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Eine
„Laufkarriere“ beginnt
von Marion Fladda
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Wir
schreiben das Jahr 2007…
Ich war damals eigentlich nur ab und zu Gast in meinen Laufschuhen.
Die meiste Zeit habe ich mich mit meinem Rennrad oder meinem
Ergometer beschäftigt. Und das sogar sehr intensiv. Jeden
Tag vor der Arbeit habe ich mir den Wecker auf 20 nach 5 gestellt,
um noch eine Stunde auf dem Ergometer rumzusitzen. Und wofür
habe ich das gemacht? Trainiert habe ich für nichts.
Ich habe an keinem Rennen teilgenommen und bin nur gelegentlich
mit einem Verein voller Rentner trainieren gefahren. Ich habe
andere Rennfahrer in der freien Wildbahn sogar eher gemieden,
da ich nicht durch Schnellere frustriert werden wollte.
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So
habe ich mich alleine viele Kilometer durch die Gegend geschleppt.
Ohne Ziel. Einfach nur, um zu trainieren. Zusätzlich
bin ich dann auch noch jeden Morgen 8 km mit Inlinern zur
Arbeit gefahren. Und natürlich zurück. Gelaufen
bin ich so gut wie gar nicht. Nur sehr selten mal ein paar
Meter. |
An
irgendeinem Donnerstagabend saß ich dann mal am Computer
und bin irgendwie auf der Seite des Neusser Sommernachtslaufs
gelandet, der am kommenden Samstag stattfinden sollte. Sofort
schwirrte mir der Gedanke einer Teilnahme durch den Kopf.
Obwohl ich seit Monaten nicht mehr gelaufen war, hatte ich
mich schneller durch die Anmeldung geklickt, als ich gucken
konnte. Bei der Wahl der Distanz habe ich keine Sekunde verschwendet.
Die 10 km sollten es sein. Wenn ich mir seit Monaten die Laufschuhe
wieder anziehen würde, dann doch nicht für läppische
5 km. |
Der
Samstag kam und ich stand voller Angst an der Startnummernausgabe.
Meine Freundin Steffi begleitete mich und ich heulte ihr die
Ohren voll. Ich hatte unheimliche Angst, als Letzte anzukommen.
In meinem Kopfkino lief ich keuchend, hinkend und vollkommen
verschwitzt und stinkend ganz am Ende des Feldes. Schlimmer
noch. Nicht nur ganz hinten, sondern auch alleine. Alle waren
schon längst fertig. Steffi versuchte mich zu beruhigen,
aber die Angst blieb. Und die Tatsache, dass ich seit Monaten
nicht mehr gelaufen war, half mir auch nicht gerade weiter. |
Das
Anstecken der Startnummer verlangte mir ebenfalls Einiges
ab. Es war gar nicht so einfach, dieses blöde Ding schön
mittig auf das Trikot zu bekommen, ohne sich mit den Sicherheitsnadeln
abzustechen. Irgendwann stand ich dann laufbereit im Feld
und hatte nur noch eine Masse Pudding in den Beinen. Mein
erster Startschuss fiel und ich setzte mich in Bewegung. Der
erste Wettkampf meines Lebens hatte begonnen. |
Es
war ein unheimlich warmer und drückender Sommerabend.
Die Stadt war voller Menschen. Die Luft drückte schon
nach einigen Metern und schien meinen Kopf mit aller Kraft
zu zerquetschen. Es waren sechs Runden zu absolvieren. Schon
in der zweiten Runde hatte ich einen trockenen Mund und der
Kopf schmerzte. Eine Getränkestation hatte ich leider
nicht wahrgenommen. Ich quälte mich weiter und weiter.
Von Runde zu Runde. Und irgendwie lief es. Irgndwann blickte
ich auf die Uhr und sah, dass ich schon über 50 Minuten
unterwegs war. „Mist“, dachte ich. "Jetzt
bin ich schon über eine Stunde unterwegs."
Bis zum Ziel waren es nur noch ein paar Meter. Und ich kam
dann mit einer Zeit von 54.38 ins Ziel. Ich holte mir einen
Becher Wasser und blickte auf meine Uhr. So ein Ärger.
Ich hatte zwar die meiste Angst davor als Letzte ins Ziel
zu kommen, aber ich hätte es auch gerne unter einer Stunde
geschafft. Mein Kopf brummte und schmerzte. Ich dachte über
ein paar grundlegende Dinge nach und erinnerte mich nach einiger
Zeit daran, dass eine Stunde 60 Minuten hat und nicht 50.
Yeah! Ich hatte es doch geschafft, unter einer Stunde zu bleiben.
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In
diesem Moment nahm ich mir fest vor, ab jetzt in jedem Jahr
hier an den Start zu gehen und mich zu verbessern. Mein Ziel
war es, jedes Jahr schneller zu werden. Nach diesem Sommernachtslauf
2007 fing ich an zu laufen. Und ich hatte keine Angst mehr,
Letzte zu sein.
Das Jahr verging und schon bald stand der Sommernachtslauf
2008 vor der Tür. Ich hatte fleißig trainiert und
eine große Motivation, die Zeit vom Vorjahr zu toppen.
Eine zu große. Ich hatte mir ein Maltodextrin-Getränk
gemixt, das ich mir die letzte halbe Stunde vor dem Start
noch einverleibte. Probiert hatte ich dieses Gebräu zwar
noch nie, aber was sollte schon schief gehen? Ich ging an
den Start. Das Wetter war wieder sehr schön und heiß.
Der Startschuss fiel und ich spurtete los. Zu schnell. Die
erste Runde verging und ich schnaufte schon, wie ein Pferd
kurz vorm Krepieren.
Die zweite Runde hatte ich bald auch hinter mich gebracht.
Die noch funktionierenden Gehirnzellen schwanden mit jedem
Schritt. Die Straße begann zu wackeln. Mein Blick wurde
unscharf und vom Asphalt stieg eine unheimliche Schwärze
auf. Ich konnte kaum mehr sehen, wo ich hintrat.
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Gegen
Ende der dritten Runde verließ ich die Strecke und setzte
mich in eine einsame Ecke und wartete auf ein Lebenszeichen
meiner geistigen Fähigkeiten. Nach und nach konnte ich
wieder mehr sehen und die Realität baute sich wieder
auf, so wie ich sie kannte. Ich hatte aufgegeben und war jetzt
zu Tode betrübt. Nach einem ganzen Jahr Vorbreitung hatte
ich nur ein Ziel: Ich wollte besser sein, als im letzten Jahr.
Und jetzt saß ich irgendwo in einer Ecke und hatte nach
der Hälfte aufgegeben. Niedergeschlagen verließ
ich die Veranstaltung. Vielleicht war Laufen doch nicht mein
Sport. |
Die
Zeit verging und nach ein paar Wochen hatte ich mich wieder
gefangen. Mein neuer Plan für 2009: Ich wollte Wettkämpfe
trainieren, damit mir so was nicht noch mal passiert. Dafür
suchte ich mir für das Frühjahr 2009 ein paar Läufe
aus. Der "Wettkampf-Exzess" hatte begonnen. Ich
konnte nicht mehr genug bekommen von Wettkämpfen und
suchte mir für jedes Wochenende neue Veranstaltungen.
Bald reichte schon nicht mehr ein Lauf am Wochenende. So genannte
Doppelwochenenden entstanden. Samstag ein Wettkampf und Sonntag
ein Wettkampf. Unter der Woche machte ich nur ein paar Regenerationsläufe.
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Ich
wurde immer schneller. Den Sommernachtslauf 2009 beendete
ich mit einer 46:34. Mein Plan hatte funktioniert. Aber anstatt
mal eine Laufpause zur Regeneration einzulegen, setzte ich
das Ganze fort. Dabei lernte ich Frank kennen und wir machten
zusammen damit weiter.
2010 kam zu den etlichen 10ern und Halbmarathons dann auch
die Marathon-Distanz dazu. Innerhalb von 1 ½ Monaten
hatte ich zwei Marathons und einen Ultra-Marathon gelaufen.
Das Resultat war eine starke Reduzierung meiner Geschwindigkeit.
Da sich dieses Laufverhalten durch das ganze Jahr zog, lief
ich beim Sommernachtslauf 2010 „nur“ eine 51:15.
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Mich
wurmte die Tatsache, dass ich so „langsam“ war.
Für 2011 wollte ich endlich wieder schneller werden.
Die Marathon-Frequenz blieb jedoch hoch. Zum Zeitpunkt des
Sommernachtslaufes 2011 hatte ich bereits vier Marathons in
2011 gelaufen. Und 11 Marathons seit meinem ersten Marathon
im April 2010. Jedoch hatte ich mehr lockere Trainingskilometer
in Leguanos geschrubbt. Und für 2011 sollte mein Plan
daher ein wenig aufgehen.
Ich lief alles, was der Körper zu bieten hatte und lieferte
noch einen Endspurt ab, bei dem ich alles einkassierte, was
noch vor mir war. Ich wusste nicht, wie viel die Uhr auf dem
Tacho hatte und es war mir für den Moment auch egal.
Ich wollte einfach alles geben, was ich konnte. Im Ziel stoppte
ich meine Uhr und hatte eine 48:30. Jahresbestzeit.
Wie ein Kind freute ich mich über die Zeit, das gute
Laufgefühl und einen erfrischenden Becher Iso. Und natürlich
auf ein alkoholfreies Weizen danach. |
Laufen
kann so wunderschön sein. Mal sehen, was ich beim Sommernachtslauf
2012 erreiche… |
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