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Speichel
sammeln beim Hermann
von Marion Fladda |
Eine
Woche ist seit meinem „Unter 4“-Marathon vergangen
und es geht schon wieder auf die Piste. Und es ist nicht irgendeine
Piste. Es ist die Piste vom Hermannsdenkmal in Detmold bis
zur Sparrenburg in Bielefeld. Frank und ich beginnen dafür
den Sonntag wieder einmal sehr früh. Der Radio-Wecker
krächzt uns bereits um 5:15 Uhr aus dem Bett. Absolut
desorientiert versuche ich nach der Motivation zu suchen,
die mich gleich über die gut 31 km trägt. Wir frühstücken,
packen unsere sieben Sachen und machen uns auf den Weg nach
Bielefeld. |
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Dort
angekommen werden wir zusammen mit rund 7000 anderen Menschen
der Gattung Läufer in Busse verladen und nach Detmold
zum Hermann kutschiert. Frank und ich sitzen im Bus, kramen
in unseren Beuteln rum und überprüfen deren Vollständigkeit.
"Wasser? Haben wir eigentlich was zu trinken dabei?"
Der Start ist noch über zwei Stunden hin und das einzig
Flüssige in unseren Beuteln ist eine Probierpackung Sebamed-Sport
und ein Haar-Energizer-Liquid. Frank fängt an, nur noch
wirr von Wasser und Getränken zu erzählen. Er fängt
förmlich an, zu halluzinieren, Fata Morganas zu sehen
und zu sabbern. Er geifert jeden Läufer an, der seine
Trinkflasche ansetzt, um zu trinken. Er bekommt dann irgendwann
die glorreiche Idee, seinen Speichel erst zu sammeln und dann
hinunter zu schlucken, da man dann das Gefühl hat, etwas
getrunken zu haben. Das ganze Gerede über das Wasser
macht mir zugegebener Weise auch irgendwie Durst, was ich
aber für mich behalte. Ich schaue konzentriert aus dem
Busfenster und fange auch heimlich an, meinen Speichel zu
sammeln. Hoffentlich gibt es beim Hermann noch was zu trinken.
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Dort
angekommen machen wir uns direkt auf die Suche und finden
einen Kiosk. Wir kaufen uns zwei Flaschen Wasser und schlendern
danach zum Hermann. Frank öffnet vollkommen dehydriert
seine Flasche, nippt einmal dran und schraubt die Flasche
wieder zu. Ich schaue ihn irritiert an. Dafür jetzt dieses
einstündige Theater im Bus mit Speichel sammeln und Wir-werden-verdursten-Vorträgen?
Na gut. Ist ja auch noch anderthalb Stunden Zeit bis zum Start.
Er teilt sich das Wasser bestimmt ein. |
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Wir
besuchen den Hermann und bereiten uns auf den Lauf vor. Der
Start verläuft in drei Blocks. Da wir Frischlinge sind
und es unser erster Hermannslauf ist, starten wir im dritten
Block. Eine riesige Läufer-Herde macht sich um halb Elf
auf den Weg des Hermanns. Ein buntes Läuferfeld fegt
durch die Wälder. Meine ersten Laufschritte fühlen
sich gut an. Ich bin gespannt, wann sich der Marathon von
letzter Woche in meinen Beinen meldet. |
Die
Kilometer verfliegen nur so. Ich genieße den Wald und
das Geräusch der Tausende Läufer um mich herum.
Man fühlt sich, wie ein Gnu in einer Herde. Man strömt
einfach mit. Hinfallen ist wahrscheinlich eher ungünstig,
da man dann von seiner eigenen Herde zertrampelt wird. Ich
schiebe den Gedanken beiseite und erfreue mich an der schönen
Atmosphäre. Die Kilometer werden zweistellig und meine
Beine laufen immer noch. Keine Spur von Marathon-Schwächen.
Das Einzige, was sich störend bemerkbar macht, ist meine
Verdauung. |
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Ich
habe mich heute Morgen zum Verzehr von Toastbrot hinreißen
lassen und das macht sich gerade unliebsam bemerkbar. Es drückt
und drückt... ich bekomme Krämpfe und Stiche. Eigentlich
ist dies Franks Stärke. Aber heute bin ich mal dran.
Es ist wunderschönes, sonniges Wetter und eigentlich
müsste man jede Verpflegungsstelle ausnutzen, um ordentlich
zu trinken. Doch jeder Schluck, der in meinem Magen landet,
führt zu Krämpfen und zu noch stärkeren Stichen.
Ich zwinge mich dennoch zum Trinken, um nicht gleich wieder
mit dem Speichel sammeln anfangen zu müssen. Aber mit
den Kilometern verschwinden allmählich auch die Schmerzen.
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Die
Strecke wird an mehreren Abschnitten von vielen Zuschauen
gesäumt und erinnert mich an die Tour de France, wo die
Zuschauer einen jubelnden und klatschenden Tunnel bilden.
Nach gut 31 Kilometern und vielen Höhenmetern passieren
wir die Ziellinie in einem atemberaubenden Ambiente. Tausende
von Zuschauern applaudieren den Läufern zu. Die Sparrenburg,
das Ziel unserer Reise, ist erreicht. |
Der
Hermannslauf ist ein Erlebnis und macht großen Spaß...
und vor allem zwei Tage danach ist das Treppensteigen ein
echtes Highlight. :-) |
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