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Bahn,
Bahn, immer nur Bahn und immer links herum
von Wolfgang Seebacher
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Vor
einigen Monaten, beim von Hans Urbaniak vortrefflich organisierten
Grünkohl-Marathon, erfahren Uwe und ich von Olaf, einem
erfahrenen Langstreckenläufer aus Melle, erstmalig von
einem Marathon auf der Laufbahn in einem Stadion. Olaf richtet
diesen Lauf aus, weist aber sofort darauf hin, dass er aus
organisatorischen Gründen nur eine eng begrenzte Teilnehmerzahl
zulässt. Spontan entschließen wir uns deshalb zur
Teilnahme, ohne zu wissen, auf was wir uns einlassen. Hauptsache,
Du bist gemeldet. Du bist fasziniert von dieser Idee des Ungewöhnlichen.
Ungewöhnlich, weil Du 105,5 Runden auf dem 400-Meter-Oval
zurücklegst. Du stellst Dir vor, irgendwie schaffst Du
das, Du bist ja kein Marathonneuling mehr. Insofern schiebst
Du Bedenken oder Zweifel beiseite und denkst nur an die guten
Seiten, an einen Lauf, der Dir Spaß macht. Und Spaß
am Laufen steht für mich immer im Vordergrund. Klar,
für einen solch langen Haken, dazu noch auf einer 400-Meter-Bahn,
musst Du Dich quälen, Opfer bringen, vielleicht auch
ein wenig verrückt sein. Einige unserer Trainingskameraden
können dem Vorhaben, sei es nun der Trainingslauf oder
der Marathon an sich, nichts abgewinnen. Wenn es denn so sein
soll, bleibt es für mich eine positive Verrücktheit,
die keinem schadet und mir nutzt. Die beste Ehefrau erträgt
es wie immer mit der ihr eigenen Gelassenheit. Sie kann mich
und meine sportlichen Ambitionen eh nicht mehr beeinflussen.
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Mit
dieser Einstellung als positiv Verrückter also beginne
ich mit dem vorbereitenden Training. Da der Glühwein-Marathon
erst einige Wochen hinter mir liegt, ist ein komplexes Training
meiner Meinung nach nicht erforderlich. Konservierung der
bestehenden Form steht im Vordergrund. Ein, zwei längere
Einheiten sowie als Highlight ein von Uwe’s Idee initiierter
30 Kilometer-Lauf auf einer Bahn. Doch wer stellt eine solche
Bahn, eine Kunststoffbahn, ohne Gegenleistung zur Verfügung?
Sich irgendwo unangemeldet aufzuhalten, gleichsam „schwarz“
zu laufen, erscheint uns zu riskant. Zu viele Unwägbarkeiten
können eintreten. Da geraten wir mehr oder weniger zufällig
an den SuS Oberaden, dessen Abteilungsleiter uns unkonventionell
und sehr engagiert unterstützt. Der Termin ist schnell
festgelegt und abgestimmt, so dass den 75 zu laufenden Runden
keine Hindernisse im Wege stehen. Lauffreund Wolfgang läuft
so 55 Runden mit, die ganze Strecke traut er sich wegen seines
Trainingsrückstandes noch nicht zu. |
Wie
Ihr sehen könnt, ergibt die Laufstrecke, mit der Garmin
Super-High-Tec-GPS-Uhr dokumentiert, ein imponierendes Bild.
75 Runden, immer in gleicher Richtung, immer links herum,
das hat was. Und, unter uns, ein wenig sind wir schon verrückt.
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Ich habe als Runde 400 Meter festgelegt,
deshalb die vielen Zahlenangaben |

Mit Uwe beim Training |
75
Runden ohne Drehwurm und Gleichgewichtsstörungen liegen
hinter uns. Wir sind froh, diesen Härtetest erfolgreich
bestanden zu haben. |
Leider
ist Uwe durch eine Erkrankung nicht in der Lage, die Früchte
unserer Arbeit zu genießen. So fahre ich ohne Uwe mit
einigen Endorphin-Junkies, nämlich Natalie, Hans und
Hansi, am Samstagmorgen nach Melle. Etwa 130 Kilometer beträgt
die Distanz von Dortmund aus. Wir erreichen frühzeitig
das Veranstaltungsgelände, ein weitläufiges Sportzentrum
mit Hallen und Plätzen. Ich treffe auf bekannte LäuferInnen.
Da sind einige von den Junkies zu nennen, wie Martin und Christian.
Anwesend sind selbstverständlich der medial vielseitige
Frank, der in Worten sowie bewegten und bewegenden Bildern
berichtet, und seine Lebensgefährtin Marion, der es gelingt,
immer neue persönliche Bestzeiten zu erzielen. |

Der Garmin ist startklar |

Kommt her, ihr Süßen ;-) |
Uns
bleibt ausreichend Zeit zur Vorbereitung. Jeder spult dabei
so seine eigenen Rituale ab. Gemeinsam ist allen die Anspannung,
die Du vor einem Marathon verspürst. Ohne diese innere
Unruhe kannst Du meiner Meinung nach keinen derartigen Lauf
angehen. Die Anspannung gibt Dir erst diesen Kick, den Du
benötigst. Die Garmin Super-High-Tec-GPS-Uhr ist voll
aufgetankt. |
Wir
laufen auf der Tartanbahn rund um einen Fußballplatz,
400 Meter im Oval, 4x100 für Staffeln, 8x50 für
Schüler. Auf diesem herrlichen Fleckchen Erde dürfen
wir 105,5 Runden drehen, laufen oder uns sonst wie bewegen.
Eine erste Inaugenscheinnahme lässt mich zufrieden nicken.
Alles im grünen Bereich. Die Luft ist klar, die Sonne
scheint, die Bahn ist trocken, Topwetter für ein „Läufchen“.
Wenige Meter hinter der Ziellinie befindet sich die Verpflegungsstation,
ich kann also in jeder Runde nachtanken. Wo gibt es sonst
alle 400 Meter Getränke und feste Nahrung? Klar, das
Zuschauerinteresse hält sich in engen Grenzen. Außer
einigen gelegentlichen Zaungästen betrachten nur wenige
Menschen das Spektakel. Die meisten sind Angehörige oder
in die Organisation eingebundene Sportler. |
Total
entspannt und ausgeglichen traben, gehen oder schlendern wir
zur Startlinie, die genau 200 Meter vom Ziel entfern ist.
Klar, 105 Runden ergeben 42 Kilometer, da müssen noch
195 Meter hinzukommen. Und 5 Meter als Toleranz, da hat man
einen kompletten Marathon zusammen. |
An
den Startnummern sind Streifen mit einem Transponder befestigt.
Diese Streifen werden von der Startnummer abgetrennt und am
Schuh befestigt. Bei jedem Überlaufen der Ziellinie wird
gleichzeitig eine Kontaktmatte überquert und der Tansponder
aktiviert. Gleichzeitig wird eine Runde auf addiert. Somit
ist immer die korrekte Anzahl der zurückgelegten Runden
resident, ein „Verzählen“ nicht möglich.
Zur privaten Kontrolle speichere ich an meiner Uhr die Startposition
stelle sie so ein, dass bei jeder Startpassage eine neue Runde
beginnt, und zwar unabhängig von der jeweiligen Distanz.
Ich werde im Nachhinein feststellen, dass die einzelnen Runden
differieren, also nicht immer genau 400 Meter betragen. |
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Mit
einem „Seid Ihr soweit?“ und einem Signalton startet
Olaf den Lauf, und wir begeben uns auf den ovalen Stadionkurs.
Schnell setzen sich einige Läufer ab. Deren Ziel ist
es, unter 3:30 zu finishen. Ist nicht mein Ding, ich versuche,
mein eigenes Tempo zu finden. Und es dauert auch nicht lange,
bis ich erstmalig überrundet werde. Das wird sich im
später mehrfach wiederholen. |
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Mir
gelingt es, mein Wohlfühltempo zu erreichen und lange
Zeit stabil zu halten. Runde um Runde renne ich um die Bahn,
anfangs die Rundenkontrolle im Blick, dann mehr meine Mitläufer.
Ich komme mit einigen netten ins Gespräch. Hilfreich
ist mir dabei meine Mütze vom Trail-Run in Dortmund,
die mich als Finisher ausweist. Sind doch einige von meinen
Marathonpartnern hier ebenfalls als Starter dort gewesen.
Da ist die nette Läuferin aus Steinfurt, deren Tochter
mit Familie in Dortmund lebt. Und da ist der gleichaltrige
Augenarzt, ein sympathischer und freundlicher Mensch. |
Die
Chemie zwischen uns allen stimmt, wir laufen zum Vergnügen,
Rekorde sind uninteressant und auch nicht zu erzielen. Es
zählt die Freude an der Bewegung, andere Menschen kennen
zu lernen, den Horizont zu erweitern. |
Die
Gespräche drehen sich natürlich um Laufen. Ich erfahre,
dass ich mit meinen 59 Marathons nicht gerade in der Spitzengruppe
liege, was die Anzahl der Läufe betrifft. |
Das
Feld hat sich inzwischen auseinandergezogen, ich überrunde
hin und wieder und werde häufig überrundet. In unregelmäßigen
Abständen werden wir von Olaf auf die noch vor uns liegende
Rundenzahl hingewiesen. Die meisten Teilnehmer werden vor
mir im Ziel sein. |
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In
den 80er-Runden merke ich, dass mein Wohlfühltempo nicht
mehr den ursprünglichen Schwung besitzt, m. a. W. ich
werde langsamer, die Trinkpausen häufiger und länger.
Ich trinke jetzt auch verstärkt Cola, um Zucker aufzunehmen.
Derart gepowert gelingt mir eine über mehrere Umkreisungen
währende Beschleunigung. Längst laufe ich allein.
Der Sieger erreicht das Ziel. Die Bahn leert sich allmählich,
immer mehr Läufer finishen. Mir bleiben noch einige „Restrunden“,
um die Distanz zu schaffen. Angespornt durch die Ansage der
noch zu laufenden Bahnen gelingt mir schließlich sogar
so etwas wie ein Endspurt. |
Puh,
das ist es. Mein erster Marathon auf einer Kunststoffbahn
liegt hinter mir. Wie es war? Es war faszinierend und spannend.
Ich lerne meinen Körper von einer neuen Seite kennen
nach dem Motto: Das kannst Du also auch. Ich bin begeistert.
Es hat Spaß gemacht, Spaß, von dem ich noch einige
Zeit zehren kann. Meine ersten Eindrücke nach dem Lauf
spreche ich in Frank’s
Video. |
Nach ausgiebiger Erfrischung geht es mit Speis und Trank,
darunter Bier mit Umdrehungen, jawoll, in die Verlängerung.
Olaf und seine Mitstreiter ehren jeden Finisher einzeln. Neben
einer geschmackvollen Urkunde bekommst Du noch das begehrte
Finisher-Shirt.
Zufrieden treten wir den Heimweg an mit der Absicht, im nächsten
Jahr wieder an den Start zu gehen. Die beste Ehefrau der Welt
empfängt mich strahlend, Freude allenthalben.
In einigen Wochen fährt die Laufgemeinde zum Marathon
nach Hamm, zum LiDoMa II. Da ist die Runde einen Kilometer
lang, also 42mal über das Ausbildungsgelände und
195 Meter dazu. Wenn es ähnlich gut für mich läuft,
bin ich glücklich. Und dann ist auch Uwe wieder dabei,
für den ich verabredungsgemäß einige Runden
gelaufen bin. Wie er sagt, hat er das sogar gespürt…
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