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Traillauf
in Dresden Klotzsche am 29. Oktober 2011
von Kordula Ciprina |
„Zweimal
Kontakt mit Dresden - und das innerhalb von einer Woche!“,
so schießt es mir durch den Kopf, während ich in
Erwartung des Pokalspiels neben meinem Mann im Signal-Iduna-Park
hocke, denn schließlich wollen wir uns dort ab Donnerstag
kurz entschlossen ein paar Besichtigungs-, Bildungs- und Ferientage
gönnen. |
Die
ganze Family reist mit. Dass ich persönlich dort eine
Woche zu spät bin, weiß ich. Der Marathon war ja
am vorherigen Wochenende. Doch so etwas sagt man als Einzelläufer
der Sippe besser nicht zu laut. |
Geschickter
ist es diplomatisch vorzugehen und gut informiert (drei Tage
Studium diverser Reiseführer) jedem Mitglied nach persönlichem
Interesse Vorschläge zu außergewöhnlichen
Angeboten der Stadt zu unterbreiten. Die Sippe tappt nichts
ahnend in die Falle. Jeder freut sich - neben dem gemeinsamen
Programm in dieser tollen Stadt - über sein persönliches
Dresden-Erlebnis: Besuch des Heimspiels der Dresdener gegen
Karlsruhe, des Verkehrsmuseums und der Flaniermeilen.
Und die Mutter? Die hat doch tatsächlich, ganz zufällig
für den Sonntagmorgen, im Laufkalender einen kurzen Herbstwaldlauf
in Dresden Klotzsche aufgetan, der in der landschaftlich reizvollen
Gegend der Dresdener Heide im nördlichen Stadtgebiet
sein soll.
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Angemeldet
ist sie (dank Internet) auch schon, also muss man ja auch
nicht ganz so früh vor Ort sein. Murren kann nun keiner
mehr, denn auch für die Wartenden ist im Areal des angrenzenden
Kletterparks für genügend Abwechslung gesorgt. Auch
der für nachmittags vorgesehnen großen Elbe-Schiffstour
- zur Entlastung der strapazierten Füße - haben
die Vier begeistert und dankbar zugestimmt. Geschickte Planung
ist eben alles, darin habe ich Übung. Jetzt muss ich
nur noch laufen. |
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Gesagt,
getan. Die Gegend, in die es uns am Sonntag verschlägt,
ist super schön. Alte Villen an den Hängen des Waldes,
der sich bei natürlich strahlendem Sonnenschein bunt
verfärbt vom blauen Himmel abhebt. Unser Auto steht in
einer Seitenstraße, denn hier gibt es nur DD-Kennzeichen.
Soll ich mich heute wirklich als Dortmunder Touri outen und
gibt es unter den Läufern noch über die Pokalschlappe
enttäuschte Dresden-Fans? Orange oder Tarnschwarz? Wir
gehen 10 Minuten andächtig durch den leuchtenden Herbstwald.
Alte Viadukte, versteckt im Wald, brechen das Sonnenlicht.
Viel Stimmung ertönt von der Waldlichtung rund um den
Kletterpark am Nesselgrund. Die Frage ist geklärt: Mut
zum Ruhrpott-Orange!
Schreck lass nach! Es stehen - neben den 90 Männern -
nur 10 Frauen auf der Liste für den 9 km Lauf. Erst in
diesem Jahr wurde die Weiblichkeit für den 9er Lauf zugelassen
- so hatte es im Netz gestanden. |
Das hätte mich stutzig machen müssen! Die meisten
Teilnehmer (etwa 300) bevorzugen die 6 km (3 km - Runde zwei
mal) zu laufen und beim Passieren des Zuschauerbereichs witzelt
der Kommentator, dass manche davon ja sogar noch lachen können. |
Was
ist denn hier los? Herbstwaldlauf in der Dresdener Heide klingt
doch recht harmlos - und vom Streckenprofil fehlte im Netz
auch jede Spur.
Überraschung!!! Laut Aussage eines schnittigen Jünglings
sind in jeder der drei Runden etwa 70 Höhenmeter zu absolvieren.
Kleine Waldpfade, die es hoch und runter geht. Also die Zertifikatsrunde
der Bittermärker komprimiert auf 9 km – kalkuliere
ich grob.
Startschuss! Vorsicht ist heute geboten, also hinten bleiben,
immerhin bin ich nicht nur die am weitesten gereiste, sondern
auch die älteste Frau auf dieser Distanz. Der tolle Herbstwald,
die kleinen zerfurchten Wege und die vielen Wurzeln erinnern
mich an den Trailrun im letzten Jahr. Nur, dass ich damals
dafür trainiert hatte.
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Schon
beim ersten Anstieg (Marke Pferdeweg in der Bittermark) verspüre
ich deutlich, dass wir Dresden in den letzten drei Tagen komplett
zu Fuß bereist haben und sicherlich auch gut 20 km im
Touristen–Schritt gegangen sind. Ab km 1,5 wird es flacher,
gut zum Erholen, bevor es ebenso steil wieder den Berg hinunter
geht. Die Achillessehne lässt grüßen. Beim
ersten Durchlaufen des Start/Ziel-Bereichs kündigt der
Moderator an, dass sich heute nur wenige Läufer freiwillig
„die Kante geben wollten“ und die 9 km Distanz
gewählt haben, darunter auch eine Läuferin aus (er
stutzt) „Dötmund“.
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„Ködula
Ciprina“ von „den Ruhpotts aus Dötmund“
schallt es mir in reinstem Sächisch entgegen. Ein Raunen
geht durch die Zuschauermenge und ein bisschen bereue ich
jetzt doch, dass meine Herkunft am Trikot abzulesen ist. |
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Komischerweise fällt wieder das Pokalspiel ein. Da hilft
nur nett lächeln, verbindlich ins Volk winken - wie Queen
Mum - und schon bin ich auf der zweiten Runde.
Ein Besucher des Kletterwalds rauscht mit seiner Stahlrolle
in großer Höhe über meinem Kopf hinweg zur
Tanne am Kopf des nächsten Anstiegs. Die erbetene Mitfahrgelegenheit
verweigert er mir. Die Rache eines Dresden-Fans? Jetzt zahlt
sich meine Trailerfahrung aus. Den „Pferdeweg“
geht man spätestens beim zweiten Mal elegant und mit
viel Armeinsatz und spart Kräfte für das dritte
Mal.
Bergab bin ich diese Mal noch etwas verhalten, denn ich will
nichts riskieren. Durchlauf für die Mutter aus der Meisterstadt
mit erneuter Ansage: „ Ja sie kann immer noch lächeln,
die Startnummer 944, denn sie sind im Pokal ja auch weiter
- aus Dötmund - in Klotzsche am Start - Ködula Ciprina“.
Danke! So viel Aufmerksamkeit müsste ja wirklich nicht
sein! Schnell wieder in den Wald - ins Rückzugsgebiet!
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Dieselbe
Taktik wie in Runde 2! So hänge ich tatsächlich
einige Läufer ab, die wie die „Bekoppten“
die 35%ige Steigung des Pfades mit Wurzeln und Gestrüpp
hoch laufen und völlig entkräftet sind. Dortmund
ist ja schließlich bekannt für seine gute Mischung
aus Kondition und Taktik. Beim Downhill riskiere ich nun auf
der letzten Runde alles und fliege im 5 Minuten Tempo über
Geröll, Baustümpfe, Ilex. Über weichen Waldboden
und einen der Phoenix-Halde ähnlichen Pfad erreiche ich
als dritte Frau in 51: 31 Minuten das Ziel.
Der Empfang ist freundlich und der gereichte Kuchen (Dresdener
Eierschecke) lecker. Mit einer Einladung zum Dresden Marathon,
schönen Erinnerungen an einen kurzen, aber extrem knackigen
und harten Lauf und eindrucksvollen Bildern der malerischen
Kulisse im Gepäck begebe ich mich wieder zurück
zur Familie und genieße später die entspannte Elbfahrt
auf dem Sonnendeck des Raddampfers und die tollen Ausblicke
auf eine phantastischen Gegend. Top Planung! |
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Ob
man den Elbe-Radwanderweg nicht auch mal laufen könnte?
Diese Gedanken behalte ich heute lieber für mich! |
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