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Hallenmarathon
mit Aroma
von Marion Fladda |
22.
Januar 2011, Senftenberg.
Frank und ich wollen heute unseren ersten Marathon in diesem
Jahr laufen und sind dafür weit gefahren. Er findet in
einer Halle statt. Um es noch genauer auf den Punkt zu bringen:
in einer Halle mit Steilkurven. Ich konnte mir ehrlich gesagt
die Steilkurven lauftechnisch nicht so richtig vorstellen.
Einen schrägen Boden, wie zum Beispiel eine sehr abschüssige
Straße unter den Füßen, empfinde ich immer
als etwas Fürchterliches.
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Naja,
dann werde ich halt einfach immer schön auf der Innenbahn
laufen und gut is'. Der Start des Marathons ist um 18 Uhr
und hat seinen Zielschluss um 23 Uhr. Ein Nachtmarathon sozusagen.
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Am
frühen Samstagabend machen wir uns auf den Weg zur Halle.
Es ist bereits dunkel, als wir die Halle erreichen, und wir
bleiben einen Moment beeindruckt im Auto sitzen. Die Halle
wird von innen mit vielen, bunten Lichtern ausgeleuchtet und
wirkt mehr wie eine Disco. |
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Wir
schlappen hochmotiviert mit unseren Taschen zur Halle. Wir
öffnen die Tür und tauchen ein in eine mit Musik
und Lichtern ausgefüllte Halle. Sogar eine Nebelmaschine
sorgt für richtige Party-Atmosphäre. Wir lassen
uns auf der Tribüne nieder und genießen die Atmosphäre.
Dann wird mir jedoch auf einmal bewusst, was da überhaupt
für eine Musik in meinem Gehör ankommt. Schlager
vom Feinsten. Wenn das jetzt die nächsten fünf Stunden
so weiter läuft, dann wird das mein härtester Lauf,
den ich je gelaufen bin. |
18
Uhr. Wir stehen im Startfeld und warten auf den Schuss, der
uns auf die Steilkurven los lässt. Das Startfeld besteht
aus ca. 60 Läufern. Mehr durften hier nicht auf der 250m-Bahn
starten, da es sonst zu eng in der Halle wird. Frank und ich
vernehmen bereits im Startblock einen strengen Geruch. Wir
versuchen, die Ursache dieses üblen Geruchs herauszubekommen,
scheitern aber kläglich. |
Der Startschuss. Wir laufen los. In hohem Tempo schießen
die Läufer los. Die Musik und die Stimmung verleiten
uns zum Mitrennen. Wir nehmen die erste Steilkurve. Und mir
ist sofort klar, was da auf uns wartet. Mein rechtes Knie
jault direkt auf. Auch die Knöchel wirken verwirrt. Ich
entscheide mich direkt, die Steilkurve möglichst nicht
zu nehmen. Die Innenkurve ist eben und bietet Platz für
nur einen Läufer. Will man an dieser Stelle überholen,
muss man notgedrungen in die Steilkurve gehen. |
Wir
drehen unsere Runden in einem für uns recht hohen Tempo.
Schon nach den ersten Runden habe ich die Ursache für
den Gestank im Startblock gefunden: ein unheimlich großrahmiger
Mann mit einem um den Hals geworfenen Handtuch. Er stampft
durch die Halle und stinkt wie ein Haufen vollgeschwitzter,
stinkender und schon vermoderter Baumwoll-Shirts. Er stellt
für mich die größte Herausforderung des heutigen
Tages dar. Denn die Steilkurven beschränken meine Überholmanöver
auf die Geraden. Nach jeder Steilkurve halte ich Ausschau
nach ihm. |
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Sehe
ich ihn auf der Geraden vor mir, gebe ich Vollgas, damit ich
vor der Steilkurve vor ihm wieder auf die Innenbahn einscheren
kann. Das kostet Körner und so wird aus dem Hallenmarathon
ein echter Intervall-Marathon. |
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Die
Runden vergehen und wir halten unser Tempo. Wir hatten uns
eine Zielzeit von ca. 4:30 vorgenommen. Nach 1:30 schaue ich
auf die Anzeigentafel und bin schockiert über die Zeit.
Noch drei Stunden! Das ist eine Ewigkeit.
Meine Beine und Füße fühlen sich bereits jetzt
durch die permanenten Kurven ausgeschlagen an. Aber es ist
keine Zeit zum Jammern. Zähne zusammen beißen,
Nase bei den Überhohlmanövern des Stinkers zukneifen
und weiter. |
Die
Zeit vergeht und auch die Kraft schwindet. Ich laufe unachtsam
in die nächste Steilkurve und entdecke unmittelbar vor
mir den Stinker mit dem Handtuch um den Hals. Ich werde sofort
eingehüllt in einen sauren, alten Schweißdunst.
Ich blicke in die Steilkurve. Mmmmh... halte ich den Geruch
aus oder steige ich in die Kurve? Riskiere ich, umzuknicken
und mir womöglich die Haxen zu brechen, oder soll ich
hier grausam ersticken? Ich entscheide mich für die Variante
mit dem Knochen brechen und gehe in die Steilkurve. Knöchel
und Co. machen sich sofort bemerkbar. Ein Reißen in
sämtlichen Muskeln und Sehnen. Ich schere vor dem Stinker
wieder auf die Innenbahn ein und denke ohne Erfolg darüber
nach, wie man auf die verrückte Idee kommen kann, bei
einem Hallenmarathon drei Monate alte, vollgeschwitzte Shirts
zu tragen. |
Wir
drehen weiter unsere Runden und plötzlich spühre
ich ein vorher nicht da gewesenes Gefühl in meinem Unterleib...
Auweia. Es sind die Zwiebeln aus dem Mittagessen. Ich klemme
alles zusammen. Die Nebelmaschine in der Mitte der Halle beginnt
wieder mit der Nebelproduktion und bei dem Anblick werden
die Krämpfe im Bauch stärker. Ich sehe den Stinker
vor mir. Mmmmh.... ich beschleunige, überhole und gebe
den Schmerzen in meinem Bauch nach. Auge um Auge, Nase um
Nase... oder wie das heißt :-)
Frank und ich können das für uns hohe Tempo nicht
mehr halten. Die Muskeln werden immer leerer und schmerzender.
Wir nähern uns der Runde Nummer 169. Und dann wird mir
klar, dass ich trotzdem auf persönlichem Bestzeitenkurs
bin. Mit einer 4:06:17 passieren wir die Ziellinie. Wir haben
den Hallenmarathon gefinisht.
Dieser Marathon erinnert an eine Art Discolaufen. Er ist auf
jeden Fall sehr zu empfehlen, allerdings aufgrund der Kurven
sehr anstrengend und Kräftezehrend. |
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