Teil 4 - Gran Canaria – Trainingslauf am Strand
Teil 5 - Fuerteventura – der zweite Wettkampf
Teil 6 - Lanzarote – Fliegende Traubenzucker in Arrecife

Teil 1
Seetag Madeira - "Vom Zerberus und lockeren Läufen mit deutschen Meistern"

von Thomas Kühnen

Los ging es in aller Herrgottsfrühe mit dem Morning-Jogg an Deck. Das Schiff verfügt über eine Laufbahn, die mittels Serpentinen um den Schornstein über 2 Decks sogar einige Höhenmeter aufweist. Wir begegnen noch einigen Neuankömmlingen, die das kurze Kennenlern-Treffen in der Disco am Ankunftsabend verpasst hatten. Locker geht es 20 Minuten um das Schiff, danach noch ein paar Gymnastikübungen unter Karsten Krucks sachkundiger Anleitung, was sich auf dem schwankenden Schiff als gar nicht einmal so leicht herausstellte…
Abends dann im Hafen von Funchal/Madeira stand der erste gemeinsame Trainingslauf auf dem Programm. In drei Trainingsgruppen sollte es die Promenade entlang gehen. Hörte sich flach an, die erste Gruppe wollte eine 5er Pace laufen, also schloss ich mich Karsten Kruck an. Der ist aktueller Deutscher Meister M30 über 10.000 m und war drittbester Weißer beim Köln-Marathon, eine 5er Pace ist für ihn quasi ein Spaziergang.
Bernd läuft auch mit dieser Gruppe. Bernd hat bisher so ziemlich alle AIDA-Wettkämpfe gewonnen. Seine aktuelle Freundin ist auch dabei – auch nicht die Langsamste. Wir traben also vor dem Schiff an. Eine Etage über uns eine Menschenmenge am Geländer der Promenade, die das Einlaufen der AIDA Sol verfolgt hatte und uns nun zujubeln. Schönes Gefühl.
Dann geht es entlang der Hafenpromenade. Es ist dunkel, hier ist viel Betrieb. Zwischen bummelnden Touristen und Einheimischen bahnen wir uns unseren Weg. Noch stimmt die 5er Pace. Bernd und ich quatschen ein wenig, wir haben uns ja auch seit zwei Jahren nicht gesehen. Dann ist die Promenade zu Ende, es geht durch enge Gassen leicht bergan nach Funchal hinein. Ab und an kommt uns ein PKW entgegen geschossen, in den schmalen Gassen ein recht unangepasstes Tempo, wie ich finde. Ein kurzer steiler Anstieg, dann wieder sanft hinauf. Wir gehen immer noch eine 5:20er Pace. Bergauf! Und immer mehr Hunde springen klaffend hinter löchrigen Zäunen hoch. Einer dieser Zerberusse bellt uns aus drei Metern Höhe von einer Mauer o h n e Zaun geifernd hinterher.
 
Die mögen hier keine Läufer, denke ich, während Karsten über unsere 100-Meter-Zeiten philosophiert, wenn einer dieser Höllenhunde wohl eine dem Gitter nicht angepasste Sprungkraft entwickeln würde. Ich setze auf die Intelligenz portugiesischer Wachhunde, die dem da oben hoffentlich sagt, dass ein Sprung auch für Hunde ungesund enden kann.
Die beiden Frauen unserer Kleingruppe sind in der dunklen Straße recht weit zurückgeblieben. Ich bemerke, umzudrehen und mit denen zu laufen. Ehrlich gesagt weniger Fürsorge als dass mir das Tempo zu hoch wurde. Aber die anderen drehen auch um, zusammen gehen wir den letzten, steileren Anstieg an, der uns jedoch mit einem herrlichen Blick auf die nächtliche Bucht und die im Hafen liegenden Schiffe entschädigt. Dann geht es zurück. Bergab deutlich leichter, wieder sind wir schneller als unsere beiden Damen, aber die wollen sich von uns absetzen und laufen geradeaus, wo wir links abbogen. Also wir zurück, wieder die steile Gasse hoch, hinterher. Zwischen gemütlichen Tavernen mit Straßenbestuhlung nehmen wir eine 4:30er Pace auf, um sie wieder einzuholen. Ein Kellner sprintet ein Stück neben uns her und lacht – leider ohne Getränketablett. Dann zurück über die Strandpromenade. Meine zaghaften Mahnungen an die vereinbarte 5er Pace verhallen ungehört.
Die beleuchteten Altstadtgassen wirken unheimlich romantisch, aber der Slalom-Lauf durch die Schiffs-Touristen beim Bummeln, die für alles einen Blick haben, nur nicht für Läufer in einer 4:30er Pace auf Kollisionskurs, strengt mich doch ziemlich an. Erst auf der Strandpromenade wird der „Verkehr“ wieder ruhiger. Die Mädels sind außer Sichtweite, aber hier ist es hell und die AIDA Sol nicht mehr weit. Wir beschließen, noch nicht zum Schiff zurück zu laufen. Es sind schließlich erst 7 km. Vorbei am Schiff geht es ins Hafengebiet. Unter einem alten Festungsturm hindurch auf die Hafenmole an der Außenseite des Hafenbeckens, von hier hat man einen tollen Blick auf unser Schiff und das beleuchtete Funchal.
Ich pumpe ein wenig, aber das geradeaus laufen tut meiner Kondition wieder gut. Die Mole ist verdammt lang. 4:18er Pace, sagt meine Uhr. Und die beiden werden immer noch nicht langsamer. Endlich der Leuchtturm, ein Buswendehammer, es gehr wieder zurück. Wieder 1 km bis zum alten Festungsturm, der Hafenwächter schaut uns wieder mitleidig hinterher, dann geht es wieder auf die Promenade. Karsten und Bernd wollen wieder zurück laufen, die bekommen nicht genug. Ich frage Karsten nach den Kilometern. „10,5 – da geht noch ein wenig“ ruft er mir locker zurück. Ich beschließe, mich zu verabschieden und das Schiff anzusteuern. Erstens ist morgen früh Wettkampf, zweitens habe ich Claudias Bordkarte und möchte sie nicht in der Zugluft ohne Jacke warten lassen. Und drittens bin ich alle…
von Thomas Kühnen
 
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