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Der
Kampf mit Doris und mit 50 km
von Marion Fladda |
Wie
kann man eigentlich als Läufer für genügend
Adrenalin in der Blutbahn sorgen? Klar, da wäre auf Platz
1 das Vergessen des Champion-Chips am Schuh bei einem Wettkampf.
Aber des Weiteren gibt es auch die Möglichkeit, ein total
verpeiltes Navi zu besitzen. Sorry, Doris. Anmerkung: Wir
nennen unser Navi liebevoll Doris. |
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So
sind wir am Sonntag auf dem Weg zum Preußen 50er Opfer
eines absolut desorientierten Navis. Die Umstände sind
ohnehin schon hart genug. Der Start des 50km-Laufs soll morgens
um 6:30 Uhr sein. Da wir nicht direkt an der Startlinie wohnen
und auch unsere „Prä-Wettkampf-to-do-Liste“
abarbeiten müssen, klingelt unser mieser Wecker bereits
um 3:35 Uhr. In Worten: Drei Uhr Fünfunddreißig.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da kommen
die Meisten gerade aus der Disco nach Hause.
Wir frühstücken, machen uns laufbereit und begeben
uns um viertel vor fünf auf den Weg zum Kemnader See.
Es läuft alles planmäßig. Und dann sind wir
kurz vor dem Ziel und dann dreht das Navi durch. Doris führt
uns immer im Kreis durch die Wälder um den See. Das darf
doch nicht wahr sein. Die Zeit rennt uns davon. Wir gucken
erschrocken auf die Zielzeit des Navis. Da steht auf einmal
was von 6:31 Uhr. Frank will schon wieder nach Hause fahren.
Vollkommen entnervt hat er keine Lust mehr, orientierungslos
dem hirnlosen Geplapper von Doris zu folgen. Wir hatten uns
eigentlich vorgenommen, bereits um 6 Uhr vor Ort zu sein,
um den Start von Joe Kelly mitzubekommen. Und jetzt schaffen
wir es kaum mehr zu unserem eigenen Start. (Der angekündigte
Joey Kelly ist aber auch gar nicht da, wie wir später
auf der Strecke feststellen.) |
Doris
führt uns über kleine, rumpelige Straßen.
„Na super, jetzt kommen wir nicht nur zu spät und
verpassen unseren Start, sondern fahren gleich auch noch Joe
Kelly über den Haufen!“ meckert Frank vor sich
hin. In mir kocht ein unheimlich hysterisches Lachen, das
ich mir jedoch schmerzhaft weg beiße. Ich habe zwar
eigentlich auch keine Ahnung, wo wir lang müssen, tue
aber so und übernehme die Navi-Herrschaft. Da ich gerne
mal mehr Glück als Verstand habe, funktioniert auch das.
Einmal anders abgebogen, Doris berechnet ihre Route neu und
schon sind es nur noch 800 m bis zum Ziel. Neue Zielzeit 6:21
Uhr. |
Endlich
angekommen, parken wir unseren Wagen und reißen uns
die Zivilklamotten vom Leib. Chip an den Fuß, Nummernband
um und im Tiefflug Richtung Anmeldung. Wir sprinten eine Straße
runter. Immer der Musik nach. Noch fünf Minuten bis zum
Start. Ich stelle fest, dass ich meine Uhr vergessen habe.
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Das
Meldebüro liegt im ersten Stock. Auch das noch. Jetzt
heißt es: noch einen kleinen Treppen-Sprint einlegen.
Wir schnaufen durch das Treppenhaus und holen uns die Startunterlagen.
Jetzt noch schnell die Nummer an das Band friemeln. Noch vier
Minuten bis zum Startschuss. Frank muss noch mal aufs Klo.
Wir rennen das Treppenhaus wieder runter. Frank hechtet zum
Klo. Noch zwei Minuten. Ich warte draußen auf Frank.
Die Starter haben sich schon am Start versammelt. Frank kommt
vom Klo gejoggt und stellt sich zu mir. Startschuss. Wir laufen
los. |
Jetzt
heißt es Runden drehen. Fünf große Runden
á 5,5 km und fünf kleine Runden á 4,5 km.
Ergibt dann großartige 50 km. Wie sinnvoll es ist, 50
km zu laufen und sich dabei noch nicht mal so richtig vom
Fleck zu bewegen, sondern nur am Nordufer der Kemnade herum
zu kreisen, lassen wir mal da hingestellt. Der Weg ist das
Ziel. |
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Wir
laufen unsere erste Runde zusammen mit einer Frau und einem
Mann. Die Welt um uns herum scheint noch zu schlafen. Außer
uns Läufern sind noch nicht viele Lebewesen unterwegs.
Man hört nur unsere Schritte auf dem Asphalt. Alle gehen
ihren müden Gedanken nach, bis wir durch einen langen,
quitschenden Pups in die Realität zurückgeholt werden.
Ich gucke schockiert zu Frank rüber, der direkt seine
Unschuldsmine aufgesetzt hat. Bevor ich ihn verdächtigen
kann, meldet sich jedoch der andere Mann zu Wort und entschuldigt
sich. Er habe gestern französisch gegessen mit viel Lauch
und so… |
Wir
traben weiter durch die wieder stille Idylle und gelangen
nach knapp drei Kilometern direkt an das Ufer des Sees. Nun
geht es wieder zurück Richtung Ziel. Immer am See entlang.
Und so drehen wir unsere Runden. |
Bereits
nach 10 Kilometern merkt Frank leider seine Oberschenkel.
Sein derzeitiges Lauftraining existiert eigentlich gar nicht.
Er fährt lediglich jeden Tag 20 km mit dem Fahrrad zur
Arbeit und das Ganze dann wieder zurück. Auf Grund von
Zeitmangel haben wir keine langen Läufe mehr machen können.
Und so kommt es, dass wir jetzt einen 50er laufen ohne einen
langen Lauf gemacht zu haben. Der letzte Marathon ist zwar
erst vier Wochen her, aber lange Läufe hätten definitiv
der Vorbereitung nicht geschadet. |
Bei
Kilometer 15 muss Frank einen Boxenstopp einlegen. Ich laufe
weiter und forciere das Tempo. Wie schnell ich unterwegs bin,
kann ich überhaupt nicht einschätzen. Ich würde
natürlich gerne unter fünf Stunden laufen. Bei Kilometer
20 schaue ich das erste Mal auf die Uhr. 2:19. Oh, das mit
unter fünf Stunden kann ich dann wohl knicken. Ich suche
mir direkt ein neues Ziel. Dann wenigsten unter 5:15.
Ich laufe meine Runden und zähle dabei nicht die etlichen
Kilometer, sondern nur die überschaubaren Runden. Denn
zehn Runden sind weniger, als 50 Kilometer. :-) |
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Ich
mache mir Sorgen um Franks Beine. Die werden ihm noch ordentlich
zu schaffen machen. Ich habe zwar auch keinen langen Lauf
gemacht, dafür laufe ich aber morgens vor der Arbeit
immer meine Runden. Das ist zwar immer nur einstellig, ist
aber immer noch besser, als nur Fahrrad zu fahren. Davon werden
die Muskeln dicker und machen Probleme bei so langen Läufen.
Hoffentlich gehen sie nicht so richtig zu. Dann muss der Möhneman
den Rest wohl doch fliegen. |
Die
Kilometer vergehen und ich schaffe es weiterhin, mit der errechneten
Zielzeit immer schön unter 5:15 zu bleiben. Hoffentlich
bleibt es so. Ich passiere die Marathonmarke und es läuft
noch immer wie Butter. Jetzt noch mickrige 8 km. |
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Ich
gehe in meine letzte große Runde. Und auch die läuft
noch ganz entspannt.
Die Wege rund um den Kemnader See haben sich mittlerweile
mit Menschen gefüllt. Fußgänger, Inliner,
Jogger und jede menge Radfahrer wuseln sich durch den Sonntagvormittag.
Das Ausweichen fällt einem allerdings nach mehr als 40
km nicht mehr ganz so leicht. Einige Male torkle ich in den
Grasstreifen, weil ich versuche, Rennfahrern auszuweichen.
Es ist schon ein lustiges Gefühl, wenn die Beine nicht
mehr so reagieren, wie sie sollen. |
Ich
gehe in meine letzte Runde. Die letzten 4 km werden jedoch
zur absoluten Qual. Ich hatte bis jetzt den Abstand zu Frank
so weit ausgebaut, dass ich ihn nun in meiner letzten Runde
überrunden könnte. Doch leider werde ich langsamer.
Das selbst gesteckte Ziel von unter 5:15 schwindet dahin.
Mein Unterleib fängt an zu krampfen. Ich kann kaum mehr
geradeaus laufen. |
Ich
versuche mich zu lockern. Aber nein. Die olle Muskulatur im
Unterbauch macht dicht. Herzlichen Dank. Ich kämpfe mich
eine gefühlte Ewigkeit über die letzten Kilometer.
Und dann endlich komme ich auf die mit Cheerleadern gesäumte
Zielgerade. Ich werde noch mal schneller und laufe durchs
Ziel. 5:17:04. Alle Zielvorgaben nicht erfüllt, aber
dennoch glücklich und zufrieden. Frank kommt nach gut
einer halben Stunde ins Ziel. Seine Fahrrad-Beine haben die
50 km doch noch brav durchgehalten. Der Preußen 50er
hat uns auf jeden Fall großen Spaß gemacht und
hatte ein tolle Premiere. |
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