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Boston-Marathon,
18.4.2011
It’s all about the promises. Enjoy it.
von Tatjana Bitthöfer |
1:35.
Nacht- und Rückflug von Boston nach Frankfurt. Und die
Party ist noch nicht zu Ende. Aber nun von Anfang an … |
Anfang
Januar habe ich von Sportreisen Grosse-Coosmann aus Münster
die Nachricht erhalten, dass ich eine Starterkarte für
den Boston-Marathon haben könnte! Ich konnte es kaum
glauben. BOSTON. DER Marathon. Mein Wunsch schien in Erfüllung
zu gehen…
Nach kurzer Rücksprache mit Pierre Ayadi, der mich berät
und mein Training steuert, und einigen organisatorischen Fragen
habe ich mich angemeldet. |
Die
Marathonvorbereitung konnte beginnen: konsequentes, gutes
und abwechslungsreiches Lauftraining, Spinning, Krafttraining,
Vorbereitungswettkämpfe, (möglichst) gute Ernährung…
- das alles zusätzlich zu meinem Beruf, was schon manchmal
hart war und eine gute Organisation erforderte, doch das Ziel
hatte ich immer klar vor Augen: BOSTON. Die Reise-und Marathonvorbereitungen
wurden immer konkreter. Im März erhielt ich dann einen
Brief aus Amerika – meine Startunterlagen! |
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Doch
4 Wochen vor dem Marathon sah es dann so aus, als ob der Traum
vom Boston-Marathon platzen würde: erst eine sehr schmerzhafte
Entzündung in der rechten Schulter – ich konnte
mich zwar kaum anziehen, jemandem die Hand geben o.ä.,
aber die Pendelbewegung beim Laufen klappte immer noch einwandfrei
;-) – dann ein paar Tage später ein Infekt mit
Fieber, der mich zu einer kurzen Laufpause zwang. Ich wollte
schon alles absagen, doch zum Glück konnte ich mich schnell
wieder „aufrappeln“ und Pierre passte die Pläne
an, so dass ich die letzten 2 ½ Wochen vor dem Marathon
„normal“ weitertrainieren konnte. |
Mittlerweile
ist es 2:00 und ich habe endlich entdeckt, dass der Bildschirm
zu meinem Sitz (Gangplatz) sich eingeklappt in der Armlehne
befindet. Ich fummle hier schon seit einiger Zeit erfolglos
am Bildschirm meines Nachbarsitzes herum. Doch nun kann ich
endlich Musik hören und weiterschreiben … |
Freitag,
15.4.2011
Dann war es endlich soweit: der Abreisetag! Am Freitag bin
ich mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen gefahren. Von dort
sollte uns ein Flugzeug nach Boston bringen. Da das Wetter
dort bekanntlich sehr wechselhaft ist, hatte ich mich auf
alles vorbereitet, Laufkleidung für hohe und niedrige
Temperaturen, außerdem Laufzubehör (Laufgürtel,
Powergel, …), 1 Tüte meiner Lieblingsrosinen Sun
Maid California Rosinen, 1 rote Paprikaschote, Haferflocken,
mein Lieblingstee Grüner Tee mit Ingwer, meine Lieblingsdecke…
Somit wog mein Koffer dann 28 (!) kg und die 5 kg Übergewicht
wurden teuer! Aber schließlich ging es ja zum BOSTON-Marathon
und wie sich im Verlauf der Reise herausstellte, war ich bestens
auf alles vorbereitet. Das Geld für das Übergepäck
war also gut und sinnvoll angelegt ;-)
(Auf dem Rückflug haben wir übrigens als Gruppe
eingecheckt. Da andere Koffer etwas leichter waren, musste
ich für meinen 25,8 kg-Koffer nichts mehr zuzahlen …)
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2:15:
Mein Vordermann schaut irgendeinen Film, bricht gerade in
schallendes Gelächter aus, das ich auch mit Kopfhörern
höre, 2 Reihen hinter mir schreit ein wachgewordenes
Kleinkind, irgendjemand rappelt von hinten an meinem Sitz…
Aber weiter… |
Beim
Einchecken erkannte ich schon an den Füßen der
Mitreisenden weitere Marathonis. Viele trugen bereits ihre
Laufschuhe. Ich hatte mich auch dazu entschieden. Meine geplante
Marathonkleidung hatte ich im Handgepäck. Sicher ist
sicher… 250 der 27.000 Marathonstartplätze waren
an deutsche Läufer vergeben worden – und ich war
1 davon! Ich hatte schon viel über den Marathon gelesen
und gehört, doch die richtige Bedeutung dieses Laufs
sollte mir erst in Boston so richtig bewusst werden. |
Während
des 8stündigen Fluges habe ich in der neuesten Ausgabe
der Runner’s, die ich mir am Flughafen noch besorgt
hatte, u.a. den Artikel über Uta Pippigs Sieg beim 100.
Boston-Marathon gelesen. Dort konnte ich auch nochmals erfahren,
dass diese Marathonstrecke aufgrund seiner berüchtigten
Gefällepassagen auf der ersten Streckenhälfte und
der dann folgenden 7 km langen Hügelserie sehr anspruchsvoll
und schwierig zu laufen sei und Uta Pippig bei ihrem Sieg
alles gegeben hatte. Meine Aufregung wuchs zwar, doch mein
Entschluss auch alles zu geben, wurde bestärkt! 1 Tag
später auf der Marathonmesse kaufte ich mir die amerikanische
Runner’s, die einen Special Report Boston Fever
Why everyone wants in enthielt. B.Q. [Boston Qualifier]
or Die. A BQ is more than just a time. It’s entry into
a very exclusive running club. In dem langen Bericht
wurde sehr ausführlich die Bedeutung des Marathons beschrieben
und wie Amerikaner versuchen sich für diesen Marathon
zu qualifizieren. |
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Nach
fast 8 Stunden Flugzeit setzten wir zur Landung in Boston
an und als ich einige Reihen vor mir die Würgegeräusche
und das Weinen eines Kindes hörte, wusste ich, dass die
Entscheidung den Snack in Form eines Hot Dogs oder einer vegetarischen
Pizza nicht zu essen, richtig war. Meine Aufregung wuchs.
Ich hatte zwar per Internet die Reisegenehmigung beantragt,
doch dort konnte man auch erfahren, dass letztlich die Flughafenbeamten
über die Einreise bestimmen. Ich näherte mich etwas
eingeschüchtert einem Schalter mit einer streng blickenden
älteren Dame und sah mich schon unverrichteter Dinge
auf dem Rückflug. Ihre erste Frage war dann auch, warum
ich hier sei und was ich in Boston wolle. [Schluck]. Ich erzählte
ihr also, dass ich zum Marathon möchte. Als ich sah,
dass sich ihr Gesichtsausdruck aufhellte, erzählte ich
ihr auch noch, wie sehr ich mich darauf freuen würde.
Sie zeigte Interesse und stellte noch weitere Fragen. Und
so erzählte ich ihr auch noch, dass dies zwar mein 7.
Marathon, aber mein 1. in Amerika werden sollte. Sie fragte
noch nach meinem Training. Schließlich wünschte
sie mir viel Erfolg und ich bekam die Stempel in meinen Reisepass
und auf meine Zollerklärung, so dass ich mit meinem 28kg-Koffer
einreisen konnte. Ich hatte es geschafft! Ich war in Boston!
Die Anspannung der letzten Wochen fiel von mir. Die Party
konnte beginnen! ;-) |
Von
dem Moment, als ich die Flughafenhalle betrat, fühlte
ich mich bereits sehr wohl. Und von da ab lief bis zum Ende
der Reise alles „wie am Schnürchen“. |
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In
der Flughafenhalle wurde ich von Heide Hasselmann, die am
Samstag unsere Stadtführung machen sollte, und unserem
Reiseleiter Friedhelm Boschulte freudig begrüßt.
Friedhelm ist über 130 Marathons gelaufen, u.a. auch
20mal in Boston!!! Seine Erfahrungen, die er später an
uns weiter gab, waren Gold wert! Wir waren eine Marathongruppe
von ca. 30 Personen: Läufer und Angehörige aus ganz
Deutschland, so z.B. Hermann und Monika aus der Lüneburger
Heide. Hermann, Nichtläufer, sagt, wo er gerne mal Urlaub
machen möchte, und seine Frau Monika läuft dann
dort Marathon. So haben sie z.B. 2009 beim Hawaii-Marathon
Andreas, genannt „Tilli“, aus Braunschweig und
seinen Freund Oliver, genannt „Olli“, aus München
kennengelernt. Das gab natürlich erstmal ein großes
Hallo, als sie sich nun in Boston wiedersahen. |
Die
Stimmung in der Gruppe war von Beginn an super. Man ist schnell
ins Gespräch gekommen. Hier habe ich Menschen aus der
großen „Läuferfamilie“ kennengelernt,
die – wie ich – Spaß daran haben durch die
Marathonwelt zu reisen und im Verlauf der Reise erfuhr ich
noch viel über die Marathons in Chicago, Hawaii, New
York, Kuba u.v.m. – und konnte schon mal Ideen für
mögliche nächste Marathonstarts sammeln ;-) |
Ein
Bus brachte uns zu unserem Hotel, das in der Innenstadt von
Boston, direkt am Prudential Center, einem riesigen Einkaufszentrum,
und nur ca. 1 km vom Marathonziel entfernt lag. Super! In
dem Hotel gab es zwar kein Frühstück, weil dies
in den meisten amerikanischen Hotels wohl nicht üblich
ist, aber ein „Restaurant“ (ein Pizzaautomat,
jedoch out of order, und ein Eiswürfelautomat). Der Service
war sehr gut und das bequeme und sehr hohe King Size Bed erwies
sich v.a. an dem Morgen nach dem Marathon als sehr praktisch,
weil man sich nur auf die Bettkannte rollen musste und dann
sofort stand! Mein fitness breakfast bekam ich in der nahe
gelegenen Brasserie Jo.
Der Freitag stand zur freien Verfügung und so habe ich
mich mit Stadtplan auf eine Entdeckungstour begeben. In dem
nahe gelegenen Supermarkt entdeckte ich dann ein riesiges
Regal mit Sun Maid-Produkten. Ich war ja in das „Land
der Rosinen“ gereist. Im Prudential Center habe ich
dann Jörg und Markus, 2 Läufer unserer Gruppe aus
Fulda, getroffen, und wir haben gemeinsam die Tofu-, Gemüse-,
Nudel- und Reisvorräte eines chinesischen Restaurants
vertilgt. Einen Marathon läuft man ja schließlich
nicht aus dem „hohlen Bauch“ heraus! |
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Samstag,
16.4.2011
Am Samstagvormittag stand zunächst die Vorbesprechung
mit Friedhelm an. Während der folgenden Stunde erhielten
wir noch viele wichtigen Informationen über unseren anstehenden
Marathon, das eigentliche Ziel unserer weiten Reise. Friedhelm
erzählte uns, dass wir uns für einen der schwierigsten
Marathons entschieden hätten. Die zunächst abschüssige
Strecke würde unsere Beinmuskulatur verkrampfen, wenn
wir zu schnell loslaufen würden, so dass wir den berühmt
berüchtigten und gefürchteten Heartbreak Hill zwischen
km 25 und 32 nur noch unter Schmerzen und Krämpfen schaffen
würden. Ein kleiner Lichtblick bei seinen Schilderungen
war, dass, wenn man bis km 32 aber einigermaßen gut
durchkommen würde, die letzten 10 km kein Problem mehr
sein würden. Friedhelm wusste nach 20 Boston-Marathons,
wovon er sprach. Diese Erfahrungen gab er glücklicherweise
realistisch an uns weiter, so dass wir nun genau wussten,
was auf uns zukommen würde. Unsere Gruppe bestand aus
erfahrenen und gut trainierten Läufern. Dennoch machte
sich etwas Unbehagen breit, auch auf den Gesichtern der mitgereisten
Angehörigen erkannte man etwas Sorge. Friedhelm sprach
auch von den tollen Zuschauern an der Strecke, die die Läufer
unterstützen, mit Getränken usw. versorgen würden,
und von den „Sirenen von Wellesley“ – kreischende
Mädels eines Mädchenpensionats, die in der Nähe
der Halbmarathonmarke mit Kiss me–Plakaten
stehen und die Läufer lautstark anfeuern würden.
Die männlichen Teilnehmer unter uns wollten nun zumindest
bis zu den „Sirenen von Wellesley“ durchhalten
;-).
Friedhelm riet uns auch dazu Decken, Zeitungen, alte Kleidungen
u.ä. zum Marathonstart in Hopkinton mitzunehmen, weil
wir mehrere Stunden im Athletendorf in Hopkinton warten und
dort schließlich nicht stundenlang stehen könnten.
Markus und Jörg, die bereits beim New York Marathon waren,
fügten hinzu, dass sie sich damals beim Warten auf den
Start mit Laub bedeckt hätten, weil sie nicht vorbereitet
waren. Ich hörte mir das alles an und meine innere Ruhe
wurde immer größer. Als Kopf-und Organisationsmensch
brauche ich all diese Informationen um mich bestmöglich
vorbereiten zu können. Da es im Frühling schwierig
werden könnte, Laub zu finden – zumal es in Boston
noch sehr kühl war, die Bäume noch kahl waren und
der Frühling erst zaghaft begann – und ich meine
Wartezeit auch nicht mit den krabbelnden Feld- und Waldbewohnern
Hopkintons verbringen wollte, beschloss ich meine Lieblingsdecke,
einen Fleecepulli, Handschuhe und eine Sporthose zu „opfern“,
außerdem würde sich ja dadurch auch das Gewicht
meines Koffers für den Rückflug reduzieren. Schließlich
erfuhren wir noch, dass Friedhelm uns am Marathontag zum Boston
Common, einen ca. 3 Meilen entfernten Park, von dem die typisch
gelben amerikanischen Schulbusse uns zum Start bringen sollten,
begleiten, dann mit dem Pressebus nachkommen würde. So
zumindest sein Plan!
Aber am Marathontag kam alles anders ;-). Die 3 Meilen zum
Abfahrtspunkt der Busse und die 2 Meilen durch das Athletendorf
zu den Startblöcken zählten – zu unserem Bedauern
– nicht zu den 42, 195 km bzw. 26, 2 Meilen! Zum Abschluß
fügte Friedhelm noch hinzu, dass jeder, der am Tag nach
dem Marathon noch ohne Probleme die Stufen zur Hotellobby
hinuntergehen könnte, beim Lauf nicht alles gegeben habe,
was er natürlich von uns erwartete. Er fragte nach unseren
angestrebten Zielzeiten – wir fragten uns nach seinen
Ausführungen, ob diese wohl jemals erreichbar sein würden
– und erhielten von ihm detaillierte Tabellen mit Zwischenzeiten.
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Bestens
informiert begannen wir unsere Stadtführung, teils mit
dem Bus, teils zu Fuß. Wir erfuhren viel über Boston,
besuchten Beacon Hill, legte einen Zwischenstopp an der Faneuil
Hall ein, fuhren nach Cambridge und zur Harvard Universität.
Unsere Stadtführung endete am Nachmittag am Hynes Convention
Center. Dort bekamen wir unsere Bib Number (Startnummer),
unseren Kleiderbeutel und DAS Finishershirt! Wir staunten
über die gute Organisation. Trotz 27 000 Teilnehmer bekamen
wir sofort unsere Unterlagen. Fast ehrfürchtig habe ich
mein gelbes Finishershirt, das ich vorher schon in den Unterlagen
gesehen hatte, in Empfang genommen. Ein wichtiger Augenblick,
in dem ich bereits Stolz empfunden habe, bei diesem Marathon
dabei sein zu dürfen. Es gab zum Glück eine Damen-
und Herrenversion, und man konnte es anprobieren und ggf.
umtauschen.
Danach führte unser Weg auf die riesige Marathonmesse.
An dem Adidas-Stand führte kein Weg vorbei und ich kaufte
mir auch die Adidas Official Race Jacket.
Diese Jacken (und z.T. die passenden Hosen und Shirts) kauften
fast alle Teilnehmer, und es herrschte ein riesiges Gedränge.
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Überall
in der Stadt sah und erkannte man die Teilnehmer an der Adidas
Collection. Ich schaute mir alles an, besorgte mir noch
ein pace your race-Bändchen und arm sleeve,
die ich beim Marathon tragen wollte. Der Abend stand dann
im Zeichen der Regeneration und es erfolgte die Fortsetzung
der Tofu-Gemüse-Reis- und Nudel-Vertilgungstour ;-) |
Sonntag,
17.4.2011
Am Sonntag hatten wir uns für 8 Uhr zu einem eigenen
Frühstückslauf mit Friedhelm verabredet und liefen
ca. 8 km. Es fühlte sich sehr gut an und ich merkte,
dass die Form stimmte und die Beine trotz Flug, Stadtbesichtigung,
Zeitumstellung locker waren. Für den Abend hatten wir
uns zu der großen Pasta Party verabredet. Die Zeit bis
zum Abend nutzte ich für eigene Besichtigungen, v.a.
des nahe gelegenen Zielbereichs, einem Mittagsschlaf und bereitete
in aller Ruhe vor, was ich vor, während und nach dem
Marathon brauchen würde. Überall in der Stadt spürte
man den anstehenden Marathon! Alle, Läufer, Zuschauer
und Bewohner, bereiteten sich vor. Die Stimmung war einzigartig. |
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Am Abend fuhren wir dann zur Pasta-Party, die ebenfalls sehr
gut organisiert war. Man bzw. unsere Gruppe hatte mit den
Startunterlagen eine individuelle Zeit für die Teilnahme
an der Party erhalten, damit nicht alle 27.000 Läufer
gleichzeitig kommen. So konnten wir entspannt sitzen, essen,
die vielen freiwilligen Helfer, die stolz darauf waren, bei
diesem Ereignis helfen zu dürfen, trugen sehr viel zu
unserem Wohlbefinden bei, waren gut gelaunt und hilfsbereit,
tanzten mit unseren Nudelverpackungen durch die City Hall.
Party! Nach dem Essen gab es dann noch eine riesige Snack-Tüte
und ich machte mich mit Olli und Andreas auf den Heimweg zum
Hotel.
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Montag,
18.4.2011: BOSTON-Marathon
Um 4: 30 klingelte mein Wecker. Am heutigen Patriot’s
day sollte nun also der lang erwartete und gut vorbereitete
Marathon stattfinden. Aufstehen, ein kleines Frühstück
vorbereiten, die letzen Vorbereitungen treffen.
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Um
6 Uhr 15 ist unsere Gruppe ausgestattet mit alten Klamotten,
Pappkartons, Zeitungen und Decken unter’m Arm und den
grünen Starterbeuteln auf dem Rücken zum Boston
Common gegangen. |
Friedhelm begleitete uns. Doch plötzlich wurde er nervös,
lief hin und her.
Der „Bursche“, der 10jährige Sohn einer Läuferin
unserer Gruppe aus München, auf den Friedhelm während
des Marathonlaufs aufpassen wollte, war plötzlich verschwunden
und tauchte auch bis zu unserer Abfahrt nach Hopkinton nicht
wieder auf. Wie wir nach dem Marathon erfuhren, hatte „Bursche“
es sich in dem Pressebus, den Friedhelm ihm gezeigt hatte
und mit dem die beiden „gleich“, nachdem sie uns
zum Boston Common begleitet hatten, zum Start nach Hopkinton
fahren wollten, bereits bequem gemacht, denn für ihn
bedeutete „gleich“ „sofort“ und nicht
„später“. |
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So
kam es, dass „Bursche“ schon vor uns mit der Presse
auf dem Weg nach Hopkinton war, während wir im Boston
Common auf unsere Abfahrt warteten und nach ihm Ausschau hielten,
seine Mutter, wild entschlossen den Marathon zu laufen, im
Bus neben mir saß – ihr Sohn hatte ja schließlich
ein Namensschild um und etwas Geld dabei – und Friedhelm
den Tag auf der Suche nach „Bursche“ in Boston
verbrachte! „Bursche“ wurde schließlich
vom Hopkintoner Sheriff aufgegriffen, der Friedhelm und die
Mutter – vor ihrem Start – informierte. Er verbrachte
den Tag beim Sheriff, wurde zum Junior Sheriff, und als klar
war, dass die Mutter wohlbehalten das Ziel erreicht hatte,
zum Hotel gebracht. Ein aufregender Tag für Friedhelm!
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Wir
warteten also am Boston Common darauf, dass uns die Schulbusse
nach Hopkinton bringen würden. Es verlief völlig
stressfrei und zügig. Jeder reihte sich ein, niemand
drängelte. Ca. 30 Busse fuhren vor, es wurden Warteschlangen
gebildet, genau abgezählt, man stieg ein, jeder hatte
einen Sitzplatz, zack, die Busflotte fuhr ab, die nächsten
30 Busse fuhren vor usw. und so wurden innerhalb kürzester
Zeit 27.000 (!) Läufer zum Start gebracht. Super Organisation!
Die Fahrt dauerte ca. 80 Minuten, die Straßen waren
bereits recht voll. Es war Feiertag und die Menschen machten
sich auf dem Weg zur Marathonstrecke. Gegen 8 Uhr 50 wurden
wir im Athletendorf ausgesetzt. Unsere Gruppe startete in
wave 3 um 10 Uhr 40. Es gab nur 3 Starts, wobei die
ersten beiden um 10 Uhr und um 10 Uhr 20 erfolgten. Ich machte
mich mit Olli, Andreas, Monika und 2 weiteren Läufern
auf die Suche nach dem Bus, an dem wir unsere Kleiderbeutel
abgeben mussten. Es war der Bus Nr. 54, der letzte Bus!
Wie Friedhelm es vorhergesagt hatte, war es trocken und sonnig,
aber sehr kalt und windig. Wir zogen all unsere mitgebrachten
Kleidungsstücke übereinander und wickelten uns in
Decken. |
Gegen
10 Uhr haben wir dann die Starterbeutel – nebst Lieblingsdecke
– am Bus abgegeben und uns auf den Weg zum Startblock
gemacht. Dort wurde von den Helfern genau darauf geachtet,
dass man in der richtigen wave und dem richtigen
coral startete. Wir hatten die letzten Starterkarten
ergattert und starteten quasi aus der letzten Reihe des Boston-Marathons.
Eine Panikwelle überkam mich, dass ich nun 42,195 km
bzw. 26, 2 Meilen vor dem Besenwagen „fliehen“
würde. Andreas „beruhigte“ mich, indem er
mir sagte, dass es überhaupt keinen Besenwagen geben
würde (nach dem Motto „ Seht doch zu wie ihr wieder
nach Boston kommt“ ;-)) und wir alle anderen überholen
würden.
Der Start war sehr unspektakulär. Die Läufermasse
vor uns setzte sich plötzlich langsam in Bewegung. Wir
mussten zunächst einen kleinen Anstieg bewältigen.
Oben angekommen in der Kurve rannten plötzlich alle los
und man musste aufpassen, dass man nicht über die Zeitmatte
an der Startlinie stolperte. Auf km 1 ging es zunächst
bergab, aber nicht so steil wie befürchtet. Am Rand spielte
eine Band Country Musik und der Sänger forderte uns auf,
seine „Jippi“– und Hiha“–Rufe
nachzuahmen. Also rannte ich auf meiner „Flucht vor
dem nicht existierendem Besenwagen“ im Zick-Zack-Kurs
und im Takt der immer schneller werdenden Country-Musik umgeben
von Jippi und Hiha rufenden Läufern den Berg hinunter.
Ein rasanter Marathonstart ;-).
Dann folgte statt der von Friedhelm angekündigten „5
km steil bergab“ plötzlich der erste Anstieg! Ich
überholte im Zick-Zack-Kurs, da es auf der Straße
sehr eng war, weiterhin viele Läufer und arbeitete mich
somit von der letzten Reihe auf Platz 13.456 der Gesamtwertung
vor. Die Strecke blieb wellig und nur vereinzelt gab es einige
Meter ohne Auf und Ab. |
Das
Bostoner Publikum gilt als sehr fachkundig. Die Zuschauer
waren 100%ig im Einsatz und statt der in Deutschland üblichen
„Hop hop“ oder „eins zwei, eins zwei“
Rufe feuerten sie jeden Läufer mit „You are doing
a great job!“ an, hatten z.T. eigene Getränkestände
aufgebaut, reichten Orangenstücke, Erfrischungstücher,
Schwämme. An den offiziellen Ständen gab es Wasser
und Gatorade. Gut, dass ich meinen Laufgürtel mit Powergel,
Kaugummi und Ultra Sports-Pulver dabei hatte.
Die Strecke lag komplett in der Sonne und es wurde immer heißer.
Die Eliteläufer waren um 10 Uhr gestartet und gegen Mittag
im Ziel. Wir sind jedoch erst um 10 Uhr 40 gestartet und voll
in der Mittagssonne gelaufen. Nach dem Lauf hatten wir alle
unbedeckten Hautstellen der rechten Körperhälfte
regelrecht „verbrannt“. Kurz vor der Halbmarathonmarke
hörte man dann schon aus der Ferne die „Sirenen
von Wellesley“: auf einer Länge von ca. 1 km standen
auf der rechten Straßenseite dicht gedrängt die
kreischenden Mädels des Mädchenpensionats mit ihren
Kiss me-Plakaten – ein ohrenbetäubender
Lärm. Wir Läuferinnen sind unbeirrt auf der linken
Seite weitergelaufen, viele Läufer sind jedoch stehengeblieben,
haben sich mit den Mädchen unterhalten und sind z.T.
den Kiss me –Aufforderungen nachgekommen, womit
sie sich nachher rühmten – und versuchten ihren
„Einbruch“ auf der 2. Marathonhälfte zu erklären
– Männer… ;-)
Wir wussten zwar, dass die Strecke anspruchsvoll sein würde,
aber nicht, dass sie nur wellig war. Ich stellte mir immer
vor, dass ich auf meinem Spinning-Rad sitze: bergab „down
hill, leichter Widerstand“, bergauf „in der Pedale
stehen, voller Widerstand“ und so bin ich mit dem ständigen
Wechsel gut klar gekommen und konnte von meiner „gut
ausgeprägten, kräftigen Beinmuskulatur“ profitieren.
Bei km 25 begann dann die Hügelkette und es wurde immer
heißer. Viele Läufer kämpften schon mit Krämpfen,
v.a. Männer, denn „mehr Muskelmasse = mehr Krämpfe“.
Friedhelm bestätigte am Abend auch, dass Frauen die Strecke
besser verkraften. Die Zuschauer waren in völliger Aufregung.
Es gab keine Stelle an der Marathonstrecke, die eigentlich
nur durch kleine Vororte und über asphaltierten Straßen
im „Nichts“ führte, ohne Zuschauer!
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Auf
dem letzen Anstieg vor km 32 reichte mir eine Frau zum Glück
einen Schwamm. Am Ende des Anstiegs erwartete uns ein großer
Bogen mit der Aufschrift Heartbreak is over. Oben
angekommen „explodierte“ die Stimmung, die Zuschauer
standen hier besonders dicht gedrängt und jubelten uns
zu You got it! You got it! You did a great job!
Wir liefen an den ausgestreckten Händen vorbei und „klatschten“
sie ab, ließen uns feiern. Sogar die Polizisten jubelten
mit ;-) Man hatte in dem Moment das Gefühl etwas Großartiges
vollbracht zu haben. Das Entscheidende beim Boston-Marathon
ist nicht die Bewältigung der 42,195 km bzw. 26,2 Meilen.
Die kann man ja überall laufen und bei guter Vorbereitung
auch schaffen, sondern eben das Streckenprofil, das den Läufern
wirklich alles abverlangt. |
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Nach
dem Heartbreak Hill ging es zunächst wieder bergab, und
ich konzentrierte mich auf die noch vor mir liegenden 10 km.
Ich wollte es unbedingt schaffen! Die Strecke blieb wellig.
Da wir uns nun der Bostoner City näherten und die Hochhäuser
etwas Schatten spendeten, wurde es angenehmer. Überall
jubelnde und feiernde Menschen! Bei km 38 nahm ich mir an
einem Getränkestand noch einen Becher Wasser und merkte
schon, dass ich etwas ins Wanken geriet. Ab km 39 verkrampfte
sich dann in meinem Körper alles, was sich noch verkrampfen
konnte und mir wurde etwas übel. Nun bloß nicht
stehenbleiben oder gehen, sondern weiterlaufen. Bei km 40
musste man nochmals bergab durch eine Unterführung, dann
wieder bergauf. Und die letzten Meter zur Zielgeraden auf
der Boylston Street musste man auch noch hochlaufen. Doch
dann war es endlich geschafft. Nach 3 Stunden 50 Minuten und
11 Sekunden überquerte ich - mit neuer PB! - die Ziellinie
des Bostoner Marathons, zwar etwas erschöpft, aber stolz
und glücklich mit dem Gefühl an diesem Tag alles
mir Mögliche gegeben zu haben! Ich war nun ein Boston-Finisher.
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Im
Ziel warteten wieder hunderte Helfer, die uns sehr gut versorgten,
u.a. mit einem Regenerationsdrink. Dieser „Zaubertrank“
half super gegen meine Übelkeit. Bei dem Versuch, eine
Hose überzuziehen, verkrampfte meine Wadenmuskulatur
so sehr, dass ich erstmal einige Zeit auf einem Bein stehen
bleiben und versuchen musste, den Krampf zu lösen. Aber
das gehört dazu. Einige Finisher weinten, das Rote Kreuz
hatte alle Hände voll zu tun. Im Ziel standen zahlreiche
Rollstühle bereit, weil einige Läufer so starke
Krämpfe hatten, dass sie sich nicht mehr bewegen konnten.
Die Begleiter unserer Gruppe erzählten am Abend, dass
auch Läufer auf allen Vieren über die Ziellinie
gekrochen sind. Nach meinem Zieleinlauf bin ich die paar Meter
zum Hotel „geschlurft“. Die Leute, die mir auf
dem Weg dorthin begegneten, gratulierten mir. Nach einer „Grundsanierung“
in der Badewanne ging es mir deutlich besser und ich bin zurück
zum Ziel gegangen, um die anderen Läufer zu treffen,
etwas von der Atmosphäre „aufzusaugen“.
Von unserer Gruppe sind alle durchgekommen. Wir waren uns
alle einige, dass die Strecke wirklich hart war. Friedhelm
zeigte sich bei unserer „Nachbesprechung“ zufrieden
mit unseren Leistungen. Er hatte uns bereits unsere Zwischenzeiten
und Ergebnisse ausgedruckt.
Am Abend bin ich dann mit Olli und Andreas zur After-Run-Party
gegangen – ein schöner Ausklang eines einzigartigen
Tages! Dieser 115. Boston-Marathon wird als der schnellste
Boston-Marathon in die Geschichte eingehen. |
4:30.
Es gibt Frühstück. Bald werden wir in Frankfurt
landen. Zeit also mit meinem „Fazit“ zu beginnen. |
Dienstag,
19.4.2011
Der Vormittag stand noch zur freien Verfügung. Bevor
ich in der Brasserie Jo meinen Frühstücksplatz zugewiesen
bekam, wurde ich nach meiner Zielzeit gefragt und erhielt
einen schönen Fensterplatz :-)
Ich habe mir den Boston Globe besorgt. Dort stehen alle Finisher
nach Zeiten geordnet: 23.879 Finisher!
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Nach
einer kleinen Shoppingtour ging es am Nachmittag für
die meisten unserer Gruppe zum Flughafen. Wir verabschiedeten
uns von Friedhelm, der zum Gelingen unserer Reise und v.a.
des Marathons einen großen Beitrag geleistet hat. Danke,
Friedhelm! Übrigens konnte niemand von uns die Stufen
zur Lobby schmerzfrei hinuntergehen. Wir hatten also alles
gegeben! ;-)
Ich verabschiedete mich auch von Olli und Andreas, die noch
2 Wochen durch Kanada reisen wollen. Viel Spaß! Wir
sehen uns spätestens im Sommer in München oder Berlin
;-). Es war eine tolle Reise mit einer sehr netten Gruppe
und einem einmaligen Erlebnis beim Boston-Marathon, auf das
ich sehr stolz bin. |
Beim
Besteigen unseres Flugzeugs wird mir schnell klar, dass die
Party noch nicht zu Ende ist, als ein männliches Crewmitglied
mit amerikanischem Akzent einen Passagier im „Süddeutschlandoutfit“
mit „Ja, mei, geht’s schon wieder zum Oktoberfest“
begrüßt ;-) |
5:50:
Wir landen auf dem Frankfurter Flughafen, allerdings abseits
des Terminals, Da wir erst um 6: 15 ankommen sollten. Man
hatte uns Boston-Marathon-Finisher noch nicht erwartet! Und
während ich durch das kleine Flugzeugfenster die Flughafenmitarbeiter
auf der Suche nach einer Treppe beobachte, damit wir die Maschine
verlassen können, höre ich noch leise das in Boston
lieb gewonnene „You are welcome. Enjoy it!“ |
Mein
besonderer Dank gilt meiner Familie und meinen Freunden, die
mich auf meinem Weg stets unterstützt haben, und v.a.
Pierre Ayadi für die tolle Vorbereitung! Wir haben alles
richtig gemacht! |
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