebnislisten
bestätigt diesen Eindruck, denn ca. 20% der Starter haben
das Ziel nicht erreicht. Etliche Krankenwagen kann man im
Umfeld hören. Wahrlich kein gutes Omen. Ich stelle mir
ständig dieselben Fragen: „Wie weit bin ich zeitlich
zurückgefallen?“ und „welche Zielzeit ist
realistisch?“. Mein Kilometer-Durchschnitt verschlechtert
sich zunehmend. Kurz vor der 40 Kilometer Marke habe ich die
magische fünf Minuten Grenze bereits überschritten.
Mist!! „Hoffentlich holt mich die 3:45er Gruppe nicht
ein“, befürchte ich. Jetzt ist echtes Stehvermögen
gefordert. Ich laufe auf Reserve. Die wenigen Zuschauer jubeln
mich ins Ziel. Mit „vorletzter“ Kraft überquere
ich die Ziellinie. Ich bin zufrieden, denn mehr war heute
leider nicht drin, bei meinem 23. Marathon. Das Dunkelbier
schmeckt mir heute besonders gut. Leider haben auch hier im
Zielbereich einige Finisher Kreislaufprobleme und müssen
ärztlich versorgt werden. Mir geht es, bis auf die üblichen
Blessuren nach einer so langen Strecke, recht gut. Es war
während des gesamten Laufes trocken, sehr warm und streckenweise
richtig windig. |
Der
Steinfurt Marathon ist definitiv nichts für Einsteiger,
da der Rundkurs aufgrund der zwar wenigen aber durchaus
anspruchsvollen Steigungen, des Windes und der Eintönigkeit
einige Erfahrung erfordert, um die Strecke bewältigen
zu können. Der Lauf ist gut und liebevoll organisiert,
Verpflegung während und nach dem Rennen sind als gut
einzustufen. Stimmung am Streckenrand findet praktisch nicht
statt. Insgesamt bin ich mit meiner erreichten Leistung
zufrieden (3:35 Stunden) und hoffe für den Hamburg
Marathon im April zeitlich noch einiges herausholen zu können.
In den nächsten Wochen werde ich verstärkt Tempohärte
trainieren müssen.
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