Die Geschichte einer Vorbereitung auf den Ruhr-Marathon 2008
von Christian Braun
 

Ein Mythos wartet
Es läuft rund
Neues Jahr - alte Ziele
Es wird ernst
Verletzungen und ein wenig Angst
Mein erster Marathon

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Mein erster Marathon oder Nach dem Lauf ist vor dem Lauf
Der 18. Mai war für mich kein Tag wie jeder andere. Nach zehn Monaten der Vorbereitung startete ich an diesem Tag zu meinem ersten Marathonlauf. Überraschenderweise war ich an den Tagen vor dem Wettkampf ziemlich entspannt. Immer wieder hatte ich mir gesagt, dass es ohnehin zu spät sei um noch fehlende Form aufholen zu können. Also aß ich fleißig Nudeln, Reis, Müsli und auch ansonsten alles, was den Eindruck erweckte Kohlenhydrate zu enthalten. Und so stand ich an diesem Sonntagmorgen in einem riesigen Starterfeld und wartete darauf, auf die 42,195 km lange Strecke gelassen zu werden.
Mehr oder weniger pünktlich erfolgte der Startschuss. Nur los ging es daraufhin nicht. Unangenehm viele Walker schienen es mit der Startbereicheinteilung nicht so genau zu nehmen und sich viel zu weit vorn einzureihen. Die Folge war ein extrem langsames Voranschieben für die Läufer im letzten Startblock, die eine ganze Reihe von weitaus langsameren und vielfach in mittelgroßen Gruppen auftretenden Walkern zu überholen hatten. Auf meinen 4h-Fahrplan hatte ich schnell einigen Rückstand. Bereits nach 3 km waren es netto 20 Minuten auf der Uhr. Insgesamt verlor ich auf den ersten Kilometern rund fünf Minuten im Vergleich zu meinem geplanten Vorankommen. Ich musste mich zwischen der Möglichkeit die vier Stunden nicht zu schaffen und dem Aufholen durch Gas geben entscheiden. Ich wollte so früh im Rennen nichts unversucht lassen und zog meinen Laufschritt um gut 20 Sekunden pro Kilometer an; auf der nach und nach freieren Strecke war das gut machbar.
Der Lauf war im Folgenden richtig entspannt. Das zügigere Tempo ließ sich problemlos laufen und Kilometer für Kilometer kam ich wieder näher an meine Zielzeit heran. Von meinem privaten Gelträger zwischenzeitlich gut versorgt und moralisch unterstützt lief ich die erste Hälfte der Strecke in 1:58:17 h. Auch wenn ich vielfach andere Meinungen gehört habe – ich war von der Stimmung entlang der Strecke begeistert. Noch nie habe ich in einem meiner vorigen Läufe so etwas erlebt.
Bis km 36 lief ich den Lauf komplett unauffällig und wie den allwöchentlichen langen Lauf herunter. Im wieder reduzierten Tempo blieb ich stur in Richtung der 4h-Marke unterwegs. Doch dann: Von einem auf der anderen Moment fing mein Oberschenkel hinten zu flattern an und ich musste ihn mittels Gehpausen immer wieder entlasten. So wurden die letzten Kilometer tatsächlich noch zur anstrengenden Qual. Doch nicht aus konditioneller Sicht. Es gab keine Mauer, keinen Mann mit dem Hammer. Mein Muskel wollte bloß nicht mehr so wie ich. Aufgrund der immer häufiger notwendigen Gehabschnitte vorher ich auf den letzten sechs Kilometer auf diese Weise knapp zehn Minuten.
 
 

Trotz der Endzeit von 4:08:56 h war der Zieleinlauf fantastisch. So viele Menschen, die einen auf den letzten Metern antreiben, unterstützen und wie Sieger feiern… das war es wert sich über so viele Monate hinweg zu quälen!

Die dem Lauf nachfolgenden Tage eines nicht zu verachtenden Muskelkaters nahm ich als Gelegenheit um ein wenig Abstand vom Laufen zu bekommen. Was bleibt ist die irgendwie verschwommene Erinnerung an einen entspannten, sicher gelaufenen Marathon. Dazu der Stolz niemals aufgegeben zu haben, den auch die verlorenen Minuten am Ende nicht schmälern können. Doch je mehr Tage vergingen, desto häufiger tat sich die Frage nach dem „was nun?“ auf.

So viele Monate hatte ich bei jedem Lauf im Hinterkopf die Gewissheit, dass sich das Training an diesem einen Tag auszahlen würde. Doch was jetzt? Schnell war die Anmeldung für einen 10 km Volkslauf in nicht allzu weiter Ferne ausgefüllt. Der Elan kam dennoch nicht zurück. Denn erstens ist diese Distanz keine Herausforderung mehr und das Tempo, das ich auf der Distanz laufe finde ich ehrlich gesagt stressig schnell.

Während der gelaufene Marathon zunehmend als angenehme Erfahrung in den Hintergrund trat, entwickelte sich auf der anderen Seite eine neue Idee: Wenn mir langsame und lange Läufe mehr zusagen als schnelles Herumgerenne, dann gibt es wohl nur ein lohnenswertes Ziel: Ich muss einen Ultramarathon laufen. Als ich den Gedanken das erste Mal ausformuliert hatte war ich mir genauso sicher wie bei der Entscheidung im letzten Jahr, einen Marathon anzugehen. Ob ich dieses Vorhaben letztlich verwirklichen kann muss sich in den nächsten Monaten zeigen. Eires ist auf jeden Fan gewiss: Die Motivation ist zurück.
So bleibt mir als Erkenntnis: Ich kann besser weit als schnell. Und: Nach dem Lauf ist vor dem Lauf!
Christian 


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