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Laufen
um’s „Bunte“ und für’s „Grüne“
von Wolfgang Seebacher |
Im
Rahmen des 1. LIDOMA am Möhnesee spricht mich Lauffreund
Hans Urbaniak wegen eines von ihm für den Herbst konzipierten
Marathon an. Zunächst eine lockere Idee, reift dies rasch
zu einer Überlegung und mündet kurzfristig in eine
konkrete Planung. Allerdings im Juli auf einen Lauf, der einem
Wintergemüse „gewidmet“ ist, aufmerksam gemacht
zu werden und sich damit gedanklich zu beschäftigen,
bedarf meinerseits schon lebhafter Phantasie. Aber die haben
wir Läufer doch alle in ausreichender Menge. Oder etwa
nicht?
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Kurzum,
die Idee fällt bei uns, also bei meinem Lauffreund Uwe
und mir, auf fruchtbaren Boden. Ja, insgeheim freuen wir uns
sogar spontan auf diesen Lauf, soll er doch im November stattfinden,
wenn eh im Langstreckenbereich wenige Angebote bestehen. Mir
fallen dabei vor allem Bertlich und der hier in Dortmund bekannte
Glühwein-Marathon ein, aber das war’s auch schon.
Uwe und ich nehmen zur „Probe“ Anfang Oktober
den Marathon in Welver unter unsere Laufwerkzeuge, den allerdings
bei hochsommerlichen Temperaturen, und der ist somit als Testlauf
nicht geeignet. Hans läuft auch mit, für ihn ist
dies aber nur einer von vielen Läufen.
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Hans möchte seine Veranstaltung als Gruppenlauf durchführen,
stressfrei und ohne Zeitdruck. Alle sollen sich wohlfühlen
bei entsprechend angepasstem Tempo. In der Ausschreibung heißt
es: „Der Marathon findet unter dem Motto: ‚Miteinander
anstatt Gegeneinander’ statt. Gelaufen wird vom ersten
bis zum letzten Meter in einer Gruppe.“ Ich finde
das sehr gut nach all der Tempobolzerei während der sonstigen
Wettkämpfe. Maximal 15 LäuferInnen dürfen an
dieser Exclusivveranstaltung teilnehmen. Aber Marathon ist
Marathon, es bleibt bei der Distanz von 42,195 Kilometern,
daran ist nicht zu rütteln. Und diese Strecke will erst
einmal gelaufen werden. |
Hans
richtet eine Veranstaltung bei Facebook ein, unter der wir
Teilnehmer in Video und Wort immer auf aktuellem Stand gebracht
werden und uns austauschen können. Höhepunkt ist
ein Film, der uns in einer Art Zeitraffer die Strecke vorstellt,
auf Straßenkarte und aus der Sicht eines Läufers.
Zum Schluß erwartet den Aktiven die Belohnung in Form
eines appetitanregenden vollen Tellers besagten Wintergemüses
mitsamt der obligatorischen Beilage, der deftigen Mettwurst.
Soweit das Video. |
Da
macht das Training richtig Spaß, auch wenn Dir angesichts
der immer noch sommerlichen Temperaturen gar nicht herbstlich
zumute ist. Was läufst Du zwischen Marathon Welver und
Marathon Dortmund? Viele lange Läufe sind nicht möglich
bei einer Zeitspanne von knapp fünf Wochen. Es trifft
sich gut, dass jemand aus unserer Trainingsgruppe in New York
läuft und für seinen letzten langen Lauf über
34 Kilometer noch Mitstreiter sucht. Uwe und mir kommt dieser
Wunsch sehr gelegen, gerne laufen wir mit, denn in der Gruppe
ist die Bewegung einfacher und entspannter als wenn Du allein
durch das Gelände rennst. Und am darauffolgenden Sonntag
gelingt mir bei einem weiteren 30er sogar noch eine Endbeschleunigung
in Form von mehreren Sportplatzrunden. Näheres
dazu in meinem Blog. |
In
den letzten Tagen vor dem Ereignis quälen mich leichte
Halsschmerzen, die ich mit viel Vitamin C – Dank an
Marion und Hans für die Tipps – mit Erfolg bekämpfe.
So bin ich am Tag vor dem Lauf bereits beschwerdefrei. Der
Wettergott hat für Samstag puren Sonnenschein bei niedrigen
Temperaturen prognostiziert. Kaum zu glauben, aber am Freitag
erfahren wir schon einmal eine kleine Kostprobe dessen. |
Hans
hat den Kurs bei GPSies eingegeben, so dass ich ihn mir auf
meine Garmin High-Tec-Super-GPS-Uhr laden kann. Ich mache
das erstmalig, bin gespannt, wie sich die Daten während
des Laufes bemerkbar machen. Was die Uhr alles so kann?! |
Es
soll aber kalt sein am Samstag. Morgens beim Brötchenholen
bekomme ich einen ersten Vorgeschmack. Au Backe, da gefriert
Dir das Wasser in den Trinkfläschchen. Als Bekleidung
wähle ich deshalb ein langärmeliges Radlertrikot,
Handschuhe und die Mütze von „100 KM rund um Dortmund“.
Ein wenig Werbung für diese Veranstaltung macht sich
immer gut. |
Versehen
mit den guten Wünschen der besten Ehefrau der Welt, gut
gelaunt und voller Erwartungen und Vorfreude auf den Long-Jogg
fahren Uwe und ich zu Hans. |
Dank
einer guten Wegbeschreibung finden wir sein Haus auf Anhieb.
Mehrere Teilnehmer erwarten uns bereits. Es gibt eine herzliche
Begrüßung, wir sind sofort in die Gemeinschaft
eingebunden. Es ist, als wären wir alte Bekannte. So
ist das nun mal in Läuferkreisen. In der Garage sind
mehrere Tische und Bänke aufgestellt, damit nach „getaner
Arbeit“ der Lohn, sprich Grünkohl, bequem und entspannt
genossen werden kann. Auf den Tischen sind mehrere Schalen
mit Gebäck, Schokolade und Spekulatius gestellt. Der
Duft frischen Kaffees zieht durch den Raum. Wer möchte,
kann schon vor dem Start zugreifen. |
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Hans
hat einen großen Flachbildschirm aufgestellt, ein professionell
gestaltetes Begrüßungsvideo beeindruckt mich sehr.
Auf einem Tisch liegen die Startnummern, für jeden Starter
mit Vornamen versehen. Schon beim Anblick des Hintergrundes
läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Ihr könnt
das sicherlich nachvollziehen. Aber soweit ist es noch nicht.
Vorher soll noch eine Menge Schweiß fließen.
Olaf, einer der zahlreichen Endorphinjunkies, wird vor dem
Start zum Ehrenjunkie ernannt. Hansi läuft heute seinen
50.Marathon, Bärbel möchte so lange es geht mitlaufen.
Wie lange es geht, erfahrt Ihr später. |
Noch
eine kleine Stärkung, ein letzter Schluck Wasser und
einige einleitende Worte, die den Charakter des Laufes hervorheben,
dann startet Hans den Marathon und unsere Gruppe setzt sich
in Bewegung. |
Wir
bewegen uns zunächst durch Lücklemberg, vorbei an
„Günnas“ Spielstätte in der Olpketalstraße
grobe Richtung Oespel.
Ich habe natürlich meine Garmin Super-High-Tec-GPS-Uhr
scharf geschaltet und starre öfter als gedacht gebannt
auf die sich mir darbietenden verschiedenen Displays. Erstaunlich,
zu welchen Leistungen diese Uhr, nein dieses High-Tec-Gerät,
fähig ist. Sie trägt das ihr von mir verliehene
Attribut völlig zu Recht. So wird neben vergangener und
restlicher Laufzeit in Abhängigkeit von der Restdistanz
auch das Streckenprofil bildlich dargestellt. |
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Der
Kurs verläuft wellig mit vielen kleinen Anstiegen, was
mich gegenüber Hans zu der Bemerkung veranlasst: „Ich
dachte, die Strecke sei flach.“ worauf Hans erwidert:
„So ist das aber nun mal im Dortmunder Süden.“
Ist völlig in Ordnung, auch wenn sich die „Peaks“
wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. |
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Die
Gruppe harmoniert hervorragend, die Sonne scheint, Frank filmt,
was wollen wir mehr? Angeregte Gespräche werden geführt,
wir wollen uns doch läuferisch näher kommen. Hans
hat eine gute Hand bei der Zusammenstellung dieses Personenkreises
bewiesen, und ich bin froh und dankbar, dabei sein zu dürfen.
Schnell kristallisiert sich heraus, dass Bärbel, die
bekanntlich so lange es geht mitläuft, auch Leserin meines
Blogs und der Laufgeschichten ist. Erstaunlich, dass ich überhaupt
LeserInnen habe. So vergeht die Zeit trotz sehr moderaten
Tempos wie im Flug und wir reagieren überrascht, als
wir die gedachte 10-Kilometer-Marke passieren. |
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Wir
befinden uns zu diesem Zeitpunkt etwa in Eichlinghofen, das
Tempo ist angemessen. Falls doch mal jemand aus Versehen einige
Meter Vorsprung herausläuft, wird er von Hans behutsam
gebremst. Wir wollen ja nach der Devise „miteinander
statt gegeneinander“ laufen. |
Kaum
zu glauben, dass wir uns in einer Großstadt, einer ehemaligen
Stadt der Schwerindustrie befinden. Wir sind umgeben von Natur:
Kühe, Pferde und Schafe weiden auf den Wiesen, ländliche
Idylle pur. Sanfte Hügel oder besser Anstiege erinnern
Dich an Deine Urlaube im Schwarzwald oder Voralpenland. Die
(restlichen) Blätter an den Bäumen zeigen ein prächtiges
Farbenspiel in gelb, rot und braun. Und das bei Sonnenschein
pur, kein Wölkchen trübt den Himmel. Ich merke,
dass ich mit meinem Outfit overdressed bin mit dem langärmeligen
Radtrikot, das ich nur trage, um meine Versorgung unterzubringen.
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Es
bestehen nämlich unterwegs nur wenig Möglichkeiten,
Getränke nachzutanken. Die Handschuhe sind längst
in den Rückentaschen des Trikots verschwunden, die Mütze
ist eigentlich auch obsolet.
Wir unterhalten uns mit wechselnden Gesprächspartnern,
so wie es die Laufsituation gerade ergibt. Hans gibt Hinweise
zu markanten Punkten, er kennt sich aus, hier sind seine Laufstrecken.
Eine erstaunliche und anerkennenswerte Leistung, diesen Marathon
aus vielen Einzeldistanzen zusammen zu stellen. Ab und an
sind Straßen zu queren, Aufmerksamkeit und Vorsicht
sind vonnöten, stellen aber unter uns kein Problem dar.
Immer noch gilt gegenseitige Rücksichtnahme, jeder soll
in der Gruppe mitlaufen können. |
Etwa
bei Halbmarathon treffen wir am Haus Dellwig auf die 3-Schlösser-Laufstrecke,
die bekanntlich an jedem 1. Sonntag im Monat durch den Dortmunder
Westen unter die Laufwerkzeuge genommen wird. Ein für
mich bekannter Abschnitt, denn ich bin die Schlösserrunde
schon öfter gelaufen. So ist es für mich auch nicht
ungewöhnlich, dass wir den Haupteingang des Revierparks
Wischlingen bei Kilometer 25 erreichen. Ungewöhnlich
und unerwartet ist allerdings die Verpflegungsstelle an diesem
Ort. Hans hat auch wirklich an alles gedacht. Wasser, Cola,
sogar Bier (mit Umdrehungen) wartet auf die durstigen Seelen.
Nicht zu vergessen die feste Nahrung in Form von belegten
Schnittchen und Süßigkeiten. Da sich bei mir eine
leichte Schwächephase ankündigt, tut mir die Pause
gut, ich kann meine Energiespeicher wieder auffüllen.
Vielen Dank an die beiden „Verpfleger“.
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Ach
so, die Bärbel will nach 25 Kilometern aussteigen. Es
gefällt ihr aber, dass sie sich an die ganze Strecke
herantraut, somit ihren ersten Marathon absolvieren möchte.
Im Bild neben mir sieht sie sehr frisch aus.
Gestärkt mit aufgetankten und gefüllten Energiespeichern
machen wir uns auf die letzten 17 Kilometer. Auf diesen hat
Hans einige Überraschungen vorgesehen. Denn was ist ein
Lauf in diesem Gebiet ohne Umrundung des Fußballtempels,
in dem der Deutsche Meister BVB seine Heimspiele auszutragen
pflegt, des Geländes Phönix-West, das die Veranstaltung
Trail-Run beherbergte und des Erholungsgebietes Rombergpark
mit seinem sehenswerten Baumbestand? |
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Hans
bietet uns auf dem letzten Teilstück diese drei Highlights
quasi en bloc. Treffender kann ein Marathon gar nicht beendet
werden. Und noch immer scheint die Sonne und noch immer laufen
wir wie aus einem Guss. Klar, die Kräfte lassen auf den
restlichen Metern doch ein wenig nach, umzieht uns doch, wie
wir meinen, bereits der Duft des leckeren Kohlgemüses. |
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Julia, Hans’ Tochter, steht mit der Kamera einige Meter
vor dem Ziel und begleitet uns auf ihrem Fahrrad bis zum Ende,
nein, nicht dem bitteren, sondern dem entspannten, dem freudigen
Finale entgegen. Eine unüberschaubare Menschenmenge bereitet
uns in der engen Straße einen begeisterten Empfang.
Noch ein kurzer Schritt über die Schwelle, den Zielstrich
auf das Grundstück, wir sind angekommen, haben gefinisht.
Mein Marathon Nr. 57 ist erfolgreich beendet. Wir beglückwünschen
uns gegenseitig, bedanken uns vor allem bei Hans für
die gelungene Veranstaltung und gratulieren Bärbel zum
1. und Hansi zum 50. Marathon. |
Es
schließt sich der gemütliche Teil, die After-Run-Party
in Hans’ Garage an. Was er uns bietet, ist Sonderklasse.
Ich habe eingangs schon darauf hingewiesen. Viele große
Laufveranstaltungen können sich an diesem liebevoll gestalteten
Ambiente ein Beispiel nehmen. Jetzt dürfen wir die Köstlichkeiten
in vollem Umfang genießen. Den Höhepunkt bildet
selbstverständlich das Grünkohlessen. Mein besonderer
Dank gilt Hans’ Ehefrau Elisabeth und Tochter Julia,
die sich insbesondere um die Zielverpflegung sehr verdient
gemacht haben. |
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Die
beste Ehefrau der Welt wird selbstverständlich in Kurzform
über Verlauf und Ausgang des Laufes informiert. Ich habe
selten eine Gruppe so zufriedener und ausgeglichener Menschen
gesehen wie an diesem Samstagnachmittag bei Hans in Lücklemberg.
Sollte Hans eine Wiederholung durchführen, ich bin dabei. |
Nachtrag:
Nach dem Lauf habe ich keinerlei Beschwerden. Ich walke am
Sonntag zusammen mit der besten Ehefrau der Welt und ihrer
Gruppe und laufe am Dienstag wieder die normale Vereinsrunde. |
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