Dortmunder Sch(n)uppenflug am Baldeneysee
von Tatjana Bitthöfer

Wie in jedem Jahr wollten wir auch in diesem Jahr wieder mit einer Frauenstaffel beim Marathon am Baldeneysee starten.
Die Vorbereitungen
Und so meldete ich wenige Tage nach meinem Berlin-Marathon unsere Staffel bestehend aus Claudia B., Petra B., Claudia S. und mir an. Ich war zwar in der „Ruhephase“, aber die 3 Mädels waren in Form, wollten eine gute Zeit vorlegen, so dass ich als Schlußläuferin nur noch die Staffel sicher ins Ziel bringen müsste. Zusätzlich wurde mir dann noch ein Stück Kuchen im Ziel in Aussicht gestellt. So also der Plan ! Meinen kleinen faux pas bei der Anmeldung unseres Staffelnamens – ich hatte versehentlich Dortmunder Schuppen eingegeben – konnte ich rechtzeitig beheben. Wie dann wohl unser Shirt ausgesehen hätte? Lieber keine Details… Und ich begann mich um unser Schnuppen-Outfit zu kümmern.
Die Sensation – eine Männerstaffel !
Während also unsere Vorbereitungen liefen, kündigte sich eine Sensation an. 4 Wischlinger Männer meldeten ebenfalls eine Staffel unter dem kreativen Namen „LT Wischlingen Dortmund“ an. Dabei handelte es sich um 4 Läufer der sog. Gruppe 1 – nennen wir sie mal Frank, Dirk, Michael und Michael. Wow ! Wir waren natürlich völlig beeindruckt und uns war klar, dass die Männerstaffel Minuten – oder gar Stunden? – vor uns im Ziel sein würde, zumal Frank noch erklärte, dass er der Cheforganisator sei!
Schnuppencasting
Während die Männerstaffel also selbstsicher und gelassen dem Wettkampf entgegen sehen konnte, plagten uns Verletzungssorgen. In der Woche vor dem Lauf mussten beide Claudias wegen Knie- bzw. Rückenproblemen ihren Start absagen und ich sah mich schon als 1-Frau-Staffel am Start … Doch Petra B. ließ ihre Beziehungen spielen und so konnten wir erfolgreich 2 neue „Schnuppen“ gewinnen: Astrid B. und Petra M., die zum Glück rechtzeitig aus dem Tauchurlaub wieder aufgetaucht ist. Und beide würden auch in die bereits bestellten Schnuppen-Shirts passen!
Der große Tag
Es war noch dunkel, als ich mein Schnuppen-Outfit bestehend aus einem Shirt, einem weißen Haarreif mit Schleife und einer batteriebetriebenen Lichterkette anlegte und mich auf den Weg machte, um Petra B., unseren Edelfan Ralf und Astrid abzuholen. Unterwegs musste ich noch tanken und mir wurde erst später klar, warum mich die Mitarbeiterin an der Tankstelle etwas merkwürdig musterte. Vermutlich kannte sie die Dortmunder Schnuppen nicht…
Wir hatten unseren Lauf detailliert geplant, besprochen, wer wann mit dem Bus oder Schiff fahren und wer wessen Kleiderbeutel mitnehmen müsste.
Vor Ort gab es dann 4 Läuferinnen im Schnuppen-Outfit, und wir schafften es den müden oder aufgeregten Läufern ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern – man muss halt nur etwas „blöd“ aussehen ;-)
Nach unserem Schnuppen-Gruppen-Foto am Baldeneysee – bzw. dort, wo wir ihn vermuteten – denn es war kalt und neblig – machte sich Petra B. als 2. Läuferin auf den Weg zum Bus, der sie um 9 Uhr 40 zum WP 1 bringen sollte. Der Staffelstart war um 10 Uhr 20. Vor der Startnummernausgabe haben wir Frank, Michael und Michael getroffen. Auf meine – natürlich überflüssige – Frage, wo denn Dirk, der 2. Läufer, sei, bekam ich zur Antwort: „Im Bus natürlich“.
 
Und so machten wir uns gut gelaunt auf den Weg um Astrid und Frank zum Start zu bringen. Doch was war das? Plötzlich stand der im Bus geglaubte Dirk auch am Start – 10 Minuten vor dem Startschuß. PANIK, Diskussionen, Austausch von Handynummern, ….“Irgendwie“ wollte Dirk noch versuchen rechtzeitig zum WP 1 zu kommen. Petra M. und ich schauten uns die Szene etwas belustigt an.
Nach dem Startschuß machten sich Petra M. und Michael in Begleitung der beiden Edelfans Ralf und Claudia S auf den Weg zum WP 2, der zu Fuß erreichbar ist. Ich habe mit Michael gegen 11 Uhr das Schiff genommen, das uns zum WP 3 am Haus Scheppen bei km 30, 5 bringen sollte. Schon ein merkwürdiges Gefühl – man macht eine Bootsfahrt, während der Wettkampf bereits im Gange ist und die Zeit läuft… Es war immer noch sehr kalt, aber die Sonne kam langsam heraus. Angekommen an unserem WP suchte ich mir eine Bank in der Sonne direkt an der Laufstrecke, holte mir einen Kaffee, packte mein „Frühstück“ aus… Wir hatten vorher einen Zeitplan erstellt. Wenn es für die 3 Mädels gut laufen würde, könnte ich zwischen 13 Uhr 15 und 13 Uhr 20 starten. Also hatte ich noch mindestens über 2 Stunden Zeit. Eigentlich hätte ich mich gern mit Michael unterhalten, doch er ging immer wieder auf und ab, hin und her… Dafür saß ein anderer Läufer neben mir, mit dem ich mich prima über diverse Laufveranstaltungen unterhalten habe. Irgendwann hat Michael sein Handy genommen und am WP 2 angerufen. Dort sollte eigentlich Dirk an Michael bzw. Petra B. an Petra M. übergeben. Ich sah an seinem Gesichtsausdruck, dass irgendetwas schief gegangen war! Zunächst zeigte ich dezent auf mich. Wenn er schon mal anruft, könnte er doch auch mal nach unserer Frauenstaffel fragen, oder? Aber keine Reaktion. Dann zupfte ich ihn am Ärmel und zeigte auf mich. Immer noch keine Reaktion. Dann habe ich ihn fast angeschrien: „Mann, jetzt frag‘ doch mal nach UNSERER Staffel!“, was er dann auch tat und auflegte.
Fazit: Dirk hatte es nicht rechtzeitig zum WP 1 geschafft und war stattdessen am WP 2, wo er mit Michael auf Frank wartete und mit Michael, der mit mir am WP 3 wartete, telefonierte. Also musste Frank die ersten beiden Abschnitte (22, 5 km) alleine laufen. Allerdings hatte er zunächst 20 Minuten am WP 1 auf Dirk gewartet, bevor er dann doch den 2. Abschnitt gelaufen ist. Das hat dazu geführt, dass unsere Frauenstaffel die Männerstaffel überholt hat. Im Moment des Anrufs ist Petra B. eingetroffen und hat den Chip an Petra M., unsere 3. Läuferin, übergeben. Frank war allerdings noch nicht da. Michael wirkte nach dem Anruf beunruhigt. Ich bemühte mich konzentriert zu gucken – jede andere Reaktion wäre in diesem Moment unangebracht gewesen! Aber ich wusste nun, dass Petra M. um 12 Uhr 25 den Chip erhalten hatte und – wie geplant – zwischen 13 Uhr 15 und 13 Uhr 20 an meinem WP eintreffen könnte. Während Michael sich zur Rettung der Männerstaffel mit seinem Rucksack auf den Weg machte um Michael entgegenzugehen, wobei ich ihm viel Glück wünschte, lief ich mich etwas ein. Eigentlich wäre es sinnvoller gewesen, die 3 Männer hätten die Strecke vorher gleichmäßig unter sich aufgeteilt oder jemand wäre Frank, dem 1. Läufer, entgegengelaufen, aber egal, ich war ja nicht ihr Cheforganisator ;-)
Für unsere Frauenstaffel lief es gut. Und als Petra M. kam, zeigte unsere Stoppuhr, die wir mit dem Chip weitergegeben hatten, 2 Stunden 59. D.h. ich hatte für meine 10, 7 km noch reichlich Zeit die Staffel unter 4 Stunden ins Ziel zu bringen. Zwischenzeitlich hatten die beiden Michaels aufgeholt und einen Vorsprung rausgeholt – sie sind ja schließlich Gruppe 1 –Läufer !- aber der würde nicht allzu groß werden ! Wie ich hinterher im Ziel erfahren habe, haben Frank und Michael (vom WP 2), noch versucht unsere beiden Petras zu beeinflussen, aber die beiden haben ihr Ding im Sinne der Dortmunder Schnuppen voll durchgezogen!
Und so machte ich mich gegen 13 Uhr 20 auf den Weg. Zu Beginn waren meine Beine wegen der niedrigen Temperaturen noch etwas steif, doch das wurde nach ein paar Metern besser. Ich hatte mir vorgenommen, die Staffel auch in diesem Jahr wieder sicher ins Ziel zu bringen, hatte aber noch keine Vorstellung, was nach der zweiwöchigen Ruhephase möglich wäre. Aber es lief richtig gut, die Sonne schien, die Temperaturen waren ideal, ich hörte Musik und hatte Spaß dabei die Schlußläufer der anderen Staffeln zu überholen. 20 habe ich geschafft, ich habe keinen vorbeigelassen, einer erwies sich als etwas „hartnäckig“, doch 5 km vor dem Ziel hatte ich ihn, ich merkte, dass er an mir dran blieb, aber bis ins Ziel hat er mich nicht überholt. Dort hat er sich dann bei mir für meine „Hasendienste“ bedankt.
Im Ziel habe ich unsere Medaillen in Empfang genommen und an die anderen Schnuppen, die dort auf mich warteten, überreicht. Wir hatten es in 3 Stunden 48 geschafft. Die Männerstaffel, die bereits im Ziel war, versuchte entspannt zu gucken und fragte mich, ob ich unterwegs noch shoppen o.ä. war. Ich dachte zunächst, dass sie Ewigkeiten vor mir angekommen waren. Doch sehr schnell stellte sich heraus, dass sie einen „Vorsprung“ von 3 Minuten hatten! Sie verabschiedeten sich auch sehr schnell. Ich bekam noch den versprochenen Kuchen, dann ging es nach einem schönen, lustigen Tag zurück nach Dortmund.
Danke an Astrid B., Petra B. und Petra M. Danke auch an die Männerstaffel ! Es hat wirklich Spaß gemacht mit euch zu laufen. Im nächsten Jahr gern wieder ! Wir können auch gern ein paar Orgatipps verraten ;-)
von Tatjana Bitthöfer
 
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