Dortmunder Staffeln beim Remscheider Röntgenlauf 2011
von Tatjana Bitthöfer

Nach unserem erfolgreichem Staffellauf am Baldeneysee stand nun – wie bereits im letzten Jahr – der nächste Staffelstart in Remscheid an: ein 63, 3 km langer abwechslungsreicher Rundlauf im Bergischen Land aufgeteilt auf 3 Läufer, von denen jeder die Halbmarathondistanz bewältigen muss. Dieser Landschaftslauf ermöglicht „reizvolle Ausblicke auf das Bergische Land, führt durch kühle Täler, vorbei an Wasserhämmern, alten Bergischen Fachwerkhäusern, unter der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands (Müngstner Brücke), vorbei am mittelalterlichen Schloss Burg und an der Eschbachtalsperre (älteste Trinkwassertalsperre Deutschlands).“ Der Höhenunterschied beträgt ± 1 100 Höhenmeter.
Die Vorbereitungen
Im Frühjahr haben Michael und Achim mit Helmut eine Männerstaffel gegründet und unsere Gafanten-Staffel, in der ich im letzten Jahr Schlussläuferin war, aufgelöst. Da hatte sich das richtige „DreamTeam“ zusammengetan :-)
Und ich habe mir 2 neue Wischlinger Staffelpartner gesucht, mit denen ich eine reale Chance haben würde, vor Einbruch der Dunkelheit das Ziel zu erreichen: Petra und Rainer. Beide sind ebenfalls im letzten Jahr beim Röntgenlauf über die HM-Distanz gestartet und wussten somit, was sie erwarten würde.
Und so verging der Sommer mit intensivem Training. Die Männerstaffel hatte vor unserer Staffel doch recht großen Respekt und suchte sich stattdessen für ihr „Duell“ lieber eine andere Wischlinger Staffel, die sie etwas „foppen“ konnte: Claudia, Sabine und Volker. „DreamTeam“ versus „Revierpower“….
Der Termin des Röntgenlaufs rückte immer näher. Leider musste Achim wegen Verletzungsproblemen seinen Start absagen und einen Ersatzläufer suchen. Dieser war schnell gefunden: Dietmar. Nach fast einjähriger Babypause – viele Grüße an die mittlerweile fast 15monatige Wischlinger Nachwuchshoffnung Katja und Max ! Beispiele für erfolgreiche Leichtathletik-Zwillinge gibt’s ja reichlich – ist Dietmar wieder ins Training eingestiegen und wollte sein Comeback wagen! Und uns war schon klar, dass dies ein Staffellauf mit hohem Unterhaltungswert werden würde :-)
Der Tag X: Röntgenlauf in Remscheid
Um 4 Uhr 15 klingelte mein 1. Wecker. Dank der Zeitumstellung in dieser Nacht war es etwas angenehmer. Gegen 6 Uhr habe ich mich mit meinen Staffelpartnern im Auto auf den Weg nach Remscheid gemacht und unsere „Strategie“ besprochen: nach meinem Berlin- und ihrem Amsterdam - Marathon vor 14 Tagen wollten wir einfach mal schauen, was möglich war, Spaß haben und, falls es richtig gut laufen sollte, eine Zeit „um die 6 Stunden“ und eine Platzierung unter den Top10 der Mixed-Staffeln angehen. In Remscheid haben wir gegen 7 Uhr die anderen Wischlinger und Viermärker Staffeln, die mit dem Reisebus angereist sind, getroffen, Startunterlagen abgeholt, einige wichtige organisatorische Dinge geklärt….
Um 8 Uhr 30 war dann der Start: alle Ultramarathonläufer, Marathonläufer, Halbmarathonläufer und Staffeln machten sich auf dem Weg. Wir haben Petra noch viel Erfolg und Spaß gewünscht, dann habe ich Rainer zu seinem Pendelbus, der ihn ins HM-Ziel bringen sollte, begleitet und bin zu der Sporthalle, in der auch die anderen Dortmunder Schlussläufer warteten, zurückgegangen. Vor Abfahrt unseres Pendelbusses zum Marathonziel um 10 Uhr blieb mir noch Zeit eine der legendären Marathonschnecken, die es nur beim Remscheider Röntgenlauf gibt, zu kaufen und in meiner Sporttasche zu verstauen. Diese Schnecke war ein wichtiger Grund für meine wiederholte Teilnahme: eine Teigschnecke mit Rosinen, Marzipan, Zimt, Mandeln … Mmh.
Um 10 Uhr brachte uns der Pendelbus zu unserem Wechselpunkt, einem Seebad. Während der fast 20minütigen Fahrt saß ich neben Helmut, der bisher an dem Lauf noch nicht teilgenommen hatte, und sagte zu ihm: „Guck mal Helmut, den Weg, den wir jetzt runter fahren, laufen wir gleich wieder rauf, allerdings nehmen wir nicht die Straße, sondern laufen querfeldein.“ Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen.
Im Seebad, wo sich auch das Marathonziel und unsere Wechselzone befanden, hielten wir uns in einer Halle auf, suchten uns eine Bank neben einem Heizstrahler, beobachteten den Aufbau der Massageliegen und vertrieben uns die Wartezeit. Bei gutem Verlauf würde ich frühestens um 12 Uhr 20 loslaufen können, also noch fast 2 Stunden warten. Eine Physiotherapeutin gab uns einen Flyer mit einer Einladung zu einem Vortrag über Knieprobleme und wir amüsierten uns einige Minuten über den Zusatz „Eintritt frei“, den man auch als „Ein Tritt frei“ (Knieprobleme garantiert) auffassen konnte.
Durch die großen Fenster konnten wir das Marathonziel und die Wechselzone gut beobachten. Ich war die Einzige in unserer Gruppe, die die Schlussetappe bereits gelaufen war, und erzählte den anderen detailliert von meinen Erfahrungen. Im letzten Jahr hatte es an den Tagen zuvor stark geregnet, so dass die Feld- und Waldwege ziemlich schlammig waren, das Läuferfeld war auf dieser Etappe soweit auseinandergezogen, dass ich teilweise völlig alleine lief. Es waren nur noch die Ultra- und die Staffelläufer unterwegs. An manchen Stellen war ich mir auch nicht sicher, ob ich richtig abgebogen war. Ich bin nun mal auch Mathematikerin und liebe somit Fakten und Zahlen. Ich erklärte den anderen, dass vor uns die Etappe mit den meisten Höhenmetern und größten Steigungen läge. Die anderen waren über diesen „Tatsachenbericht“ nicht so wirklich begeistert. Helmut, der sein leuchtend gelbes T-Shirt mit der Aufschrift „Heute wird Fett verbrannt“ (Vorderseite) „Werft schon mal den Grill an“ (Rückseite) trug, äußerte dies auch. Er rechnete damit, dass er ca. 4 Stunden 30 oder länger auf seine Staffelpartner warten müsste. Ich klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und bot ihm an an jeder Abzweigung eine Marathonschnecke als Wegweiser zu hinterlassen oder Fackeln aufzustellen, die ihm auch bei Einbruch der Dunkelheit den Weg weisen würden ;-)
Irgendwann hatte das Warten ein Ende und wir haben uns in die Wechselzone begeben. Es hatte etwas geregnet, aber es war recht warm. Gegen 12 Uhr 34 kam Rainer, 4 Stunden 04 nach dem Start. Damit war meine Entscheidung gefallen und ich musste mein Ergebnis aus dem letzten Jahr unterbieten, damit unsere Staffel es noch unter 6 Stunden schaffen konnte. Also lief ich los, Musik im Ohr, fest entschlossen jeden Berg laufend zu bezwingen. Das Laub war nass und bedeckte einige Steine und Wurzeln und man musste sich gut konzentrieren.
Nach ein paar hundert Metern kam der erste Berg, abgerundet durch einige Stufen. Los, hochlaufen! Es klappte gut und weiter ging es, wieder bergauf. Die Strecke war diesmal sehr gut ausgeschildert, überall standen Streckenposten, die Zuschauer, die z. T. vereinzelt im Wald auftauchten, machten Lärm für Tausende, es waren einige Begleitfahrräder unterwegs, was ich sehr gut fand, die sich v. a. um die Ultramarathonläufer kümmerten. Es machte richtig Spaß. Wie auch im letzten Jahr war ich teilweise völlig alleine auf den z. T. etwas schlammigen Feld- und Waldwegen unterwegs, mein Weg führte mich über einen Bauernhof, querfeldein über eine Weide, vorbei an Kühen, Schafen, Pferden. Ich fühlte mich gut und es machte richtig Spaß. An einem Berg überholte ich einen Ultraläufer, der schon einige Zeit vor mir lief. Doch oben angekommen überholte er mich wieder. Unglaublich ! Aber nicht mit mir! Und so beschleunigte ich, bis wir wieder auf gleicher Höhe waren. Er „genehmigte“ mir ihn zu überholen, erklärte aber auch ganz entschieden, dass er keinen Ultraläufer vorbeilassen würde. Aber irgendwie war er doch schneller als ich. Nicht, dass mich das irgendwie frustriert hätte ;-)
Fast 2 Kilometer vor dem Ziel kam nochmals ein richtiger Anstieg, der mir aus dem letzten Jahr noch in Erinnerung geblieben war. Bisher bin ich alle Berge hochgelaufen, so wollte ich diesen auch schaffen. Außerdem lag ich sehr gut in der Zeit. Die Atemgeräusche, die ich bei diesem Anstieg von mir gegeben habe, kann ich hier nicht in Worte fassen. Ich dachte immer an meine Berg-Etappen beim Spinning-Training und die Anweisungen unseres Trainers „Drücken und ziiiehen ! Drücken und ziiiiehen !“ und versuchte gleichmäßig zu laufen. Aber irgendwann war ich oben. Noch ca. 400 Meter leicht bergab um 2 Kurven und ich würde im Ziel sein. Also beschleunigte ich nochmals. Doch was war das? Kurz vor der Zielgeraden lief eine schwarz gekleidete Person auf mich zu! Aber ich wollte mich auf der Zielgeraden nicht mehr überholen lassen und setzte zum Schlussspurt an, die schwarze Gestalt immer aus dem Augenwinkel im Blick ;-) Auf der Ziellinie kam ich zum Stehen und erkannte, dass es sich bei meinem „Verfolger“ um die frisch geduschte Petra handelte, die mich ins Ziel begleiten wollte. Wir fielen uns um den Hals und freuten uns über den schönen Lauf und unsere Zielzeit von 5:57. Ein späterer Blick auf die Ergebnisliste zeigte, dass wir es auf Platz 6 der Mixed-Staffeln geschafft hatten!
Das Duell
Nach dem Duschen kehrte ich zum Ziel zurück, wo meine beiden Staffelpartner Petra und Rainer und die anderen Wischlinger warteten und konnte nun meine Marathonschnecke genießen. Die beiden anderen Wischlinger Schlussläufer Helmut und Volker waren noch nicht im Ziel. Ein spannendes „Duell“, denn nach den beiden Wechseln lagen die beiden Staffeln zeitlich nicht weit auseinander. Dietmar hatte seine Strecke gut geschafft und freute sich über das gelungene Comeback.
Irgendwann bog ein leuchtend-gelber Punkt um die vorletzte Kurve, der immer größer wurde. Eine Sternschnuppe, die mit voller Wucht im Ziel landen würde? Nein ! Es war HELMUT, Kopfbedeckung auf halb acht, sein Gesicht leuchtete so schön wie die bereits über Remscheid langsam untergehende Sonne ;-) Er hatte es geschafft und die Männerstaffel hatte das Duell mit der Revierpower –Staffel gewonnen. Da war die Freude am Streckenrand natürlich riesig groß und Helmut wurde nach Überquerung der Ziellinie von Dietmar, Michael und Achim gefeiert. Helmut schilderte den anderen seine Strapazen, die ich bestätigen sollte. Er schaute mich, bereits frisch geduscht, etwas verdutzt an. Ich erzählte nochmals wie viel Spaß mir der Lauf gemacht hatte, woraufhin Helmut mich fragte, welcher Maulwurfhügel auf der Zielwiese mir am besten gefiele.
Auch Volker der Revierpower-Staffel hat es kurz nach Helmut gut ins Ziel geschafft und mit den Zielzeiten von 6 Stunden 48 versus 6 Stunden 55 hatten die beiden Staffeln ihr Duell entschieden.
Nach diesem langen, aber sehr schönen und unterhaltsamen Tag machten wir uns wieder auf den Weg nach Dortmund und ließen die Ereignisse nochmals Revue passieren: eine sehr schöne, gut organisierte Laufveranstaltung mit einer tollen Landschaft!
von Tatjana Bitthöfer
 
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