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Der
schöne Pokal, die lange Fahrt und der weite Weg
oder
Hitze, Schweiß und Menschenmassen
von Wolfgang Seebacher
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Der
Hamburg-Marathon ist Geschichte. Und was für eine. Eigentlich
muss ich drei Geschichten erzählen, und jede beansprucht
eine gehörige Portion Platz. |
Ich beschränke mich deshalb auf das Wesentliche, nämlich
den Hauptgrund, dessentwegen wir den beschwerlichen Weg auf
uns genommen haben.
Die erste Erzählung beinhaltet die Ereignisse der letzten
Trainingswoche, in der wir zunächst ein Intervall (4x1000)
unter die Socken nehmen. Die ultimativ letzte Einheit besteht
aus einem lockeren 10er in einer Stunde. Fast mit der kompletten
Traininggruppe können wir ihn laufen. Vorweg überreichen
wir unserem Mentor Wernfried als Dank für seine aufopferungsvolle
Tätigkeit einen Pokal zur Erinnerung an die gemeinsam
verbrachte Zeit. |
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Die
zweite Geschichte beschäftigt sich mit einer für
Gelegenheitseisenbahnfahrer ungewöhnlichen Reise. Mein
Lauffreund Uwe, seine Frau Ina und ich möchten gern entspannt,
sorglos und pünktlich unser Ziel Hamburg erreichen. Welches
Verkehrsmittel könnte dazu wohl in Frage kommen? Richtig,
die Deutsche Bahn.
Und so bemühen wir uns frühestmöglichst um
Tickets zum Supersparpreis, das sind die Karten mit Zugbindung
und unbedingt zu empfehlender Platzreservierung.
Klappt auch: Anmeldung im Internet, Kartenzahlung, Ausdruck,
fertig. |
Der
Tag der Hinfahrt ist in Sichtweite. Seit Tagen werden die
Wetterprognosen für das Laufwochenende im Internet beobachtet.
Temperaturen um die 20° bei leichter Bewölkung und
geringer Regenwahrscheinlichkeit prophezeien die Kachelmänner.
Die Tasche mit Sportutensilien wird gepackt, die Vorfreude
– bei mir als leidenschaftlichen Bahnfan auch auf die
Fahrt – steigt rapide an. |
Am
Freitag wollen wir nach Hamburg fahren. Es ist warm, schon
zu warm, und die vorhergesagten Wärmegrade für Sonntag
werden nach oben korrigiert. Egal, bei 23° kannst Du auch
noch gut laufen. Bloß keine Hitzeschlacht wie vor einigen
Jahren beim Mittelrhein-Marathon in Koblenz. |
Intuitiv
beobachte ich noch einmal das Reisenden-Informations-System
(RIS) der Bahn. Dabei werden Regelmäßigkeiten,
aber auch eben Abweichungen angezeigt. Und eine solche Abweichung
mit einem Warndreieck und einem Text, der sinngemäß
nicht nur eine Verspätung signalisierte, sondern auch
dringend empfahl, einen anderen Zug zu benutzen, da aufgrund
einer Störung nicht alle vorgesehenen Reisewagen vorhanden
sind, springt mir förmlich ins Auge. Wir haben Wagen
10, geht das gut? |
Ina,
Uwe und ich machen uns rechzeitig auf den Weg. Von einer wirklich
freundlichen Auskunftsbeamtin erfahren wir, dass unser Wagen
10 mitläuft. Puh, ist noch einmal gut gegangen. Da bereiten
uns die mittlerweile 20 Minuten Verspätung keine Kopfschmerzen. |
Wir
besteigen einen vollkommen überfüllten Zug. Es scheint,
alle wollen zur gleichen Zeit nordwärts. Unsere Platzkarten
sind Gold wert. Dennoch ist es sehr mühsam, durch die
stehenden Leute zum Abteil zu gelangen. Im Zug sind eben –
wie erwähnt – auch Reisende, die für die nicht
vorhandenen Wagen gebucht haben. Und so kommt, was kommen
muß: In Münster verkündet der Zugführer,
dass der Zug wegen Überfüllung nicht weiterfahren
darf. Bundespolizei zieht auf. Einige Mitfahrende verlassen
den Zug, unsere Verspätung beträgt nahezu 60 Minuten.
Macht nix, eine Stunde können wir verkraften. |
Dieses
Durcheinander hat auch einen positiven Aspekt. Es entwickelt
sich in unserem Abteil ein munterer Dialog, unter anderem
mit einem Franzosen, der kaum deutsch, schlecht englisch spricht
und mir, der ich kein französisch und ebenfalls schlecht
englisch spreche. In welcher Sprache? Natürlich englisch.
Für uns, die wir zeitlich nicht unter Druck stehen und
auf reservierten Plätzen sitzen, ein Abenteuer der Neuzeit.
Wir erkunden zwar kein Neuland abseits der Zivilisation, testen
aber die nervliche Belastbarkeit der Bahnbediensteten. |
Plötzlich,
ohne dass sich die Reisendenzahl merklich verringert hätte,
fährt der Zug weiter. Bis zum Zielbahnhof läuft
nun alles im grünen Bereich. Unser Hotel befindet sich
etwa 200 Meter vom Bahnhof Dammtor entfernt. Zu Start und
Ziel sind es etwa 2 Kilometer, für uns gut und zentral. |
Noch
am Freitag holen wir die Startunterlagen in einem Großzelt
auf dem Veranstaltungsgelände ab. Als Teilnehmer an der
Deutschen Meisterschaft genießen wir VIP-Behandlung,
d. h. Kaffee und Kuchen sowie Snacks und Wasser werden in
einem abgetrennten Bereich serviert.
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Wir
genießen die Annehmlichkeiten. Ein Besuch der angeschlossenen
Laufmesse ist obligatorisch. Wer besondere Angebote erwartet,
wird enttäuscht. Von Messepreisen, wie wir es von anderen
Veranstaltungen gewohnt sind, keine Spur. Vielleicht ist das
auch der neue Trend. Der Kommerz obsiegt auch beim Sport,
der Marathon wird zum Event, der Läufer steht nicht mehr
im Mittelpunkt. Dabei ist es doch gerade er, der dieser Aktion
zum Leben verhilft, ohne den sich nicht geschätzte 14
Millionen Euro Umsatz in Hamburg zusätzlich erzielen
ließen. |
Text
...Enttäuschend sind für mich die Bestandteile des
Leistungspaketes, die den Startunterlagen beigefügten
„Give-aways in dem Läuferbeutel“ sowie die
„Dusch- und Pflegemittel“. Hierbei handelt es
sich lediglich um Proben, die bei vielen Anlässen verteilt
werden. Nichts Besonderes. Interessant in diesem Zusammenhang:
Alle Teilnehmer erhalten die gleichen Beigaben, die Frauen
somit auch Pflegemittel für den Herren. Stellt sich darüber
hinaus die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Die Zeiten, in denen ein Finisher-Shirt im Ziel ausgegeben
wird, sind wohl endgültig vorbei. Da lob ich mir Münster
oder Steinfurt. Genug gemeckert. |
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Der
Samstag zeigt sich von seiner besten Seite, es ist heiß,
keine Wolke am Himmel, der Wind kühlt nicht ab. Ich schätze
die Temperatur auf mindestens 28°. Ob es morgen genau
so warm wird? Die Frau an der Hotelrezeption hat netterweise
die Wetterprognose für Sonntag ausgedruckt und ausgehängt.
Danach werden etwa 20° und bewölkter Himmel erwartet.
Ein Unwetter wird für den Nachmittag angekündigt.
Für uns demnach ein angenehmer Laufmorgen. |
Ich
treffe mich vormittags mit einem Schulfreund. Wir kennen uns
seit 50 Jahren. Er ist als Arzt an einem Klinikum in Hamburg
tätig und sportlich ebenfalls sehr aktiv.
Mittags treffe ich die mitgereisten Bekannten und Freunde
aus Wickede, die teils mitlaufen, ansonsten uns aber lebhaft
anfeuern wollen. Das alles bei sengender Hitze, so dass ich
es vorziehe, mich alsbald wieder in schattige Gefilde zurückzuziehen.
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Abends
Nudelparty für Ina, Uwe und mich in einem Einkaufscenter
am Jungfernstieg. Von Marathonatmosphäre nix zu spüren,
dafür aber reichhaltig und preiswert. |
In
der Nacht schlafe ich – wie üblich vor einem Marathonstart
- sehr schlecht. Vorzeitig stehe ich auf, um mich in aller
Ruhe vorzubereiten. Dazu zählt auch Packen der Reistasche,
denn heute Nachmittag wollen wir auch wieder nach Hause fahren. |
Beim
Frühstück vereinbaren wir mit dem Hotelmanager,
nach dem Lauf im Hotel duschen zu dürfen. Angenehm, da
brauchst Du Dich nicht in überfüllte, verstopfte
Duschkabinen in Zelten zu quetschen. |
Die
Wärme ist schon sehr stark zu spüren, als wir das
Hotel verlassen, um zum Start zu gelangen. Zahlreiche Aktive
strömen aus allen Richtungen herbei, von unseren Bekannten
ist niemand zu sehen. 14.500 LäuferInnen werden starten,
teilt uns ein Sprecher mit. Ob die wirklich alle laufen? Ich
bezweifle das, auch wenn ich bei dem Menschengewusel keinen
Überblick habe und auch so schlecht schätzen kann.
Uwe und ich sind der Startgruppe „C“ zugeordnet.
Der Veranstalter hat die Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft
netterweise vorn eingereiht, denn die letzte Startgruppe ist
mit „N“ klassifiziert. Inzwischen ist es sehr
warm geworden. Die Temperatur liegt weit über 20°.
Die gestrige Prognose stellt sich als Irrtum heraus. Trinken,
trinken, trinken lautet die Devise. Gut, dass ich mich mit
Sonnenschutzcreme eingerieben habe und eine Kopfbedeckung
trage. Nach Absingen des Hamburg-Liedes und unserer Nationalhymne
geht es pünktlich los. Der Start erfolgt unmittelbar
am Eingang zur Reeperbahn, die beidseitig von wahren Menschenmassen
gesäumt ist. Ich sehe nichts sündhaftes, obwohl
ich mich sehr bemühe, etwas von der Atmosphäre,
die am Abend herrscht, zu erahnen. Schauen wir mal, ob Hamburg
den Beinamen, schönste Stadt zu sein, verdient hat. |
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Uwe
verabschiedet sich von mir, nach wenigen Metern ist er meinen
Blicken entschwunden. Ich merke, dass ich mich vom Anfangstempo
mitziehen lasse, deshalb bemühe ich mich sofort um Temporeduktion.
Gar nicht so einfach, wo Du doch vorn bei den schnellen Hirschen
stehst. Für die bist Du doch ein Hindernis, das es zu
umkurven gilt. Da müssen die durch, ich bleibe bei meinem
Vorhaben, das da lautet: unter 4 Stunden soll es schon sein,
bloß nicht zu Anfang alle Körner verbrauchen. |
Nach
3 Kilometern meine ich mein Tempo gefunden zu haben, auch
wenn der Blick zur Garmin Super-High-Tec-GPS-Uhr zeigt: „Wolfgang,
immer noch etwas zu schnell!“ Wir laufen nun durch einen
Nobelvorort, so edel, dass sich die Zuschauer vornehm zurückhalten.
An der Strecke stehen wenige Menschen, den Gesten entnehme,
dass es sich meist wohl um Freunde oder Angehörige der
Marathonis handelt. |
Allmählich
geht es in Richtung Fischmarkt/Landungsbrücken. Hier
ist das Spalier der Zuschauer schon dichter, und es wird umso
dichter, je näher wir dieser Stelle kommen. Wie ein Magnet
zieht dieser Ort die Menschen an. Ich laufe an den Fernsehkameras
des NDR vorbei, leider sind sie nicht on Air. Da, ich sehe
Ina mit einer kleinen Glocke, die sie sich auf der Läufermesse
gekauft hat. Wir haben Blickkontakt, kurzer Gruß, weiter.
Wenige Hundert Meter weiter erwarten uns die übrigen
Wickeder. Sie rufen meinen Namen, winken mir zu und fotografieren
mich. Da sehe ich wohl noch gut aus, ich kann meinen Schnitt
halten. |
Inzwischen
sind 13 Kilometer vergangen, wir laufen durch einen nie enden
wollenden Tunnel am Hauptbahnhof, um und danach dem zweiten
Highlight zu nähern: dem Jungferstieg bei Kilometer 15.
Es werden hier, wie übrigens alle 5 Kilometer, Erfrischungen
wie Wasser und Elektrolyte sowie Bananen gereicht. Ich schütte
das Wasser in mich hinein, als gäbe es anschließend
nichts mehr. Ina erwartet uns auch hier wieder: The same procedure
as some minutes before. |
Es
geht nunmehr in Richtung Außenalster, die in einem großen
Bogen umrundet wird. Prächtige Villen lösen sich
mit imposanten Bürogebäuden ab. Hier wird Geld gemacht
und verwaltet. Nicht umsonst gilt Hamburg als Stadt mit über
2000 Millionären. Von denen wird heute aber nur ein Bruchteil
auf der Strecke sein. |
Nach
der HM_Marke erwarten mich wieder die Wickeder. Es gibt ein
großes Hallo. Bis zur 23-KM-Marke geht mein Plan hinsichtlich
Tempo und gewünschter Zielzeit auf, da meldet ganz, ganz
vorsichtig ein alter Bekannter, dessen Vorhandensein ich bis
dahin aus meinem Bewusstsein verdrängt habe: Der Ischias.
Das darf doch nicht wahr sein. Und um noch mehr aufzufallen,
zwickt er hin und wieder, nach dem Motto: Wolfgang, ich bin
auch noch da, dein Wohlergehen hängt von mir ab. Ich
versuche, der Erpressung zu entgehen, indem ich mein Tempo
zurücknehme, um ihn zu beruhigen. Funktioniert auch einigermaßen,
das reduzierte Tempo führt aber dazu, dass ich mehr Zeit
bis zu den Verpflegungsstellen brauche. Das wiederum lässt
mich länger darben. So entwickelt sich ein kleiner Teufelskreis,
dem zu entkommen meine gesamte Aufmerksamkeit gilt. Hinzu
kommt die Hitze, ich habe unter meiner Mütze das Gefühl,
der Kopf würde platzen. Aber ohne Kopfbedeckung wage
ich auch nicht zu laufen, denn die Gefahr eines Hitzschlages
ist nicht zu unterschätzen. Es entgeht mir dabei viel
von der grandiosen Stimmung entlang der Strecke, die nun doch
von vielen, vielen Tausend Zuschauern eingerahmt ist. Ich
höre sehr oft die Alarmsirenen der Krankenwagen, sehe
immer mehr kollabierte Teilnehmer, die am Streckenrand betreut
werden müssen. Notärzte und Sanitäter sind
im Dauereinsatz. |
Wolfgang,
das schaffst Du, laufe langsam und diszipliniert, dann kann
eigentlich nichts passieren, Hauptsache, du kannst finishen.
Eine Zeit unter 4 Stunden ist nicht mehr machbar. Wernfried
und Uwe, wir sind mit zwei Uwe am Start, überholen mich.
Kurzes Gespräch, dann trennen sich unsere Wege. |
Nach
der 30-KM-Marke und einer langen Trinkpause versuche ich,
das Tempo langsam zu erhöhen. Eine Zeitlang gelingt mir
dies auch und ich überhole etliche Läufer, davon
einige, die mich zuvor passiert haben. Meine Blicke schweifen
zwischen den begeisterten Zuschauern, kollabierten LäuferInnen
und der Uhr hin und her. Kilometer um Kilometer lege ich in
einem selbst gewählten Duathlon zurück: gehen –
laufen – gehen – laufen. Laufen überwiegt
immer mehr. Die Sonne brennt inzwischen – es ist Mittag,
High Noon – unbarmherzig auf uns herab. Schattenspendende
Bäume am Straßenrand sind Mangelware. Eine willkommene
Abwechslung bieten alle 2,5 Kilometer die Verpflegungsstände
mit herrlichem Hamburger Brunnenwasser. Allmählich frischt
es auf, der Himmel beginnt sich zu bewölken. Noch ist
es trocken, das angekündigte Unwetter mit Sturm und Regen
ist nicht erkennbar. Der Wind erfrischt auch nicht wirklich,
ich habe das Gefühl, er ist nur hinderlich, so warm und
streng bläst er mich an. |
Der
nächste Brennpunkt steht bevor: Der Klosterstern eingangs
der Rothenbaumchaussee. Kurz davor sehe ich wiederum die Wickeder
Gruppe, die mich wiederum lautstark anspornt. |
Kilometer
37 ist erreicht. Massageliegen stehen bereit, um die geschundene
Muskulatur noch einmal durchzukneten. Fast alle Liegen sind
belegt. Ist das gut? Kommen die LäuferInnen noch einmal
in Tritt? Ich weiß aus Erfahrung, dass das Wiederanlaufen
nach einer derartigen Unterbrechung sehr, sehr schwer ist.
Deshalb verzichte ich auf eine Massage, auch im Hinblick auf
die verlorene Zeit. |
Der
Kurs verläuft nach einer kleinen Steigung schnurstracks
die Rothenbaumchaussee hinunter. Es geht vorbei am NDR, der
auch hier durch einen Reporter und einen DJ vertreten ist.
Songs aus den 60er Jahren erfreuen mein Herz. Ich bin geneigt
stehenzubleiben, um die Musik meiner Zeit voll zu genießen.
Das geht natürlich nicht, denn ich will ja finishen.
Links und rechts der Straße prachtvolle mehrgeschossige
Bauten, deren Äußeres einiges vom Inneren ahnen
lässt. Hier eine Eigentumswohnung zu besitzen….Träume
weiter, Wolfgang. Die Realität holt mich ein: Kilometer
40 am Bahnhof Dammtor ist erreicht. Hastiges Leeren mehrerer
Becher köstlichen Hamburger Wassers, Hochrechnen der
erwarteten Zielzeit. Es kommt nichts Gescheites dabei heraus,
die innere Festplatte hakelt, das entsprechende Programm wird
nicht gefunden. |
Noch
1,125 Kilometer. Vor einigen Jahren ging es hier noch rechts
herum ins Gerichtsviertel, in die Karolinenstraße. Nunmehr
ist das Ziel kurz vor der Startlinie. Ich erreiche die Zielgerade.
Doch das Ziel ist weit, weit vor mir kaum zu erkennen. Au
backe, da musst Du ja noch ordentlich zulegen. Gehen geht
nicht, Du willst Dich doch nicht vor den vielen Zuschauern
blamieren. Es könnte Dich der ein oder andere doch kennen.
Rechts von mir wird wieder ein kollabierter Läufer betreut.
Und das 300 Meter vor dem Ziel. Armer Kerl, denke ich, Du
hast es fast geschafft, der Triumph bleibt Dir versagt. Ich
mobilisiere die letzten zwei Körner, ich beschleunige,
ich sehe die Matte, auf der meine Chipnummer gescannt wird,
zum Zeichen, dass ich das Ziel erreicht habe, noch wenige
Schritte, ich höre das Pfeifen des Scanners, puh, geschafft.
Ich auch.
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Unmittelbar
nach dem Ziel Wasser, Wasser, dann hängt mir eine nette
junge Dame die Finishermedaille um den Hals. Wenige Schritte
weiter erhalte ich neben einem alkoholfreien Krombacher einen
Beutel des Sponsors REWE folgenden Inhalts: Wasser mit und
ohne Geschmack, ein Energieriegel, ein Apfel und eine Banane.
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Ich
versuche, mich zu finden, und kontaktiere zunächst die
beste Ehefrau der Welt, die via TV mit mir verbunden war.
Sie ist genau wie ich erleichtert, dass ich ohne Beeinträchtigung
gefinisht habe. Ina und Uwe haben angesichts des drohenden
Unwetters das Gelände bereits verlassen und sind auf
dem Weg zum Hotel. Nach kurzem Aufenthalt begebe ich mich
ebenfalls auf den Rückweg, bereits mit dem Gedanken an
den nächsten Marathonstart beim LIDOMA I. am 17. Juli.
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Ach
so, ist Hamburg denn nun die schönste Stadt? Ich finde,
Hamburg hat etwas, die Strecke ist eine Stadtführung
der besonderen Art. Du siehst alles, was die Stadt aufbieten
kann. Und das ist eine ganze Menge. Die Versorgung an den
Verpflegungsständen ist vorbildlich, die Helfer sind
gutgelaunt und sehr aufmerksam, die Kinder sind mit Eifer
bei der Sache. Die Zuschauer erhalten von mir ein glattes
"Sehr gut", nix da mit sturen Norddeutschen. Ich
laufe gern in Hamburg, und werde ebenso gern wieder dort laufen.
Und für das Wetter sind die Macher nun mal nicht zuständig.
Wenn Du mehr wissen willst, musst Du Dir schon selbst ein
Bild machen. |
Ein
wenig enttäuschend finde ich – wie bereits erwähnt
– das Angebotsbeutel für die Läufer, denn
die Startgebühr ist nicht so ohne. In den Foren wird
auch darüber geklagt. Vielleicht werden ja in 2012 bei
der nächsten DM in Hamburg einige Verbesserungen wirksam.
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Im
nächsten Jahr gilt wohl wieder der letzte Sonntag im
April als Austragungstermin. Möglich, dass ich wieder
dabei bin. |
Die
Deutsche Bahn betreibt auf der Rückfahrt Wiedergutmachung.
Pünktlich, fast zu pünktlich, fährt unser Zug
nach Dortmund. Unsere Anschlüsse erreichen wir ebenfalls
ohne Verzögerungen, so dass wir nach gut drei Stunden
wieder zu Hause sind. Die beste Ehefrau der Welt empfängt
mich freudestrahlend. Das ist Balsam auf meine strapazierten
Muskeln. |
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