Ein Kurlauf in Bad Pyrmont
von Marion Fladda

Es ist ein nieseliger Samstagmorgen. Frank und ich machen uns auf den Weg ins "ferne" Bad Pyrmont. Dort wartet mein sechster Marathon in diesem Jahr auf mich. Ich habe mich die letzten Wochen wie verrückt auf den heutigen Lauf gefreut. Und jetzt ist es endlich so weit, aber irgendwie will keine richtige Lauflaune in mir aufkommen. Wir kommen zeitig in Bad Pyrmont an und zelebrieren die übliche Marathon-Vorbereitungsprozedur. Mit Startnummern und ohne Championchip stehen wir kurz vor eins im Startfeld. Hier wird heute mit Bibchip gemessen. Seit unserem Salzkotten-Desaster, bei dem wir ein paar Minuten vor dem Start feststellten, dass wir die Chips vergessen haben, sind wir ein wenig übervorsichtig und hatten kurzeitig darüber nachgedacht heute sicherheitshalber mit Bibchip und Championchip zu laufen. Sicher ist sicher.
Um 13 Uhr geht es dann los auf die wellige Strecke mit 690 Höhenmetern. Ich habe mir im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, wie viel das wohl ist und bin zu dem gehirninternen Entschluss gekommen, dass ich einfach keine Ahnung habe, was da auf mich zu kommt.
Die Strecke führt uns über Feld- und Graswege raus aus Bad Pyrmont. Der Charakter eines Landschaftsmarathons wird einem somit auf den ersten Metern deutlich bewusst. Wir tauchen nach ein paar Kilometern in die Wälder rund um den Kurort ein und werden hier unsere nächsten Stunden verbringen.
 
Wir laufen über Waldböden, die ich so sehr liebe. Sie sind weich und federn angenehm. Dies bleibt jedoch nicht die ganze Zeit so. Wir sind schließlich nicht zum Spaß hier. Die Wege werden zu ordentlichen Rampen und scheinen teilweise fast senkrecht zu verlaufen. Die Wegbeschaffenheit wechselt und der weiche Waldboden wird zu steinigen Wegen mit Schotter. Trotzdem wächst meine Lauflust mit jedem gelaufenen Kilometer. Nach den steilen Bergaufstücken warten ebenso steile Bergabpassagen auf uns. Und so geht es Kilometer für Kilometer, rauf und runter. Und wieder rauf und runter.
Die Läufer um mich herum werden weniger. Für einige Kilometer laufe ich mit einem schwarz gekleideten Läufer und einem Gelben. Wir schlängeln uns die Waldserpentinen rauf und wieder runter. Nach 20 Kilometern bin ich dann alleine. Die anderen beiden haben abbrechen lassen und sind zurück gefallen. Jetzt gibt es für den Moment nur mich, den Wald und meine Gedanken. Aus unerklärlichen Gründen läuft heute in meinem Gehirn ein Ohrwurm, dessen Text ich überhaupt nicht kenne. So kommt es, dass ich mich alleine durch den Wald kämpfe und irgendeinen unverständlichen Text vor mich hin singe.
Vor mir tauchen nach und nach wieder Läufer auf. Bunte Flecken, die sich durch den Wald die Berge hoch schleppen. Ich freue mich über jeden Läufer, den ich überholen kann. Die Kilometermarkierungen existieren nur alle 5 Kilometer. Dies hat den Vorteil, dass man dadurch schneller bei 42 ist, da man sich ja in 5km-Schritten fortbewegt. Der Nachteil ist jedoch, dass man noch länger auf die Schilder warten muss, als sonst.
 
Die erste Hälfte des Marathons habe ich in einer "Unter 4 Stunden-Marathon-Zeit“ zurückgelegt. Mit jedem weiteren 5 Km-Schild stelle ich jedoch fest, dass ich langsamer werde. Es ist zwar immer nur eine Minute, aber die 4 Stunden Grenze schwindet dahin. Meine Moral bleibt jedoch unheimlich gut. Ich genieße den Wald und die schöne Strecke.
Die Kilometer vergehen und schon bald werden die noch zu laufenden Kilometer einstellig. Die letzten Kilometer laufe ich zusammen mit den später gestarteten Halbmarathonis und somit ist dieser Teil der Strecke nicht mehr ganz so einsam. Nach 42 Kilometern komme ich dann endlich auf die ersehnte Allee in der Bad Pyrmonter City, die sich heute in einen imposanten Zieleinlauf verwandelt hat. Es geht steil bergab, vorbei an Zuschauern, direkt auf den Zielbogen zu. Es ist geschafft. Ein wunderschöner Landschaftsmarathon ist bestritten in einer Zeit von 4:09:30. Und nun weiß ich auch endlich, wie sich 690 Höhenmeter anfühlen.
Der Bad Pyrmont Marathon ist ein echtes Lauferlebnis und absolut zu empfehlen. Allerdings ist er auch sehr anstrengend und verlangt vor allem den Gelenken einiges an Stoßdämpfer-Qualitäten ab. ;-)
 
von Marion Fladda
 
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