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Wenn
Du ganz unten bist, darfst Du wieder rauf
von Marion Fladda |
Am
vergangenen Samstag waren Frank und ich in Höingen. Das
liegt irgendwo hinter Ense und das liegt wiederum… ähm
irgendwo. Wir trudeln gegen halb drei an der Sportanlage in
Höingen ein und sehen bereits die ersten Läufer
des 5km-Laufs an uns vorbei fegen. Wir jubeln ihnen zu und
machen uns auf den Weg zu den Startunterlagen. Das Wetter
ist regnerisch und kühl. Zum Laufen eigentlich fast perfekt.
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Frank
hatte mir schon vor zwei Jahren von diesem Lauf erzählt.
Es geht die erste Hälfte bergab und wenn man dann unten
angekommen ist, darf man den ganzen Senf wieder hoch klettern.
Da ich eigentlich gerne klettere, hatte ich den Höinger
Heidelauf schnell auf meine „To-Run-Liste“ geschrieben.
Nach der üblichen Startnummern-Prozedur machen wir uns
auf den Weg auf den Sportplatz. Wir traben uns ein paar Runden
warm und stellen uns in das Startfeld der 10km-Läufer.
Gleich geht es los. Der Startschuss fällt und wir traben
los. |
Wir
verlassen den Sportplatz und gehen in die erste Steigung.
Ob diese Steigung wohl schon zu der Berg-ab-Passage zählt?
Ich lasse laufen. Nach einigen Metern betreten wir die Feldwege
der Umgebung rund um Höingen und beginnen dann schließlich
den Abstieg. Es geht runter bis unten ins Möhnetal. Bis
Km 5 versuche ich einfach nur laufen zu lassen.
Vor mir befinden sich wenige Läufer, an die ich mich
ran hängen kann. In ein paar Hundert Metern Entfernung
sehe ich aber eine Läuferin. Vielleicht wird sie bei
der Bergauf-Tour langsamer und ich kann mich ran kämpfen.
Na ja, oder ich werde langsamer und werde von der ganzen Herde
hinter mir übertrampelt. |
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Der
Anstieg beginnt. Von einem super schnellen Laufgefühl
durch das Gefälle tauche ich ein in ein erschreckend
langsames Laufgefühl. Ich "stehe". Mein Puls
hämmert. Frank marschiert davon. Merkt der denn gar nichts
von der Steigung? Hallo? Meine Atmung kommt mit der Arbeit
kaum mehr nach. Ich reduziere das Tempo. Der Abstand zu Frank
wird größer. Die Straße vor mir ist eine
Wand und nimmt scheinbar kein Ende. Und darauf hatte ich mich
so gefreut? Ich versuche herauszufinden, was jetzt noch mal
so schön am bergauf laufen ist. Mein Puls ist fast nur
noch ein durchgängiger Ton. Da geht noch was… |
Der
Feldweg macht einen scharfen Rechtsknick und verläuft
nun für ein paar hundert Meter eben. Zeit zum Durchatmen.
Ich sehe Frank vor mir an der Verpflegungsstelle. Er trinkt
einen Becher und hat dabei einen Gang runter geschaltet. Ich
komme wieder ran. Er läuft wieder los und läuft
auf einmal ziemlich unrund. Ob er sich beim Trinken den Oberschenkel
gezerrt hat? ;-) Ich schließe auf und frage ihn, was
los ist. Tatsächlich. Der Oberschenkel schmerzt. Er kann
kaum mehr laufen. Klingt nach einem Adduktoren-Problem. Er
schickt mich weg. Ich soll schon mal vorlaufen. |
Ich
ziehe ein paar Meter davon und gehe in den nächsten Anstieg.
Und habe schneller als ich gucken kann Frank wieder neben
mir. Er grinst mich an und erklärt mir, wie gut er die
Berge rauf kommt. Ich schnaufe. Frank forciert das Tempo noch
etwas. Was ist denn mit seinem Adduktoren-Problem? Ich versuche
dran zu bleiben. Die letzten Kilometer müssen auch mal
etwas wehtun. |
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Die
Frau vor mir hat ihren Abstand gehalten. Wir kommen auf den
letzten Kilometer. Jetzt müssen wir noch durch den Ort
und dann haben wir es geschafft. Ich gucke das erste Mal auf
die Uhr. 47 irgendwas. Damit hatte ich nicht gerechnet. Eine
„unter 50“ bei diesen Höhenmetern war vollkommen
undenkbar. Wir überholen noch einen „Roten“
und haben dann das Stadion erreicht. Jetzt noch mal eine Runde
rum. Der „Rote“ hängt noch in unserem Windschatten.
Frank macht mich auf ihn aufmerksam und fragt, ob ich noch
ein wenig schneller kann. Ich lasse meine kurzen Beine noch
einen Tick schneller über den Platz wirbeln. Tunnelblick
und einfach nur noch vorwärts. |
In
der letzten Kurve blicke ich mich um. Der Rote ist weit weg.
Ich reduziere das Tempo. Frank macht mich jedoch direkt auf
den nächsten Gegner aufmerksam: „Die Uhr!!“
Ich blicke auch auf meine Uhr: 49:30. Oh nein!
Ich schalte wieder einen Gang höher. Wir fegen durchs
Ziel, bleiben unter 50 und haben den Roten besiegt. Ein extrem
kleiner Schritt für die Menschheit, jedoch ein großer
Schritt für mich... oder wie dieses Sprichwort heißt.
Im Ziel stelle ich fest, dass die Frau vor mir den Lauf gewonnen
hat. Nach einer halben Stunde Bearbeitungszeit gelangte ich
dann endlich zur logischen Schlussfolgerung, dass ich dann
wohl Zweite bin. |
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Der
Höinger Heidelauf ist ein absoluter Geheimtipp, den man
als Läufer unbedingt mal gelaufen sein muss. Im nächsten
Jahr will ich euch alle dort am Start sehen. Und am Besten
alle in rot. ;-) |
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