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Eine Verabredung mit dem Hammermann
zum in Essen
von Marion Fladda |
Donnerstag,
6. Oktober 2011
Der Welveraner „5 am Tag“ Marathon ist nun drei
Tage her und die Beine fühlen sich eigentlich wieder
ganz gut an. Ich mache ein kleines Regenerationsläufchen
und stelle dabei eine leicht krampfige, hintere Oberschenkelmuskulatur
fest. Nach ein paar Kilometern läuft sich das allerdings
weg. Nach fünf Kilometern beende ich meinen Erholungslauf
und blicke auf die Uhr: Fast 32 Minuten. Das ist ganz schön
langsam. Es fühlte sich zwar ganz gut an, das Tempo machte
jedoch deutlich auf den Marathon vor drei Tagen aufmerksam.
In drei Tagen steht der nächste Marathon an. Ich bin
gespannt auf die Erholungsfähigkeit meines Fahrgestells.
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Sonntag,
9. Oktober 2011
Es ist so weit. Marathon Nummer zwei in dieser Woche. Bereits
um 5 Uhr morgens klingelt der Wecker. Hoch motiviert machen
wir uns fertig. Draußen ist es dunkel und nebelig.
Um 7 Uhr fahren wir zusammen mit Helmut und Norbert Richtung
Essen. Meine Laufmoral ist noch ziemlich abwesend. Wir erreichen
unser Ziel und steigen aus. Kalte Luft weht mir ins Gesicht.
Brrrr, ganz schön frisch. Kaum zu glauben, dass ich mich
noch vor sechs Tagen beim Welver-Marathon über die tropischen
Temperaturen beschwert habe. |
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Wir
holen unsere Startunterlagen und machen uns langsam startklar.
Um 10 Uhr geht es dann los. Mehrere Tausend Läufer machen
sich auf den Weg. Die ersten Schritte fühlen sich gut
an. Die Füße sind etwas eingefroren, aber sonst
habe ich keine Beschwerden.
Ich laufe die ersten Kilometer zusammen mit Frank und weiß
nicht so recht, was ich heute machen soll. Ich habe mir auf
jeden Fall vorgenommen, heute nicht so oft auf die Uhr zu
gucken. „Unter vier“ wäre natürlich
schön, aber ob das heute für mich möglich ist,
weiß ich nicht. |
Frank
und ich laufen vor den 4:14er Brems- und Zugläufern her.
Nach drei Kilometern stelle ich fest, dass ich absolut entspannt
laufe. Ich laufe mit diesem Gefühl erstmal weiter. |
Es lässt mich jedoch nicht los und so entscheide ich
mich bei Kilometer 5 dazu, anzuziehen. Ich verabschiede mich
von Frank und setze mich langsam ab.
Nach zwei Kilometern habe ich die 3:59er Brems- und Zugläufer
erreicht. Eine Riesen Traube von Läufern tummelt sich
hinter ihnen. Ich spiele mit dem Gedanken erstmal hier hinter
zu bleiben. Nach einer Minute habe ich diese Idee jedoch wieder
gecancelt. Das Tempo ist mir jetzt für den Moment einfach
zu langsam. Ich arbeite mich durch das Feld und verlasse die
hübschen, blauen Ballons. |
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Die
Strecke verläuft immer am See entlang und bietet einen
wunderschönen Ausblick. Das Wetter kann perfekter gar
nicht sein. Die Sonne scheint und dennoch ist es recht kühl,
was zum Laufen optimal ist. Ich laufe weiter mein Tempo und
überhole noch immer Läufer und scheine mich im Läuferschwarm
weiter nach vorne zu arbeiten. Ein ausgesprochen gutes Laufgefühl.
Aber wie lange wird das noch so bleiben? Wie lange halten
die Beine? |
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Bei
Kilometer 15 geht es auf eine Wendepunktstrecke. Wendepunktstrecken
haben den wunderbaren Vorteil, dass man alle bekannten Läufer
einmal sehen kann. So klatscht man sich gegenseitig ab und
ruft sich motivierende Dinge zu. Frank sehe ich auf meinem
Rückweg auf der Wendepunktstrecke auch. Er hat sein Tempo
gehalten und läuft vor den 4:14er Ballons. Das wäre
schön, wenn er das Tempo halten kann.
Ich laufe weiter und habe bald die erste Runde um den See
geschafft. Halbzeit. Ich stoppe heimlich die Zwischenzeit
und erwische mich beim Blick auf die Uhr. 1:55. |
Eigentlich wollte ich gar nicht auf die Uhr gucken, aber nun
ja. Fünf Minuten Puffer. In Welver waren es vier. Auf
einem Halbmarathon kann man viel Zeit verlieren. Da sind fünf
Minuten nichts. |
Meine
Beine fühlen sich immer noch gut an. Ich überhole
immer noch Läufer. An der Laufstrecke stehen an vielen
Stellen Zuschauer, die eine super Stimmung machen und den
Läufern eine Menge positive Energie spenden. Ich sauge
sie auf und versuche einfach mein Tempo zu halten.
Bald habe ich die 30 Kilometer erreicht und das gute Lauffeeling
beginnt zu schwinden. Ein merkwürdiges Gefühl macht
sich stattdessen breit. Ich versuche es zu analysieren und
diagnostiziere: „Gleich kommt der Mann mit dem Hammer
und zieht mir einen drüber.“ |
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Ich
reduziere ganz leicht das Tempo und rede mir ein, dass ich
Spaß habe. Laufen ist wunderschön und macht einfach
nur Spaß. Während ich mir versuche den Motivationskram
zu glauben, fällt mir der Artikel unserer Klo-Lektüre
ein. Darin wird der Marathon mit einem 10-Kilometer-Lauf verglichen.
Dort steht, dass man bei einem Marathon eine viel längere
„Leidenszeit“ hat und viel länger „aushalten“
muss. Motivationsgedanken adieu. Ich werde dann mal mit dem
Aushalten beginnen. Aushalten, leiden und Cola trinken. |
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Der
Mann mit dem Hammer scheint nun die ganze Zeit über mir
zu schweben, um den Richtigen Moment zu erwischen. Der Sack.
Die Kilometer werden einstellig und meine Lauflust schwindet
immer mehr. Ich könnte mir gut vorstellen, jetzt einfach
aufzuhören. Ich versuche dennoch das Tempo zu halten.
Ich habe zu sehr Angst vor diesen fiesen, blauen Ballons,
die mich wahrscheinlich hämisch lachend, überholen
würden.
Ich erreiche die 39 Kilometer und ignoriere meine Uhr. Einfach
laufen. Bald kommt die 40. Noch gut zwei Kilometer. Ich will
nicht mehr. Weiter. Nur noch ein kleines bisschen. 41…
42… und es ist geschafft.
Der Zieleinlauf ist gesäumt von vielen, vielen Menschen.
Sie klatschen uns Läufer ins Ziel. Ich stoppe die Zeit
und gucke auf die Uhr. Unter vier… und noch viel besser:
Neue persönliche Bestzeit!!!
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Voller
Zufriedenheit genehmige ich mir ein alkoholfreies Weizen,
lege mich auf ein Stück Wiese und verabschiede mich vom
Hammermann. Seinem Job konnte er heute bei mir nicht nachkommen.
Ausgesprochen schade ;-) |
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