Unsere Trailvorbereitung geht weiter... nur fast ohne "Trail", aber mit ganz viel "Bridge"
von Marion Fladda

Nur noch zwei Wochen bis zum Ende unserer Vorbereitungsphase. Langsam aber sicher müssen wir unseren Leistungszenit erreicht haben.
Und aus diesem Grund setzen wir für dieses Wochenende noch einen Trainingsreiz aus der Kategorie „Lang und windig“: Ein Marathon auf einer Rheinbrücke in Wesel. Mit Betonung auf EINER Rheinbrücke. Um es mit anderen Worten auszudrücken: 44mal über eine Brücke.
Dieser Marathon ist einer aus der Reihe "Lost Places Marathons". Dies sind Marathons, die an verlassenen und bald nicht mehr vorhandenen Plätzen stattfinden. Und in diesem Fall ist es ein Marathon auf einer Brücke, die ausgedient hat und bald abgerissen wird.
 
Frank und ich machen uns am Sonntagmorgen schon früh auf den Weg zur besagten Brücke. Wir sind gespannt darauf, was uns dort erwartet. Wir erreichen unser Ziel gegen halb zehn und holen uns, wie schon so oft in diesem Jahr, unsere Startnummern.
 
Dabei erblicken wir die Brücke, die für die nächsten Stunden unsere Füße tragen wird. Es ist eine 57 Jahre alte Brücke, die ihre Arbeit getan hat und nun durch eine größere und imposantere Brücke abgelöst wird. Die neue Brücke steht bereits direkt daneben und lässt die alte Brücke wie eine Playmobil-Brücke erscheinen.

Dieser Marathon wird der kleinen, alten Brücke ein letztes Mal ein wenig Aufmerksamkeit und Leben schenken, bevor sie dann eingerissen wird.
Das Starterfeld versammelt sich im Startbereich und wartet auf den Startschuss. Vor uns auf dem Boden ist eine grüne Startlinie mit einem grünen Punkt, der uns Läufern den Wendepunkt anzeigt. Um zehn Uhr lässt uns der Startschuss dann auf die Strecke bzw. auf die Brücke.
Wir traben los. Der Wetterbericht hat für den heutigen Tag 8° und Regen angesagt. Wir haben schon mit dem Schlimmsten gerechnet, doch das Wetter meint es gut mit uns Läufern. Die Sonne strahlt vom Himmel.
 
 
Wir laufen nun das erste Mal bis zum Ende der Brücke, die im Nichts endet und wenden dort an einem weiteren Wendepunkt. Als wir wieder in Richtung Start- und Zielbereich laufen, stockt uns fast der Atem vor lauter Gegenwind. Auf dem Hinweg hatte man das Gefühl, man bewegt sich ohne irgendeinen Luftwiderstand. Der Rückweg ist dagegen umso kräftezehrender. Der Wind nimmt uns fast die komplette Vorwärtsbewegung. So kämpfen wir uns wieder zurück zum anderen Ende der Brücke. Dort umlaufen wir den ersten Wendepunkt und tauchen wieder ein in ein Laufgefühl ganz ohne Gegenwind.
Jetzt werden wir vom Wind in unserem Rücken wieder über die Brücke getragen bis zum Ende. Dort drehen wir abermals und der allzu freundliche Rückenwind entpuppt sich wieder als ein gemeiner Widersacher, der uns das Laufen erneut schwer macht. Glücklicherweise ist am Ende der Gegenwind-Strecke der Verpflegungsstand. Wenn man sich durch den Wind gekämpft hat, wartet eine üppige Verpflegungsstelle mit Energie in den verschiedensten Formen auf uns. Und auch zwei Dixis stehen zum Glück in der kleinen Läufer-Oase am Ende des Gegenwinds.
 
Und so laufen Frank und ich immer wieder über die Brücke. Hin und her. Mit dem Wind und gegen den Wind. Auf der einen Seite mit Salzstangen in den Backen und auf der anderen Seite mit Wind in den Backen.
 
Die Zeit vergeht. Der Asphalt ist schon bald bis in die kleinste Ritze studiert und ich habe dabei sogar ein "anspruchsvolles" Trail-Stück entdeckt. Die Beine werden mit jeder Runde schwerer und die scharfen Wendekurven werden immer schwieriger. Die Koordination der Beine wird immer schlechter und erinnert mich an meine Fähigkeiten beim Einparken eines Autos. Etwas unbeholfen und grobmotorisch eiere ich um die grünen Punkte. Der Gegenwind fühlt sich mit jeder Runde stärker an und auch die leichte Durchbiegung der Brücke wird zunehmend anspruchsvoller.
Nach guten 4 1/2 Stunden, 44 Runden und unzähligen Salzstangen, Weingummis, Käsewürfeln und mehreren Litern Zitronentee finishen wir den Lost-Places-Marathon # 4.

Es war ein schöner, entspannter Marathon mit guter Organisation und wenigen, aber dafür unheimlich motivierenden Zuschauern und nicht zuletzt einer schönen, kleinen Rheinbrücke, die ein letztes Mal ihr Bestes gegeben hat. Sie hat heute einen Haufen „wahnsinniger“ Läufer glücklich gemacht.
 
Danke kleine, alte Brücke. Du warst super!
von Marion Fladda

 
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