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Immer
im Oval oder immer gegen den Uhrzeigersinn
von Wolfgang Seebacher
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Noch
2 Wochen bis zum nächsten Highlight meines gewiss nicht
ereignisarmen Läuferlebens, dann ist das Großereignis
"1. LiDoMa" am Möhnesee angesagt. Es gilt also,
in dieser Woche das Training zu forcieren, gleichzeitig aber
gut zu dosieren, denn ansonsten kann es am Ende sogar nur
suboptimal laufen. Und das wollen wir ja alle nicht. |
Die
Woche 26 ließ uns zu Beginn in der Hitze erstarren.
Temperaturen über 30° zeigte das Thermometer meiner
kleinen, privaten Wetterstation an. Was machst Du an einem
solchen Tag? In dieser Situation? Gut, Montag ist erstmals
trainingsfrei, nachdem am Sonntag ein 30er auf meinem Plan
stand und auch gelaufen wurde. Allerdings, und das ist weniger
schön, habe ich seitdem Schmerzen im linken Oberschenkel
außen, was mich doch ein wenig beschäftigt. Den
Gang zum Orthopäden meines Vertrauens schlage ich hingegen
noch nicht ein. Zu Hause bleiben ist auch Mist, liegt mir
nicht. Ich muß mich bewegen, sonst fehlt mir was. Das
weiß sogar die beste Ehefrau der Welt. Sie animiert
mich, ja fordert mich geradezu zum Laufen aus, wenn mein Laune
wieder einmal den untersten Wert der Skala erreicht hat. Also
nix wie zum Sportplatz. |
Zum
Vereinstraining findet sich am Dienstag eine sehr überschaubare
Zahl Aktiver ein. Dabei trauen sich allerdings einige Freunde
des Trainingsteams 2011, befreit von jeglichem Wettkampfstress,
aus ihrem wohltemperierten Zuhause. Wir sind uns schnell einig:
Kurze Strecke, verhaltenes Laufen und soviel Wald wie möglich.
Geht ganz gut, ich habe zum Schluß 10 Kilometer auf
meiner Garmin Super-High-Tec-GPS-Uhr gespeichert. Zeit, naja,
ok. Freund und Trainingspartner Uwe ist leider verhindert. |
Mittwoch
und Donnerstag pausiere ich, Freitag ist Tempo vorgegeben.
Uwe hingegen startet am Donnerstag beim B2Run, einem bestens
organisierten Firmenlauf rund um das Westfalenstadion. Er
gewinnt einen Pokal, der aussieht wie eine Salatschüssel.
Aber nur „kucken“ ist erlaubt, anfassen oder gar
mitnehmen ist wegen der Schwere verboten. Behalten darf er
ihn auch nicht, es ist ein Wanderpokal. Eine „Titelverteidigung“
ist jedoch möglich.
Trotz mehrfacher Aufforderung weigerte sich der Veranstalter
beharrlich, Uwe’s Namen einzugravieren. |
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Uwe,
Freitag wieder bei uns, und ich laufen gemeinsam mit einem
weiteren Uwe, au Mann, die vielen Uwe, 10 Kilometer in einem
guten Schnitt. 10 Kilometer Tempo, und das im Training, können
sehr anstrengend sein. Sind sie auch. Ich bin froh, nach dieser
Strecke in ein „Wohlfühltempo“ übergehen
zu können. 17 Kilometer stehen bei Abschluß insgesamt
zu Buche. |
Die
Wochenknaller stehen allerdings noch bevor. Am Freitag/Samstag
findet wieder der 24-Stunden-Lauf im Stadion "Rote Erde"
statt. Eine ehrwürdige, historische Sportstätte,
in der die beste Mannschaft Deutschlands, nämlich der
BVB, sensationelle Erfolge feiern konnte. Und ich war als
Schüler häufig dabei. An diesem Ort also starten
in dem erwähnten Zeitrahmens Alte und Junge, Schüler
und Studenten, Männer und Frauen, kurzum eine bunte Truppe
von Leuten, die einerseits durch ihre Spenden, für jede
Runde ist ein halber Euro fällig, für notleidende
Mitmenschen Gutes tut und andererseits durch ihre sportliche
Aktivität auch ihren eigenen Körper mal wieder fordert.
Ob Du läufst, walkst oder gehst: egal, jeder betätigt
sich wie er kann. Bewegung unlimited. |
Während
der Fahrt mit der S-Bahn in Richtung Stadion macht Uwe den
Vorschlag, den sonntäglichen 30er mal nicht in gewohnter
Umgebung in und um Wickede sondern um den neu angelegten Phönix-See
im Stadtteil Hörde zu laufen. Tolle Idee, der ich sofort
begeistert zustimme. |
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Mit
sieben Personen, u. a. mit Uwe’s Frau und der besten
Ehefrau der Welt, gehen wir gesponsert und versehen mit attraktiven
Funktionsshirts von der BIG-Krankenkasse auf die Tartan-Bahn
im Stadion Rote Erde.
Gegen den Uhrzeigersinn laufen wir so gut wie möglich
mit zahllosen Menschen im Oval, überholen, werden überholt.
25 Runden, das sind 10 Kilometer oder 12,50 EUR, möchte
ich gerne zurücklegen. Spielt der Oberschenkel mit? Habe
ich mir gestern zuviel zugemutet? |
Viele,
viele bekannte Gesichter sehe ich im Stadion, sogar Kordula,
Ihr wisst, meine Samariterin, läuft ihre Runden im Dienst
der guten Sache. |
Runde
um Runde legen wir mit wechselnden Begleitern und Gesprächspartnern
zurück. Und es gibt viel zu Reden, gerade wenn ich mit
lieben Lauffreunden zusammen bin, die ich schon Jahre kenne.
Ist fast wie ein Klassentreffen mit Schulkollegen. Z. B. immer
wieder: Weißt Du noch, der Silvesterlauf bei -15°
und beißendem Ostwind? Dieser Lauf von Werl nach Soest
ist ein Klassiker geworden. |
Keine
Spur von Beschwerden. Locker, aber zügig laufe ich meine
gewählte Strecke von 10 Kilometern. Geschwindigkeit spielt
keine Rolle, ich lege sogar Trinkpausen ein, somit Entspannung
pur. Mir geht Uwe’s Vorschlag, um den See zu laufen,
nicht aus dem Sinn. In Gedanken teile ich die mir unbekannte
Strecke schon auf. Eigentlich Blödsinn, ich weiß
doch gar nicht, was da auf uns zukommt. Aber so bin nun einmal. |
Nach
Ende des herrlichen Laufes und angemessenem Abschluß
erhält jeder Teilnehmer eine Urkunde, auf der die Anzahl
der zurückgelegten Runden dokumentiert ist. Eine schöne
Erinnerung. |
Sonntagmorgen,
wir fahren zum Phönix-See. Es ist recht frisch und ungemütlich.
Der Wind treibt die tief hängenden Wolken vor sich her,
hoffentlich bleibt es trocken. Uwe ist sehr mutig und läuft
im T-Shirt, während ich eine Windjacke bevorzuge. Ich
habe früher einige Jahre in Hörde gewohnt und kenne
das Gebiet noch als Stahlwerk. Dass es derart riesige Ausmaße
hat, ist mir, der es sonst nur von außen sah, nicht
bewusst gewesen. Uwe und ich beginnen an der Stelle, an der
Generationen von Stahlkochern Blut, Schweiß und vielleicht
auch Tränen vergossen haben und ihre Brötchen verdienten.
Geschichte, heute wird das Areal von Phönix-Ost, so heißt
das nun, zu einem Naherholungs- und Ausflugsgebiet mit hochwertigem,
privatem Haus- und Grundbesitz entwickelt. |
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An
diesem Morgen sind nur hier nur wenige Menschen unterwegs.
Klar, die obligatorischen Läufer, die das Gelände
schon für sich entdeckt haben – sogar ein Lauftreff
ist bereits gegründet – und Spaziergänger,
die die morgendliche Ruhe genießen möchten.
Wir laufen vom Parkplatz hinunter zum Rundweg. Dieser besteht
in Wahrheit aus zwei Wegen, einen für Radfahrer und einen
für Läufer/Spaziergänger. Die Trennung ist
durchaus sinnvoll, denn so ist die Kollisionsgefahr sehr begrenzt.
Es ist noch einiges fertig zu stellen, an vielen Stellen deuten
Absperrgitter auf Baustellen hin. |
Unser
Weg führt uns zunächst ostwärts Richtung Schüren/Aplerbeck
bis zu einer Brücke, die den oberen Zulauf der Emscher
quert. In diesem Bereich befindet sich eine Anhöhe, von
der aus ein Anblick in die weitere Umgebung lockt. Wir nehmen
uns vor, diesen Berg als „Zuckerstückchen“
in der letzten Runde zu erklimmen. Nach Passieren der Brücke
laufen wir gen Westen. Unangenehm ist in diesem Bereich der
starke Gegenwind. Und der soll jetzt noch weitere 8x unser
Schicksal sein. Genau 9 Seeumrundungen ergeben nämlich
fast 30 Kilometer. Zum Erreichen unseres Ziels müssen
wir also noch einige Meter zusätzlich drauflegen. Das
ist ganz einfach, denn ruckzuck haben uns verlaufen. So sind
die Zusatzmeter schon eingefahren. |
Es
begegnet und grüßt uns Frank Busemann, der ehemalige
Zehnkämpfer, der hier als Läufer ebenfalls die Morgenruhe
genießt. Wir beschließen die erste Runde. Uwe
markiert dies durch einen senkrechten Strich im Sand. |
In
der zweiten Runde wieder ein Treff mit Frank Busemann. Ich
beginne zu träumen: Frank Busemann kommt auf uns zu und
spricht uns an: "Ihr seid doch Uwe und Wolfgang aus
Wickede. Ich habe schon viel von Euch gehört und gelesen.
Klasse, wie ihr harmoniert. Darf ich eine Runde mit Euch laufen?“ |
In
Wirklichkeit spreche ich ihn an. Leider hat er sein Programm
erledigt, aber sonst dürften wir gern mit ihm laufen.
Schade, ein Gespräch so unter Läufern wäre
sicherlich für beide Seiten fruchtbar gewesen.
Uwe markiert weiter penibel die gelaufenen Runden durch senkrechte
Striche. Nicht, dass wir das nötig hätten, denn
wir tragen ja unsere Garmin Super-High-Tec-GPS-Uhren. Aber
das hat was.
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Nach
jeder dritten Runde erfrischen wir uns. Getränke sind
im Kofferraum von Uwe’s Auto deponiert. Sehr gut, dass
man direkt an die Strecke heranfahren kann. |
Je
weiter der Vormittag fortschreitet, umso mehr Publikum bevölkert
die Rundwege. Können wir die ersten Runden noch in aller
Ruhe unter die Laufwerkzeuge nehmen, müssen wir jetzt
immer wieder Slalom laufen und Rücksicht auf die Fußgänger
nehmen. |
Wir
laufen im „Wohlfühltempo“, d. h. wir achten
auf möglichst niedrige Herzfrequenz, Ausdauer ist angesagt,
Fettverbrennung pur. Nach 25 Kilometern spüre ich doch
allmählich die Belastung durch die Läufe der Vortage.
Der linke Oberschenkel beginnt wieder zu zwicken, obwohl ich
den ganzen Morgen versucht habe, ihm das auszutreiben. Macht
nix, die letzten Kilometer spulen wir auch noch ab, denn uns
erwartet ein besonderer Genuss: Unsere Erstbesteigung des
Aussichtshügels. |
Im
letzten Durchgang verlassen wir die gewohnte Strecke und steigen
über x Stufen hinauf zum Gipfel. Ein phantastischer Ausblick
auf Dortmund. Wenn wir den verpasst hätten…. Eine
serpentinenartige Gefällstrecke mit Spitzkehren laufen
wir auf der anderen Seite des Hügels wieder talwärts
und setzen unser Training auf der gewohnten Umlaufbahn fort.
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Ein
letztes Mal gegen den Wind, kämpfen wir uns tapfer um
den See. Der Fußweg ist jetzt gut besucht, so dass wir
froh sind, unser Ziel, 30 Kilometer zu laufen, erreicht zu
haben. Ein toller Lauf, eine schöne Umgebung, allerdings
mit einer Einschränkung: Bei prallem Sonnenschein im
Sommer gehst Du ein, kein Kühle spendender Schatten,
Du bist immer direkt unter der Sonne. Heute aber, an diesem
kühlen Sonntag bei wolkenverhangenem Himmel, passt alles.
Die gelaufene Rundenzahl ist im Split des Rundweges genau
dokumentiert. |
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Wir
sind zufrieden, auch wenn mir der Oberschenkel, aber das sage
ich jetzt zum letzten Mal, sehr schmerzt. Aber bis zum 17.
Juli wird alles gut. |
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