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Hitzeschlacht beim Herbst(?)marathon am Rhein
von Kordula Ciprina |
Zwei
Ruhrpotts wissen in der Woche von dem großen Tag genau
den Grund, weshalb ausgerechnet für Sonntag, den 02.10.11,
der einzige Sommertag des Jahres erwartet wird.
„Das ist immer so, wenn meine Schwester dabei ist. So
war es auch bei den Marathonveranstaltungen in New York, Boston
und Chicago“, berichtet Ingo. „Bei mir ist es
einfach das Gesetz der Reihe“, überlege ich, „den
ersten Marathon in Münster bei 26°, den zweiten in
Berlin bei 27° und nun den dritten bei vorausgesagten
28° und mehr“.
Aber alle Erklärungsansätze nützen nichts:
Wir müssen einfach irgendwie durch! Stöhn!
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Vor
der Erstbegegnung mit Wärme in diesem Sommer brauchten
sich die Teilnehmer des Halbmarathons in Köln nicht zu
fürchten. Sie kommen uns bei strahlend blauem Himmel
schon glücklich, mit der Medaille um den Hals, eingehüllt
in Maus- und Elefanten-Plastik entgegen, als wir erst unsere
Kleiderbeutel abgeben. Leiser Neid kommt auf. |
Galgenhumor! Na wenigstens brauchen wir uns um die stets brisante
Frage „Wie (warm) ziehe ich mich an?“ diesmal
nicht den Kopf zerbrechen: Natürlich wenig, weniger,
am wenigsten!
Das Aushängeschild des Köln-Marathons, Sabrina Mockenhaupt,
spricht den Läufern der vollen Distanz vor dem Start
noch ein bisschen Mut (Trost?) zu. Im Gegensatz zu Ingo, der
mit einer roten Startnummer ganz vorne steht, kann ich sie
weiter hinten nicht sehen, sondern nur ihrem süßen,
„unschuldigen“ Kölner Dialekt lauschen. Sie
klingt wie meine Cousine Monika.
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Gegen
11.30 Uhr - der finale Schuss! Bis wir „Blauen“
los dürfen, vergehen weitere Minuten, denn zuvor schickt
Mocki/Monika die Schülerstaffeln auf die Strecke. Mein
Laufsensor kann sich an dieser Stelle wohl nicht mehr gedulden,
denn er schaltet sich kurz noch mal eben ab. Bei seinem Neustart
wird er offensichtlich zornig, denn wie sich nach dem Passieren
der Deutzer Brücke herausstellt, addiert er meine gelaufene
Zeit nicht. |
Was
das bedeutet, wird mir erst bei km 2 richtig bewusst: „Ich
habe heute leider keine Zwischenzeiten für dich, Kordula“
scheint er mir zu sagen. Zwar gibt der Schlingel mir mit leisestem
„Piep“ die gelaufene Zeit je Kilometer an, doch
spätestens ab dem 3. Kilometer ist so viel Stimmung auf
der Strecke, dass ich das „Piep“ auch nicht immer
passgenau mitbekomme. |
Dieser
Schreck muss erst einmal verdaut werden. Dafür brauche
ich etwas länger. Auch die Idee, sich einfach an den
Zugläufer zu heften, erweist sich als unbrauchbar, denn
ich habe ja leider kein Betreuungsteam dabei, das mich unterwegs
mit Getränk und Snacks versorgt. Ein Hase für alles
- so wie ihn Mocki hat - ist eben nicht zu verachten. Doch
bei mir heißt es: Selbstverpflegung und das an jeder
Station. Köln schwitzt, der Asphalt glüht, Wasser
kippen lautet die Devise. |
Meine
Füße werden von einem umsichtigen Mitläufer
durch den Inhalt seiner ganzen Becher bei km 9 drastisch abgekühlt.
Es zischt und quatscht und gluckst in den Schuhen - wahrlich
peinlichste Geräusche entstehen. Und die Treter werden
schwer - fühlen sich an wie Skischuhe. |
‚"So
schön kühl wie beim Skilaufen müsste es jetzt
sein." Ich ertappe mich zunehmend bei Selbstgesprächen.
Nach Süden hin, Richtung Bayenthal, brennt die Sonne
ins Gesicht. Mein Geist ist alles andere als frisch.
Dass ich schon ab km 18 keine Lust mehr habe weiterzulaufen,
ist für mich eine ganz neue Erfahrung, aber vielleicht
doch heute wettertechnisch bedingt. Eine Apotheke, im Schatten
gelegen, zeigt 28 Grad an.
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Bis
zu Kilometer 28 laufe ich gegen mich und den „inneren
Schweinehund“. Ingo berichtet später, dass auch
bei ihm dieser Zeitpunkt viel früher eintrat als sonst.
Mit Konversation („Danke“ an Kalle aus Gummersbach!),
Blicken in die Kölner Kneipen, dem Schreiben fiktiver
„Postkarten“ (super Trick!!!) und dem Lauschen
der fröhlichen Karnevalsmusik gelingt es mir, die „Durststrecke“
einigermaßen zu meistern. Und natürlich mit Trinken,
Trinken, Trinken. Die Versorgung unterwegs ist vorbildlich
und toll organisiert. „Das Wasser von Kölle tut
gut“, so heißt es doch in dem bekannten Lied.
Wie wahr!
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Und
welche gedanklichen Postkarten „verschickte“ ich
von unterwegs? |
Kilometer
21: „Hallo Pitt, mit dem kaputten Haxen! Das ist mein
erster Marathon ganz alleine. Zu zweit war es doch einfacher.
Aber heute laufe ich für Dich mit. Liebe Grüße
an den Urlaubs-Heimkehrer.“ |
Kilometer
31,5: „Hi Burki!. Habe lange nichts mehr von Dir gehört.
Bin gerade am Friesenplatz. Hier hat doch mal während
der „intensiven“ Studienzeit an der FH Kollege
Joachim R. eine Nacht im Gebüsch genächtigt! |
Kilometer
38: „An Anja und Carsten! Schön, dass Ihr an der
Strecke seid! Dass ich Euch zuerst in der Menge entdeckt habe,
zeigt mir, dass der Kopf wieder klar ist. Fühle mich
gut!“ |
Kilometer
39: „Lieber Rekonvaleszent daheim! Weißt Du noch,
wie schön es zu Weihnachten am Neumarkt war? Schade,
dass Du mich jetzt nicht laufen sehen kannst. Kerzengerade
und fast frisch. Bin gerade von einem Moderator angesagt worden.“ |
Kilometer
40,5: „ An Alle! Bin jetzt am DOM!“ |
Kilometer
41: „Hi Ingo! Heute klingelt das Telefon ja gar nicht.
Diesmal hätte ich es bestimmt gehört und wäre
mit „mobile“ über den Heumarkt gerauscht.“ |
Unter
lauten Anfeuerungsrufen - und diesmal weiß ich schon,
dass der Name von der Startnummer abzulesen ist - erklimme
ich die Deutzer Brücke. Hier ist - wie überall im
Innenstadtbereich - unglaublich viel los. Ein letztes Abklatschen
von schwitzigen Kinderhänden. Beim hinab Laufen, an der
letzten Kurve, deutet sich ein Krampf in der linken Wade an.
So etwas kenne ich ja gar nicht! Aber so kurz vor dem Ziel
läuft man das am Besten einfach weg. Gesagt, getan! |
Dann
endlich ist es geschafft, der Zielbogen erreicht und ich bin
wirklich superstolz, dass ich den Hitze-Marathon von Kölle
mit der erdenklich knappsten Vorbereitungszeit von 6 Wochen
durch gestanden habe. |
An
der Blutwurst-, Schmalz- und Brezelmeile wartet Ingo schon
frisch geduscht und glücklich über seine tolle Zeit
von 3:06:50 Stunden, die ihm einen unglaublichen 106. Platz
in der Gesamtwertung eingebracht hat.
Dann ein Ereignis, das mich mit der Technik wieder einigermaßen
versöhnt. Direkt neben den fetten Fleischwurstbroten,
neben Senf, Blutwurst und alkoholfreiem Kölsch erreicht
mich ein Signalton aus dem Laufgürtel. Der Köln-Marathon
gratuliert Kordula per SMS zum erfolgreichen Finish in einer
Gesamtzeit von 4:01:26 Stunden. |
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Wahnsinn!
Bestzeit- ohne Plan! Ein rundherum stimmungsvoller Lauf, für
mich - trotz der Hitze - auch lauftechnisch schöner als
in Berlin. Hier konnte man wirklich erleben und laufen.
Auch über meine braunen Beine staune ich nicht schlecht.
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Die
Luft von Kölle bräunt auch noch gut und das Wasser
von Kölle tat einfach gut - so das Fazit des Marathon
Ausflugs an den Rhein. |
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