LiDoMa I. – der Katalysator für die Läuferseele
von Thomas Kühnen

Der erste LiDoMa ist absolviert – Zeit für einen Flashback, um dem tollen Lauf seine Reputation zu erweisen.
Zu Beginn stand der Schreck. Claudia las die ersten Absagen nach Franks Eröffnung der „LiDoMa I.“-Seite auf Facebook („Super Idee !! Ich starte nur ne Woche später beim Ironman in Frankfurt“ ; „Ziel ist vorher der TU 100 Meilen, da wären es nur 2 Wochen bis zu dem...“ ; „Am 15.-17.07.2011 nehme ich am 48-Stunden-Bahnlauf in Köln teil!“ ; „…aber leider laufe ich am 16.07. in Island den Laugavegur Ultra“) und fragte sich, ob wir da richtig wären. Da ich bekanntlich nicht an fehlendem Selbstbewusstsein leide, war ich sofort Feuer und Flamme und allein der Ehre wegen, mal persönlich zu einem Lauf eingeladen zu werden, waren wir natürlich per Spontanzusage dabei!
Unser Hamburg-Marathon-Vorbereitung lief super, das Ergebnis könnte Ihr in Erlebnisse eines "Brems- und Zugläufers" ja nachlesen. Nach Hamburg war erstmal Frust angesagt. Ich heilte meinen nur 9 Tage später mit einem spontanen 5km Frustwettkampf beim Sonsbecker Brunnenlauf, wo ich meine PB auf 20:39 min. absenken konnte. Im Juni dann beim tollen Möhnesee-Pokallauf (mit gewonnenen Startplätzen vom Gewinnspiel als Nachrücker) konnte ich Claudia wieder zum Wettkampf motivieren. Für Claudia lief es gut, für mich so halbwegs, aber wir waren wieder „drin“.
Dann machte ich meine „Drohung“ wahr. Vorbereitungskurs der Ausdauerschule by Bunert auf die Herbstmarathons. Am 30.6. der Laktattest mit für mich erschreckendem Ergebnis: Claudia „sehr gut trainiert“ und „in ausgezeichneter körperlicher Verfassung“, ich „gut trainiert“ und in ebensolcher Verfassung. Ein schwerer Schlag für meine Männerehre – aber es war ja Claudias Geburtstagsgeschenk ;). Dabei auch die Trainingspläne von Sven. Ab dem 4.7. sollte es losgehen – Ziel ist der München-Marathon. Den Startplatz hatte Claudia nämlich beim missglückten Hamburg-Marathon auf der Messe gewonnen – ich sah es als Schicksal und meldete mich natürlich solidarisch auch an.
Am 4.7. dann das erste einsame Training. 40 Minuten GAT 2 – ich keuchte wie eine Dampflok. Wusste gar nicht, dass ich so schnell laufen muss, um die geforderten Pulswerte zu erhalten. Das war fast 10er Wettkampftempo! Am ersten gemeinsamen Training Diskussionen mit Schleifer-Sven, der mir anbot, doch die unteren Pulsgrenzen zu nutzen.
Gut, das Training war hart, aber es ging ja. Ich entschloss mich, das durchzuziehen. War ja schließlich bezahlt! Musste mir auch sagen lassen, ich solle endlich auch mal an der Grenze trainieren. Ob’s Spaß macht, weiß ich noch nicht! Für den LiDoMa hatte Sven mir auf den weg gegeben, in GAT 1 zu bleiben, d.h. mein Puls sollte 154 nicht überschreiten.
 
Dann der Tag des LiDoMa I. Am Vorabend der 40. Geburtstag einer Laufkollegin – es wurde ‚rein gefeiert’ , das hieß für uns 1 Uhr im Bett, 6 Uhr aufstehen. Aber Läufer kennen das ja. Am Auto hatte der Regen aufgehört, der erste blaue Himmel war zu sehen. Das änderte sich über dem Rhein wieder. Während ich mich über sinnlose Tempolimits „80 km“ auf der leeren A 42 ärgerte, dachte ich über die perfekte Organisation nach. Alle News auf „Laufen-in-Dortmund.de“, die tollen Pokale, die versprochene Verpflegung. Wir freuten uns einfach auf den Lauf und auf viele nette Leute. Leider regnete es unaufhörlich. Und auch am Parkplatz angekommen, wurde erstmal der Schirm aufgespannt. Wir waren so ziemlich die ersten, der Parkplatz belebte sich aber recht schnell.
Man machte sich kurz bekannt und freute sich gemeinsam auf den Start. Dann waren auch Frank und Marion da und bauten das Ziel auf. Mit den Startunterlagen erhielten wir die T-Shirts, die sehr gut gelungen sind. Hoffentlich ist Frank nicht beleidigt, dass wir nicht in den Shirts starten werden! Das liegt nicht an der schwarz-gelben Optik, sondern daran, dass wir einfach unsere Kompressionsbekleidung bevorzugen und es für doppelte Textilschichten trotz Schmuddelwetters definitiv zu warm ist.
Natürlich wimmelt es von „Zecken“, die abgehalfterte Witze von verbeulten Pokalen und Großvatergeschichten von der letzten Meisterschaft für guten Humor halten. Aber das wusste ich ja vorher… Meine Füße haben den Spendenlauf am 1.7. auf extrem verbotenen Gelände schließlich auch überlebt!
Mit dieser Frotzelei kommt die übliche Startnervosität gar nicht auf. Ich passionierter Plan-Läufer habe heute nämlich keinen Plan, nur den Rat mit dem Puls. Welches Tempo ich gehen kann, habe ich mir nicht überlegt. Zum ersten Mal im 13. Marathon!
Frank startet mit einer kurzen Ansprache, dann der Startschuss. Der nette Countdown über Franks Mini-Anlage war leider kaum zu hören, aber die Camper wenige Meter weiter wollen ja auch noch schlafen.
Los geht’s, ich laufe los und erwische mich sofort beim „nach vorne drängeln“. Ganz schlechte Angewohnheit! Es geht westwärts in die Einführungsrunde, und gleich spinnt mein Garmin. Kein Empfang! Ausschalten, einschalten, 300 Meter gelaufen und Neustart. Jetzt läuft er, aber die Startzeit ist weg. Macht nix, soll ja heute nur Spaß machen. Schnell hat sich das Feld auseinander gezogen, kurz nach dem Wendepunkt sehe ich Claudia zum letzten Mal in diesem Lauf. Hoffentlich läuft der für sie mal rund. Seit Köln 2009 (4:05) sind beide folgenden Läufe schief gegangen, Magen- und Kreislaufprobleme und verpasste Ziele ließen im Ziel bei Claudia keine Freude aufkommen.
 
Zurück über die Brücke geht’s auf die erste Runde. Es hat sich eine Vierergruppe zusammengefunden: Hans Urbaniak, Uwe Appel, Sebastian Stahl und ich laufen ungefragt zusammen. Wir sind uns einig, dass das Tempo so um die 5:00 – 5:10 für uns in Ordnung ist und das es zu viert zunächst einfacher sein wird, als einsam die Runden zu absolvieren. Es geht durch einen Park, immer Franks Schildern nach. Der Weg ist nicht zu verfehlen. Der erste Anstieg, hier noch kein Problem. Aber wir alle wissen, dass wir da noch 5 Mal hoch müssen. Gut, dass es danach ein Stück leicht abwärts geht, so dass wir von allein wieder Tempo gewinnen. Schon über den Damm ans andere Ufer gelangt, wartet der erste Verpflegungsstand auf uns. Wasser, Cola, Schorle, Dextro-Riegel, alles, was ein Läuferherz nach 4 Kilometern noch nicht zu begehren wagt, wird angeboten. Ich nehme nur einen Schluck Wasser, entscheide mich jedoch, fürs gehen. Meine Mitläufer tun dasselbe, so nehmen wir erst danach wieder Tempo auf. Jetzt kommt die Stunde der Bremser. Uwe und ich wechseln uns mit mahnenden Worten ab, wenn die Pace deutlich schneller als 5 zu werden droht. Ich quatsche ein wenig mit Sebastian, der einige Zeit beruflich in Saudi-Arabien war und dort zwangsläufig seine langen Läufe vernachlässigen musste.
 
Wieder am Start, simuliere ich schon mal den Zieleinlauf und reiße meine Arme hoch. Ach, noch 5 Runden? Macht nix, meine Stimmung ist gut, ich fühle mich super. Als ich einwenig vom Hamburg-Fiasko berichte, wird Uwe hellhörig. “Ach Du bist der Arsch, der seine Frau so angemacht hat! Du bist ja doch normal!“ Er hat meinen Bericht auf „Laufen-in-Dortmund.de“ gelesen. Scheint, als habe ich mir einen schlechten Ruf aufgebaut… Uwes Lob für den Artikel nehme ich aber gerne entgegen. Runde drei, langsam fällt Hans zurück. Ein Rudel Spaziergänger füllt den Gehweg vor uns. Ich rufe „Achtung Läufer“ und die Leute gehen an die Seite. „Und jetzt noch Stimmung“, bitte ich. Und die Leute spielen mit und veranstalten eine kleine „Welle“. Ich danke begeistert.
Wir alle haben Spaß. Bis in die vierte Runde spüre ich kaum Ermüdung. Die Gespräche verstummen aber allmählich. Wir wähnen uns an 4. Stelle und beschließen, gemeinsam ins Ziel zu laufen. Es passt halt gut in unserem Grüppchen. Mal sind wir zu schnell, mal bremst Uwe berechtigt und mahnt zur Vorsicht, und immer begeistern uns die Verpflegungsstände.
Die Sonne ist hervorgekommen, es wird deutlich wärmer. Vor uns eine Läuferin – die erste Überrundung. Ein Gruß, eine Aufmunterung, schon sind wir vorbei. Wir amüsieren uns über die Jugendherberge, die Sebastian erst spät auffiel (so beim dritten Mal oder so) und erreichen erneut die Fußgängerbrücke. Ein gehender Läufer. Sebastian spekuliert, es könnte der Drittplatzierte gewesen sein, wir verweisen den Gedanken jedoch ins Reich der Fabel.
Michael Kohlbrok humpelt vor uns, fasst sich an den Oberschenkel. Für ihn ist nach 4 Runden Schluss. Der letzte „Zieldurchlauf“, immer noch zu Dritt. Aber Uwe fällt langsam zurück. An der Steigung muss er gehen. Ich nehme Tempo raus, wir lassen ihn auflaufen. Aber es reicht nicht mehr, Er entlässt uns aus der Gruppe und mit Sebastian verfallen wir ins alte Tempo. Über die Brücke zum Getränkestand. Hier erfährt Sebastian, dass wir Dritte seien. Es war doch der Drittplatzierte „Geher“. Jetzt doch ein Duell um Platz Drei? Ich biete Sebastian an, Tempo zu machen, „drohe“ aber auch, dagegenzuhalten. Ich fand es aber besser, dass wir uns auf die Einhaltung der Absprache auch unter den neuen Umständen sofort verständigt haben. Hinter uns ist niemand zu sehen. Wir halten unser Tempo und beschließen, frühestens auf der Brücke anzuziehen. So kommt es. Noch einmal eine Pace unter 5, dann die Zielgerade.
Kurz vor dem Ziel reduzieren wir das Tempo, reißen die Arme hoch und gehen Arm in Arm über die Ziellinie. Ich habe Riesenrespekt vor Sebastians Leistung, aber auch vor seinem Sportsgeist. Vielleicht hätte er mich stehen lassen, vielleicht auch nicht. Aber zwei Dritte Plätze sind für uns beide ein toller Erfolg. Damit hätte ich niemals gerechnet. 3:37, für mich eine gute Zeit.
Ich fühle mich relativ gut. Wir bekommen von Marion das alkoholfreie Überreicht und nehmen gerne die Glückwünsche entgegen. Ich frage nach Claudia und höre, dass sie gerade erst durch ist. Mit sub 4 wird’s nix, da haben wir aber auch nicht mit gerechnet. Uwe kommt hinein, er hat doch noch etwas Rückstand aufgebaut. Dann kommt auch Hans, unser Club ist wieder komplett. Wir genießen die Verpflegung.

Dann kommt die erste Frau. Und bei 4:10 als zweite Frau dann auch Claudia. Mit einem strahlenden Lächeln in 4:10. Auch sie hat den Lauf wunderbar überstanden, keine Spur mehr von Frust und Enttäuschung. Und ihre drittbeste Zeit!
 
Wir danken Frank und Marion und allen Helfern für einen tollen Lauf und eine perfekte Organisation. Ich habe tolle Mitläufer gehabt und ein Rennen im Teamwork zu Ende bringen dürfen. Wieder viele neue Erfahrungen. Und das Bild vom „A…,der seine Frau anschreit“, hoffentlich auch korrigieren können. Das waren die Frotzeleien im „Zeckenland“ wert, auch wenn die im Ziel nochmals kurz aufflammten.
Wir helfen noch beim Abbauen und fahren dann den langen Weg zurück an den Niederrhein. Der Trainingsplan drohte für Montag und Dienstag schon wieder harte Einheiten an.
Ich hoffe, dass wir unsere Ziele in München erreichen werden. Die psychische Aufrüstung haben wir erhalten! Und dann mit Frank und Marion einen gemütlichen Frankfurt-Marathon…
von Thomas Kühnen
 
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