Hase in Ha(r)sewinkel
von Tatjana Bitthöfer

Nach einer kurzen regenerativen Phase nach dem Boston Marathon im April und 2 Testwettkämpfen über 10 km bzw. die Halbmarathondistanz beim Buchenwaldlauf in Welver und beim Ruhr-Marathon in Duisburg hatte ich mir für das lange Himmelfahrtswochenende nichts außergewöhnliches vorgenommen: arbeiten, korrigieren, trainieren …
Triathlon finde ich faszinierend und so habe ich eher im Spaß meine „Hasendienste“ für den Harsewinkel-Triathlon angeboten. Am vorigen Freitag erfuhr ich dann von meinem „Einsatz“ und so packte ich nach 3 Tagen Wochenend - Schreibtischarbeit meine Laufsachen und fuhr nach Harsewinkel …
Der 1. Start der Mitteldistanz war bereits um 8 Uhr – da reichte es nicht mehr für ein richtiges Frühstück :-(
Mitteldistanz, d. h. 2 km Schwimmen im Harsewinkelner Freibad, also 40 (!) Bahnen, 80 km Fahrrad, also 4 mal 20 km im Kreis und 20 km Laufen, d. h. 4 mal 5 km …
 
Das Startsignal – ein etwas müdes „1,2,3 los“ des Sprechers – ertönt und die Schwimmer beginnen ihre 40 Freibad-Bahnen. Die ersten beiden Bahnen schaue ich mir an, dann besorge ich mir lieber an Hildegard’s Büdchen einen Kaffee und setze mich damit an den Beckenrand und rufe meinem „Schützling“ aufmunternd zu: „Ja, das sieht gut und locker aus“, was mir erstmal einen dicken, empörten Spritzer einbringt. Nach fast 45 Minuten sind „wir“ mit den 2 km Schwimmen fertig und es geht auf die Radstrecke. Ich suche mir einen Platz im Schatten und feuere auf meine temperamentvolle Art und Weise die Radfahrer an. Da „wir“ für eine 20 km-Runde 40 Minuten benötigen, verbringe ich die jeweils übrigen 39 Minuten damit, z. B. Olafs Bekanntschaft zu machen, der mit seinem „Laufladen“ vor Ort ist und meine neuen Laufschuhe begutachtet, einen Powerriegel, den ich in meinem Rucksack noch finden konnte, zu essen… Nach der 3. Rad-Runde ziehe ich meine Sportsachen an… So gegen 11 Uhr 20 würden „wir“ auf die 20 km – Laufstrecke gehen. Die Hasen-Vorgabe, die ich erhalten habe: 20 km unter 1:40 …
Ich laufe mich etwas warm – na ja, geht bei fast 30 Grad im Schatten eh sehr schnell. Ich möchte an diesem Sonntag eigentlich einen lockeren 90minütigen Lauf machen und beschließe daher – als Hasen-Taktik – so ca. 3 Runden mitzulaufen, Tempo zu machen, dann auszusteigen …

11 Uhr 20 – mein Einsatz beginnt! Ich warte vor dem kleinen Stadion, in dem die Triathleten zunächst eine 400-m-Runde drehen müssen – also nur noch 19, 6 km für mich.
 
Wir laufen die erste 5 km-Runde im 4:30er-Schnitt, also fast locker, und zunächst ist nicht klar erkennbar wer von uns Hase oder Triathlet ist – aber das wird schon. Meine Stärke liegt ja vor allem im Ausdauerbereich ;-)
 
Am Ende der ersten Runde müssen die Triathleten wieder die 400-m-Stadionrunde laufen. Ich laufe – Hasen-Taktik!- am Stadion vorbei, gewinne somit fast 400 m Vorsprung und warte, dass mein „Schützling“ in der 2. Runde wieder zu mir aufläuft. Er sieht noch sehr gut aus und so lasse ich ihn ziehen – mittlerweile merke ich die Mittagshitze, die 82 km Schwimmen und Rad in meinen Beinen ;-)
Die 5 km-Strecke führt durch das verwinkelte, menschenleere Harsewinkel. Da der Harsewinkelner Schützenverein in unmittelbarer Nähe des Stadions zeitgleich einen Frühshoppen veranstaltet, werden die Läufer auf jeder Runde kurz vor Erreichen des Stadions durch die Schüsse aufgeschreckt.
Auch am Ende der 2. Runde laufe ich am Stadion vorbei und beschließe am Ende der 3. Runde „auszusteigen“ – allerdings stelle ich bei einem Blick auf meine Uhr fest, dass die 90 Minuten nach 3 Runden noch nicht vorbei sein werden … Als ich so auf der 3. Runde ziemlich alleine unterwegs bin, höre ich hinter mir ein etwas klägliches Rufen meines Namens – mein „Schützling“! Er hat ein Tief, somit beschließe ich ein Stück mit ihm zu laufen… Aus dem „Stück“ wird dann noch Runde 4 und wir laufen gemeinsam Richtung Ziel, wobei nun ganz deutlich ist, wer Hase und Triathlet ist ;-) Kurz vor der Ziellinie springe ich mit einem eleganten Satz unter dem Absperrband her – volle Aufmerksamkeit für die Triathlon-Finisher! „Wir“ haben es geschafft – lockere 19 Lauf- Hasen-Kilometer in 1: 39 – Mission erfüllt.

Die Zielverpflegung ist sehr gut, es gibt zum Glück reichlich Wasser – und Müslikuchen !

Und so fahre ich nach einem „lockeren Trainingslauf“ entspannt nach Hause. Es war eine sehr schöne, gut organisierte Veranstaltung und mein „Hasen-Einsatz“ hat mir viel Spaß gemacht :-)
 
von Tatjana Bitthöfer
 
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