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Teil
1
Seetag Madeira - "Vom Zerberus und lockeren Läufen
mit deutschen Meistern"
von Thomas Kühnen |
Los
ging es in aller Herrgottsfrühe mit dem Morning-Jogg
an Deck. Das Schiff verfügt über eine Laufbahn,
die mittels Serpentinen um den Schornstein über 2 Decks
sogar einige Höhenmeter aufweist. Wir begegnen noch einigen
Neuankömmlingen, die das kurze Kennenlern-Treffen in
der Disco am Ankunftsabend verpasst hatten. Locker geht es
20 Minuten um das Schiff, danach noch ein paar Gymnastikübungen
unter Karsten Krucks sachkundiger Anleitung, was sich auf
dem schwankenden Schiff als gar nicht einmal so leicht herausstellte… |
Abends
dann im Hafen von Funchal/Madeira stand der erste gemeinsame
Trainingslauf auf dem Programm. In drei Trainingsgruppen sollte
es die Promenade entlang gehen. Hörte sich flach an,
die erste Gruppe wollte eine 5er Pace laufen, also schloss
ich mich Karsten Kruck an. Der ist aktueller Deutscher Meister
M30 über 10.000 m und war drittbester Weißer beim
Köln-Marathon, eine 5er Pace ist für ihn quasi ein
Spaziergang. |
Bernd
läuft auch mit dieser Gruppe. Bernd hat bisher so ziemlich
alle AIDA-Wettkämpfe gewonnen. Seine aktuelle Freundin
ist auch dabei – auch nicht die Langsamste. Wir traben
also vor dem Schiff an. Eine Etage über uns eine Menschenmenge
am Geländer der Promenade, die das Einlaufen der AIDA
Sol verfolgt hatte und uns nun zujubeln. Schönes Gefühl.
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Dann
geht es entlang der Hafenpromenade. Es ist dunkel, hier ist
viel Betrieb. Zwischen bummelnden Touristen und Einheimischen
bahnen wir uns unseren Weg. Noch stimmt die 5er Pace. Bernd
und ich quatschen ein wenig, wir haben uns ja auch seit zwei
Jahren nicht gesehen. Dann ist die Promenade zu Ende, es geht
durch enge Gassen leicht bergan nach Funchal hinein. Ab und
an kommt uns ein PKW entgegen geschossen, in den schmalen
Gassen ein recht unangepasstes Tempo, wie ich finde. Ein kurzer
steiler Anstieg, dann wieder sanft hinauf. Wir gehen immer
noch eine 5:20er Pace. Bergauf! Und immer mehr Hunde springen
klaffend hinter löchrigen Zäunen hoch. Einer dieser
Zerberusse bellt uns aus drei Metern Höhe von einer Mauer
o h n e Zaun geifernd hinterher. |
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Die mögen hier keine Läufer, denke ich, während
Karsten über unsere 100-Meter-Zeiten philosophiert, wenn
einer dieser Höllenhunde wohl eine dem Gitter nicht angepasste
Sprungkraft entwickeln würde. Ich setze auf die Intelligenz
portugiesischer Wachhunde, die dem da oben hoffentlich sagt,
dass ein Sprung auch für Hunde ungesund enden kann. |
Die
beiden Frauen unserer Kleingruppe sind in der dunklen Straße
recht weit zurückgeblieben. Ich bemerke, umzudrehen und
mit denen zu laufen. Ehrlich gesagt weniger Fürsorge
als dass mir das Tempo zu hoch wurde. Aber die anderen drehen
auch um, zusammen gehen wir den letzten, steileren Anstieg
an, der uns jedoch mit einem herrlichen Blick auf die nächtliche
Bucht und die im Hafen liegenden Schiffe entschädigt.
Dann geht es zurück. Bergab deutlich leichter, wieder
sind wir schneller als unsere beiden Damen, aber die wollen
sich von uns absetzen und laufen geradeaus, wo wir links abbogen.
Also wir zurück, wieder die steile Gasse hoch, hinterher.
Zwischen gemütlichen Tavernen mit Straßenbestuhlung
nehmen wir eine 4:30er Pace auf, um sie wieder einzuholen.
Ein Kellner sprintet ein Stück neben uns her und lacht
– leider ohne Getränketablett. Dann zurück
über die Strandpromenade. Meine zaghaften Mahnungen an
die vereinbarte 5er Pace verhallen ungehört. |
Die
beleuchteten Altstadtgassen wirken unheimlich romantisch,
aber der Slalom-Lauf durch die Schiffs-Touristen beim Bummeln,
die für alles einen Blick haben, nur nicht für Läufer
in einer 4:30er Pace auf Kollisionskurs, strengt mich doch
ziemlich an. Erst auf der Strandpromenade wird der „Verkehr“
wieder ruhiger. Die Mädels sind außer Sichtweite,
aber hier ist es hell und die AIDA Sol nicht mehr weit. Wir
beschließen, noch nicht zum Schiff zurück zu laufen.
Es sind schließlich erst 7 km. Vorbei am Schiff geht
es ins Hafengebiet. Unter einem alten Festungsturm hindurch
auf die Hafenmole an der Außenseite des Hafenbeckens,
von hier hat man einen tollen Blick auf unser Schiff und das
beleuchtete Funchal. |
Ich
pumpe ein wenig, aber das geradeaus laufen tut meiner Kondition
wieder gut. Die Mole ist verdammt lang. 4:18er Pace, sagt
meine Uhr. Und die beiden werden immer noch nicht langsamer.
Endlich der Leuchtturm, ein Buswendehammer, es gehr wieder
zurück. Wieder 1 km bis zum alten Festungsturm, der Hafenwächter
schaut uns wieder mitleidig hinterher, dann geht es wieder
auf die Promenade. Karsten und Bernd wollen wieder zurück
laufen, die bekommen nicht genug. Ich frage Karsten nach den
Kilometern. „10,5 – da geht noch ein wenig“
ruft er mir locker zurück. Ich beschließe, mich
zu verabschieden und das Schiff anzusteuern. Erstens ist morgen
früh Wettkampf, zweitens habe ich Claudias Bordkarte
und möchte sie nicht in der Zugluft ohne Jacke warten
lassen. Und drittens bin ich alle… |
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