Die Wüste von Weeze - Strongman Run 2010
von Sonja Petri und Markus Peters

Ich (Markus) fang mal an :)
Durch meine Voranmeldung aus dem letzten Jahr, war mir ja schon lange bewusst, dass dieser Tag kommen würde ;) Am 18.04.2010 um 12:00 war es dann soweit: der Start zum Fisherman´s Friend Strongman Run 2010! Von Frank hatte ich die Info, dass dieser Run nicht zu unterschätzen sei. Da ich mich ja nicht ganz so trainiert gefühlt habe, ging mir schon etwas die Düse. Vom Wetter her eigentlich ein herrlicher Tag. Sonja und ich sind gegen 7:00 Richtung Niederrhein aufgebrochen und nach gut 1:20h am Flughafen Weeze angekommen. Die Anreisewelle lag wohl noch hinter uns. Entspannt konnten wir unser Auto abstellen, die Startunterlagen holen und das Areal erkunden. Zurück am Auto, noch mal eine Kleinigkeit gegessen und umziehen. Ab in die Laufsachen, Fußgelenke und Hände tapen, und die noch vor Ort gekauften Knieschoner anlegen (wollte eigentlich meine Alten vom Skateboard fahren mitnehmen). Dann sind wir beide zur Startaufstellung. Wir hatten noch gut 40 Minuten bis zum Start, es standen aber schon mehr als 2000 Läufer im Startblock. Mehr als 8000 (obwohl sich wohl ein erheblicher Stau vor dem Event gebildet hatte!) würden gleich starten!
Der DJ auf der Bühne hat echt gute Musik gespielt und damit die Stimmung super angeheizt! Alte Bizzare-Festival-Besucher (fand das letzte Mal 2001 auf diesem Gelände statt) hatten ihre wahre Freude ;)
Highnoon, der Startschuss fällt und es passiert erst mal gar nichts! Das Phänomen wie bei jeder großen Laufveranstaltung! Bis sich die Menge auf unserer Höhe in Bewegung setzt, vergehen gut 5 Minuten. Doch selbst als wir über die Startlinie sind, geht es nur stockend weiter. Das zieht sich auch fast 20 Minuten bis zum ersten Hindernis so hin. Es galt, die ersten Bunker zu bezwingen, an dessen Wand schon Hunderte klebten und die Erde lostraten. Oben angekommen mit ner "%#sch-Rutsche" herunter :) So ging es munter weiter, die genaue Aufteilung der Hindernisse könnt ihr auf der Webside von Fisherman’s abrufen. Ich erzähl nur von den Nettesten dieser 2x9km. Die unzähligen Bunker und Wasser- besser „Schlammlöcher“ sprechen für sich. Herausragend: Das Spider’s Web! In der ersten Runde hab ich mit fast 1000 anderen über eine viertel Stunde davor gestanden, bis es überhaupt weiterging! Über die Strohballen rauf, endlich auf den ersten Bunker, das Netz runter, auf die Betonröhren in den Reifenstapel, wieder Betonröhren von dort über das zweite Netz rauf auf den 2. Bunker und von dort oben runter auf die Strohballen ab direkt zum nächsten Hindernis: Ein langer Graben voll mit knietiefem Schlamm (Dirty Dancing)!
 
Nanu, Sonja ist vor mir! ;) Wie kommt die dahin? ;) Ich hatte mich doch nach den ersten Hindernissen abgesetzt!
Der Gulf of Weeze ist noch zu erwähnen. 30 m lang! 2,20 m tief und 11 Grad kalt. Dieses Loch befand sich in einer sehr sandigen Ecke und war von den ganzen Menschen in eine hellbraune Brühe verwandelt worden. OK, einfach so wie man war, reingesprungen und irgendwie versucht durchzuschwimmen. Es gab auch hier, wie an so manch anderem Hindernis die s.g. „Pussy Lane“! Für die Weicheier, die unter lauten Buh-Rufen da durchkonnten. Das ganze Gelände war sehr ausgetrocknet und überall wirbelte sehr viel Staub durch die Luft, so dass man das Gefühl hatte, in einer Steppe und Wüste zu laufen! Die Wasserlöcher haben dafür etwas Tropisches gehabt! Sonja und ich mussten den Tag drauf feststellen, dass wir ordentlich zerstochen waren!

Strongwoman
Geschafft und es hat Spaß gemacht! Nach dem langsamen Start und den riesiges Staus an den Bunker- Hindernissen, hab ich Markus irgendwann aus den Augen verloren, jeder wollte für sich laufen.
Also Sonja: da musst Du jetzt alleine durch. Die Bunker rauf, die Erde schon runter getreten, egal dann nimmt man eben die Hände dazu, also auf allen Vieren rauf. Gerade oben angekommen starren einem die Linsen der Kameras, auf der Suche nach dem besten Schnappschuss, ins Gesicht. Prima, Lächeln also auch noch.
Runter geht’s auf dem Hintern, weil es viel zu steil zum Laufen ist und ich brauche meine Knie ja noch ein bisschen. Es staubt gewaltig, wie bei einem Viehtrieb im Wilden Westen, denke ich. Gruß an alle Kontaktlinsenträger.
 
Irgendwann nach Schotterwegen (Schotter in allen Größenvarianten, die es auf dem Markt wohl so gibt) und Waldböden mit Tausenden Wurzelhindernissen kommt das Spiders-Web. Ich drängele mich frech am Rand vorbei, durch die Masse und stehe vor Heuballen. Da rauf? Nur wie? Der erste geht mir bis zu den Schultern. Schon werde ich von hinten (am %#sch) raufgeschoben, von vorne greifen Hände. Das ist ja Klasse, so viele „Gentlemänner“ auf einmal! Wir stehen zu Hunderten auf diesen Heuballen, Köpfe an Hinterteilen usw. keine Ahnung. Es sind wildfremde Menschen, das ist egal, Hauptsache rauf. Oben im Stau angekommen, hören wir eine Durchsage: "Aus Sicherheitsgründen wird die „Pussy -Lane“ geöffnet." Also ohne Heuballen raufklettern, nebenher laufen. Ein Raunen geht durch die Menge.
Es geht eine riesige Strickleiter runter, immer schön auf die Finger achten, sonst trampelt einer drauf. Unten angekommen lande ich dann auf durcheinander gestapelten Autoreifen und nun noch über zwei Betonröhren, die wieder bis über meinen Kopf ragten. Also springe ich drauf und robbe mich runter, das muss wirklich blöd ausgesehen haben… Das zweite Netz rauf und runter muss man springen? Auf Heuballen, die ziemlich weit weg waren, fand ich. Augen zu und springen. Bin gelandet ohne umzuknicken, fein, weiter geht’s in eine Art Bachlauf. Anstatt Wasser eine dicke Brühe? Immer schön vorsichtig Fuß vor Fuß setzen.
Als nächstes robbe ich auf allen Vieren unter einem Absperrgitter durch. Endlich mal was für die kleineren Leute! Dann kommt eine Art riesige „Jauche-Pfütze“. Puh! Ein Typ überholt mich ganz stolz im Laufschritt, während ich lieber auf Nummer sicher durchwatschel. Eine Sekunde später liegt er mit dem Gesicht zuerst im Mist. Ha.
Dann gibt’s endlich zu trinken und ich fand: schreckliche Energieriegel. Auf der „Schräge“ weiterzulaufen (so nenn ich das Hindernis mal, eine Halbkurve mit ein paar %,) und dabei die mitgenommene Cola zu trinken, ich kam mir vor wie in der Zirkus-Manege.
Plötzlich hörte ich Markus HINTER mir. Wie kam das? Muss mich wohl doch gut vorgedrängelt haben :) oder war ich etwa schneller?
Nun ging es in den ersten Baggersee, der war noch recht flach, das Wasser trüb. Einige Verrückte sind gerannt, um im nächsten Bodenloch reichlich zu versinken. Das war lustig. So die Schuhe quatschen schön und ab durch den Sand, damit man richtig schöne Bleifüße bekommt. Dann kam irgendwann der See. Ich hab mich gefreut, ins Wasser zu kommen, die meisten nicht. Eine klasse Abkühlung 11 °C. Man musste schwimmen, weil es zu tief war. Oder als Weichei betitelt durch die „Pussy -Lane“ laufen (einen Umweg außen herum). Das kam gar nicht in Frage. Man kam am anderen Ende schwierig heraus, weil die Beine im hellgelben Schlamm unberechenbar tief versunken sind.
Wieder Sand! Und wie lange, bitte, sollte ich noch in der Wüste laufen? Berge rauf und runter. Die Kameras nicht zu vergessen, sie waren einfach überall :) Nun gut im Start/Ziel-Bereich gab es „Nahrung“ und Flüssigkeit. Was davon noch übrig war. Ich dachte: Bis zur nächsten Verpflegung kann’s dauern. Also mitnehmen und rein was geht. Das hab ich dann beim nächsten Hügel bereut. So lernt man dazu ;)
Die zweite Runde war schon härter, denn die Kraft hat eindeutig nachgelassen. Zeiten waren mir egal. Da, wo’s ging, weiterlaufen immer mit Blick auf den Boden, um nicht zu stolpern. Dabei sah ich zu, wie sich die Farbe meiner Schuhe von schwarz nach weiß abgewechselt hat. Das war lustig. Zwischendurch überhole ich immer wieder Männer, die gehen müssen. Das war das Schönste am ganzen Wettkampf.
von Sonja Petri und Markus Peters
 
 
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