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Möhnewoman
vs. Hammerman
von Marion Fladda |
Es
ist Sonntag, 28. August 2011, und es ist endlich der Tag des
Lake Runs. Frank alias Möhneman und ich hatten uns die
letzten Tage etwas von den vielen Marathons und Wettkämpfen
ausgeruht und die Laufschuhe weggeparkt. |
Wir
stehen morgens auf und machen uns bereit für den letzten
Auftritt in unseren hübschen blaugrünen Kostümen.
Um 11 Uhr treffen wir an der Kaserne ein. Es herrscht schon
ein reges Treiben auf der Anlage. Das Wetter ist bewölkt
und frisch. Für unser dünnes Möhne-Kostüm
ist es viel zu kalt. Der Start für den 18 km Lauf ist
erst um 14 Uhr und somit werden die nächsten Stunden
etwas kühl werden. Die Stunden bis zum Start vergehen
jedoch trotz Kälte sehr schnell, da wir viele nette Leute
treffen, fotografiert werden und ein paar Interviews geben
dürfen. Die ganze Aufregung hat jedoch dazu geführt,
dass ich ein kleines, wichtiges Detail vergesse: Zu Essen.
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Wir
starten um 14 Uhr und das Frühstück ist schon Ewigkeiten
her. Die ersten Laufschritte fühlen sich direkt merkwürdig
an. Es geht den Haarstrang von der Kaserne aus in Richtung
Möhnesee runter. Wir verlassen schon bald den festen
Untergrund und rennen über ein Feld. |
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Eine bunte Traube von Läufern in heiterer und ausgelassener
Stimmung pflügt über den Acker. Wir verlassen den
Acker und laufen durch unser erstes Hindernis: Eine Schlammgrube.
Die Grube hat einen sehr unebenen Untergrund und so kommt
es, dass man immer wieder wegrutscht und sich der Länge
nach in das braun-schlammige Wasser legt. Die netten Bauern,
die ihr Gelände für diese Grube zur Verfügung
gestellt haben, stehen am Rand der Grube und haben große
Freude, uns Läufer in ihrem Schlammloch auf allen Vieren
zu sehen. Wir waten durch das Schlammloch unter der fröhlichen
Anfeuerung der Bauern und laufen weiter. |
Es
geht wieder auf einen Acker und wir steuern auf unser nächstes
Hindernis zu. Ein Riesenbecken aus Strohballen, ausgekleidet
mit einer schwarzen Plane und randvoll gefüllt mit einer
dunkelbraunen Brühe wartet auf uns. Ich nehme Anlauf
und schwinge mich hoch auf den Ballen und rein in das Wasser.
Ein lieblicher Geruch von Gülle schlägt mir ins
Gesicht. Oompf! Das stinkige Wasser geht bis zu den Schultern.
Der Güllegeruch hat mir bisher schon immer den Atem verschlagen,
wenn ich ihn im aus dem Auto beim Vorbeifahren an einem frisch
gedüngten Feld wahrnehme. Jetzt stehe ich schultertief
mitten drin :-( |
Wir
klettern wieder raus aus dem Güllebecken und laufen weiter.
Komplett durchnässt fühlt sich der Wind gleich noch
'ne Ecke kälter an. Unser grüner Umhang hängt,
wie ein nasser Sack runter und klatscht uns bei jedem Schritt
schwer in den Rücken. Vor mir erkenne ich noch eine Güllewanne.
Rein und wieder raus. Es geht weiter. Und trotz des leckeren
Geruchs in meiner Nase fängt mein Magen an zu knurren.
Die Beine werden mit jedem Schritt schwerer. Ich denke über
diesen dummen Anfängerfehler nach, hungrig an den Start
zu gehen. Das wird noch ein schweres Stück Arbeit. Aber
vielleicht gibt es ja an der Verpflegungsstelle irgendwas
mit Energie. |
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Eine
Strohpyramide muss als nächstes bezwungen werden. Die
einzelnen Stufen der Pyramiden verlangen mir Einiges ab und
fressen schon jetzt die letzten Körner. Meine Beine werden
weicher und weicher. Ich kämpfe mich über die nächsten
Hindernisse und der Magen wird immer lauter. Wir passieren
den ersten Verpflegungspunkt. Nur Wasser. Oh nein. Das kann
ja noch was geben. |
Es
geht das erste Mal runter zum Möhnesee und rein ins Wasser.
Dann wieder rauf Richtung Kaserne. An der Verpflegungsstelle
müssen die 18 km – Läufer allerdings noch
mal abbiegen und noch eine Runde drehen. Es geht ein letztes
Mal runter zur Möhne, rein ins Wasser und wieder rauf.
Der Weg rauf ist auch hier mit Hindernissen gespickt. Strohwände
und Betonröhren warten auf uns. |
Mir
ist mittlerweile schwindelig und ich kann mich nur noch mit
Mühe am Laufen halten. Es geht wieder zurück zur
Kaserne über die Strohpyramide und durch die Güllebecken.
Unterwegs sehe ich ausgelutschte Power-Gel-Tüten und
spiele mit dem Gedanken, eine aufzuheben und den letzten Schluck
Energie raus zu lutschen. Auch den üppigen Löwenzahn
am Feldrand beäuge ich mit hungrigem Magen. Ob ich mir
ein Büschel genehmigen soll? |
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In
die Güllewannen komme ich nur noch mit Franks Hilfe.
Die letzten Kilometer gehen über das ehemalige Kasernengelände.
Auch die Hindernisse, die hier auf uns warten, sind für
mich alleine nicht mehr zu bewältigen. Drei weiße
Spatzen fliegen mir bereits um die Birne und zwitschern. Ich
torkle nur noch von einem Hindernis zum nächsten. Frank
zieht mich überall drüber. Der gemeine Mann mit
dem Hammer hat mir zum ersten Mal in meiner „Laufbahn“
so richtig voll einen drüber gezogen.
Irgendwie kommen wir ins Ziel. Dort trinke ich gierig drei
Dosen Redbull und warte auf einen Neustart meines Gehirns.
Und das tue ich auch heute noch. ;-) |
von
Marion Fladda alias Möhnewoman |
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(Fotos
von Anke Schuler und von SUZUKI Lake-Run) |
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